Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1490
Kirchensittenbach (Mittelfranken)

Die Bartholomäuskirche in Kirchensittenbach (6):
Weitere Wappendarstellungen

Der enorme heraldische Reichtum der Kunstwerke in der Bartholomäuskirche erschöpft sich beileibe nicht in den Glasfenstern. Hier ist das Taufbecken abgebildet, datiert auf 1594. Es war eines der ersten Objekte, die nach dem verheerenden Brand für die Neuausstattung der Kirche angefertigt wurden.

In der Mitte oben sieht man den Tetzel-Wappenschild, in Rot eine aufspringende silberne Katze, unten sieht man die Wappenschilde der beiden Ehefrauen von Jobst Friedrich Tetzel (1556-1612), heraldisch rechts den Schild der Groland, in Schwarz eine fünfblättrige rote Rose, aus der deichselförmig - im Dreipaß - drei silberne Sensenklingen hervorgehen, passend zu Maria Groland (1555-1583)und heraldisch links den Schild der Schlüsselfelder, in von Silber und Schwarz geteiltem Schild drei deichselförmig im Dreipaß gestellte Schlüssel an einem gemeinsamen Ring in verwechselten Farben, passend zu Anna Schlüsselfelder (1565-1639). Die genealogischen Zusammenhänge wurden bereits bei den Fenstern erläutert. Weitere Wappen (ohne Abb.) sind auf dem schön geformten, zeitlich späteren Holzdeckel, das des Adminstrators aus dem Hause Volckamer und die seiner beiden Ehefrauen aus den Framilien Kreß und Holzschuher.

Die Kombination dieser drei Wappenbilder ist in Kirchensittenbach allgegenwärtig, in den Glasfenstern der Herrschaftsloge, am Grabstein des Jobst Friedrich Tetzel (1556-1612) als zentrale Kombination, am Schloß über dem Eingang und hier im Bild an einem Schlußstein des Gewölbes der Herrschaftsloge, wobei die Aufteilung dem Schild im großen Tetzelfenster entspricht.

In der Herrschaftsloge sind viele exzellente Totenschilde aufgehängt, wovon zwei besonders hervorragen, deren achteckiger Rand mit je sechzehn einzelnen Schilden belegt ist (ohne Abb.). Dort findet sich auch dieser Totenschild für den am 8.9.1624 verstorbenen Karl II. Schlüsselfelder, geb. 1585 als Sohn von Karl I. Schlüsselfelder (1560-1610) und Katharina Tucher. Dieses elterliche Paar ist uns in der Bartholomäuskirche in dem zuletzt beschriebenen Glasfenster der Herrschaftsloge bereits begegnet, das waren die beiden Schilde optisch unten links. Karl II., dessen drei Brüder früh gestorben waren, so daß er als einziger das heiratsfähige Alter erreichte, hatte 1609 Barbara Pfinzing (1580-1625) geheiratet. Karl II. begann seine Ratskarriere 1610 als Schöffe am Bauerngericht, wurde 1611 Alter Genannter, 1615 jüngerer Bürgermeister, danach Rugherr und Scholarch. Weitere Ämter erreichte bzw. weitere Karrierestufen erklomm er nicht mehr, weil er schon mit 39 Jahren verstarb. Besonders tragisch war, daß auch seine Frau nur Monate später starb, so daß die drei Söhne im Alter von 9, 12 und 15 Jahren zu Waisen wurden. Hier findet sich in Abweichung von den meisten Darstellungen ein Schlüsselfelder-Wappen mit zwei Kleinoden: Das Wappen zeigt in von Silber und Schwarz geteiltem Schild drei deichselförmig im Dreipaß gestellte Schlüssel an einem gemeinsamen Ring in verwechselten Farben, Helm 1 (rechts): auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken ein wachsender schwarzer Mannesrumpf mit einer schwarz-silbernen Binde um den Kopf, aus der ein schwarzer und ein silberner Schlüssel ragen, Helm 2 (links): auf dem schwarz-silbern bewulsteten Helm mit schwarz-silbernen Decken ein geschlossener Flug, jeweils mit dem Schildbild (vgl. Siebmacher Band: BayA1 Seite: 90 Tafel: 90).

Ein Totenschild für Johann Burkhart Volckamer von und zu Kirchensittenbach auf Kalch, geb. 8.3.1713, gest. 7.3.1791. Er war der Sohn von Christoph Gottlieb Volckamer (1676-1752), jener, der ab 1709 Administrator der Tetzelstiftung in Kirchensittenbach wurde und 1745-1752 Vorderster Losunger war, und dessen Frau Klara Maria Löffelholtz. Er selbst hatte Maria Anna Behaim geheiratet. In den Rat kam Johann Burkhart nicht, obwohl sein Vater immerhin Vorderster Losunger war, Johann Burkhart war seit 1742 Oberamtmann des Walds Sebalds. Das Volckamer-Wappen ist hier in der vermehrten Version dargestellt, die am 31.09.1696 von Kaiser Leopold bewilligt wurde: Geviert, 1 und 4: Stammwappen: von Silber und Blau geteilt, oben ein halbes rotes Rad mit drei Speichen, unten eine silberne Lilie, 2 und 3: in Rot ein golden gekrönter silberner Löwe, im goldenen Herzschild ein schwarzer, mit einem goldenen L (Leopold) belegter und doppelköpfiger Reichsadler mit darüber schwebender goldenen Krone. Das vermehrte Wappen ist hier ohne Kleinode, nur zwei gekrönte Helme mit ihren Decken sind zu sehen. Hier gehören eigentlich hin: Helm 1 (rechts): auf dem Helm mit blau-silbernen Decken ein unterhalbes rotes Rad mit drei Speichen, oben mit einem schwarzen Hahnenfederbusch besteckt, Helm 2 (links): auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein wachsender, silberner, golden gekrönter Löwe zwischen zwei Pfauenstößen.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere der Band Bayern
Eugen Schöler, Historische Familienwappen in Franken, Verlag Degener / Bauer Raspe, Neustadt an der Aisch, 3. Aufl. 1999, Nachdruck 2002, ISBN 3-87947-112-6

Peter Fleischmann, Rat und Patriziat in Nürnberg. Nürnberger Forschungen, Einzelarbeiten zur Nürnberger Geschichte, herausgegeben vom Verein für Geschichte der Stadt Nürnberg. Bände 31/1, 31/2, 21/3 (Stammbäume) und 31/4. VDS Verlagsdruckerei Schmidt, Neustadt an der Aisch. ISBN 978-3-87191-333-4.
Eugen Schöler, Fränkische Wappen erzählen Geschichte und Geschichten. Verlag Degener 1992, ISBN 3-7686-7012-0.
Evangelisch-lutherische Gemeinde Kirchensittenbach: http://www.kirche-kirchensittenbach.de/
Geschichte der Bartholomäuskirche:
http://www.kirche-kirchensittenbach.de/bartholomaeuskirche/geschichtliches.html
Veröffentlichung der Bilder aus dem Innenraum der Bartholomäuskirche mit freundlicher Genehmigung von Herrn Pfarrer Johannes Ziegler vom 9.11.2010,
wofür ihm an dieser Stelle ganz herzlich gedankt sei.

(1): Glasfenster Chor - (2): Johann Jakob II. Tetzel - (3): Glasfenster Empore - (4): Glasfenster Empore - (5): Glasfenster Empore

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