Bernhard Peter, Gernot Ramsauer und Alex Hoffmann
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1461
Nürnberg (Mittelfranken)

Frauenkirche in Nürnberg
Nordöstliches Chorfenster

Die drei Fenster des östlichen, polygonalen Chores der Frauenkirche sind ebenfalls eine reiche Quelle der Heraldik Nürnberger Patrizierfamilien. Das linke Fenster der drei, das nach Nordosten gerichtete, hat einen Block von fünf Reihen mit drei Scheiben je Reihe, davon 14 Scheiben mit Wappen und eine mit einer Heiligendarstellung. In der Regel sind es einzelne Vollwappen, je nach familiären Umständen begleitet von Beischilden für die Ehefrau(en), insgesamt 18 Beischilde sind in diesen fünf Reihen zu sehen. Die mittlere Scheibe der untersten Reihe hat ein Imhoff-Allianzwappen mit zwei gleichgroß dargestellten Wappen, die je kranzförmig von vielen kleinen Schilden umgeben sind, so wie uns das auch in St. Lorenz bei Imhoff-Wappenscheiben begegnet. Von der untersten Reihe werden das mittlere und das rechte Feld vom Altar verdeckt, deshalb sind sie hier nicht als Detailaufnahme vertreten. Über diesem Block von 15 Scheiben folgt eine leere Zeile, darüber eine weitere farbig verglaste Zone. Zwei der Wappenscheiben sind datiert, eine auf das Jahr 1559, die andere auf das Jahr 1518.

In der obersten Reihe des Blocks befindet sich links außen das Wappen der Tucher (Tucher von Simmelsdorf). Der Schild ist geteilt, oben von Silber und Schwarz fünfmal schräglinks geteilt, unten in Gold ein schwarzer Mohrenkopf, hier linksgewendet. Auf dem Helm mit hier golden-schwarzen Decken ein wachsender, golden gekleideter Mohr, anstelle der Arme zwei silbern-schwarz-golden zweimal geteilte Büffelhörner. Das Wappen wird im Siebmacher (Band: Bay, Seite: 61, Tafel: 65) beschrieben. Das Beiwappen zeigt in Gold eine blaue oder silberne Lilie, vermutlich das Wappen Mielich in vereinfachter Tinktur. Vermutlich handelt es sich um eine im 17. Jh. angefertigte historisierende Erneuerung eines älteren Fensters.

In der Mitte befindet sich das auf 1559 datierte Vollwappen der Harsdörffer (Harsdörffer von Enderndorf), in Rot auf einem goldenen Dreiberg ein silberner Zinnenturm mit Schießscharten und zwei Erkern, alles spitzbedacht und mit goldenen Kugeln auf den Spitzen. Auf dem Helm mit rot-silbernen Decken wird der Zinnenturm wie beschrieben auf dem Dreiberg geführt. Das Wappen wird im Siebmacher (Band: Bay Seite: 39 Tafel: 36) beschrieben. Das heraldisch rechte Beiwappen zeigt das gewendete Wappen der Welser (Welser von Neunhof), in silbern-rot gespaltenem Schild eine Lilie in verwechselten Farben (Siebmacher Band: Bay Seite: 63 Tafel: 67). Der heraldisch linke Wappenschild zeigt das Beiwappen der Reichel (Reich, Reichl), von Rot und Silber mit zwei Spitzen geteilt, die beiden silbernen Spitzen mit je einer silbernen, die gestürzte rote Spitze dazwischen mit einer gestürzten roten halben Lilie (Gleve) besteckt. Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre ein mit dem Schildbild belegter Flug zu rot-silbernen Decken. Bei den Reichel handelt es sich um ein Geschlecht, das aus Regensburg im 14./15. Jh. nach Nürnberg kam. Sie waren in Regensburg eines der ältesten ratsfähigen Geschlechter und galten als sehr vermögend (Name!). Über die Finanzierung der Wittelsbacher-Herzöge bestanden auch Kontakte zu den ähnlich vermögenden Groß aus Nürnberg. Nach dem Tanzstatut galten die Reichel als ratsfähig, sie stellten aber nur wenige Ratsherren und waren für das Stadtregiment eher von untergeordneter Bedeutung. Die Familie, die in ihren letzten Tagen ziemlich an Vermögen eingebüßt hatte, erlosch in Nürnberg 1578/82. Durch diese beiden Beiwappen kann die Scheibe konkret zugeordnet werden: Es handelt sich um Wolf I. Harsdörffer (1502-1557), der 1526 Ehrentraud Welser heiratete und in zweiter Ehe 1531 Magdalena Reich. Aufgrund des Datums muß die Fensterscheibe ihm zu Angedenken von seiner Witwe gestiftet worden sein.

Optisch rechts befindet sich das Vollwappen der Ebner (Ebner von Eschenbach). Der Schild ist von Blau und Gold mit viereinhalb Spitzen gespalten. Auf dem Helm mit blau-goldenen Decken wird ein Paar Büffelhörner geführt, rechts golden, links blau, außen jeweils mit vier silbernen Federn besteckt. Das Wappen wird im Siebmacher (Band: Bay Seite: 32 Tafel: 29, Band: Bö Seite: 57 Tafel: 41) beschrieben. Dieses Wappen wird von drei Beischilden begleitet: Optisch links befindet sich der Wappenschild der Mindel, von Blau und Silber gespalten mit einer Laubkrone in verwechselten Farben. Auch wenn es hier fast schwarz aussieht, blau ist die korrekte Farbe. Das Wappen wird bei Schöler auf Tafel 153 abgebildet und im Siebmacher Band: BayA1 Seite: 81 Tafel: 80 sowie Band: BayA3 Seite: 191 Tafel: 137 beschrieben. Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre auf dem Helm mit blau-silbernen Decken zwei aufgereckte Arme, rechts silbern mit blauem Aufschlag und links in umgekehrten Farben bekleidet, eine blau-silbern gespaltene Laubkrone emporhaltend. Die beiden anderen Beischilde sind in ihrer Farbgebung fragwürdig. In Gold ein oberhalber silberner Löwe - gemeint ist das Wappen Grundherr, die den oberhalben silbernen Löwen aber in Rot führen, und in Gold ein goldener Sparren kann auch nicht korrekt sein, gemeint ist das Wappen Vorchtel, in Gold ein roter Sparren wäre die korrekte Darstellung. Damit kann auch diese Scheibe namentlich zugeordnet werden, sie paßt zu Albrecht Ebner, Ratsherr, alter Bürgermeister und Septemvir, gest. 1415, der in erster Ehe mit Barbara Mindel, in zweiter Ehe mit Anna Grundherr und in dritter Ehe mit Anna Vorchtel verheiratet war. Albrecht Ebner war 1389 vom Nürnberger Rat zum Pfleger der Frauenkirche bestellt worden. Das Fenster stammt vom Ende des 16. Jh. ist ist vermutlich eine historisierende Erneuerung eines älteren Fensters.

In der zweitobersten Reihe des Blocks sehen wir ganz links das einwärts gewendete Stammwappen der Haller, in Rot ein schwarz gefüllter, schräger, linker, silberner Sturzsparren, hier aus Courtoisie gewendet. Auf dem Helm mit eigentlich rot-silbernen Decken (hier abweichend gänzlich rot) ein wachsender, gänzlich roter Frauenrumpf mit schwarzem, zu einem hinten herabfallenden Zopf geflochtenem Haar, mit silbernem Haarband mit nach hinten abfliegenden Enden. Dieses Vollwappen wird von zwei Beischilden begleitet. Optisch links ist das ein Seckendorff-Schild, im Bild angeschnitten, in Silber ein zu einer Acht verschlungener roter Lindenzweig mit nach außen gekehrten Blättern, vier auf jeder Seite. Der zweite Beischild zeigt das Wappen der Schlüsselfelder, in von Silber und Schwarz geteiltem Schild drei deichselförmig im Dreipaß gestellte Schlüssel an einem gemeinsamen Ring in verwechselten Farben. Bei dieser Scheibe links handelt es sich um ein Fenster, das aus St. Sebald stammt und ursprünglich Bestandteil des Haller-Fensters im Langhaus war. Dort ist es noch im 18. Jh. an Ort und Stelle nachgewiesen. Zusammen mit einem weiteren Fenster wurde es ausgebaut und in der Frauenkirche im Chor zweitverwendet. Diese Scheibe ist um 1519/20 entstanden. Wie die Verwendung eines Kübelhelms und einer historisierenden Schildform unterstreicht, handelt es sich dabei um eine Gedächtnisstiftung. In der heute vorliegenden Kombination kann der Wappenkombination keine schlüssige Genealogie zugeordnet werden. Das liegt daran, daß sich dabei der Restaurator grob vertan hat und statt eines ursprünglich vorhandenen Koler-Wappens ein Schlüsselfelder-Beischild "restauriert" hat, eine völlige Neuschöpfung ohne Bezug zur ursprünglichen Genealogie. Mit einem Beischild Koler hingegen wird ein Schuh draus: Der aufgrund seines angehäuften Reichtums legendäre Ulrich III. Haller (gest. 1422), ein Sohn von Ulrich II., hatte in erster Ehe Margareta von Seckendorff und in zweiter Ehe Margareta Koler gen. Forstmeister geheiratet.

In der Mitte ist wieder eine Wappendarstellung der Ebner (Ebner von Eschenbach), diesmal deutlich jünger als die in der Reihe darüber. Der Schild ist hier von Gold und Blau mit viereinhalb Spitzen gespalten (normalerweise sind die Farben andersherum verteilt, das kann zwar durch Wendung erklärt werden, dann müßte es aber in der Reihe darüber genauso sein, also ist es wohl künstlerische Willkür). Auf dem Helm mit hier abweichend rechts goldenen und links blauen Decken ein Paar Büffelhörner, rechts golden, links blau, außen jeweils mit fünf (normalerweise vier) silbernen Federn besteckt. Daneben ist ein Beischild der Harsdörffer, in Rot auf einem goldenen Dreiberg ein silberner Zinnenturm mit Schießscharten und zwei Erkern, alles spitzbedacht. Das Wappen paßt zu Hans Ebner (1482-1553), Ratsherr, alter Bürgermeister und Septemvir, der 1508 Ursula Harsdörffer geheiratet hatte. Dieser Hans war es übrigens, der 1535 Artelshofen kaufte (welches sein Sohn später wieder verkaufen sollte). Seine Frau brachte ihm 1512 die bei Hersbruck gelegene Wasserburg Eschenbach ein.

Ganz rechts ist eine auf 1518 datierte Scheibe mit dem Tetzel-Wappen. Es zeigt in Rot eine aufspringende silberne Katze, hier ohne ersichtlichen Grund gewendet, denn sie springt normalerweise nach rechts auf. Auf dem rot-silbern bewulsteten Helm mit rot-silbernen Decken die silberne Katze wachsend. Dieses Wappen ist ohne Beischilde und kann daher nicht namentlich zugeordnet werden. Möglicherweise handelt es sich um eine historisierende Erneuerung eines Wappens von 1518.

In der dritten Reihe sind zwei gleiche Wappen rechts und links einer Heiligendarstellung mit Krückstock, Vortragekreuz, Glöckchen und Schwein (Hl. Antonius d. Gr., Antonius Abbas, Antonius Eremita = Begründer des christlichen Mönchtums). Es handelt sich um zwei weitere Harsdörffer-Wappendarstellungen, in Rot auf einem goldenen Dreiberg ein silberner Zinnenturm mit Schießscharten und zwei Erkern, alles spitzbedacht und mit goldenen Kugeln auf den Dachspitzen. Auf dem Helm mit rot-silbernen Decken wird der Zinnenturm auf dem Dreiberg geführt. Beide Darstellungen unterscheiden sich allerdings durch die Beischilde. Das optisch linke Wappen hat davon zwei, optisch links in Silber auf einem Dreiberg aus goldenem Flechtzaun hervorwachsend ein sich in zwei überkreuzende Äste gabelnder goldener Lindenbaum mit fünf silbernen Blättern, das Wappen der Gartner oder Gärtner, das bei Schöler aber mit schwarzem Dreiberg und roten Blättern angegeben wird. In Siebmacher Band: Bg2 Seite: 2 Tafel: 4 findet sich eine Regensburger Familie mit entsprechendem Schildbild. Optisch rechts ist in Gold ein schwarzer Holzschuh mit silberner Einfassung, das Wappen der Holzschuher. Damit kann die Scheibe namentlich zugeordnet werden, es handelt sich um Peter III. Harsdörffer, Schöffe und jüngerer Bürgermeister, gest. 1518, der in erster Ehe 1474 Barbara Gärtner und in zweiter Ehe 1502 Apollonia Holzschuher geheiratet hatte. Das rechte Wappen hat nur einen Beischild, und zwar mit dem hier gewendeten Imhoff-Wappen, in Rot ein goldener See-Löwe mit einem über dem Kopf schwingenden Fischschwanz, auf dem linken Vorderbein stehend, das rechte vorwärts streckend. Der Sohn des oben genannten Peter III., Peter IV. Harsdörffer (1503-1576), hatte 1545 Sabina Imhoff geheiratet. Jener Peter IV. war es übrigens, der 1537 Fischbach für sich erwarb. Das Jahr der Eheschließung gibt eine Untergrenze zur Datierung des Fensters; wahrscheinlich ist sie jedoch erst 1559 zusammen mit den Gedächtniswappen für Peter III. und Wolf I. Harsdörffer entstanden.

Nun zur zweituntersten Reihe des Fensters: Im linken Feld sehen wir in Rot einen silbernen Sparren, von drei (2:1) silbernen, sechsstrahligen Sternen begleitet, auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein beiderseits wie der Schild bez. Flug, das Wappen der Ratsfamilie Fütterer (Schöler Tafel 32, Siebmacher Band: BayA1 Seite: 70 Tafel: 70). Die Fütterer sind eine alteingesessene Nürnberger Familie, deren Namen darauf hindeutet, daß sie ursprünglich mit Futter für Vieh oder Pferde handelten oder es transportierten. Sie schafften im 14. Jh. den Sprung vom Handwerk zum Großhandel, stiegen später in das internationale Handelsgeschäft ein und wurden so wohlhabend, sie hatten ihren Schwerpunkt in Mailand, trieben aber genauso über Flandern und die Niederlande Handel und waren dazu noch im Hüttenwesen in der Oberpfalz aktiv. Und der Reichtum ließ sie in Geldgeschäfte einsteigen, die aber nicht immer gutgingen - einen der herbsten Verluste für die Familie in Höhe von 17000 Gulden verursachte der Staatsbankrott Frankreichs nach dem Tod König Heinrichs II. im Jahre 1559. Güter zu Enderndorf waren seit dem 15. Jh. im Besitz der Familie, und das andere namengebende Anwesen Harrlach kam 1482 durch Kauf an Georg II. Fütterer. Mit Jakob Fütterer zu Enderndorf und Harrlach ist die Familie 1586 im Mannesstamm erloschen, er hatte trotz zweier Ehen keine Kinder, und sein einziger Bruder Sebastian Fütterer war bereits 1560 kinderlos verstorben. 1596 ist die Familie mit seiner Schwester Euphrosina, vermählte Hack von Suhl gen. Thill, gänzlich erloschen. Das Fütterer-Wappen ist mit zwei Beischilden ausgestattet, der optisch linke silbern-schwarz geteilt (war wohl früher golden-schwarz geteilt für die Familie Pfinzing), der optisch rechte zeigt in Gold zwei voneinander abgekehrte schwarze Hähne Rücken an Rücken, die Füße gegen den Schildrand spreizend, das Wappen der nürnbergischen Familie Rummel von Lichtenau bzw. Rummel von Zandt und Lonnerstadt (siehe detaillierte Diskussion bei St. Lorenz). Es läßt sich keine passende Personenkombination aus der Entsteheungszeit nachweisen.

In der Mitte begegnet uns ein weiteres Wappenfenster der Harsdörffer, in Rot auf einem goldenen Dreiberg ein silberner Zinnenturm mit Tor, Schießscharten und zwei Erkern, alles spitzbedacht. Auf dem Helm mit rot-silbernen Decken der Zinnenturm auf dem Dreiberg. Angeschnitten erkennt man einen Beischild, in Rot über goldenem Dreiberg zwei schräggekreuzte silberne Glevenstäbe, das ist das Wappen der nürnbergischen Schüler (Schuler). Damit paßt die Scheibe zu Peter II. Harsdörffer, Vater des oben erwähnten Peter III. und Großvater des ebenso in diesem Fenster vertretenen Peter IV., denn Peter II., gest. 1498, hatte 1448 Katharina Schuler (Schüler) geheiratet. Genau diese Kombination kommt am zentralen östlichen Fenster des Chores noch einmal vor. Möglicherweise stammt dieses Fenster, das Ende des 15. Jh. von der Hirsvogel-Werkstatt hergestellt wurde, aus St. Sebald, wo ein ganz ähnliches noch im 18. Jh. nachgewiesen ist.

Auf der rechten Seite enthält die Scheibe in schwarz-golden schräglinksgeteiltem Schild einen aufspringenden Hirsch (bzw. Rehbock) in verwechselten Farben, auf einem Helm mit schwarz-goldenen Decken ein wachsender goldener Hirsch (Rehbock) zwischen zwei golden-schwarz geteilten Büffelhörnern. Das ist das Wappen der Nürnberger Familie Gewandschneider (Siebmacher Band: BayA1 Seite: 39 Tafel: 38, Band: Bg1 Seite: 36 Tafel: 47). Es handelt sich um eine Neuanfertigung des 17. Jh.

Es hat zwei Beiwappen, heraldisch rechts in Gold ein schwarzes Kammrad, das ist das Wappen der Karling (Carlin, Kerling, Cerlin oder auch Körling). Das hier nicht dargestellte Oberwappen wäre auf dem Helm mit schwarz-goldenen Decken das schwarze Kammrad zwischen zwei golden-schwarz geteilten Büffelhörnern. Im Siebmacher Band: Bg7 Seite: 24 Tafel: 23 findet sich eine abweichende Beschreibung unter Bezug auf das Wappenbuch der Genannten: Geteilt schwarz-golden, darin ein Mühlrad verwechselter Tinktur. Weitere Nachweise des Karling-Wappens finden sich auf dem Ayrer-Epitaph (GNM Nürnberg), schwarz auf goldenem Feld, und auf dem metallenen Epitaph des Heinrich Karling auf dem Rochus-Friedhof in Nürnberg.

Heraldisch links ist ein zweites Beiwappen, das der Familie Rehling, ein mit drei Henkelgefäßen belegter Schrägbalken. Mit den Augsburger Rehlinger haben diese hier nichts zu tun, so wie es auch ein völlig anderes Wappen ist..

Diese Kombination paßt zu Hans Schneider, genannt Gewandschneider (gest. 1546) und seinen beiden Ehefrauen. In erster Ehe hatte er eine Rehling geheiratet, die Ehe währte aber nur kurz. In zweiter Ehe hatte er Margareta Karling zu Frau, die ihm 16 Kinder schenkte. Die gleiche Kombination der drei Wappen findet sich in einer genealogischen Abhandlung im Stadtarchiv Nürnberg (Signatur: E56/VI-Ebner, Genealogische Sammlung, 148, 260, 2, 1488-1736). Die Eltern des Hans Schneider von diesem Fenster waren übrigens Hans Schneider d. Ä. und Clara Ayrer, und dieses Paar wird uns in einem anderen Fenster im nächsten Kapitel begegnen.

In der untersten Fensterreihe schließlich ist ganz links das Wappen der Familie Köler, es ist geteilt, oben in Silber ein aus der Teilungslinie wachsender schwarzer Adler, unten in Schwarz ein silbernes, sechsspeichiges Wagenrad (Schöler S. 65, Tafel 63, nicht im Siebmacher). Die Köler sind keine Nürnberger Ratsfamilie. Ein Beiwappen zeigt in Gold eine silberne Lilie, vermutlich das Wappen Mielich, in vereinfachter Tinktur. Falls das zutrifft, handelt es sich um die Allianz zwischen Hieronymus Köler (1542-1613) und Magdalena Mielich (1558-1609), die 1578 geheiratet hatten. Die Abbildung in der Mitte zeigt eine Gesamtansicht der unteren Fensterpartie.

Die beiden rechten Wappen der untersten Reihe werden durch den Altaraufbau verdeckt und sind hier nicht einzeln abgebildet. Das mittlere ist ein Allianzwappen Imhoff/Pfinzing und steht für Georg Imhoff und Sibylla Katharina Pfinzing. Die rechte Scheibe ist problematisch, weil es ein solches Wappen mit Bezug zu Nürnberg nicht gibt. Die Helmzier mit einem sitzenden schwarzen Hund mit goldenem Halsband ist original, der Schild anläßlich einer Restaurierung frei hinzuerfunden, offensichtlich nach Modell der Helmzier, wobei der schwarze Hund in ein goldenes Feld gesetzt wurde. Wenn man die authentische Helmzier zum Maßstab nimmt, könnte das einmal das Wappen Schuler gewesen sein, die aber in Rot über einem goldenen Dreiberg zwei schräggekreuzte silberne Lilienstäbe geführt haben. Vermutlich ist der falsche Schild also ein Restaurierungsfehler vergangener Zeiten.

Ganz rechts ein Detail aus einem Harsdörffer-Wappen. Unten: Position des beschriebenen Wappenfensters in der Kirche.

Literatur, Links und Quellen:
Veröffentlichung der Innenaufnahmen aus der Frauenkirche mit freundlicher Erlaubnis von Herrn Pfarrer Roland Huth vom 9.7.2010, wofür ihm an dieser Stelle herzlich gedankt sei.
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere der Band Bayern
Eugen Schöler, Historische Familienwappen in Franken, Verlag Degener / Bauer Raspe, Neustadt an der Aisch, 3. Aufl. 1999, Nachdruck 2002, ISBN 3-87947-112-6

Peter Fleischmann, Rat und Patriziat in Nürnberg. Nürnberger Forschungen, Einzelarbeiten zur Nürnberger Geschichte, herausgegeben vom Verein für Geschichte der Stadt Nürnberg. Bände 31/1, 31/2, 21/3 (Stammbäume) und 31/4. VDS Verlagsdruckerei Schmidt, Neustadt an der Aisch. ISBN 978-3-87191-333-4.
Frauenkirche Nürnberg: http://www.frauenkirche-nuernberg.de/
Kurzführer zur Frauenkirche
http://www.erzbistum-bamberg.de/......../kurzfuehrer/Deutsch.html
Virtueller Rundgang:
http://www.familie-wimmer.com/orte/o02/o02fk/fk04/index.html
Robert Leyh, Die Frauenkirche zu Nürnberg. Katholische Pfarrkirche Unserer Lieben Frau, mit Photos von Reinhard Bruckner, 56 S., Schnell und Steiner Verlag, 1992 (Große Kunstführer, Band 167), München, Zürich, ISBN 3-7954-0721-4
Ernst Kroker, der Stammbaum der Familie Ayrer, in: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg, Band 14, Nürnberg 1901, S. 158 ff.
Peter Zahn: Die Inschriften der Friedhöfe St. Johannis, St. Rochus und Wöhrd zu Nürnberg, München, 1972, Nr. 0480 Rochusfriedhof Grab Nr. 750
ein herzliches Dankeschön an Herrn Dr. Robert Strauch für wertvolle Hinweise zur Familie Gewandschneider/Karling
Hartmut Scholz: Corpus Vitrearum Medii Aevi Deutschland Bd. X, 2, die mittelalterlichen Glasmalereien in Nürnberg, St. Sebalder Stadtseite, Deutscher Verlag für Kunstwissenschaft, Berlin 2013, 712 S., ISBN 978-3-87157-236-4, S. 285 ff., S. 424 ff.,
http://www.corpusvitrearum.de/projekt/publikationen/cvma-x-2.html, pdf: http://www.corpusvitrearum.de/fileadmin/user_upload/PDF/CVMA_X_2_Nuerrnberg_Sebalder_Stadtseite.pdf

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