Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1457
Haßfurt (Unterfranken, Landkreis Haßberge)

Die Ritterkapelle von Haßfurt (5), Westportal

Die bedeutende Galerie ritterlicher Wappen am Ostchor wird in anderen Kapiteln besprochen. Hier wird das Wappen an der Westseite über dem Haupteingang vorgestellt, das sich 2010 wie das gesamte Äußere frisch renoviert wie aus dem Ei gepellt präsentiert. Der asymmetrische Tartschenschild ist in einen Blendmaßwerkring gesetzt, an den drei spitzbogige Blendmaßwerkelemente stoßen und so die Füllung eines dem äußersten Portalbogen aufgesetzten Wimpergs bilden.

Es ist der Wappenschild des Würzburger Fürstbischofs Johann II. von Brunn (reg. 1411-1440), Nachfolger des Bischofs Johann von Egloffstein. Mit ihm hatte das Domkapitel ein Mitglied eines ursprünglich nicht aus Franken stammenden Geschlechtes gewählt. Seine Regierungszeit ist von reichlich Problemen geprägt, von einer drückenden Verschuldung des Bistums, von vielen Verpfändungen und Veräußerungen, von tiefem Zwiespalt zwischen Domkapitel und Bischof, von mehreren Fehden gegen die umliegenden Rittergeschlechter, von einer schmählichen Gefangennahme des Bischofs während einer solchen Fehde, und von den Hussitenkriegen. Seine Regierung wurde schon zu Lebzeiten als so unglücklich empfunden, daß man ihm 1432 den Rückzug nahelegte, doch 1434 kehrte er zuück, und mit ihm die Probleme des Bistums. Kurz vor seinem Tode mußte er wieder dem Druck weichen und die Amtsgeschäfte einem Pfleger überlassen. Alles in allem also kein glückhafter Mensch auf dem Würzburger Bischofsstuhl. Sein Schild ist geviert, in Feld 1 ist der "Fränkische Rechen" = von Rot und Silber mit drei aufsteigenden Spitzen geteilt (die äußerste Spitze nur angeschnitten wegen der Tartschenform des Schildes), für das Herzogtum zu Franken, die Felder 2 und 3 enthalten das Stammwappen derer von Brunn, in Silber ein roter, mit der Biegung nach oben gelegter Angelhaken, und Feld 4 enthält das "Rennfähnlein" = in Blau eine eigentlich rot-silbern gevierte, an den beiden senkrechten Seiten je zweimal eingekerbte, schräggestellte Standarte mit goldenem Schaft, hier unter Beibehaltung der Farbverteilung schräglinks gelegt, für das Hochstift Würzburg.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher, insbes. Band Bistümer
Peter Kolb: Die Wappen der Würzburger Fürstbischöfe. Herausgegeben vom Bezirk Unterfranken, Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte e.V. und Würzburger Diözesangeschichtsverein. Würzburg, 1974. 192 Seiten.
Johann von Brunn:
http://de.wikisource.org/wiki/ADB:Johann_II._%28Bischof_von_W%C3%BCrzburg%29

Die Wappen der Fürstbischöfe von Würzburg - Teil (1) - Teil (2) - Teil (3) - Teil (4)

Der Fränkische Rechen - Das Rennfähnlein

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