Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1456
Haßfurt (Unterfranken, Landkreis Haßberge)

Die Zehntscheuer von Haßfurt

Die Zehntscheuer von Haßfurt, direkt neben dem Oberen Tor (Bamberger Tor) mit dem vor 1230 erbauten und bis 1540 mehrmals erhöhten Torturm gelegen, wurde unter dem Würzburger Fürstbischof Lorenz von Bibra (1495-1519) erbaut und später unter Fürstbischof Philipp Adolf von Ehrenberg (1623-1631) 1627 aufgestockt. An der West- und Nordseite befinden sich die beiden Stifterwappen übereck (in den Bilden neben den roten Fahnen). Seit 1988 wird das Gebäude als Stadthalle genutzt.

An der im Bild sonnenbeschienenen Westseite befindet sich das Wappen des Bischofs Lorenz von Bibra (1495-1519) mit einem Engel als Schildhalter. Der Schild ist geviert: Feld 1: "Fränkischer Rechen" = von Rot und Silber mit drei aufsteigenden Spitzen geteilt, Herzogtum zu Franken, Feld 2 und 3: Stammwappen von Bibra, in Gold ein aufsteigender schwarzer Biber mit geschupptem Schwanz, Feld 4: "Rennfähnlein" = in Blau eine rot-silbern gevierte, an den beiden senkrechten Seiten je zweimal eingekerbte, schräggestellte Standarte mit goldenem Schaft, Hochstift Würzburg. Weitere vier Wappenschilde seiner Ahnenprobe sind in den Ecken des Steines zu finden von Bibra (optisch links oben), Schenk von Schenkenwald mit den Gegenzinnenbalken (optisch rechts oben) und Schenk von Schweinsberg (optisch rechts unten). Der vierte Schild ist leer, durch Vergleich mit analogen Darstellungen zum einen auf der Burg Marienberg in Würzburg und zum anderen im Gewölbe der Wallfahrtskirche Dettelbach ergibt sich, daß dieser vierte Schild Voit von Salzburg mit dem Zickzackbalken sein muß (optisch links unten).

Des Fürstbischofs Vater war Hans von Bibra (-1473), fürstbischöflicher Amtmann, sein Großvater war Georg von Bibra. Die Mutter des Fürstbischofs war Margaretha Schenk von Schenkenwald (gest. ca. 1481), Tochter des Peter Schenk von Schenkenwald und dessen Frau Agatha Schenk von Schweinsberg. Die Großmutter väterlicherseits war Sophia Voit von Salzburg, Tochter des Otto Voit von Salzburg und der Margaretha von der Kere. Eine solche Ahnenprobe für den Würzburger Fürstbischof Lorenz von Bibra finden wir weiterhin am Kirchturm der Volkacher Stadtpfarrkirche St. Bartholomäus und am Alten Schloß in Mellrichstadt. Eine identische Ahnenprobe für seinen Bruder Hans ist am Unteren Schloß in Bibra (Grabfeld) zu sehen.

Auf der der Straße zugewandten Nordseite ist der Wappenstein des Aufstockers, Fürstbischof Philipp Adolf von Ehrenberg (1623-1631). Die Inschrift unter diesem Wappenstein lautet: "PHILIPP ADOLPHVS DEI GRATIA EPISCOPVS HERBIPOLENSIS ORIENTALIS FRANCONIAE DVX HAS AEDES RENOVARIET ALTIVS ERIGI CVRAVIT 16 ANNO 27". Das Wappen ist geviert: Feld 1: "Fränkischer Rechen" = von Rot und Silber mit drei aufsteigenden Spitzen geteilt, Herzogtum zu Franken, Feld 2 und 3: in Silber ein roter Adlerflügel, die Saxen nach oben gekehrt, links in einen gold geschnäbelten Vogelkopf endend, belegt mit einem goldenen Mond (hier klein darüber schwebend), Feld 4: "Rennfähnlein" = in Blau eine rot-silbern gevierte, an den beiden senkrechten Seiten je zweimal eingekerbte, schräggestellte Standarte mit goldenem Schaft, Hochstift Würzburg.

Dazu werden drei Helme geführt: Helm 1 (Mitte): Es sollte eigentlich ein Schaft sein, oben mit einem Pfauenwedel besteckt, zwischen zwei abgekehrten goldenen Stiefeln, Helmdecken rot-silbern. Daraus sind hier zwei mit den Mündungen nach innen gekehrte Hörner geworden, was nicht korrekt ist. Helm 2 (rechts): Ein Paar Büffelhörner, jeweils im Spitzenschnitt rot-silbern geteilt. Herzogtum zu Franken. Helm 3 (links): Drei Straußenfedern in den Farben Silber, Rot und Blau zwischen zwei rot-silbern gevierten Standarten mit goldenem Schaft, Hochstift Würzburg. Dazu sind hinter dem Wappen Schwert und Krummstab schräggekreuzt.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher, insbes. Band Bistümer
Peter Kolb: Die Wappen der Würzburger Fürstbischöfe. Herausgegeben vom Bezirk Unterfranken, Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte e.V. und Würzburger Diözesangeschichtsverein. Würzburg, 1974. 192 Seiten.
Informationstafel am Gebäude

Die Wappen der Fürstbischöfe von Würzburg - Teil (1) - Teil (2) - Teil (3) - Teil (4)

Der Fränkische Rechen - Das Rennfähnlein

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