Bernhard Peter, Gernot Ramsauer und Alex Hoffmann
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1434
Nürnberg (Mittelfranken)

St. Lorenz in Nürnberg (20)
Totenschilde

Die nachfolgend abgebildete Gruppe von Totenschilden gehört größtenteils zur Familie Pirckheimer. Im Bild sind gleich fünf Schilde mit dem Wappen der Familie, in einem von Gold und Rot geteilten Schild eine silberne, ausgerissene Birke, auf dem Helm mit rot-goldenen Decken ein wachsender roter Mannesrumpf mit goldenen Haaren und drei um den Kopf geflochtenen Birkenblättern (Siebmacher Band: BayA1 Seite: 53 Tafel: 51, Band: BayA3 Seite: 12 Tafel: 7). Das Silber der Birke ist meistens oxydiert, und die fragilen Lindenblätter der Helmzier haben sich meist nicht erhalten.

Im Bild links oben der zweite Schild von rechts erinnert beispielsweise an Hans II. Pirckheimer, gest. 1400. Die beiden Beischilde gehören zu seinen beiden Ehefrauen, der optisch rechte zu Katharina Graser, hier in Rot eine silberne, goldengegriffte Sichel zwischen drei (2:1) silbernen Rosen. Das Wappen des 1470 erloschenen ratsfähigen Geschlechtes wird im Siebmacher Band: BayA2 Seite: 53 sowie in Band: Bg1 Seite: 36 Tafel: 46 beschrieben, ersterer nach dem Wernigeroder Wappenbuch, beide dem Bild hier entsprechend, und im Schöler auf Tafel 54 abgebildet, in letzterem aber mit umgekehrten Farben, ebenso im Siebmacher Band: BayA1 Seite: 40 Tafel: 40, beide mit silbernem Feld und roten Rosen. Die Helmzier wären zwei voneinander abgekehrte silberne Sicheln über drei silbernen, statt Wulst kranzförmig gestellten Rosen, zu rot-silbernen Decken. Der optisch linke Beischild gehört zu Katharina Teufel, von Silber, Rot und Schwarz schneckenförmig gedeichselt. Das Wappen des im 15. Jh. erloschenen ratsfähigen Geschlechtes wird im Schöler auf Tafel 19 abgebildet, abweichend in Siebmacher Band: BayA1 Seite: 94 Tafel: 93. Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre ein rot gekleideter Mannesrumpf zu rot-silbernen Decken.

Der Schild optisch rechts daneben ist für Paulus Pirckheimer, gest. 1416, der darunter für Hans Pirckheimer den Jüngeren, beide ohne Beischild.

Ein Totenschild weicht gänzlich ab, das ist der zweite von links in der oberen Reihe, der ist für Hans Pesler. Die Familie Pesler oder Peßler führt in Silber ein rotes, angewinkeltes, mit den Klauen nach vorne gerichtetes Greifvogelbein (Adlerbein, Greifenfuß). Das Wappen wird abgebildet bei Schöler auf Tafel 73, ferner im Siebmacher Band: Bg1 Seite: 12 Tafel: 9 (auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein silberner, mit dem Schildbild belegter Flug) und Band: BayA1 Seite: 52 Tafel: 51 (auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein roter, beiderseits mit dem silbernen Greifenbein belegter Flug).

Dieser auf 1455 datierte Schild erinnert an "wernher von barsperg", gest. am Allerseelentag, Ritter und Schultheiß zu Nürnberg. Der Schild ist von Rot, Schwarz und Silber geteilt und halbgespalten. Auf dem gekrönten Helm ein hoher Hut oder Schaft von Hermelin, oben golden gekrönt und mit einem silbernen Federbusch besteckt. Das Wappen der Parsberg wird im Wappenbuch des churbayrischen Adels (Bayerische Staatsbibliothek, BSB Cgm 1508) genau wie hier abgebildet, ferner im Schöler auf Tafel 9, dort gespiegelt. Weitere Literaturnachweise für das Wappen dieses 1730 ausgestorbenen oberpfälzischen Geschlechtes im Siebmacher Band: BayA1 Seite: 83 Tafel: 82, und im Scheiblerschen Wappenbuch, dort aber abweichend von Silber, Rot und Schwarz halbgespalten und geteilt, also oben halbiert und unten durchgehend. Der Beischild zeigt eine Rose.

Dieser Totenschild aus dem späten 14. Jh. zeigt das Wappen der Stiebar von Buttenheim, in einem silbern-schwarz geteilten Schild oben eine aus der Teilung hervorkommende rote Saufeder mit Querstange. Die Helmzier besteht aus zwei übereinandergestellten, mit den Wölbungen einander zugewandten altfränkischen niederen Hüten, hier abweichend von Literaturangaben der obere schwarz, der untere silbern, beide mit rotem Stulp, aus der Öffnung des gestürzten oberen Hutes eigentlich acht schwarze Hahnenfedern hervorkommend, hier fehlend. 1762 starb die fränkische Linie der Stiebar aus.

Abb. links: nicht namentlich bezeichnetes Wappen der Stromer von Reichenbach, in Rot ein gestürztes silbernes Dreieck, an den Spitzen mit halben silbernen Lilien besteckt (Lilientriangel). Auf dem Helm mit rot-silbernen Decken auf einem roten Kissen drei silberne Glevenstäbe (Stäbe mit einer oberhalben Lilie), wobei hier einer fehlt.

Abb. rechts: Totenschild für Ulmann V. Stromer von Reichenbach, geb. 1641, Sohn von Philipp Jakob I. (1599-1649) und Enkel des Ratsbaumeisters Wolf Jakob I. (1561-1614), 1686 reichsstädtischer Pfleger in Hiltpoltstein, danach in Lauf, 1703 Alter Genannter im Rat, gest. 4.1.1707. In der Mitte ist dem unteren Schildrand ein Beischild aufgesetzt mit dem Wappen der Ebner von Eschenbach, von Blau und Gold mit viereinhalb Spitzen gespalten. Er steht für die Ehefrau, Susanna Maria Ebner (1653-1729), die Ulmann 1683 geheiratet hatte, für damalige Verhältnisse eine etwas ältere, dafür als Alleinerbin wirtschaftlich sehr interessante Partie. Die Inschrift nennt ihn als Mitglied des Inneren Geheimen Rats.

Abb. links: Totenschild für Wolf Albrecht Stromer von Reichenbach, geb. 1626, seit 1668 Schöffe an diversen Gerichten, 1687 als Alter Genannter im Rat, gest. 19.4.1702. Er ist der Bruder des oben erwähnten Ulmann V., was die Ähnlichkeit in der Gestaltung erklärt. Obwohl Wolf Albrecht dreimal verheiratet war, 1666 mit Maria Susanna Haller, 1671 mit Anna Maria Fürer und 1681 mit Susanna Barbara Tucher, ist hier kein einziger Beischild vorhanden.

Abb. rechts: Totenschilde der Familie Fürer, gespalten, vorne in Rot eine halbe silberne Lilie am Spalt, hinten in Silber ein halbes rotes Rad am Spalt. Oben sieht man nebeneinander drei gleichartige schlichte Holzschilde. Bei diesen ist interessanterweise die Schildfläche - eigentlich unveränderliche Präsentationsfläche des unverfälschten Familienwappens - Träger von Inschriften und Beischilden. Der linke Schild hat einen gewendeten Beischild Pömer (schrägrechts geteilt, oben von Rot und Silber dreimal schräggeteilt, unten schwarz), der mittlere einen Beischild Ebner (von Blau und Gold mit viereinhalb Spitzen gespalten), und der rechte einen geteilten Beischild mit einem schrägrechten Wellenbalken (Hinweise willkommen). Sie stehen für Conrad Fürer (1274), Christian Fürer (132..) und Conrad Fürer (1...32). Ihre genaue Einordnung in die Genealogie der Familie ist schwierig. Die Reihe darunter hat zwei prächtige Totenschilde aus wesentlich späterer Zeit. Der linke ist für Karl Gottlieb II. Fürer, geb. 1676, gest. 1752, mit den beiden Beischilden für seine Ehefrauen Katharina Maria Geuder (in Blau ein gestürztes silbernes Dreieck, an jeder Spitze mit einem silbernen Stern besteckt) und Klara Susanna Welser (in silbern-rot gespaltenem Schild eine Lilie in verwechselten Farben). Der rechte Totenschild mit den militärischen Trophäen läßt den Betrachter stutzen, denn auch der Beischild ist ein Fürer-Wappen, eine Heirat innerhalb der Familie. Ganz unten ist ein Schild der Familie Schürstab, in Silber zwei schräggekreuzte, schwarze, gestümmelte, am oberen Ende rot lodernde Äste (Brände, Schürstäbe).

Abb. links: Die Totenschilde der Familie Löffelholz befinden sich auf der Südseite des Langhauses von St. Lorenz in der Nische des dritten Fensters, von Westen gezählt. Die meisten Exemplare zeigen das Wappen der Löffelholz, geviert: Feld 1 und 4: in Rot ein silbernes, schreitendes Schaf (Lamm, Stammwappen), Feld 2 und 3 in Silber ein blauer Schrägbalken, belegt mit drei silbernen, nach der Figur gelegten, spitzen Hüten mit Aufschlag (Judenhüten). Dazu zwei Helme, Helm 1 (rechts): gekrönt, ein roter Flug, beiderseits mit silbernen Lindenblättern bestreut und mit dem silbernen Lamm belegt, Helmdecken rot-silbern (Stammhelm), Helm 2 (links): ein blauer hoher Hut (Judenhut), silbern oder wie hier mit Hermelin gestulpt, oben aus der goldenen Hutkrone ein Pfauenfederbusch in den Farben blau-silbern hervorkommend, Helmdecken blau-silbern (Helm Judmann).

Abb. rechts: Totenschild des Hanns Friedrich Löffelholz von Kolberg, Land- und Bauern-Gerichts-Assessor und Schöffe, geb. 7.1.1711, gest. 8.5.1738. Im Bild ist die Inschriftenkartusche unter dem Wappen angeschnitten. Wappen wie beschrieben, Beischilde enthält der Totenschild nicht.

Abb. links: Totenschild für Hans Wilhelm Löffelholz von Kolberg auf "Herolzbach", geb. 17.5.1656, Amtmann und Ratsmitglied, gest. 25.6.1716 lt. Inschrift, in der Lit. findet sich auch 1715. In der Mitte des unteren Kartuschenrandes ist ein Beischild für seine 1682 geehelichte Frau, Magdalena Katharina Viatis. Das Wappen der Viatis zeigt in golden-silbern schräglinks geteiltem Schild eine schwarz-rot schräglinks geteilte, rotgezungte Bracke mit goldenem Halsband. Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: BayA3 Seite: 120 Tafel: 80, Band: Pr Seite: 426 Tafel: 469, Band: SchlA3 Seite: 116 Tafel: 74 und Band: Bg1 Seite: 18 Tafel: 18. Die hier nicht abgebildete Helmzier wäre auf einem rot-silbern-schwarz-golden bewulsteten oder gekrönten Helm mit rechts rot-silbernen und links schwarz-goldenen Decken (oder umgekehrt) eine wachsende schwarze, rotgezungte Bracke (Hund) mit goldenem Halsband zwischen zwei Büffelhörnern, das rechte golden-schwarz geteilt, das linke silbern-rot. Ein Wappenbrief wurde Bartholomäus Viatis am 12.9.1569 in Preßburg von Kaiser Maximilian II. ausgestellt. Die Familie zählte zu den Ehrbaren in Nürnberg. Seit Ende des 16. Jh. kam die Familie auch in Schlesien vor. Drei kgl. bayerische Offiziere, die Brüder Isaak Bartholomäus, Georg Christoph Bartholomäus und Sigmund Friedrich Wilhelm Bartholomäus, wurden 1818 in die bayerische Adelsmatrikel eingetragen.

Abb. rechts: Totenschild für Johann Hieronymus II. Löffelholz von Kolberg auf Gibitzenhof, geb. 1652 als Sohn des Johann Jakob Löffelholz, 1706 Richter zu Wöhrd, 1711 jüngerer Bürgermeister im Rat, 1729 älterer Bürgermeister, gest. 20.4.1732. Er war zweimal vermählt, 1684 in erster Ehe mit Anna Maria Heugel (gest. 1708), 1709 in zweiter Ehe mit Anna Lucia Fürer (1666-1714). Beide Frauen waren Witwen, als er sie heiratete, die erste sogar die seines Cousins. Den Beischild für die erste Frau sehen wir optisch links, in Schwarz zwei schräggekreuzte silberne Hauen an goldenen Stielen. Für die hier nicht dargestellte Helmzier werden mehrere Varianten beschrieben (Siebmacher Band: BayA2 Seite: 72 Tafel: 46, Band: BraA Seite: 39 Tafel: 22, Band: Pr Seite: 168 Tafel: 216). Gegenüber ist der Beischild für seine zweite Frau, gespalten, vorne in Rot eine halbe silberne Lilie am Spalt, hinten in Silber ein halbes rotes Rad am Spalt. Mit der ersten Frau hatte Johann Hieronymus drei Töchter; der Stammhalter wurde ihm in der zweiten Ehe geschenkt, im Alter von fast 60 Jahren.

Joseph Wilhelm Reichsfreiherr Löffelholz von Kolberg, "der römisch-kaiserlichen und katholischen Majestät hochbetrauter Obrist-Lieutenant", geb. 30.9.1689, gest. 20.6.1719, er "blieb in der Action in Sicilien bei FrancoVilla (Villafranca)". Er "liegt bei St. Gotthard begraben." Er war der Sohn des weitaus berühmteren Generals Georg Wilhelm Reichsfreiherr Löffelholz von Kolberg, geb. 1661, k. u. k. Generalfeldmarschall-Lieutenant, kaiserlicher Generalfeldzeugmeister, am 6.8.1708 in den Reichsfreiherrenstand erhoben als Belohnung für seine militärischen Dienste, gestorben 1719 als Kommandant der Stadt Ofen. Gleichzeitig mit der Erhebung wurde das Wappen verbessert, die eingepfropfte Spitze mit den "Türkenmonden" kam hinzu, so daß es jetzt wie folgt aufgebaut ist: Die Felder 1 und 4 des gevierten Schildes (Tartschenform) zeigen das Stammwappen, in Rot ein silbernes, schreitendes Schaf (Lamm). Die Felder 2 und 3 zeigen in Silber einen blauen Schrägrechtsbalken, belegt mit drei silbernen, nach der Figur gelegten, spitzen Hüten mit Aufschlag (Judenhüten). Zwischen Feld 3 und 4 ist eine blaue, mit drei (1:2) goldenen, gesichteten Monden belegte eingebogene Spitze eingeschoben, die unteren Monde mit den Spitzen nach außen, der obere mit den Spitzen nach oben gelegt. Es ist die komplexeste Variante des Löffelholz-Wappens (vgl. Siebmacher, Band: Bay Seite: 45 Tafel: 45). Für Georg Wilhelm gibt es auch noch eine Wappenausfertigung für die Erhebung in den Grafenstand, die wegen seines vorzeitigen Todes nicht mehr zum Tragen kam. Hier wird das Wappen mit drei Helmen geführt: Helm 1 (rechts): auf dem gekrönten Helm ein roter Flug, jeweils mit silbernen Lindenblättern bestreut und mit dem silbernen Lamm belegt, Helmdecken rot-silbern (Stammhelm), Helm 2 (Mitte): auf dem Helm ein blauer hoher Hut (Judenhut), silbern oder mit Hermelin gestulpt, oben aus der goldenen Hutkrone ein Pfauenfederbusch in den Farben blau-silbern hervorkommend, Helmdecken blau-silbern (Judmann), Helm 3 (links): auf dem Helm ein blauer Flug, je mit drei (1:2) goldenen, gesichteten Monden belegt, die unteren Monde mit den Spitzen nach außen, der obere mit den Spitzen nach unten gelegt, Helmdecken blau-silbern (zum Gnadenwappen gehörig).

Der Beischild für die Ehefrau des Joseph Wilhelm Reichsfreiherr Löffelholz von Kolberg zeigt das Wappenbild der v. Grottenegg (Grotta von Grottenegg): Geviert mit gekröntem Herzschild, Feld 1 und 4: gespalten, rechts in Silber auf einem Dreiberg ein Zinnenturm mit gequadertem Unterbau, offener Pforte und drei Zinnen, alles in natürlicher Farbe (wegen Freienthurn), links in Rot ein doppelschwänziger, goldener, golden gekrönter Löwe, eine ebensolche Lilie in der rechten Vorderpranke emporhaltend, Feld 2: gespalten, rechts in Gold ein blauer Balken, links in Blau drei (2:1) goldene Lilien, Feld 3: wie Feld 2, mit vertauschten Plätzen, Herzschild: in Blau eine goldene Lilie. Das Wappen wird mit leichten Abweichungen im Siebmacher Band: Kä Seite: 33 Tafel: 4 beschrieben, dort wird der Herzschild als schwarz angegeben, die Feldfarbe unter den Lilien in den Feldern 2 und 3 wird gleichfalls als schwarz angegeben, und Feld 2 ist genau wie Feld 3 aufgebaut, nicht spiegelsymmetrisch. In Tyroffs Wappenbuch der Österreichischen Monarchie, Band 5 (1854), Tafel 39 bestätigt die Darstellung ebenfalls die Farbe Schwarz, die Anordnung in Feld 2 und 3 stimmt aber mit dem Totenschild hier überein. Die Familie hieß ursprünglich Grotta, nach dem Freiherrenbrief von 1630 kamen sie aus dem Herzogtum Mailand. Am 26.6.1720 wurde Johann Baptist Grotta, Fähnrich der Görzer Landmiliz, in den Reichs- und erbländischen Adel erhoben. Zu diesem Wappen würden drei gekrönte Helme gehören, Helm 1 (rechts): ein gekröntes zweischwänziges Meerweib zu schwarz-goldenen Decken, Helm 2 (Mitte): drei schwarze Straußenfedern zu blau-goldenen Decken, Helm 3 (links): zwischen einem rechts silbern-rot und links schwarz-golden geteiltem Flug ein wachsender goldener Löwe, in der Rechten die goldene Linie, in der Linken den Turm, Decken rot-silbern (nach Siebmacher, Kärnten).

Auf dieser Wand häufen sich die Totenschilde der Familie Volckamer. Ihr Wappen ist von Silber und Blau geteilt, oben ein oberhalbes rotes Rad mit drei Speichen, unten eine silberne Lilie. Auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein unterhalbes rotes Rad mit drei Speichen, oben mit einem schwarzen Hahnenfederbusch besteckt (Siebmacher Band: Bay Seite: 121 Tafel: 149, Schöler Tafel 129). In der unteren Reihe, rechts neben dem Schlußstein der Spitzbogenarkade, ist z. B. der Totenschild für den Ratsbaumeister Hans VI. Volckamer, geb. 1439, gest. 1484, zu identifizieren an den beiden Beischilden für Klara Paumgartner und Katharina Groß, die er 1464 resp. 1473 geheiratet hatte. Der runde Totenschild gleich darüber ist für den 1461 verstorbenen Stefan I. Volckamer, zuzuordnen durch den Beischild für Walburga Kreß. Und darüber wiederum ist der achteckige Totenschild für Hans V. Volckamer, geb. 1409, gest. 1467, wie sich durch die beiden Beischilde für Klara Groland und Anna v. Lochaim ergibt, die er 1434 resp. 1438 geheiratet hatte. Das Wappen der letzteren ist selten in Nürnberg und wird nicht an anderer Stelle besser beschrieben, deshalb sei auf dieses hier näher eingegangen: Der Schild ist golden-schwarz schrägrechts geteilt mit zwei Ringen verwechselter Tinktur. Auf dem Helm mit schwarz-goldenen Decken wäre ein silberner Ring zwischen einem beiderseits golden-schwarz schräggeteilten Flug, rechts schräglinks, links schrägrechts (Siebmacher Band: BayA1 Seite: 48 Tafel: 46, Schöler Tafel 131). Im Wernigeroder Wappenbuch und im Codex Saurma jeweils eine andere Helmzier (vgl. Siebmacher Band: BayA2 Seite: 123 Tafel: 77). Zurück zum achteckigen Schild unten in der Mitte: Rechts daneben ist eine einfache rechteckige Tafel mit den Beiwappen Tucher und Harsdörffer, die ist für den am 29.1.1536 verstorbenen Hans VII Volckamer, der mit Margareta Tucher und Anna Harsdörffer verheiratet war.

Auch dieser Totenschild ist von der Familie Volckamer, die Wappendarstellung folgt der obigen Beschreibung, der Helm ist jedoch ein golden gekrönter Gitterhelm. Dieses Objekt erinnert an Georg Christoph Volckamer. Beischilde sind nicht vorhanden.

Abb. links: Eine einfache Holztafel als Totenschild für Friedrich Wilhelm Imhoff, Gerichtsassessor und Schöffe, gest. 8.2.1717. Abb. rechts: Desgleichen für Gustav Gabriel Imhoff aus der Gabriel-Linie, geb. 1642, gest. 17.11.1717, dessen Beischild für Susanna Maria Kreß steht. Beide seien hier stellvertretend für die Vielzahl der in dem betreffenden Kompartiment des nördlichen Seitenschiffes vorhandenen Imhoff-Schilde (in Rot ein goldener See-Löwe mit einem über dem Kopf schwingenden Fischschwanz, auf dem linken Vorderbein stehend, das rechte vorwärts streckend) abgebildet.

Abb.: runder Totenschild vom Ende des 14. Jh. mit Kopf und Hals eines Rüden im roten Schild und ebenso als Helmzier, umgeben von insgesamt vier Beiwappen. Die Inschrift lautet: "Von Christ(i) geburt m ccc lxxxxvii ia(h)r da starb Markart Plessind des schon (schönen) Heinricks Plessind Son von Hallerdorf an san(k)t walpurgen tag" Korrekt muß der Name "Plessing" oder "Plessingen" lauten, das "d" kam wohl anläßlich einer Restaurierung als Fehler in die Inschrift. Es handelt sich bei den Plessing (Plessinger, Plessingen) wohl um eine aus Regensburg stammende Familie, die in Nürnberg ansässig wurde. In der Inschrift wird ein Hallerdorf genannt, das ist das heutige Hallerndorf in der Nähe des oberfränkischen Städtchens Forchheim. Die vier Beiwappen können als Streitberg (Sichel, Beschreibung an anderer Stelle), Laineck (Lit.: a) gespalten, rechts schwarz-silbern schräg geweckt, links in Blau ein goldener Löwe, vgl. Siebmacher Band: BayA1 Seite: 157 Tafel: 162, b) gespalten, rechts rot-silbern geweckt, links in Blau ein goldener, rot gekrönter Löwe, vgl. Scheiblersches Wappenbuch und Siebmacher Band: BayA3 Seite: 188 Tafel: 134, dort wiederum mit abweichender Helmzier), Kraftshöfer/Kraftshofer (Zuordnung nach Pilz, in Gold ein eigentlich roter, hier aber schwarzer Hirschkopf mit ebensolchem Geweih, vgl. Siebmacher Band: BayA1 Seite: 154 Tafel: 160, könnte aber auch Holzberger sein, dort ist der Hirschkopf nämlich schwarz) und Reimar (gespalten, rechts in Gold eine schwarze Hirschstange, links in Silber eine mit dem Griff nach rechts gekehrte schwarze Wolfsangel (Wolfsanker), Farben unsicher, vgl. Siebmacher Band: BayA1 Seite: 53 Tafel: 53, dort ohne Tinkturen) identifiziert werden (Zuordnungen gemäß Pilz, vgl. untenstehende Lit.). Entsprechend den üblichen Gepflogenheiten müßten diesen vier nacheinander geehelichte Frauen entsprechen, aufgrund nicht vorliegender Genealogie muß die namentliche Zuordnung wie vieles andere offen bleiben.

Auch metallene Zeugen des Totengedenkens heraldischer Art finden sich in St. Lorenz, so z. B. dieses Allianzwappen an einer Säule im westlichen Teil des Langhauses, dessen zwei unter einem einzigen Kleinod zusammengestellte Schilde sich harmonisch in einen Dreipaß einfügen. Es handelt sich um eine Erinnerungstafel für Hans Rummel, Sohn von Franz II. Rummel, gest. 1505 ("Anno d(omi)ni 1505 Ja(h)r an unser(er) liebe(n) Frawe Lichtmeß Tag"). Die Rummel von Lichtenau oder auch Rummel von Zandt und Lonnerstadt führen in Gold zwei voneinander abgekehrte schwarze Hähne mit goldenem Kamm und ebensolchem Kehllappen Rücken an Rücken, die Füße gegen den Schildrand stemmend (Schöler Tafel 68, S. 90). Auf dem schwarz-golden bewulsteten Helm mit ebensolchen Decken ein wachsender goldener Hahn mit rotem Kamm und ebensolchem Kehllappen zwischen einem schwarzen Flug (Siebmacher Band: BayA3 Seite: 52 Tafel: 32). Eine Darstellung in Farbe wurde bereits bei den Glasfenstern ausführlich diskutiert. Hans Rummel hatte Elisabeth Müllner zur Frau, deren Wappenbild ziert den zweiten Schild, in schwarz-golden geteiltem Schild (Teilungslinie hier nicht ausgeprägt) ein vierspeichiges Mühlrad in verwechselten Farben (Schöler Tafel 131, Siebmacher Band: BayA2 Seite: 151 Tafel: 94). Die hier zugunsten des Kleinodes des Ehemannes unterschlagene Helmzier wäre nach der Abb. im Siebmacher Band: BayA2 Seite: 151 Tafel: 94 auf dem Helm mit schwarz-goldenen Decken ein golden-schwarz geteiltes Mühlrad zwischen zwei Büffelhörnern, rechts schwarz, links golden. Im Siebmacher Band: Bg1 Seite: 39 Tafel: 52 wird die Helmzier etwas anders dargestellt, ein golden-schwarz geteiltes Mühlrad zwischen zwei schwarz-golden Büffelhörnern, diese außen mit Kleeblättern besteckt. In beiden Siebmacher-Quellen gibt es zudem Diskrepanzen zwischen Text und Abbildung.

Literatur, Links und Quellen:
St. Lorenz, Nürnberg: http://www.lorenzkirche.citykirche-magazin.de/
Kunst in St. Lorenz:
http://www.lorenzkirche.citykirche-magazin.de/index.php.....=147
St. Lorenz, Nürnberg:
http://www.nuernberginfos.de/kirchen-nuernberg/lorenzkirche-nuernberg.html
Veröffentlichung der Bilder aus dem Innenraum von St. Lorenz in Nürnberg mit freundlicher Genehmigung von Herrn Marco Popp, Lorenzer Archiv,
wofür ihm an dieser Stelle ganz herzlich gedankt sei.
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere der Band Bayern
Eugen Schöler, Historische Familienwappen in Franken, Verlag Degener / Bauer Raspe, Neustadt an der Aisch, 3. Aufl. 1999, Nachdruck 2002, ISBN 3-87947-112-6

Peter Fleischmann, Rat und Patriziat in Nürnberg. Nürnberger Forschungen, Einzelarbeiten zur Nürnberger Geschichte, herausgegeben vom Verein für Geschichte der Stadt Nürnberg. Bände 31/1, 31/2, 21/3 (Stammbäume) und 31/4. VDS Verlagsdruckerei Schmidt, Neustadt an der Aisch. ISBN 978-3-87191-333-4.
Kurt Pilz, Der Totenschild in Nürnberg und seine deutschen Vorstufen, in: Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums 1936-39, S. 57-112, sowie Anm. 91.
Herrn Karl Lippe aus Weiden ein herzliches Dankeschön für wertvolle Hinweise

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