Bernhard Peter, Gernot Ramsauer und Alex Hoffmann
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1433
Nürnberg (Mittelfranken)

St. Lorenz in Nürnberg (19)
Wappen-Medaillons im Fenster "Nord XVI"

Im Fenster des nördlichen Seitenschiffs im dritten Langhausjoch, von Westen gezählt, befinden sich sieben runde Medaillons sowie drei Vierpaßeinsätze mit heraldischem Inhalt in den beiden untersten Reihen, sechs in der unteren und vier in der zweituntersten. In der Zählung vom Chorscheitel ist es das Fenster "Nord XVI" und es liegt genau gegenüber dem Schmidtmayer-Fenster auf der Südseite. Alle drei Vierpaß-Medaillons bilden eine Gruppe für sich, denn sie enthalten Wappen der Stadt und des Reiches. Die runden Medaillons verweisen dagegen auf Nürnberger Familien.

Zweite Reihe, zweite Scheibe von links: Vierpaß-Medaillon mit dem Großen Nürnberger Stadtwappen, in Blau ein goldener, gekrönter Jungfrauenadler. Eigentlich handelt es sich um einen Königsadler, hier ist der Rumpf jedoch eindeutig weiblich mit zwei silbernen Brüsten in dem goldenen Gefieder. In seiner heutigen Form ist der Rumpf nicht weiblich, sondern eher geschlechtsneutral und auch gefiedert dargestellt, was darstellerisch mehr einem Königsadler entspricht, die Farben sind beim 1936 verliehenen und 1963 vom Stadtrat bestätigten heutigen Wappen aber gleich geblieben.

Zweite Reihe, dritte Scheibe von links: Vierpaß-Medaillon mit dem Wappen des Reiches, in Gold ein schwarzer Doppeladler, belegt mit dem Habsburger-Schild.

Zweite Reihe, vierte Scheibe von links: Vierpaß-Medaillon mit dem Kleinen Nürnberger Stadtwappen, gespalten, vorne in Gold ein halber, rotgezungter und golden nimbierter schwarzer Adler am Spalt, hinten von Rot und Silber fünfmal schräggeteilt. Normalerweise ist ein "Kleines Wappen" - insbesondere bei Wappen regierender Häuser - eine hinsichtlich der Inhalte auf das Wichtigste, Älteste, Typischste, Bedeutsamste beschränkte Auswahl aus dem "Großen Wappen", hier haben die beiden inhaltlich überhaupt nichts miteinander zu tun.

Erste Reihe, vierte Scheibe von links: Medaillon mit drei Schilden. Der Schild oben in der Mitte zeigt das Wappenbild der Grundherr (Grundherr von Altenthann und Weiherhaus), in Rot ein oberhalber, golden gekrönter, silberner Löwe mit roter Zunge, der heraldisch rechts das gewendete Wappenbild der Kreß (Kreß von Kressenstein), in Rot ein schrägrechts gestelltes silbernes Schwert, und der dritte Schild zeigt das vermehrte Wappen der Haller (Haller von Hallerstein), geviert, Feld 1 und 4: in Rot ein schwarz gefüllter, schräger, linker, silberner Sturzsparren (Stammwappen), 2 und 3: geteilt, oben in Rot eine gestürzte, goldene, eingebogene Spitze, unten in Silber ein schreitender, schwarzer Löwe. Karl I. Grundherr, der Begründer der sog. Karl-Linie, geb. 1535, 1566 Schöffe am Bauerngericht, seit 1577 als Alter Genannter im Rat und dies 29 Jahre lang, gest. am 7.9. 1605, hatte 1566 Helena Kreß (1545-1585) und in zweiter Ehe 1586 Susanna Haller (1559-1625) geheiratet.

Erste Reihe, dritte Scheibe von links: Medaillon mit einem Allianzwappen, heraldisch rechts der komplett gewendete Schild der Löffelholz v. Kolberg; der Schild ist geviert, Feld 1 und 4 (gewendet mit Positionsaustausch!): in Rot ein silbernes, schreitendes Schaf (Lamm), hier nach links gewendet (Stammwappen Löffelholz), Feld 2 und 3: in Silber ein blauer Schrägrechtsbalken, belegt mit drei silbernen, nach der Figur gelegten, spitzen Hüten mit Aufschlag (Judenhüten, Wappen der ausgestorbenen bayerischen Ritter Judmann von Affecking). Heraldisch links ist der Schild der Harsdörffer (Harsdörffer von Enderndorf), in Rot auf einem goldenen Dreiberg ein silberner Zinnenturm mit Fenstern und zwei Erkern, alles spitzbedacht und mit goldenen Kugeln an den Dachspitzen. Vom Stil her könnte die Scheibe zeitlich zu Christoph I. Löffelholz (1601-1654) passen, der 1599 Sabina Harsdörffer geheiratet hatte. Eine andere Verbindung beider Familien datiert ins 18. Jh., wozu aber die Scheibe stilistisch nicht paßt.

Erste Reihe, zweite Scheibe von links: Medaillon mit einem Allianzwappen, heraldisch rechts der nichtgewendete Schild der Behaim, silbern-rot gespalten, belegt mit einem schrägrechten schwarzen Wellenbalken, heraldisch links ist der Schild der Pfinzing, das Geuschmid-Wappen verwendend, golden-schwarz geteilt. Zwischen beiden Familien gibt es mehrere Verbindungen, die stilistisch-zeitlich passen könnten, so hatte z. B. Lukas Friedrich Behaim (1587-1648) 1613 Anna Maria Pfinzing geheiratet, oder Georg Christoph I. Behaim (1599-1676) hatte 1623 in erster Ehe Katharina Pfinzing geehelicht, möglicherweise paßt die Scheibe zu einem der Genannten.

Zweite Reihe, fünfte Scheibe von links: Medaillon mit einem Wappenschild der Ortlieb, rot-silbern im Gegen-Lindenblattschnitt schräggeteilt (alternativ: rot-silbern schräggeteilt und nach unten und nach oben zu einem Lindenblatt ausgezogen). Das Wappen wird beschrieben im Schöler auf Tafel 38, dort spiegelbildlich, ferner im Siebmacher BayA1 S. 82, Tafel 82. Die hier nicht abgebildete Helmzier wäre zu rot-silbernen Decken ein Paar Büffelhörner, rechts silbern, links rot, außen mit je vier Lindenblättern in Gegenfarbe besteckt. Johann Ortlieb bekam 1433 von Kaiser Sigismund in Basel einen Wappenbrief. Dieses ratsfähige Geschlecht der Reichsstadt ist 1458/59 erloschen. Interessanterweise wird im Siebmacher unter Bezugnahme auf das Lehensbuch des Kurfürsten Friedrich I. von der Pfalz ein gleichnamiges Pfälzer Geschlecht erwähnt, welches den gleichen Schild führt, als Helmzier aber einen Flügel wie der Schild, zu rot-silbernen Decken (Siebmacher BayA2 S. 166, Tafel 103).

Erste Reihe, fünfte Scheibe von links: Medaillon mit einem Wappenschild der Hayd (Haiden), in Gold das Brustbild eines bärtigen Mannes, schwarz gewandet mit silbernem Kragenaufschlag, auf dem Kopf eine spitze, nach hinten umgebogene schwarze Mütze mit silbernem Aufschlag. Dabei handelt es sich um ein ratsfähiges Geschlecht der Stadt Nürnberg, welches um 1500 erloschen ist (Schöler S. 55, Tafel 123, Siebmacher Band: BayA1 Seite: 42 Tafel: 43). Mangels weiterer Angaben ist hier keine personenbezogene Zuordnung möglich.

Erste Reihe, sechste Scheibe von links: Medaillon mit einem Wappenschild der Volckamer-Wappen, von Silber und Blau geteilt, oben ein oberhalbes rotes Rad mit drei Speichen, unten eine silberne Lilie. Auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen Decken ein unterhalbes rotes Rad mit drei Speichen, die Nabe oben mit einem schwarzen Hahnenfederbusch besteckt. Die Scheibe ist auf 1614 datiert.

Erste Reihe, erste Scheibe von links: Medaillon mit einem fast die gesamte Fläche einnehmenden Schild, der in Rot ein gestürztes silbernes Dreieck zeigt, an den Spitzen mit halben silbernen Lilien besteckt, eine sog. Lilientriangel, wie sie die Familien Stromer und Nützel führen. Ohne weitere Informationen kann das nicht sicher unterschieden werden.

Literatur, Links und Quellen:
St. Lorenz, Nürnberg: http://www.lorenzkirche.citykirche-magazin.de/
Kunst in St. Lorenz:
http://www.lorenzkirche.citykirche-magazin.de/index.php.....=147
St. Lorenz, Nürnberg:
http://www.nuernberginfos.de/kirchen-nuernberg/lorenzkirche-nuernberg.html
Veröffentlichung der Bilder aus dem Innenraum von St. Lorenz in Nürnberg mit freundlicher Genehmigung von Herrn Marco Popp, Lorenzer Archiv,
wofür ihm an dieser Stelle ganz herzlich gedankt sei.
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere der Band Bayern
Eugen Schöler, Historische Familienwappen in Franken, Verlag Degener / Bauer Raspe, Neustadt an der Aisch, 3. Aufl. 1999, Nachdruck 2002, ISBN 3-87947-112-6

Peter Fleischmann, Rat und Patriziat in Nürnberg. Nürnberger Forschungen, Einzelarbeiten zur Nürnberger Geschichte, herausgegeben vom Verein für Geschichte der Stadt Nürnberg. Bände 31/1, 31/2, 21/3 (Stammbäume) und 31/4. VDS Verlagsdruckerei Schmidt, Neustadt an der Aisch. ISBN 978-3-87191-333-4.

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