Bernhard Peter, Gernot Ramsauer und Alex Hoffmann
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1432
Nürnberg (Mittelfranken)

St. Lorenz in Nürnberg (18)
Wappen-Medaillons im Fenster "Nord XIII"

Im Fenster des nördlichen Seitenschiffs im sechsten Langhausjoch, von Westen gezählt, befinden sich vier runde Medaillons paarweise außen und mit rein heraldischem Inhalt und zwei Dreipaßeinsätzen mit gemischt heraldisch-figürlichem Inhalt in der zweituntersten Scheiben-Reihe nebeneinander. In der Zählung vom Chorscheitel ist es das Fenster "Nord XIII". Alle vier runden Medaillons bestehen aus zwei in Form eines Allianzwappens zusammengestellten Wappenschilden ohne Oberwappen.

5. Scheibe von links: Undatiertes Allianzwappen ohne Legende, heraldisch rechts der gewendete Schild der Schnöd, in Rot ein silberner Schräglinksbalken, belegt mit drei schwarzen Widderhörnern, heraldisch links der Schild der Reuwein, von Rot und Schwarz durch einen silbernen, mit drei schwarzen Pilgermuscheln belegten Balken geteilt. Das Wappen wird beschrieben im Schöler, Tafel 56.

6. Scheibe von links: Undatiertes Allianzwappen ohne Legende, heraldisch rechts der gewendete Schild der Schnöd, in Rot ein silberner Schräglinksbalken, belegt mit drei schwarzen Widderhörnern, heraldisch links der Schild der Staiber, in schwarz-golden schräglinksgeteiltem Schild eine aufspringende Bracke in verwechselten Farben. Dieses Wappen wird bei Schöler auf Tafel 88 abgebildet, aber abweichend mit einer normalen Teilung, ferner im Siebmacher Band: Bg1 Seite: 67 Tafel: 97, dort seitenverkehrt. Korrekt wie hier ist es im Siebmacher Band: BayA1 Seite: 109 Tafel: 108. Die Helmzier des Stammwappens wäre nach dem Siebmacher der Hund zwischen zwei schwarzen Büffelhörnern zu schwarz-goldenen Decken. Ihr vermehrtes Wappen wäre geteilt, oben innerhalb eines rot-silbern gestückten Bordes in Blau ein schreitender, hersehender, goldener Löwe, unten das Stammwappen. Auf dem gekrönten Helm mit rechts blau-goldenen und links schwarz-goldenen Decken zwischen zwei schwarzen Büffelhörnern ein wachsender goldener Löwe, in dessen Krone zwei nach außen geneigte Fähnchen gesteckt sind.

1. Scheibe von links: Allianzwappen, heraldisch rechts der gewendete Schild der Schnöd, in Rot ein silberner Schräglinksbalken, belegt mit drei schwarzen Widderhörnern, heraldisch links der Schild der Stromer oder der Nützel, in Rot ein gestürztes silbernes Dreieck, an den Spitzen mit halben silbernen Lilien besteckt, mangels weiterer Angaben nicht zu unterscheiden.

2. Scheibe von links: Auf 1514 datiertes Allianzwappen, heraldisch rechts in Rot ein silberner Balken (evtl. war das auch einmal ein Schnöd-Wappen, Hinweise willkommen), heraldisch links der Schild der Ebner (Ebner von Eschenbach), golden-blau (normalerweise umgekehrt) mit viereinhalb Spitzen gespalten.

3. Scheibe von links: Dreipaß-Medaillon, heraldisch rechts der gewendete Schild der Fürer (Fürer von Haimendorf), gespalten, vorne in Rot eine halbe silberne Lilie am Spalt, hinten in Silber ein halbes rotes Rad am Spalt, heraldisch links der Schild der Holzschuher (Holzschuher von Harrlach), in Gold ein schwarzer Holzschuh mit silberner Einfassung. Diese Kombination paßt zu Sigumd III. Fürer (1470-1547), der 1500 Barbara Holzschuher (gest. 1559) aus der sog. braunen Linie des Geschlechtes geheiratet hatte. Er ist ein Stiefbruder des unten erwähnten Christoph, beide stifteten gemeinsam die ganz analog aufgebauten Scheiben, die eine mit einer Kaiser-, die andere mit einer Christophorus-Darstellung, Kaiser und Christus mit goldenem Nimbus und ebensolchem Reichsapfel, irdische und nicht-irdische Herrschaft einander gegenüber. Sigmund erbte Anteile an der Gräfenthaler Saigerhütte und betrieb Montanindustrie und Kupferhandel. Er kam 1500 als Genannter in den größeren Rat und wurde 1518 Alter Genannter. 1522 wurde er Almosenpfleger, 1536 Pfleger des Klosters Engelthal. Er war der maßgebliche Betreiber der Stiftung des Sebaldusgrabes, einer herausragenden Arbeit von Peter Vischer in St. Sebald.

4. Scheibe von links: Dreipaß-Medaillon, heraldisch rechts der gewendete Schild der Fürer (Fürer von Haimendorf), gespalten, vorne in Rot eine halbe silberne Lilie am Spalt, hinten in Silber ein halbes rotes Rad am Spalt, heraldisch links der Schild der Imhoff, in Rot ein goldener See-Löwe mit einem über dem Kopf schwingenden Fischschwanz, auf dem linken Vorderbein stehend, das rechte vorwärts streckend. Diese Kombination paßt zu Christoph I. Fürer (1479-29.4.1537), der 1512 Katharina Imhoff (1494-1553) geheiratet hatte. Er ist ein Stiefbruder des oben erwähnten Sigmund und wurde eines der bedeutendsten Familienmitglieder der Fürer. Er erbte Anteile an der Saigerhütte zu Arnstadt und betrieb europaweiten Kupfer- und Silberhandel. Daneben war er militärisch sehr engagiert. Auf Feldzügen kam er in engeren Kontakt zu Maximilian I., der ihn zum kaiserlichen Rat ernannte. Für die Stadt Nürnberg unternahm er als Angehöriger des Rates Gesandtschaften, und er war Feldhauptmann der reichsstädtischen Truppen, als der Schwäbische Bund gegen Herzog Ulrich von Württemberg zog. Aus dem Rat schied er jedoch später aus, nicht zuletzt wegen Nichtübereinstimmung bei der Bewertung der Reformation.

Literatur, Links und Quellen:
St. Lorenz, Nürnberg: http://www.lorenzkirche.citykirche-magazin.de/
Kunst in St. Lorenz:
http://www.lorenzkirche.citykirche-magazin.de/index.php.....=147
St. Lorenz, Nürnberg:
http://www.nuernberginfos.de/kirchen-nuernberg/lorenzkirche-nuernberg.html
Veröffentlichung der Bilder aus dem Innenraum von St. Lorenz in Nürnberg mit freundlicher Genehmigung von Herrn Marco Popp, Lorenzer Archiv,
wofür ihm an dieser Stelle ganz herzlich gedankt sei.
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere der Band Bayern
Eugen Schöler, Historische Familienwappen in Franken, Verlag Degener / Bauer Raspe, Neustadt an der Aisch, 3. Aufl. 1999, Nachdruck 2002, ISBN 3-87947-112-6

Peter Fleischmann, Rat und Patriziat in Nürnberg. Nürnberger Forschungen, Einzelarbeiten zur Nürnberger Geschichte, herausgegeben vom Verein für Geschichte der Stadt Nürnberg. Bände 31/1, 31/2, 21/3 (Stammbäume) und 31/4. VDS Verlagsdruckerei Schmidt, Neustadt an der Aisch. ISBN 978-3-87191-333-4.

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