Bernhard Peter, Gernot Ramsauer und Alex Hoffmann
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1430
Nürnberg (Mittelfranken)

St. Lorenz in Nürnberg (16)
Wappen-Medaillons im Fenster "Nord VI"

Im zweiten Fenster des nördlichen Chorumgangs, von Westen gezählt, befinden sich genau sieben runde Medaillons mit heraldischem Inhalt, fünf in der untersten Scheiben-Reihe nebeneinander, pro Scheibe ein Medaillon, und zwei in der dritten Reihe von unten, jeweils am zweiten und vierten Platz. In der Zählung vom Chorscheitel ist es das Fenster "Nord VI". Von diesen sieben Medaillons bestehen fünf aus zwei in Form eines Allianzwappens zusammengestellten Wappenschilden, zwei mit einem Oberwappen, drei ohne. Ein Medaillon hat drei zusammengestellte Schilde, und eines enthält nur ein einziges Vollwappen. Von den sieben Medaillons wird hier eine Auswahl von fünf beschrieben.

Unterste Reihe, 2. Wappenmedaillon von links: Der heraldisch rechte Schild zeigt den Wappenschild der Scheurl (Scheurl von Defersdorf), in Rot ein aufspringender silberner Panther (Pantier) ohne Flammen, das hier gewendet dargestellte Stammwappen. Der heraldisch linke Schild zeigt den Wappenschild der Geuder (Geuder von Heroldsberg), in Blau ein gestürztes silbernes Dreieck, an jeder Spitze mit einem silbernen Stern besteckt. Christoph III. Scheurl, geb. 1535, Nürnberger Stadtrichter, Blut- und Bannrichter, 1572 Almosenpfleger der Stadt Nürnberg, gest. 1592, hatte 1560 Sabine Geuder geheiratet, und er war der Vater der beiden Söhne, aus denen die beiden Linien der Scheurl, ältere und jüngere, hervorgingen.

Unterste Reihe, 4. Wappenmedaillon von links: Namentlich nicht zugeordnetes und undatiertes Vollwappen der Stromer, in Rot ein gestürztes, in halbe silberne Lilien auslaufendes silbernes Dreieck (Lilientriangel), auf dem Helm mit rot-silbernen Decken auf einem roten Kissen drei fächerförmig gestellte silberne Glevenstäbe.

Unterste Reihe, 3. Wappenmedaillon von links: Der heraldisch rechte Schild zeigt den Wappenschild der Rosenhart gen. Glockengießer, in Schwarz eine Glocke unter einem von zwei Sternen begleiteten Sparren, alle Figuren golden (Stammwappen). Diese Glockengießer sonnten sich in den Verdiensten einer gleichnamigen Familie Glockengießer, die das Glockengießerspital in Lauf gestiftet hatten. Christoph Glockengießer berief sich einst stolz darauf, daß seine Ahnen diese Stiftung getätigt hatten, und er spendierte selbst testamentarisch 200 Gulden für den Wiederaufbau der zugehörigen Kirche St. Leonhard. Nur - die beiden Familien waren überhaupt nicht verwandt. Die Stifter des Spitals waren Keßler, genannt Glockengießer, und deren Wappen ist am Schlußstein der Sakristei in Lauf zu sehen, ein Rosenzweig in schräggeteiltem Schild. Und die anderen waren Rosenhart gen. Glockengießer, ohne verwandschaftliche Beziehungen zu ersteren. Die Erben des Christoph Glockengießer sahen es pragmatisch und zahlten das Geld nicht aus, sondern teilten es unter sich auf. Ein Lehrstück, daß Namensgleichheit nicht Wappengleichheit bedeutet. Der heraldisch linke Schild zeigt den Wappenschild der Portner, in Blau ein silberner aufspringender Damhirsch mit aufgeworfenem Schwanz und mit goldenem Geweih, dessen Stangen nach vorne und nach hinten gerichtet sind (vgl. Schöler Tafel 91, Siebmacher Band: BayA1 Seite: 117 Tafel: 119, Band: BayA3 Seite: 16 Tafel: 11, auch in Regensburg). Die hier nicht abgebildete Helmzier wäre nach dem Siebmacher auf dem gekrönten Helm mit blau-silbernen Decken der Hirsch wie beschrieben wachsend. Das Medaillon ist auf 1502 datiert und nennt in der Umschrift "Conrat Glockengiesser" und "Anna Portnerin".

Dritte Reihe von unten, rechtes Wappenmedaillon: Unter der gemeinsam genutzten Helmzier des Ehemannes zeigt der heraldisch rechte Schild den Wappenschild der Stark von und zu Röckenhof, in Silber auf schwarzem Dreiberg eine wachsende männliche Figur in roter Gewandung, mit einer schwarzen Kappe mit silbernem Stulp, in jeder Hand einen Karst (eine Hacke oder Haue mit langem Zinken zur Bodenlockerung und zur Ernte) an langen goldenen, auf dem Dreiberg aufgestützten Stielen haltend. Auf dem Helm mit rot-silbernen Decken der Mann wie beschrieben auf dem Dreiberg. Der heraldisch linke Schild zeigt den Wappenschild der Löffelholz, geviert, Feld 1 und 4: in Rot ein silbernes, schreitendes Schaf (Lamm, Stammwappen Löffelholz), Feld 2 und 3: in Silber ein blauer Schrägrechtsbalken, belegt mit drei silbernen, nach der Figur gelegten, spitzen Hüten mit Aufschlag (Judenhüten, Wappen der Judmann von Affecking). Diese Kombination paßt zu Georg Stark, geb. 1554, Pfleger des Landalmosenamtes, Amtmann in der Waage, gest. 1632, der 1558 Maria Salome Löffelholz geheiratet hatte.

Unterste Reihe, 1. Wappenmedaillon von links: Der Schild oben enthält das Wappenbild der Rosenhart gen. Glockengießer, in Schwarz eine Glocke unter einem von zwei Sternen begleiteten Sparren, alle Figuren golden (Stammwappen). Der heraldisch rechte Schild zeigt den gewendeten Wappenschild der Behaim (nicht die bekannteren Behaim von Schwarzbach!), schwarz-golden geteilt, oben ein aus der Teilungslinie wachsender, golden gekleideter Mann, in der Linken drei goldene, gestielte Kleeblätter haltend, die Rechte eingestemmt (Schöler Tafel 120). Der heraldisch linke Schild zeigt vermutlich den Wappenschild der Diegier, schwarz-golden geteilt, oben ein aus der Teilungslinie wachsender goldener Löwe, der in den Pranken einen silbernen Haken mit einem Griff wie bei einem Schlüssel hält, unten auf schwarzem Dreiberg ein auffliegender natürlicher Vogel (vgl. Siebmacher Band: Bg7 Seite: 3 Tafel: 3, lt. Wappenbuch der Genannten in Nürnberg, dort Vogel aber silbern, Löwe hat Schweinsspieß in den Pranken).

Literatur, Links und Quellen:
St. Lorenz, Nürnberg: http://www.lorenzkirche.citykirche-magazin.de/
Kunst in St. Lorenz:
http://www.lorenzkirche.citykirche-magazin.de/index.php.....=147
St. Lorenz, Nürnberg:
http://www.nuernberginfos.de/kirchen-nuernberg/lorenzkirche-nuernberg.html
Veröffentlichung der Bilder aus dem Innenraum von St. Lorenz in Nürnberg mit freundlicher Genehmigung von Herrn Marco Popp, Lorenzer Archiv,
wofür ihm an dieser Stelle ganz herzlich gedankt sei.
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere der Band Bayern
Eugen Schöler, Historische Familienwappen in Franken, Verlag Degener / Bauer Raspe, Neustadt an der Aisch, 3. Aufl. 1999, Nachdruck 2002, ISBN 3-87947-112-6

Peter Fleischmann, Rat und Patriziat in Nürnberg. Nürnberger Forschungen, Einzelarbeiten zur Nürnberger Geschichte, herausgegeben vom Verein für Geschichte der Stadt Nürnberg. Bände 31/1, 31/2, 21/3 (Stammbäume) und 31/4. VDS Verlagsdruckerei Schmidt, Neustadt an der Aisch. ISBN 978-3-87191-333-4.

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