Bernhard Peter, Gernot Ramsauer und Alex Hoffmann
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1429
Nürnberg (Mittelfranken)

St. Lorenz in Nürnberg (15)
Wappen-Medaillons im Fenster "Nord XI"

Im Fenster des nördlichen Seitenschiffs im achten Langhausjoch, von Westen gezählt, dem vorletzten vor dem Choransatz, befinden sich genau vier runde Medaillons mit heraldischem Inhalt in der zweitobersten Scheiben-Reihe nebeneinander, seitlich bereits von Maßwerk im sich dort schon leicht verjüngenden Fenster begleitet. In der Zählung vom Chorscheitel ist es das Fenster "Nord XI". Alle vier Medaillons bestehen aus zwei in Form eines Allianzwappens zusammengestellten Wappenschilden ohne Oberwappen.

2. Wappenmedaillon von links: Der heraldisch rechte Schild zeigt den Wappenschild der Löffelholz, geviert, Feld 1 und 4: in Rot ein silbernes, schreitendes Schaf (Lamm), hier nach links gewendet (Stammwappen Löffelholz), Feld 2 und 3: in Silber ein blauer Schrägrechtsbalken (hier gewendet), belegt mit drei silbernen, nach der Figur gelegten, spitzen Hüten mit Aufschlag (Judenhüten, Wappen der Judmann von Affecking). Der Schild ist also in jedem Feld für sich gewendet, die Positionen sind aber nicht vertauscht. Der heraldisch linke Schild zeigt den Wappenschild der Gugel, in Gold ein blauer Schrägrechtsbalken, belegt mit drei nach der Figur gelegten goldenen Lilien. Die Umschrift nennt das Datum "Anno 1565" und den Namen Hans Dietrich Löffelholz. Es handelt sich um Hans Dietrich Löffelholz, geb. 1528, 1553 jüngerer Bürgermeister, 1564 älterer Bürgermeister, im Alter von 37 Jahren 1565 an Schlaganfall gestorben, der 1550 Ursula Gugel (1528-1586) geheiratet hatte, die älteste Tochter des Ratskonsulenten Dr. Christoph Gugel.

1. Wappenmedaillon von links: Der heraldisch rechte Schild zeigt den Wappenschild der Muffel, gespalten, rechts in Gold ein rot gekrönter, schwarzer Löwe, links in Rot ein pfahlweise gestellter, gekrümmter, silberner Fisch, wobei der Schild hier komplett gewendet ist. Der heraldisch linke Schild ist geviert aus zwei Elementen, die hier nur in einem Schild zusammenfinden, weil es seine beiden Ehefrauen waren. Die Felder 1 und 4 enthalten das Stammwappen der Löffelholz, in Rot ein silbernes, schreitendes Schaf (Lamm), in Feld 4 beschädigt und andersfarbig repariert, die Felder 2 und 3 enthalten das Wappenbild der Tucher, geteilt, oben von Silber und Schwarz fünfmal schräglinks geteilt, unten in Gold ein schwarzer Mohrenkopf. Diese Kombination paßt zu Gabriel I. Muffel, 1479 als Alter Genannter im Kleineren Rat, wie in einer Endlosschleife immer wieder zum jüngeren Bürgermeister auserkoren und doch wieder als Alter Genannter zurückgesetzt, gest. am 25.10.1498, der in erster Ehe Ursula Löffelholz (gest. 1477), Tochter von Hans Löffelholz, und 1485 in zweiter Ehe Katharina Tucher (1444-1498) geheiratet hatte. Gabriel I. Muffel ist der Sohn des Nikolaus III. Muffel, von dem weiter unten die Rede sein wird. Gabriel I. Muffel machte zwar im Rat nur eine Hin-und-her-Karriere, dafür ist er für seine ausgedehnten Reisen bekannt, z. B. 1465-67 als Begleiter des Reiseschriftstellers Leo von Rozmital (Lev von Rosenthal), und später übernahm er im Auftrag des Rates diplomatische Missionen. Auf diese Weise kommen auch die Abzeichen verschiedener ritterlicher Orden in die Scheibe, z. B. steht die silberne, mit drei beblätterten silbernen Blumen gefüllte Kanne auf dem darunter kauernden Greifen unten zwischen beiden Schilden für den Kannenorden (Orden de la Jarra y el Grifo, Orden der Kanne und der Greif), zwei weitere solcher Abzeichen sieht man oben im Medaillon.

4. Wappenmedaillon von links: Der heraldisch rechte Schild zeigt den Wappenschild der Muffel, gespalten, rechts in Gold ein rot gekrönter, schwarzer Löwe, links in Rot ein pfahlweise gestellter, gekrümmter, silberner Fisch, wobei der Schild hier komplett gewendet ist. Der heraldisch linke Schild zeigt den Wappenschild der Laufenholz, Lauffenholz oder Laufamholz, geteilt, oben golden und ledig, unten in drei Reihen blau-silbern geschacht. Diese Kombination paßt zu Nikolaus III. Muffel, Vater des oben genannten Gabriel I. Muffel. Nikolaus III. Muffel, geb. 1410, gest. 1469, hatte 1431 Margarete v. Laufenholz (gest. 1484) geheiratet, die Tochter von Konrad von Laufenholz. Sein Leben führte auf tragische Weise von den höchsten Höhen zu den größten Tiefen, er war ein Mann, der es nach raschem politischem Aufstieg 1462-1469 als Vorderster Losunger an die Spitze des Stadtregimentes geschafft hatte, und er endete durch den Strang wegen Diebstahls. Seine Karriere im Rat war eigentlich die eines hoffnungsvollen Aufsteigers, 1433 als jüngerer Bürgermeister im Rat, 1443 älterer Bürgermeister, 1445 Septemvir - erst 35 jahre jung, 1452 dritter Oberster Hauptmann, 1456 Zweiter Losunger, 1462 Vorderster Losunger. Doch dann schlug das Schicksal zu: Anläßlich einer Paumgartner-Pleite geriet er ebenfalls in wirtschaftliche Schwierigkeiten, das Dorf Ermeuth wurde verkauft, der Halbteil an Eschenau wurde verpfändet. In dieser Lage vergriff er sich an der Stadtkasse, auf die er als Stadtoberhaupt Zugriff hatte. Gefaßt wurde er wegen Indiskretion vertraulicher Angelegenheiten, und dann kam alles an das Licht. So schlimm war das, daß er nach der Verhaftung und den Verhören zügig verurteilt und gehängt wurde wie ein Unterschichtenverbrecher und nicht durch das Schwert gerichtet wurde. Sein ältester Sohn konnte Ermreuth wieder zurückkaufen, koppelte sich ganz von der Reichstadt ab und zog auf seinen Landsitz. Seine Linie der Muffel von Ermreuth gab das Nürnberger Bürgerrecht auf und engagierte sich in der Reichsritterschaft.

3. Wappenmedaillon von links: Der heraldisch rechte Schild zeigt den Wappenschild der Löffelholz, wie oben beim ersten Medaillon beschrieben. Der heraldisch linke Schild zeigt den Wappenschild der reichsritterschaftlichen Giech gemäß der Wappenvermehrung von 1482, geviert, Feld 1 und 4: in Silber zwei aufrecht gestellte rote Schafscheren nebeneinander (Stammwappen Giech), Feld 2 und 3: in Rot ein silberner Schwan. In dieser Kombination paßt das Medaillon zu Hans Löffelholz aus der älteren Hauptlinie, geb. 1504, gest. 1545, der 1524 Anna von Giech (gest. 1550) geheiratet hatte, was auch mit der Umschrift übereinstimmt. Hans Löffelholz machte keine Karriere im Rat, sondern war am Hof der Herzöge von Bayern, gab später sein Nürnberger Bürgerrecht auf und zog nach Bamberg, wo er sich verheiratete. Erst 1530 trat er wieder in die Dienste der Reichsstadt. Sein Sohn war der beim ersten Medaillon besprochene Hans Dietrich Löffelholz, der die Familie wieder im Rat vertreten sollte.

Literatur, Links und Quellen:
St. Lorenz, Nürnberg: http://www.lorenzkirche.citykirche-magazin.de/
Kunst in St. Lorenz:
http://www.lorenzkirche.citykirche-magazin.de/index.php.....=147
St. Lorenz, Nürnberg:
http://www.nuernberginfos.de/kirchen-nuernberg/lorenzkirche-nuernberg.html
Veröffentlichung der Bilder aus dem Innenraum von St. Lorenz in Nürnberg mit freundlicher Genehmigung von Herrn Marco Popp, Lorenzer Archiv,
wofür ihm an dieser Stelle ganz herzlich gedankt sei.
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere der Band Bayern
Eugen Schöler, Historische Familienwappen in Franken, Verlag Degener / Bauer Raspe, Neustadt an der Aisch, 3. Aufl. 1999, Nachdruck 2002, ISBN 3-87947-112-6

Peter Fleischmann, Rat und Patriziat in Nürnberg. Nürnberger Forschungen, Einzelarbeiten zur Nürnberger Geschichte, herausgegeben vom Verein für Geschichte der Stadt Nürnberg. Bände 31/1, 31/2, 21/3 (Stammbäume) und 31/4. VDS Verlagsdruckerei Schmidt, Neustadt an der Aisch. ISBN 978-3-87191-333-4.

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