Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1414
Münstermaifeld (Landkreis Mayen-Koblenz)

Pfarrkirche St. Martin und Severus in Münstermaifeld:
Grabplatte von Eltz / von der Horst

An der Südwand des südlichen Querschiffes der Pfarrkirche von Münstermaifeld befindet sich im Rücken der Kirchenbänke eine barocke Grabplatte aus schwarzem Marmor, 1,23 m x 2,33 m groß. Die Platte hat oben zentral ein aus zwei Vollwappen gebildetes Ehewappen und außen an den beiden Seiten je vier Einzelschilde einer Ahnenprobe, für die vier Großeltern oder die vier Urgroßväter jedes Ehepartners.

Bei den Personen, an die hier erinnert wird, handelt es sich um Johann Nicolaus Graf zu Eltz, gest. vor 1676, und seine Frau Johanna Maria Elisabeth von der Horst (1625 - 12.11.1703). Heraldisch rechts (optisch links) ist das Wappen der von Eltz, rot-silbern geteilt, oben wachsend ein goldener Löwe, hier mit doppeltem Schweif. Um den Löwen besser darstellen zu können, ist die Teilungslinie hier deutlich nach unten verschoben worden. Das Wappen von der Horst zeigt in silbernem Feld fünf blaue Balken und darüber einen roten, golden gekrönten Löwen, hier doppelschwänzig. Interessant ist der Umstand, daß hier keinerlei heraldische Courtoisie beachtet wird, im Gegenteil, nicht nur ist der Eltzer Löwe nicht gewendet, sondern der Löwe der von der Horst ist auch noch entgegen üblicher Darstellung abgewendet, so daß sich beide Löwen jetzt die Kehrseite zuwenden, wo doch eigentlich das Gegenteil gute heraldische Praxis ist.

Die Detailvergrößerung zeigt die beiden Helmkleinode: Die Helmzier der von Eltz ist ein hermelingestulpter roter Turnierhut, darauf der goldene Löwe wachsend zwischen einem mit gestürzten silbernen (auch als golden beschrieben) Lindenblättern bestreuten roten Flug. Helmdecken rot-silbern. Das Kleinod der von der Horst zeigt auf gekröntem Helm einen roten Löwen wachsend zwischen einem silbernen, beiderseits mit vier blauen Balken belegten Adlerflug. Helmdecken blau-silbern. Beide Löwen werden hier doppelschwänzig dargestellt, und beide folgen der oben erwähnten Eigentümlichkeit, daß sie voneinander abgekehrt sind. Eine weitere zeit- und stilbedingte Abweichung von guter heraldischer Darstellungspraxis ist, daß in beiden Fällen die Blickrichtung von Helm und Helmzier nicht übereinstimmt, wie viel eleganter hätte man das in der Gotik mit zwei einander zugewandten Helmen und gleichermaßen eingedrehten Kleinoden gelöst.

Die vier separaten Schilde auf der optisch linken Seite bilden die Ahnenprobe des Ehemannes. Johann Nicolaus Graf zu Eltz war der Sohn von Friedrich Wolf Graf zu Eltz und Agnes Apollonia von Hagen zur Motten. Entsprechend sehen wir an der "besten" Position ganz oben den Eltz-Wappenschild, rot-silbern geteilt, oben wachsend ein goldener Löwe, hier doppelschwänzig, und an der "zweitbesten" Position den Wappenschild Hagen zur Motten, in Gold ein roter Balken, begleitet von oben 9 (5:4) und unten 6 (3:2:1) liegenden roten Schindeln.

Die Ahnenprobe setzt sich weiter fort mit den Schilden der Reifenberg/Reiffenberg, fünfmal silbern-rot schräggeteilt (eine der Varianten), und der Brömser von Rüdesheim, ein von Silber und Schwarz geteilter Schild, dessen untere Hälfte mit 6 (3:3) silbernen Lilien belegt ist. Meist stehen die Lilien 3:2:1, oder aber das Feld ist mit Lilien besät, hier ist die Anordnung der fast rechteckigen, nur unten in flachem Bogen gerundeten Schildform geschuldet. Diese beiden Schilde passen zu den beiden Großmüttern des Probanden, denn sein Großvater Friedrich Graf zu Eltz (- 1595), Sohn von Wilhelm VIII. Graf zu Eltz und Johanna Gräfin zu Eltz, war mit Anna v. Reifenberg verheiratet, der Tochter von Philipp v. Reifenberg und Margarete v. Draxdorf. Und sein Großvater mütterlicherseits, Philipp Daniel von Hagen zur Motten, war mit einer Brömserin v. Rüdesheim verheiratet.

Die vier separaten Schilde auf der optisch rechten Seite bilden die Ahnenprobe der Ehefrau. Johanna Maria Elisabeth von der Horst (1625 - 12.11.1703) war die Tochter von Wilhelm von der Horst und Maria Margareta Johanna v. Hatzfeld. Entsprechend sehen wir an der "besten" Position ganz oben den von der Horst-Wappenschild, in silbernem Feld fünf blaue Balken und darüber ein roter, golden gekrönter Löwe, hier doppelschwänzig und nach außen gewendet, und an der "zweitbesten" Position den Wappenschild Hatzfeld-Wildenburg, geviert: Feld 1 und 4: in Gold ein schwarzer Maueranker. Feld 2 und 3: in Silber drei (2:1) rote Mispelblüten.

Die Ahnenprobe der Ehefrau setzt sich nach unten fort mit den Schilden der v. Wilich / v. Wylich, in Silber unter einem roten Sparren ein roter Ring (die hier nicht dargestellte Helmzier wäre auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen Decken ein wachsender silberner Drachenkopf mit ausgeschlagener, roter, pfeilförmiger Zunge, um den Hals an rotem Bande ein silbernes Schildchen, darin unter einem roten Sparren ein roter Ring), und der Freiherren v. Brempt, gespalten und halbgeteilt, rechts in Blau vier silberne Balken; links oben grün und ledig, links unten in Rot drei goldene Pfähle (Im Siebmacher Band: PrGfE Seite: 23 Tafel: 15 wird das Wappen mit einem Balken und einem Pfahl weniger beschrieben, ferner mit einem Schildhaupt anstelle einer Teilung, im Westfälischen Wappenbuch wie hier beschrieben). Das hier nicht dargestellte Oberwappen hätte zwei Helme: Helm 1: Auf dem gekrönten Helm mit blau-silbernen Decken ein silberner offener Flug. Helm 2: Auf dem gekrönten Helm mit blau-goldenen Decken eine natürliche Rübe mit drei grünen Blättern. Die Frhr. v. Brempt sind übrigens am 28.12.1729 im Mannesstamm erloschen. Diese beiden Schilde passen zu den beiden Großmüttern der Probandin, denn ihr Großvater väterlicherseits, Johann von der Horst, Sohn von Diedrich von der Horst (1521 - 16.9.1589) und Elise v. u. z. Hauss (- 1576), hatte Gertrud v. Wylich geheiratet. Und ihr Großvater mütterlicherseits, Wilhelm IV. Freiherr v. Hatzfeld (- 14.10.1623), Sohn von Werner v. Hatzfeld und Margareta Torck, hatte Johanna Freiin v. Brempt geheiratet.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher
Otto Gruber: Wappen des mittelrheinisch-moselländischen Adels, Trier 1962-1965, incl. Nachtrag Trier 1967, ebenfalls veröffentlicht in verschiedenen Jahrgängen der "landeskundlichen Vierteljahresblätter".
Rolf Zobel: Wappen an Mittelrhein und Mosel, Books on Demands GmbH, Norderstedt 2009, ISBN 978-3-8370-5292-3, 527 S.
Veröffentlichung der Innenaufnahmen mit freundlicher Erlaubnis von Herrn Pfarrer Guido Lacher vom 14.7.2010, wofür ihm an dieser Stelle ganz herzlich gedankt sei.
Genealogien:
Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Hans Gappenach, Münstermaifeld, Rheinische Kunststätten, Heft 244, 1. Auflage 1980, ISBN 3-88094-353-2.
Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, 17. Band, II. Abteilung; Die Kunstdenkmäler des Kreises Mayen, 1943.
Max von Spießen (Hrsg.): Wappenbuch des Westfälischen Adels, mit Zeichnungen von Professor Ad. M. Hildebrandt, 1. Band, Görlitz 1901 - 1903.

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St. Martin u. Severus: Kuno v. Eltz - St. Martin u. Severus: Eva v. Esch

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