Bernhard Peter, Gernot Ramsauer und Alex Hoffmann
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1386
Nürnberg (Mittelfranken)

Frauenkirche in Nürnberg
Glasfenster am östlichen Abschluß des nördlichen Seitenschiffes

Die Frauenkirche in Nürnberg besitzt großartigen heraldischen Schmuck in den Glasfenstern. Insgesamt sind es vier Fenster, die drei Fenster des polygonalen Chorabschlusses und das Fenster am östlichen Ende des nördlichen Seitenschiffes. Der Hauptraum ist eine Hallenkirche von 3x3 Jochen, so daß die beiden seitlichen Raumeinheiten neben dem Chor gerade abschließen, südlich befindet sich die Orgel und dahinter ein Anbau, nördlich hingegen ist Platz für ein herrliches Glasfenster, das von Patrizierfamilien gestiftete Scheiben aus verschiedenen Zeiten vereint. Insgesamt besitzt das Fenster sechs Zonen zu je drei Einheiten, wobei sich in fünf Zonen Wappen der Nürnberger Patrizierfamilien finden. Einige Scheiben sind datiert, man findet die Zahlen 1629, 2x 1615, 2x 1590 und 1518. Damit wird deutlich, daß das Kunstwerk nicht auf einmal entstanden ist, sondern additiv aus einzelnen Stiftungen entstand. Die Stifterscheiben eröffnen zugleich einen Blick auf Familienzusammenhänge, denn manche Scheiben besitzen noch klein ein oder auch zwei Beiwappen, die nur aus einem Schild geringerer Dimension bestehen, dem Schild oder den Schilden der zugehörigen Ehefrauen. So werden in diesen Fenstern nicht nur die Kunst und das Kunsthandwerk des 16. und 17. Jh., sondern auch die zugehörige Nürnberger Familiengeschichte lebendig.

In der obersten Zone befindet sich links das Wappen der Fürer (Fürer von Haimendorf). Der Schild ist gespalten, vorne in Rot eine halbe silberne Lilie am Spalt, hinten in Silber ein halbes rotes Rad am Spalt. Als Helmzier sehen wir auf dem Helm mit rot-silbernen Decken einen geschlossenen Flug, wie der Schild gespalten und tingiert. In der Literatur (Siebmacher Band: Bay Seite: 78 Tafel: 88, Band: Bö Seite: 223 Tafel: 97, Band: ÖSchl Seite: 121 Tafel: 63) wird diese Helmzier als ein wachsender schwarzer Adlerkopf und -hals (alternativ ein ganzer Adler) zwischen einem offenen Flug beschrieben, wobei entweder die Spalthälfte mit der halben Lilie jeweils innen und die mit dem halben Rad außen ist oder umgekehrt, je nach Quelle. Das ist das Stammwappen, und so wurde es auch von der jüngeren Linie weitergeführt, während die ältere Linie das Wappen vermehrte (kaiserliche Wappenbestätigung 30.12.1599 durch Rudolf II., Wappenbesserung durch Kaiser Leopold I. 9.3.1688). Die Familie Fürer stammt ursprünglich aus dem Elsaß, 1274 kam sie nach Nürnberg und wurde 1496 ratsfähig. Dieses Wappen wird begleitet von zwei Beischilden für die zwei Ehefrauen, die den Stifter in seinem Leben begleitet hatten: Die Geuder (Geuder von Heroldsberg) führen in Blau ein gestürztes silbernes Dreieck, an jeder Spitze mit einem silbernen Stern besteckt. Auf der anderen Seite ist ein leicht verändertes Wappen der Pömer (Pömer von Diepoltsdorf), das ist eigentlich schrägrechts geteilt, oben von Silber und Rot dreimal schräggeteilt, unten Schwarz, hier aber in umgekehrter Richtung und Reihenfolge wiedergegeben. Damit paßt dieses Fenster zu Christoph IV Fürer (aus der Linie Wolkersdorf), geb. 1578, gest. 1653, der in erster Ehe 1602 Magdalena Geuder ehelichte und danach 1620 Barbara Maria Pömer. Damit wurde dieses Fenster in seinem 51. Lebensjahr gestiftet, und er war im 9. Jahr mit seiner zweiten Frau verheiratet. Christoph IV Fürer war da bereits 26 Jahre Ratsmitglied, denn er wurde es 1603 und blieb es bis zu seinem Tode. Der geringe Abstand zwischen dem Jahr der ersten Eheschließung und dem Beginn der Ratsmitgliedschaft ist durchaus aussagekräftig, denn in Nürnberg waren nur verheiratete Männer ratsfähig. Das Fenster wurde im 17. Jh. neu angefertigt; das Bleinetz ist in Teilen noch original.

In der Mitte sieht man ein auf 1615 datiertes Wappenfenster der Harsdörffer (Harsdörffer von Enderndorf). Sie führen in Rot auf einem eigentlich goldenen, hier abweichend ebenfalls roten Dreiberg einen silbernen Zinnenturm mit Tor, Schießscharten und zwei Erkern, alles spitzbedacht. Auf dem Helm mit rot-silbernen Decken wird der Zinnenturm auf dem Dreiberg geführt. Das Wappen wird im Siebmacher (Band: Bay Seite: 39 Tafel: 36) beschrieben. Die ebenfalls zum Nürnberger Patriziat gehörenden Harsdörffer wurden 1843 Freiherren. Die Scheibe stammt aus dem 17. Jh.; das Bleinetz ist in Teilen noch original.

Das dritte Wappen der obersten Zone ist das der Grundherr (Grundherr von Altenthann und Weiherhaus), sie führen in Rot einen oberhalben, golden (hier sehr dunkel, eigentlich schon rot) gekrönten, silbernen Löwen mit roter Zunge, auf dem rot-silbern bewulsteten Helm mit ebensolchen Decken der Löwe wie beschrieben wachsend. Das Wappen wird im Siebmacher (Band: Bay Seite: 80 Tafel: 92) beschrieben. 1547 bekamen die alteingesessenen Patrizier von Kaiser Karl V. eine Bestätigung ihres althergebrachten Wappens. Das Fenster ist eine historisierende Neuanfertigung aus der Zeit um 1600.

In der zweitobersten Zone des Fensters steht zwischen zwei biblischen Darstellungen (eine davon auf 1518 datiert) in der Mitte allein dominierend das Wappen der Ebner (Ebner von Eschenbach). Der Schild ist von Blau und Gold mit viereinhalb Spitzen gespalten. Auf dem Helm mit blau-goldenen Decken wird ein Paar Büffelhörner geführt, rechts blau, links golden, außen jeweils mit vier silbernen Federn besteckt. Das Wappen wird im Siebmacher (Band: Bay Seite: 32 Tafel: 29, Band: Bö Seite: 57 Tafel: 41) beschrieben, wobei die Büffelhörner dort statt mit Federn als mit Pfauenspiegeln besteckt beschrieben werden. Die Ebner bekamen das namengebende Gut Eschenbach 1552 durch Heirat von den Harsdörffern. 1824 erhielten sie in Bayern den Freiherrenstand.

Dieses wunderschöne Wappen weckte bei namensgleichen Familien Begehrlichkeiten: Die Ebner aus Niebuschen (Siebmacher Band: Bg14 Seite: 4 Tafel: 2) führen das Schildmotiv innerhalb eines silbernen Bordes, als Helmzier aber einen rechts blauen, links goldenen Flug. Weiterhin gibt es noch eine schlesische Familie des Namens Ebner, die eine Abstammung von den Nürnberger Ebner prätendierte und 1694 das Ebner-Wappen in das ihrige aufnahm (Band: SchlA2 Seite: 29 Tafel: 19).

Ein weiteres Wappen sehen wir neben der Petrusfigur, der den knienden Stifter überragt: Ein goldener Löwe trägt ein ebensolches Henkelgefäß (Kessel), auf dem gekrönten Helm der Löwe mit Henkelgefäß wachsend. Die Feldfarbe wirkt heute silbern, was eine heraldisch unzulässige Kombination ergäbe, deswegen ist davon auszugehen, daß die ursprüngliche Feldfarbe einmal eine andere war, und unter der Annahme, daß die blau gewesen sein könnte, hätten wir das Wappen der Nürnberger Oelhafen (Oelhafen von Schöllenbach), eine eigentlich ursprünglich aus Zürich stammende Familie, die 1519 nach Nürnberg kam und 1729 unter die ratsfähigen Geschlechter aufgenommen wurde. Die ursprüngliche Helmzier war der Ölkessel zwischen einem Paar Büffelhörner, 1489 wurde das Wappen verbessert, und der den Kessel haltende Löwe kam auf den Helm (Siebmacher Band: Bay Seite: 100 Tafel: 121). 1501 und 1621 folgten weitere Wappenbesserungen, erst eine Vermehrung um Pfinzing, dann im Oberwappen. Wahrscheinlich stammt diese Scheibe aus St. Sebald und dort aus dem ehemaligen Oelhafen-Fenster. Als wahrscheinlicher Stifter kommt der kaiserliche Sekretär Sixtus Oelhafen (gest. 1539) in Frage. Dafür spricht erstens, daß die Darstellung ziemlich genau der auf seinem Epitaph für seine Frau, Anna Pfinzing. Und zweitens war es jener Sixtus Oelhafen, der den Fensterplatz in St. Sebald, wo diese Scheibe her stammt, den zuvor die erloschenen Prünsterer innehatten, erworben hatte und neu gestaltete.

Das dritte Fenster der Reihe zeigt den hl. Hieronymus in der Kleidung eines Kardinals mit dem aufgerichteten Löwen.

Während die dritte Fensterebene von oben ohne Wappendarstellungen ist und stattdessen die mystische Vermählung der hl. Katharina und den hl. Christophorus zeigt, wird die vierte Zone gänzlich von den Holzschuher (Holzschuher von Harrlach) geprägt: Gleich dreimal sieht man ihr Stifterwappen, doch für drei unterschiedliche Personen, wie man an den jeweils verschiedenen Beiwappen für die Ehefrauen erkennen kann. In allen drei Fällen sehen wir das Stammwappen der Holzschuher, ein redendes Wappen, denn es zeigt in Gold einen schwarzen, oft auch rot gefütterten Holzschuh mit silberner Einfassung. Der Schuh wird normalerweise größtenteils schwarz dargestellt, das hier vorherrschende Silber ist ein kunsthandwerklicher Tribut an die Technik der Glasfenster, wo schwarzes Glas eben einfach nicht wirkt, und deshalb wird die schwarze Fläche eher auf ein Minimum reduziert. Das Wappen der Holzschuher wurde 1503 durch König Emanuel von Portugal vermehrt, hier jedoch sehen wir das reine Stammwappen. Auf dem Helm mit rot-goldenen Decken wird ein wachsender, rot gekleideter Mohrenrumpf mit roter, golden gestulpter Mütze geführt, die drei Glasscheiben zeigen eine gewisse Variationsbreite des Motivs. Das Wappen wird im Siebmacher (Siebmacher Band: Bay Seite: 40 Tafel: 38, Band: ThüA Seite: 59 Tafel: 46, Band: Erg Seite: 31 Tafel: 14, Band: Erg Seite: 36 Tafel: 16, Band: Pr Seite: 46 Tafel: 59) beschrieben.

Insgesamt haben die drei Vertreter der Holzschuher hier vier Beiwappen für die Ehefrauen. Im linken Beispiel ist das das Wappen der Pömer (Pömer von Diepoltsdorf), schrägrechts geteilt, oben von Silber und Rot dreimal schräggeteilt, unten Schwarz, hier gewendet. In der mittleren Abb. ist mit viel Wohlwollen zu erkennen, daß das Wappen Haller gemeint ist. Im rechten Beispiel ist das optisch linke Beiwappen das der Tucher (Tucher von Simmelsdorf), es ist geteilt, oben von Schwarz und Silber fünfmal schräglinks geteilt, unten in Gold ein schwarzer Mohrenkopf. Das zweite Beiwappen zeigt in Gold eine Lilie (Mielich?).

Alle drei Scheiben stammen ursprünglich aus dem Holzschuher-Fenster der Kirche St. Sebald. Jenes besaß einst in den unteren zwei Reihen insgesamt acht Scheiben, davon sechs mit Wappendarstellungen. Der untere Bereich des Sebalder Fensters läßt sich aufgrund von Abzeichnungen aus dem 18. Jh. rekonstruieren: Die unterste Zeile enthielt 4 einfache, d. h. nicht vermehrte Holzschuher-Wappen mit Oberwappen und Beischilden, die zweite Reihe hatte zwei in den mittleren beiden Bahnen, flankiert von zwei Feldern mit Heiligendarstellungen (Petrus und Sebaldus, die Patrone von St. Sebald, beide Scheiben heute in St. Lorenz). Aufgrund der Beischilde lassen sich alle sechs Wappen zuordnen. Sie repräsentierten in der ersten Reihe die vier Brüder Paul Holzschuher (gest. 1447), vermählt 1427 mit Klara Haller, Berthold V. Holzschuher (gest. 1449), vermählt 1424 mit Kunigunde Groland, Karl II. Holzschuher (gest. 1456), vermählt 1420 mit Barbara Rummel, und Friedrich VIII. Holzschuher (gest. 1431), vermählt 1413 mit Margarete Kress. Diese vier Brüder wurden die Stammeltern der unterschiedlichen Familienlinien. In der zweiten Reihe handelte es sich um deren Großvater, Friedrich V. Holzschuher (gest. 1357), vermählt mit Gerhaus Pömer, und um deren Vater, Karl I. Holzschuher (1332-1422), vermählt mit Felicitas von Ammerthal und danach mit Christina Pfinzing. Drei dieser Scheiben sehen wir nun hier in der Frauenkirche, von links nach rechts das Wappen Holzschuher mit dem Beischild Pömer, das Wappen Holzschuher mit dem schlecht restaurierten Beischild Haller sowie das Wappen Holzschuher mit den ganz falsch erneuerten Beischilden Tucher und Mielich (?), denn hier wären unter Berücksichtigung der anderen erhaltenen Scheiben und des dokumentierten Originalkontextes nur die Beischilde Groland oder Kress möglich gewesen. Eine vierte Wappenscheibe dieser Gruppe wird weiter unten abgebildet. Im Chor der Frauenkirche ist noch eine fünfte Scheibe (ohne Abb.) aus St. Sebald untergebracht, das Wappen Holzschuher mit den Beiwappen Pfinzing (später eingeflickt) und Rummel, also auch diese Scheibe wurde nachträglich verändert.

Die fünfte - und damit zweitunterste - Zone besitzt in den beiden äußeren Feldern identische Wappen, es ist das der Schlüsselfelder (Schlüsselfelder von Kirchensittenbach) und es zeigt in von Silber und Schwarz geteiltem Schild drei deichselförmig im Dreipaß gestellte Schlüssel an einem gemeinsamen Ring in verwechselten Farben. Auf dem schwarz-silbern bewulsteten Helm mit schwarz-silbernen Decken ein offener Flug, jeweils mit dem Schildbild. Das Wappen wird im Siebmacher (Band: BayA1 Seite: 90 Tafel: 90) beschrieben. Dort wird auch eine zweite Helmzier erwähnt, ein wachsender schwarzer Mannesrumpf mit einer schwarz-silbernen Binde um den Kopf, aus der ein schwarzer und ein silberner Schlüssel ragen, Decken ebenfalls schwarz-silbern. Die Schlüsselfelder dürfen nicht mit den Edelfreien von Schlüsselberg verwechselt werden, die 1347 mit der Erstürmung der Burg Neideck und dem Tod von Konrad von Schlüsselberg ausstarben. 1536 wurde die Familie der Schlüsselfelder in Nürnberg ratsfähig. Die Schlüsselfelder sind insofern hervorzuheben, als eigentlich mit dem Erlaß des Tanzstatuts von 1521 der Kreis der ratsfähigen Familien von Nürnberg endgültig festgeschrieben worden war, was das Nürnberger Patriziat fast kastenartig gegen Ausweitung abschloß. Die Schlüsselfelder waren die große Ausnahme, denn sie wurden 1536 noch kooptiert, weiterhin wurde dabei den Oelhafen und den Scheurl die Gerichtsfähigkeit zuerkannt. Die nächste Kooptierung fand erst 1729, dann 1788 statt. Ihre Sitze waren das Schloß Kirchensittenbach (bei Hersbruck) und Schloß Kugelhammer (bei Röthenbach). 1709 erlosch die Familie mit Johann Karl Schlüsselfelder. Das linke der beiden Fenster ist übrigens auf 1590 datiert. Die rechte Scheibe ist zwar in diesem Bereich wesentlich dunkler, aber in der Vergrößerung erkennt man auch hier die gleiche Jahreszahl.

In der Mitte befindet sich das Wappen der Tucher (Tucher von Simmelsdorf). Der Schild ist geteilt, oben von Silber und Schwarz fünfmal schräglinks geteilt, unten in Gold ein schwarzer Mohrenkopf. Auf dem Helm mit hier golden-schwarzen Decken ein wachsender, golden gekleideter Mohr, anstelle der Arme zwei hier silbern-schwarz-golden zweimal geteilte Büffelhörner. Das Wappen wird im Siebmacher (Band: Bay, Seite: 61, Tafel: 65) beschrieben. Das ursprüngliche Wappen zeigte offensichtlich nur die Schrägteilungen. Dann kam nach Schöler ein Kopf, vermutlich ein Königskopf, im unteren Teil hinzu, der dann später zu einem Mauritius-Kopf umgedeutet wurde und schwarz wurde. Die Tucher sind ein altes ratsfähiges nürnbergisches Patriziergeschlecht, das seinen Beinamen nach dem 1598 erworbenen Rittergut Simmelsdorf bei Lauf hat und welches am 16.4.1815 durch König Max I. von Bayern in den Freiherrenstand erhoben wurde. Der Mohrenkopf der Tucher findet sich heute wieder im komplexen Wappen der Nürnberger Landgemeinde Simmelsdorf, in dem die Tucher seit 1598 einen Stammsitz hatten.

Die sechste und unterste Zone des Fensters zeigt drei verschiedene Wappenscheiben. Links außen ist das bereits oben beschrieben Wappen der Holzschuher (Holzschuher von Harrlach), in Gold ein schwarzer Holzschuh mit silberner Einfassung. Auf dem Helm mit rot-goldenen Decken ein wachsender, rot gekleideter Mohrenrumpf mit roter, golden gestulpter Mütze. Dieses Wappen wird von zwei Beiwappen begleitet, das optisch linke ist silbern-schwarz geteilt, das optisch rechte schwarz-silbern dreimal gespalten. Diese Scheibe gehört zu der vorerwähnten Gruppe der Wappenscheiben aus dem Holzschuher-Fenster aus St. Sebald; es ist das vierte dieser Gruppe. Das Wappen Holzschuher mit den Beischilden Pfinzing und Ammerthal steht für Karl I. Holzschuher (1332-1422), vermählt mit Felicitas von Ammerthal und danach mit Christina Pfinzing.

Die mittlere Scheibe fällt stilistisch und zeitlich und auch regional aus dem bisherigen Rahmen, die Scheibe ist von der Darstellung her jünger einzustufen und stellt auch kein Wappen eines alten Nürnberger Patriziergeschlechtes dar. Es ist das Wappen der v. Soden (Hannoverscher Uradel, beschrieben im Siebmacher Band: Bay Seite: 22 Tafel: 16, Band: Pr Seite: 65 Tafel: 84, Band: Pr Seite: 384 Tafel: 432, Band: PrGfN Seite: 22 Tafel: 17, Band: PrGfN Seite: 37 Tafel: 29, Band: Wü Seite: 4 Tafel: 4, Band: Wü Seite: 12 Tafel: 14, Schöler Seite 92, Tafel 51), von Rot und Silber geteilt mit zwei Rosen in verwechselten Farben. Auf dem gekrönten Helm mit roten (eigentlich rot-silbernen) Decken zwei Fähnchen, das rechte silbern an rotem Stab mit goldener Lanzenspitze, das linke rot an goldenem Stab mit ebensolcher Lanzenspitze. In der genannten Literatur werden die Fähnchen in vielen Varianten beschrieben. Es handelt sich um eine Neuanfertigung des 17. Jh.

Das dritte und letzte Wappen in dieser Reihe ist wieder das eines traditionsreichen nürnbergischen Patriziergeschlechtes, der Kress (Kress von Kressenstein): In Rot ein schrägrechts gestelltes silbernes Schwert. Auf dem Helm mit rot-silbernen Decken wachsend ein Mannesrumpf in rotem Gewand, auf dem Haupte eine rote, silbern gestulpte Mütze, balkenweise im Mund ein silbernes Schwert tragend. Das Wappen findet sich im Siebmacher (Band: Bay Seite: 43 Tafel: 42, Band: He Seite: 16 Tafel: 17, Band: Old Seite: 7 Tafel: 6). 1530 erfuhren die Kress eine Wappenverbesserung. Unten links sehen wir ein Beiwappen Tucher für die Ehefrau. Eine von mehreren möglicherweise zutreffenden Verbindungen zwischen beiden Familien und eine zeitlich plausible wäre z. B. die zwischen Christoph Kress (erster Kress von Kressenstein), geb. 1484, gest.1535, und der 1513 geehelichten Helena Tucher (1494-1562). Christoph Kress von Kressenstein war der bedeutendste Sproß der Familie und wurde bekannt als Diplomat der Stadt Nürnberg und als Kriegshauptmann des Schwäbischen Städtebundes. Er saß zu Kraftshof, Schoppershof und Veilhof.

Details aus o.g. Wappenfenstern. Links und Mitte: Details von Holzschuher-Wappen, rechts: Detail vom Soden-Wappen. Unten: Position des beschriebenen Wappenfensters in der Kirche.

Literatur, Links und Quellen:
Veröffentlichung der Innenaufnahmen aus der Frauenkirche mit freundlicher Erlaubnis von Herrn Pfarrer Roland Huth vom 9.7.2010, wofür ihm an dieser Stelle herzlich gedankt sei.
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere der Band Bayern
Eugen Schöler, Historische Familienwappen in Franken, Verlag Degener / Bauer Raspe, Neustadt an der Aisch, 3. Aufl. 1999, Nachdruck 2002, ISBN 3-87947-112-6

Peter Fleischmann, Rat und Patriziat in Nürnberg. Nürnberger Forschungen, Einzelarbeiten zur Nürnberger Geschichte, herausgegeben vom Verein für Geschichte der Stadt Nürnberg. Bände 31/1, 31/2, 21/3 (Stammbäume) und 31/4. VDS Verlagsdruckerei Schmidt, Neustadt an der Aisch. ISBN 978-3-87191-333-4.
Frauenkirche Nürnberg: http://www.frauenkirche-nuernberg.de/
Kurzführer zur Frauenkirche
http://www.erzbistum-bamberg.de/......../kurzfuehrer/Deutsch.html
Virtueller Rundgang:
http://www.familie-wimmer.com/orte/o02/o02fk/fk04/index.html
Robert Leyh, Die Frauenkirche zu Nürnberg. Katholische Pfarrkirche Unserer Lieben Frau, mit Photos von Reinhard Bruckner, 56 S., Schnell und Steiner Verlag, 1992 (Große Kunstführer, Band 167), München, Zürich, ISBN 3-7954-0721-4
Nürnberger Patriziat im Historischen Lexikon Bayerns:
http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/artikel/artikel_45240
Hartmut Scholz: Corpus Vitrearum Medii Aevi Deutschland Bd. X, 2, die mittelalterlichen Glasmalereien in Nürnberg, St. Sebalder Stadtseite, Deutscher Verlag für Kunstwissenschaft, Berlin 2013, 712 S., ISBN 978-3-87157-236-4, S. 275 ff., S. 437 ff.,
http://www.corpusvitrearum.de/projekt/publikationen/cvma-x-2.html, pdf: http://www.corpusvitrearum.de/fileadmin/user_upload/PDF/CVMA_X_2_Nuerrnberg_Sebalder_Stadtseite.pdf

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