Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1384
Bad Wildungen (Landkreis Waldeck-Frankenberg)

Schloß Friedrichstein in Bad Wildungen

In beherrschender Lage erstrahlt das barocke Schloß Friedrichstein auf dem nördlichen Nachbarhügel von Bad Wildungen. Was wir heute sehen, entstammt im wesentlichen der Barockzeit und ist ein weitestgehender Neubau ab 1663. Der Vorgängerbau war ein Renaissance-Schloß, welches Philipp IV. zu Waldeck (1493-1574) errichten ließ. Der Ort selbst, eine Gründung unter den Landgrafen von Thüringen, wurde 1263 waldeckischer Besitz. Er erlangte Bedeutung als eigenständige Residenzstadt, als sich das Haus Waldeck in die Eisenberger Linie und die Wildunger Linie aufspaltete und letztere das neugebaute Schloß 1665 als alleinige Residenz bezog. Im Jahre 1692 wurden die Teilgrafschaften nach dem Tod von Graf Georg Friedrich von Waldeck-Eisenberg wieder unter Graf Christian von Waldeck-Wildungen in einer Hand vereinigt. Heute gehört das Schloß dem Land Hessen, hier ist das Jagdmuseum als Außenstelle der staatlichen Kunstsammlungen Kassel untergebracht. Das Schloß, eine nach Nordosten offene Dreiflügelanlage mit westlichem Rundturm, kann besichtigt werden.

Ein Wappenstein jüngeren Datums begegnet uns im Innenhof des Schlosses über dem Hauptportal, welches in den oben sichtbaren Südwestflügel führt. Es handelt sich um ein Allianzwappen Waldeck/Nassau. Der heraldisch rechte Schild ist wie folgt aufgebaut:

Der heraldisch linke Schild ist geviert:

Die Wappen über dem 1665 vom Bildhauer Rudolf Kippenhahn geschaffenen rustizierten Portal in dessen gebrochenen Giebel gehören zu dem Bauherrn Josias II. Graf v. Waldeck und Pyrmont (1636 - 8.8.1669), Sohn von Philipp VII. Graf v. Waldeck-Wildungen (25.11.1613 - 24.2.1645) und Anna Katharina Gräfin v. Sayn und Wittgenstein (2.7.1610 - 3.9.1690), und seiner Frau Wilhelmine Christine Gräfin v. Nassau-Siegen (1629 - 22.1.1700), Tochter von Wilhelm Graf v. Nassau-Siegen (13.8.1592 - 1642) und Christina Gräfin v. Erbach (5.6.1596 - 6.7.1646). Graf Josias, 1660 zu Wildungen, begann 1663 mit dem Neubau, er konnte sich aber nicht lange an ihm freuen, denn er fiel als venezianischer General im Jahr 1669 im Kampf gegen die Osmanen auf Kreta. Das Schloß wurde von seinen Nachfahren weitergebaut.

Der ältere Wappenstein begegnet uns draußen vor dem Tor, rechterhand auf dem dreigeschossigen Rundturm hoch über dem Schloßgraben, schräg nach Norden der Schloßbrücke zugewandt. Dieser Turm auf hohem Sockel ist eines der ganz wenigen Bauteile, die noch aus der Renaissance stammen, der letzte Rest einer einst großzügigen Anlage, und aus dieser Epoche stammt auch das Allianzwappen Waldeck/Ostfriesland, von einem seitlich und oben vortretenden Rahmen mit innerer Kehle eingefaßt. Die Inschrift lautet: "PHILIPS GRAF ZV WALDECK - MARGRETA GEBO: ZV OISTFRICZ" also Philipp IV. Graf v. Waldeck-Wildungen (1493 - 30.11.1574) und Margarete v. Ostfriesland (1500-15.7.1537) Die Datierung auf 1550 steht auf einer kleinen Tafel mit schriftbandartig geschwungenem Rand zwischen den beiden Namen.

Das Stammwappen der Grafen von Waldeck ist heraldisch rechts und zeigt in Gold einen achtstrahligen schwarzen Stern. Die Helmzier ist ein goldener Flug, beiderseits belegt mit einem achtstrahligen schwarzen Stern. Die Helmdecken sind schwarz-golden.

Heraldisch links sehen wir das Wappen der Grafen von Ostfriesland, die aus dem ostfriesischen Häuptlingsgeschlecht der Circsena hervorgingen: In Schwarz ein goldener Jungfrauenadler, hier als Königsadler dargestellt ohne Brüste und mit Krone, begleitet von 4 (2:2) goldenen Sternen (eigentlich Sporenrädern). Auf dem Helm mit schwarz-goldenen Decken eine goldene Lilie zwischen zwei nach außen geneigten, schwarzen Straußenfedern. Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: FstA Seite: 205 Tafel: 255-256, ferner Band: Souv1 Seite: 28 Tafel: 50 und Band: Souv2 Seite: 119 Tafel: 120.

Das älteste Wappen der Circsena zeigt einen Jungfrauenadler (Harpyie) zwischen zwei Lilien. Die Sterne sind eigentlich Sporenräder und entstammen dem Wappen der Idzinga, einem alten ostfriesischen Häuptlingsgeschlecht zu Norden, deren Wappen in Siebmacher Band FstA, Seite: 208, Tafel: 261 und Band Souv2, Seite: 118, Tafel: 121 beschrieben wird: In Blau drei (2:1) silberne oder goldene Sporenräder, Helmzier unbekannt. Diese wurden in der Mitte des 15. Jh. von den Circsena beerbt. Aus den in ihrer Zahl um eines vermehrten Sporenrädern, gekennzeichnet durch das zentrale Loch für die Achse, wurden im Laufe der Zeit durch Nachlässigkeit Sterne. Diese wurden ursprünglichn in die vier Schildecken positioniert, später setzte sich dann die graphisch günstigere Position mit zwei neben dem Kopf innerhalb des Flügelbogens durch.

Philipp IV. Graf v. Waldeck-Wildungen (1493 - 30.11.1574) war der Sohn von Heinrich VIII. Graf v. Waldeck-Wildungen (1465 - 28.5.1513) und Anastasia v. Runkel (- 24.4.1503) und Enkel von Philipp I. Graf v. Waldeck-Wildungen (1445 - 1475) und Johanna v. Nassau (- 1468). Philipps Frau Margarete v. Ostfriesland (1500 - 15.7.1537) war die Tochter von Edzard I. Graf v. Ostfriesland (14.2.1462 - 16.2.1528) und Johanna v. Rietberg (- 13.7.1512) und Enkelin von Ulrich Graf v. Ostfriesland (- 27.9.1466) und Theda Ukena (- 17.9.1494).

Das Wappen der Circsena fand später Aufnahme in das vermehrte Wappen der Grafen von Ostfriesland und Rietberg (beschrieben im Westfälischen Wappenbuch), als Folge der Schlüsselheirat zwischen Enno III. Graf v. Ostfriesland (30.9.1563 - 1625) und Erbin Walpurgis Gräfin v. Rietberg (- 1586):

Drei gekrönte Helme:

Das Wappen der Circsena fand dann durch die Schlüsselheirat zwischen Fortunatus Joseph Maximilian Ulrich Graf v. Kaunitz-Rietberg (2.3.1679 - 10.9.1746) und Erbin Maria Ernestine Franziska Gräfin v. Ostfriesland u. Rietberg (4.8.1687 - 1.1.1758) weiterhin Eingang in das der Grafen von Kaunitz-Rietberg, später Grafen von Kaunitz-Rietberg-Questenberg. Deren Wappen ist durch zwei Spaltungen in drei Pfähle geschieden, belegt mit geviertem, in der Mitte wieder mit gekröntem Herzschilde bedecktem Mittelschilde (nach dem Westfälischen Wappenbuch).

vier Helme (oder alternativ Fürstenhut und Wappenmantel):

Decken rechts rot-silbern, links blau-golden.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher
Max von Spießen (Hrsg.): Wappenbuch des Westfälischen Adels, mit Zeichnungen von Professor Ad. M. Hildebrandt, 1. Band, Görlitz 1901 - 1903.
Schloß Friedrichstein:
http://forschung.gnm.de/ressourcen/schloesser/XML/156_Wildungen_SchlossFriedrichstein.xml
Genealogien:
Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9

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