Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1380
St. Martin (Pfalz, Landkreis Südliche Weinstraße)

Sankt Martin, Altes Schlößchen (Weingut Schneider) - Teil 1

Das sog. Alte Schlößchen (heutiger Besitzer: Weingut Schneider) in der Maikammerer Straße des idyllischen Ortes Sankt Martin hat gleich vier Fundstellen schöner Wappensteine. Einst hatte das Haus an der Straßenseite zwei Erker, davon wurde der rechte 1830 als baufällig abgetragen, der linke ist noch erhalten. Vom rechten Erker erkennt man nur noch unten an der Hauswand einen viereckigen Sockelstein.

An der Stelle des rechten Erkers ist der dort einst befindliche Wappenstein aus rotem Sandstein in die nun gerade Fassade zwischen die Fenster des Ergeschosses (gepaart) und die des ersten Obergeschosses (mit stichbogiger Hausteinrahmung und Scheitelstein, aus dem 18. Jh. stammend) eingelassen. Der Stein ist auf 1587 datiert und enthält in seinen drei Abschnitten insgesamt drei separate Vollwappen in einer querrechteckigen Kartusche mit Renaissance-Rollwerk am Rand.

Das Wappen der Edlen Hund von Saulheim ist in der Mitte angebracht und zeigt in Silber drei (2:1) rote Mondsicheln, einen schwarzen sechsstrahligen Stern einschließend. Hier sind die Mondsicheln mit den Spitzen nach heraldisch links gerichtet, in der Literatur nach rechts, also liegt Courtoisie vor. Auf dem Helm mit rot-silbernen Decken wächst aus einer liegenden, mit den Spitzen nach oben gerichteten, roten Mondsichel ein schwarzer Hahnenfederbusch. Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: NaA Seite: 44 Tafel: 74. Im Rietstap wird es unter "Hund de Salheim" geführt, im Zobel auf Tafel 289-291 nebst vielen anderen Varianten Saulheimer Familien. Saulheim liegt im Wormsgau, Nieder-Saulheim war ein Ganerbenbesitz (diese waren die Freiherren von Wallbrunn, von Langwerth, von Hund, von Horneck, von Dienheim, von Haxthausen und von Vorster) unter pfälzischer Landesherrschaft und blieb es bis zur Eroberung durch Revolutionstruppen Frankreichs. Die Ritter der Familie Hund von Saulheim gehörten ferner zur Burgmannschaft auf Burg Gutenfels über Kaub, weiterhin waren sie in Kiedrich bei Eltville ansässig. Das Geschlecht ist im 18. Jh. erloschen. Die Herren von Saulheim teilten sich insgesamt in sechs Linien: Neben den Hund von Saulheim gab es die ähnlichen Hürth von Saulheim, diese führen nach Siebmacher Band: NaA Seite: 35 Tafel: 57 in Silber drei (2:1) schwarze, mit den Spitzen nach rechts gerichtete Mondsicheln, und keinen Stern. Auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken haben die Hürth (Hirth) von Saulheim ein silbernes Paar Büffelhörner, jedes mit drei schwarzen, aufrechten Lindenblättchen belegt. Neben der schwarzen Variante werden auch für die Hürth von Saulheim rote Varianten bei Zobel abgebildet. Die Hürth sind kurz nach 1500 erloschen. Weitere Familienlinien mit Varianten der drei Monde sind die Mohn von Saulheim (in Schwarz drei (2:1) silberne Mondsicheln), die Kreis von Saulheim (in Silber ein von drei (2:1) schwarzen Mondsicheln begleiteter schwarzer Balken), die Erlenhaupt von Saulheim (in Blau drei (2:1) goldene Mondsicheln) und die Salentin von Saulheim, alle bei Zobel auf Tafel 289-291 beschrieben nebst den vielgestaltigen Helmzier-Varianten. Die drei Monde sind das bleibende Grundmotiv der Saulheimer Familien, durch die Farben und durch die Beizeichen wie Stern, Kleeblatt o.ä. werden die einzelnen Familien im Schild differenziert.

Das Wappen der Edlen von Dienheim ist auf dem Dreierstein heraldisch rechts, also optisch links zu sehen. Sie führen unter einem silbernen Schildhaupt in Rot einen gekrönten silbernen Löwen. Auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein wachsender silberner, gekrönter Löwenrumpf zwischen zwei silbern-rot geteilten Büffelhörnern. Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: NaA Seite: 20 Tafel: 29, im Rietstap/Rolland sowie im Zobel auf Tafel 77. Die Herren von Dienheim waren den Hund von Saulheim eng benachbart, sie erbauten in Nieder-Saulheim ein kleines Schloß.

Das dritte Wappen ist vermutlich das derer von Partenheim (nach Humbracht Praxedis von Partenheim, Ziegler nennt Hochstetten) und ist auf dem Dreierstein heraldisch links, also optisch rechts zu sehen. Sie führen in Silber einen von drei (2:1) roten Rosen begleiteten blauen Balken, auf dem Helm mit rot-silbernen Decken eine rote Rose zwischen einem offenen silbernen Flug, beiderseits mit einem oben von einer roten Rose begleiteten blauen Balken belegt. Das Wappen wird im Rietstap beschrieben (Decken blau-silbern angegeben), im Gruber sowie bei Zobel auf Tafel 256 (Decken jeweils rot-silbern angegeben).

Von insgesamt vier Wappensteinen am Gebäude ist dieser der einzige mit drei Wappen und mit diesem Wappen zusätzlich.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher
Den Inhabern ein herzliches Dankeschön für das nette Entgegenkommen, Einsichtnahme in Literatur und wertvolle Hinweise.
Weingut Schneider:
http://www.schneider-pfalz.de/ - http://www.altes-schloesschen.de/ - Geschichte: http://www.altes-schloesschen.de/wirUns/historie.htm
Cäcilie Ziegler, St. Martin, Geschichte eines Dorfes. Pfälzische Verlagsanstalt GmbH, Landau, 1984. ISBN 3-87629-047-3.
Saulheim:
http://www.regionalgeschichte.net/rheinhessen/region/orte/orte-s/saulheim.html
Herrn Rolf Zobel ein herzliches Dankeschön für wertvolle Hinweise.
Rietstap/Rolland
Rolf Zobel: Wappen an Mittelrhein und Mosel, Books on Demands GmbH, Norderstedt 2009, ISBN 978-3-8370-5292-3, 527 S.
Otto Gruber: Wappen des mittelrheinisch-moselländischen Adels, Trier 1962-1965, incl. Nachtrag Trier 1967, ebenfalls veröffentlicht in verschiedenen Jahrgängen der 'landeskundlichen Vierteljahresblätter'

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