Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1378
Bensheim (Kreis Bergstraße)

Schloß Schönberg über Bensheim

Hoch über der Stadt Bensheim liegt Schloß Schönberg auf einem nach Süden gerichteten Bergsporn. Während der Schloßpark den dreieckig zulaufenden Teil vor dem "Isthmus" einnimmt, befindet sich das Schloß auf dem südlich anhängenden zipfelförmigen Plateau hoch über dem Tal der Lauter. Ein gewaltiger Querriegel mit hohem, asymmetrisch auf die westliche Seite gerücktem Turm (einer der die früher vorhandene Schildmauer flankierenden Türme) begrenzt das Schloß nach Norden, wo an der Stelle des heutigen Parkplatzes bis 1612 noch ein Halsgraben war, daran schließt sich im Westen und im Süden eine der Rundung des Spornes folgende Bebauung an, die einen innen in Nord-Süd-Richtung freistehenden Bau umgreift, das zweistöckige Herrenhaus. Von der mittelalterlichen Bebauung zeugt wenig außer dem erwähnten Turm, denn 1504 wurde die Burg durch den Landgrafen Wilhelm von Hessen schwer beschädigt. Die bereits 1303 erwähnte Burg war nämlich ein pfälzisches Lehen, und der Pfalzgraf hatte in dem Landshuter Erbfolgekrieg eine Position bezogen, die alle Nachbarn gegen ihn aufbrachten. 1510, als sich die Gemüter wieder beruhigt hatten und der Kölner Schiedsspruch schon fünf Jahre her war, wurde Schönberg wieder den Erbachern zu Lehen gegeben.

Zum Schloß wurde Schönberg im 16. Jh. während der Renaissance ausgebaut. Die Schenken von Erbach, Lehensinhaber, wurden 1532 in den Grafenstand versetzt, und es setzte eine rege Wiederaufbau- , eigentlich eher eine Neubautätigkeit ein. Die Bautätigkeit setzte sich im 17. und 18. Jh. fort. Von 1613 stammt der Nordflügel, der sog. Alte Bau. Das Herrenhaus im Inneren des im Norden geraden, im Süden ovalen Bebauungsringes wurde bis 1616 zur heutigen Größe ausgebaut. Doch auch spätere Zeiten haben ihre Spuren an der Renaissance-Anlage hinterlassen: Besondere Bedeutung als eigenständige Residenz bekam Schönberg, als sich das gräfliche Haus 1717 teilte und das Schloß Sitz einer eigenen, nach ihm benannten Linie wurde, die übrigens 1903 in den Fürstenstand erhoben wurde. Georg August Graf zu Erbach-Schönberg, Herr zu Breuberg (17.6.1691 - 29.3.1758), vermählt mit Ferdinanda Henriette zu Stolberg-Gedern (2.10.1699 - 31.1.1750), ließ das Schloß umgestalten, insbesondere den Marstall und die Kaplanei im Südwesten errichten. Weitere Umgestaltungen folgten um 1840/50 im Stile der Zeit, was den Charakter des Schlosses veränderte und unpassende neogotische Formen einbrachte. Heute sind nicht mehr die Erbacher Besitzer des Schlosses, denn es wurde 1956 an die Ruhrknappschaft in Bochum verkauft, es wurde als Erholungsheim genutzt, und heute ist es nach einer 1992-95 durchgeführten Komplettsanierung ein Schulungszentum und eine Tagungsstätte.

Abb.: Alter Bau von Nordwesten, der nördliche Querriegel der Anlage. Er ist zweistöckig mit drei Zwerchhäusern im Satteldach mit Treppengiebel und besitzt östlich eine asymmetrisch liegende Tordurchfahrt in dem 1540 erbauten älteren Teil.

Rechts und links der Durchfahrt weichen die Fensterformen von den übrigen ab, denn hier sehen wir oben kielbogig geschlossene Gewände, sie stammen aus der ersten Hälfte des 16. Jh. Die Illusionsmalereien mit Renaissance-Formen an den Fenstern des Obergeschosses und der Zwerchhäuser sind nicht alt, sie stammen von 1962. Über dem Tor befindet sich das Wappen in einer üppigen Renaissance-Kartusche mit Fruchtgebinden. Die Inschrift datiert den Stein auf 1624 und ordnet den Stein Johann Kasimir Graf v. Erbach (10.8.1584 - 14.1.1627) zu, Sohn von Georg III. Graf zu Erbach Herr zu Breuberg (15.7.1548 - 1605), der 1569 sämtliche Erbach'schen Besitzungen vereinigte, und dessen zweiter Frau Anna Gräfin v. Solms-Laubach (31.3.1557 - 8.12.1586). Da Johann Casimir Graf v. Erbach, schwedischer Oberst, der gemeinsam mit den Brüdern regierte, kinderlos war, wurde die Erbfolge in den Erbacher Ländern von seinem Halbbruder Georg Albrecht I. Graf zu Erbach Herr zu Breuberg (16.12.1597 - 25.11.1647) fortgesetzt, der 1643 Alleinherrscher der Erbachischen Lande war.

Es handelt sich bei dem Wappenstein (der wohl ursprünglich nicht aus Schönberg stammt) um das um Breuberg vermehrte Erbacher Wappen: Feld 1 und 4: rot-silbern geteilt mit drei (2:1) sechsstrahligen Sternen in verwechselten Farben (Grafen von Erbach), Feld 2 und 3: in Silber zwei rote Balken (Herrschaft Breuberg). Auf gekröntem Helm ein Paar Büffelhörner, silbern-rot übereck geteilt, Stammkleinod der Grafen von Erbach, bereichert um zwei schräggekreuzte Fähnchen, silbern und mit zwei roten Balken, die für die Breuberg'sche Erbschaft stehen. Decken rot-silbern.

Abb. links: Silberturm, von Norden gesehen. Dieser vortretende, einst in den Graben vorgeschobene und heute viergeschossige Turm flankierte einst die nach Norden, der einzig wahrscheinlichen Angriffsseite, gerichtete Schildmauer der mittelalterlichen Burg. Der polygonale Aufsatz und der Spitzhelm stammen freilich aus der Zeit des neogotischen Umbaus im 19. Jh. Rechts angrenzend befindet sich der Küchenbau.

Abb. rechts: Blick von Süden auf den Marstalltrakt, der die Südwest"ecke" der Bebauung bildet. Mächtige Strebepfeiler stützen die Mauern ab. Typisch für den Marstall sind die liegenden ovalen Öffnungen. Anläßlich der Komplettrenovierung 1992-95 und des Umbaus in ein Bildungszentrum wurde der Marstall modern aufgestockt. Rechts schließt das ebenfalls barocke Kaplaneigebäude von 1728/29 mit hohem Mansarddach an. Beide Einheiten sind Baumaßnahmen von Georg August Graf zu Erbach-Schönberg, Herr zu Breuberg (17.6.1691 - 29.3.1758).

Jenseits des Tores befinden sich gemäß Lit. weitere Wappendarstellungen:

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher
Kulturdenkmäler in Hessen: http://denkxweb.denkmalpflege-hessen.de/cgi-bin/mapwalk.pl?gg=167960935&obj=28895&session=32319&event=Query.Details
Schloß Bensheim:
http://forschung.gnm.de/ressourcen/schloesser/XML/131_SchoenbergBensheim_Schloss.xml
Peter W. Sattler, Helga Bartmann: Erbach im Odenwald: Wappen erzählen Geschichte. Aus der Geschichte von Stadt und Grafschaft Erbach, Band 7, Herausgeber: Magistrat der Kreisstadt Erbach im Odenwald und Historischer Verein für die Kreisstadt und ehemalige Grafschaft Erbach e.V., ISBN 3-9801518-2-4
Hartmut Platte: Das Gräfliche Haus Erbach-Erbach, Heft 8 der Reihe Deutsche Fürstenhäuser, Börde-Verlag Werl, 2004, ISBN 3-9807740-6-6
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder - die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. C. H. Beck Verlag München 7. Auflage 2007, ISBN 978-3-406-54986-1

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