Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1374
Böchingen (Pfalz, Landkreis Südliche Weinstraße)

Ev. Kirche Böchingen, Grabdenkmäler

Eine Treppe führt von der Straße zu einem idyllischen, baumbestandenen Vorplatz vor der Böchinger evangelischen Kirche, an dessen linker Mauerbegrenzung fünf Grabplatten der Familie Zaiskam befestigt sind. Im Innern der Kirche befinden sich Epitaphien der Familie. Die Zaiskam, die hier ihre Grablege hatten, gehören zum pfälzischen Niederadel und waren Inhaber des Lehens Böchingen seit 1408 und starben 1604 mit Wolf Christopf Zaiskam zu Dürkheim an der Hart aus.

Ganz links ist ein Stein mit der Inschrift "Anno 1566 den 7 Aprilis zwischen 6 und 7 Uhr starb die Edel und d.... von Zeiskeim der Selen Gott genedig sey." Optisch rechts, heraldisch links sehen wir das Zeiskam-Wappen, von Silber und Blau fünfmal geteilt, auf dem Helm mit blau-silbernen Decken ein von Silber und Blau fünfmal geteilter offener Flug. Im alten Siebmacher ist es auf Tafel 118 abgebildet, bei Zobel auf Tafel 380.

Optisch links, heraldisch rechts sehen wir das Wappen des Ehemannes aus der Familie Holzapfel von Herxheim. Das Wappen der ritterlichen Familie (Dienstmannen der Bischöfe von Speyer, der Äbte von Weißenburg, der Herren von Lichtenberg und von Fleckenstein, 1702 erloschen) ist silbern-blau geteilt, oben aus der Teilung wachsend zwei rote gestielte Äpfel. Auf dem Helm mit blau-silbernen Decken ein roter, gestielter Apfel zwischen zwei silbern-blau geteilten Büffelhörnern (Rietstap, Rolland, unter Elsaß geführt, Alberti S. 344, Kindler von Knobloch, Oberschwäbisches Geschlechterbuch - dort zwei weitere Äpfel in der Helmzier außen an den Büffelhörnern angegeben). Es ist ein redendes Wappen, das den Namen Holzapfel bildlich umsetzt.

Später wurde dieses Wappen von einer anderen, schwäbisch-bayerischen Familie Holzapfel, die genealogisch nichts mit diesen Holzapfel hier zu tun hatte, sondern zum Biberacher und Augsburger Patriziat gehörte, in ihr eigenes Wappen aufgenommen. Die Augsburger Familie Holzapfel beanspruchte eine Abstammung, erhielt 1705 eine entsprechende Adelsbestätigung und das Recht, sich von Herxheim zu nennen, und sie nahmen das Wappen der ritterlichen Familie Holzapfel von Herxheim auf: Geviert, Feld 1 und 4 über grünem Dreiberg rot-silbern gespalten, aus dem Dreiberg zwei gestielte und beblätterte Äpfel in verwechselten Farben wachsend (bayerische Holzapfel), Feld 2 und 3: silbern-blau geteilt, oben aus der Teilung wachsend zwei natürliche, gestielte und beblätterte Äpfel (elsässisch-pfälzische Holzapfel). Helm 1 (rechts): gekrönt, ein wachsender Knabe in rot-silbern gespaltenem Gewand, der in der Rechten einen roten und in der Linken einen silbernen Apfel emporhält, jeweils mit grünem Stiel und Blättern. Decken rot-silbern (bayerische Holzapfel). Helm 2 (links): gekrönt, ein gestielter und beblätterter Apfel zwischen zwei silbern-blau geteilten Büffelhörnern, Decken blau-silbern (elsässisch-pfälzische Holzapfel). Eine klassische Usurpation, wo fälschlicherweise von Namensgleichheit auf Abstammungsgemeinschaft geschlossen wurde, um der eigenen Familie ein höheres Ansehen und ein gebessertes Wappen zu verschaffen (vgl. Siebmacher Band: Bay Seite: 86 Tafel: 100, Rietstap/Rolland, Alberti S. 344). Die Verwandtschaft ist nicht nur nicht belegt, sondern auszuschließen (Stammbäume beider Familien bei Kindler von Knobloch, Oberschwäbisches Geschlechterbuch).

Eine schlichte Platte mit zwei gerade nebeneinander gerückten Wappenschilden trägt zwischen zwei Linien folgende Inschrift: "an(n)o a(o)m(ini) m cccc xx v ii sept(im)o kal(endae) augusti obiit domicell(us) heinric(us) se(n)ior d(e) Zeiske(m)". Zweimal wird das wie eine Zahl 9 aussehende Kürzel für die lateinische männliche Endung "us" verwendet. Die Platte ist also laut Inschrift für den am 26.7.1427 verstorbenen Heinrich von Zeiskam, Herr in Böchingen. Wie kommt es zu dem Datum? Die Kalenden sind der jeweils erste Tag eines Monats. Die Kalenden entsprachen damit einer Mondphase, dem Neumond, so wie die Iden den Vollmond bezeichneten, die Nonen den zunehmenden und die Terminalien den abnehmenden Halbmond. und der 26. des Monats Juli ist der siebte Tag vor dem Monatsanfang des August, Endpunkte jeweils mitgerechnet, also der siebte Tag vor den Kalenden des August, also eigentlich "ante diem VII kalendas Augusti". Das heraldisch rechte Wappen ist gespalten mit zwei Rosen, Hinweise zu Tingierung und Literaturquellen willkommen. Das heraldisch linke Wappen ist das der Familie Zeiskam wie oben beschrieben. Ungeklärt ist ferner, warum das Wappen des Ehemannes hier heraldisch links ist und nicht den üblichen Platz einnimmt, während das Rosenwappen für seine Frau Margarethe gen. Meikemer heraldisch rechts ist.

Diese prunkvolle Platte für ein mit 18 Jahren gestorbenes Kind trägt die Inschriften "MARGARIS HOC GELIDO TVMVLOR SEBACHIA SAXO COELVM ANIMAM RECIPIT FRIGIDVS OSSA LAPIS" - "QVID GEMIS O CONIVNX ITERVM IVNGEMVR AMANTES E COELIS SONITVM CVM TVBA CLARA DABIT" - "AN CHRI MDLXXVII AET(ATE) SVAE XVIII ....." Zwei Wappenschilde sind in den unteren beiden Ecken im 45°-Winkel nach innen geneigt, beide in kartuschenförmig seitlich ausgezogenen und unten eingerollten Schildformen und oben auf einem kleinen Schriftband mit "PFOOW" und "DALBVRG" beschriftet.

Das optisch linke Wappen ist das der Pfau von Rüppur, nach Rüppurr, dem heutigen Stadtteil von Karlsruhe. Es zeigt in Rot zwei pfahlweise gestellte, voneinander abgekehrte altertümliche silberne Schlüssel. Die nicht dargestellte Helmzier wäre auf einem Helm mit rot-silbernen Decken das Schildbild. Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: WüA Seite: 206 Tafel: 112, im Alberti S. 663, bei Kindler von Knobloch im Oberbadischen Geschlechterbuch S. 77 ff, ferner ist es im Stadionschen Wappenbuch zu finden. Die Familienmitglieder waren Anfang des 15. Jh. Kirchherren zu Holzgerlingen, und seit 1584 besaßen sie die Burg Ober-Mönsheim als badisches Lehen. Sie waren Nachfolger der Schenken von Winterstetten in diesem Lehen. Sie hatten dazu ein württembergisches Lehen seit 1640, den Burgstall zu Unter-Mönsheim. Die Familie erlosch 1782 im Mannesstamm mit Christoph Friedrich Frhr. v. Rüppur. Nach ihrem Aussterben nahmen die eigentlich brandenburgischen Herren von Phull das Schlüsselwappen in das ihrige auf (Alberti S. 597), das Schildbild kam in die linke Spalthälfte des vermehrten Wappens der v. Phull-Rüppur, und der Helm mit den Schlüsseln wurde auf Position 2 geführt. Der Hintergrund war die Heirat von Philippine Charlotte Franziska Freiin von Rüppur, Tochter von Christoph Friedrich Frhr. v. Rüppur und Erbin, mit Ernst Leopold August Gotthelf v. Phull, württembergischer Staatsminister, gest. 1828.

Das optisch rechte Wappen ist das der Kämmerer von Worms, genannt von Dalberg: Unter einem mit drei Spitzen abgeteilten goldenen Schildhaupt in Blau 6 (3:2:1) silberne Lilien (Kämmerer von Worms). Die dazugehörige Helmzier wäre ein wie der Schild bez. Flug, Decken blau-golden.

Eine weitere Platte ohne jede Inschrift hat als einzigen Schmuck zwei Wappenschilde, heraldisch rechts den der Kämmerer von Worms, genannt von Dalberg: Unter einem mit drei Spitzen abgeteilten goldenen Schildhaupt in Blau 6 (3:2:1) silberne Lilien, heraldisch links den der Zaiskam, von Silber und Blau fünfmal geteilt.

Eine letzte Platte trägt nur einen einzigen Schild mit dem Zaiskam-Wappen, von Silber und Blau fünfmal geteilt, innerhalb einer Inschrift, die den Stein "anno domini m cccc xx vii ...." auf 1427 datiert.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher
Rietstap, Rolland
Rolf Zobel: Wappen an Mittelrhein und Mosel, Books on Demands GmbH, Norderstedt 2009, ISBN 978-3-8370-5292-3, 527 S.
J. Siebmachers Grosses Wappenbuch Band E. Württembergisches Adels- und Wappenbuch. Im Auftrage des Württembergischen Altertumsvereins begonnen von Otto v. Alberti, Bauer & Raspe 1975 (Reprint), 1112 Texts. mit 4132 Wappen + 122 S. Figurenverzeichnis.
Ein herzliches Dankeschön an Frau A. Zangl für wertvolle Erläuterungen und den Hinweis auf diese Steine.
Kindler von Knobloch, Julius (Bearb.) / Badische Historische Kommission (Hrsg.), Heidelberg, 1898, Oberbadisches Geschlechterbuch: http://diglit.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kindlervonknobloch1898ga - Band 1 http://diglit.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kindlervonknobloch1898bd1 - Band 2 http://diglit.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kindlervonknobloch1898bd2 - Band 3 http://diglit.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kindlervonknobloch1919bd3

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