Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1351
Wiltz (Großherzogtum Luxembourg)

Dekanatskirche Niederwiltz - Epitaph für Catherine de Wiltz (Katharina von Wiltz)

Die Dekanatskirche zu Niederwiltz ist eines der wichtigsten Zeugnisse spätmittelalterlicher Baukunst im Großherzogtum; trotz späterer An- und Umbauten hat sich hier bedeutende spätgotische Bausubstanz erhalten. Hier befindet sich die Grablege der Herren von Wiltz, und mehrere heraldisch äußerst interessante Epitaphien sind im alten Chorraum aufgestellt. Ein mit einer üppigen Ahnenprobe von insgesamt acht Wappenschilden ausgestattetes Epitaph ist das für die allzu jung verstorbene Catherine de Wiltz (Katharina von Wiltz).

Die Inschrift befindet sich in einer Kartusche unterhalb der Hauptzone mit der Figur und den Wappen auf dem Sockel. Sie lautet: "ANNO 1573 DEN 23 APRILIS IST VON DI(E)SER WELT IN GOT(T) VERSCHEIDEN IVNCKFREVCHEN KATARINA GEBOR(E)NE DOCHTER DES EDELEN IOHANSEN HER(R)N ZO WILTZ VND CLAVDIA GEBOR(E)NE BEIIERIN VON BOPPART FRAWEN DA SELBST DER SE(E)LEN GOT(T) DER AL(L)M(A)ECHTICH GN(A)EDICH SEIN WIL(L) I(H)RES ALTERS IM SEXTEN IA(H)R". Catherine de Wiltz starb also als Kind in ihrem sechsten Lebensjahr. Catherine de Wiltz, gest. 23.4.1573, war die Tochter von Johann Freiherr v. u. z. Wiltz und seiner zweiten Frau Claudia Beyer v. Boppard. Ihre vier Großeltern waren väterlicherseits Hartard v. Wiltz und Johanna v. Brandenburg, sowie mütterlicherseits Jörg Beyer von Boppard zu Bruchcastell und Anne de Dommartin. Ihre acht Urgroßeltern waren väterlicherseits Johann Herr v. Wiltz, Margareta (Marguerite) v. Mérode (de Mérode-Houffalize), Friedrich von Brandenbourg und Meysembourg, Herr zu Lagrange und Fontoy, Catherine d'Aspremont, sowie mütterlicherseits Johann Beyer von Boppard zu Bruchcastell, Eva von Isenburg-Grenzau, Wilhelm (Guillaume) de Dommartin und Anne de Neufchâtel et Fontoy. Damit ergibt sich ihr heraldischer Stammbaum wie folgt:


Johann v. Wiltz

Marguerite de Mérode-
Houffalize

Friedrich v. Brandenbourg

Katharina v. Aspremont

Johann Beyer v. Boppard

Eva von Isenburg-
Grenzau

Wilhelm v. Dommartin

Anne v. Neufchâtel

Hartard v. Wiltz

Johanna v. Brandenbourg

Jörg Beyer v. Boppard

Anne v. Dommartin

Johann Freiherr v. Wiltz

Claudia Beyer v. Boppard

Katharina v. Wiltz

Die väterlichen Ahnen sind heraldisch rechts, also auf dem optisch linken Pfeiler, die mütterlichen Ahnen heraldisch links, also auf dem optisch rechten Pfeiler. Beidesmal entspricht die Anordnung auf den Pfeilern von oben nach unten der Reihenfolge im Stammbaum von links nach rechts.

Eine prächtige Ahnenprobe von insgesamt 8 Wappen umgibt die Figur der Verstorbenen, vier auf jeder Seite. Auf dem optisch linken Pfeiler sind dies von oben nach unten die Wappen Wiltz, Mérode-Houffalize, Brandenbourg-Meysembourg-Clervaux und Aspremont, auf dem optisch rechten Pfeiler sind es von oben nach unten die Wappen Beyer von Boppard, Isenburg-Grenzau, Dommartin und Neufchâtel et Fontoy.

Abb. links: Wappen Wiltz, golden mit rotem Schildhaupt. Hier wird auf die Darstellung eines Oberwappens verzichtet. Helmzier wäre nach Gruber der Schild zwischen einem offenen goldenen Flug. Helmdecke rot-golden. Im Loutsch werden drei weitere Varianten gelistet, a) auf einem roten, golden gestulpten Turnierhut der Schild zwischen einem wie der Schild bez. Flug, b) nur ein wie der Schild bez. Flug oder auch c) der Schild zwischen einem roten Flug. Französischer Blason: D'or au chef de gueules. Cimier: un chapeau de tournoi de gueules retroussé d'or soutenant un écusson aux armes, entre un vol aussi aux armes, ou un vol aux armes, ou un écusson aux armes entre un vol de gueules. Da an den anderen Epitaphien der Kirche die Variante mit dem Schildchen zwischen einem Flug auf einem Turnierhut verwendet wird, ist hier auch von dieser Variante als zutreffend auszugehen. Dieses Wappen paßt zu Catherine de Wiltz, ihrem Vater Johann Freiherr v. u. z. Wiltz, ihrem Großvater Hartard v. Wiltz und ihrem Urgroßvater Johann Herr v. Wiltz.
Abb. Mitte: Wappen Mérode-Houffalize. Dieses Wappen paßt zu Katharinas Urgroßmutter Marguerite de Mérode-Houffalize. Hierzu die Entwicklung dieses Wappens im einzelnen:
Das Wappen der Scheiffart von Mérode zeigt in Gold vier rote Pfähle. Helmzier entweder der Schild zwischen einem goldenen Flug oder auf gekröntem Helm ein wachsender goldener Drache, eine Fahne haltend. Französischer Blason: D'or à quatre pals de gueules, cimier un écusson aux armes entre un vol d'or, ou un dragon d'or issant d'une couronne, tenant une bannière à la croix.
Das Wappen der von Mérode zeigt innerhalb eines blauen Dornenbordes in Gold vier rote Pfähle. Helmzier entweder der Schild zwischen einem rot-goldenen Flug oder nur ein roter Flug. Französischer Blason: D'or à quatre pals de gueules, à la bordure engreslée d'azur. Cimier un écusson aux armes entre un vol de gueules et d'or, ou un vol de gueules seulement.
Das Wappen der de Houffalize, die auf einen Bastard aus dem Hause Luxemburg zurückgehen, der die Erbin geheiratet hatte, zeigt in einem silbern-blau gestreiften Feld mit goldenem rechten Obereck einen roten, blau bewehrten und gezungten Löwen (andere Farbvarianten der Nebenteile möglich), manchmal blau oder golden gekrönt. Helmzier ein roter, sitzender Löwe, golden gezungt, gekrönt und bewehrt, zwischen zwei silbernen Hörnern, die mit je vier roten Balken belegt sind. Französischer Blason nach Loutsch: Burelé d'argent et d'azur, au franc-canton d'or, au lion de gueules, armé et lampassé d'azur, brochant. Le lion est parfois couronné d'azur ou d'or. Cimier un lion assis de gueules, lampassé, armé et couronné d'or, entre deux cornes d'argent 'a quatre fasces de gueules
Das Wappen der von Mérode-Houffalize ist geviert, Feld 1 und 4: innerhalb eines blauen Dornenbordes in Gold vier rote Pfähle, Feld 2 und 3: in einem silbern-blau gestreiften Feld mit goldenem rechten Obereck ein roter, golden gekrönter, bewehrter und gezungter Löwe (Houffalize). Die Anzahl der Streifen scheint variabel zu sein, manchmal liegt das Freiviertel über der Tatze, manchmal wird es sogar weggelassen, was aber fälschlicherweise Luxemburg ergäbe. Helmzier ein goldener, rot aufgeschlagener Turnierhut, besetzt mit einem roten Flug. Französischer Blason: Écartelé, aux 1 et 4 d'or à quatre pals de gueules, à la bordure engreslée d'azur, aux 2 et 3 burelé d'argent et d'azur, au franc-canton d'or, au lion de gueules, armé, couronné et lampassé d'or brochant. Cimier un chapeau de tournoi d'or retroussé de gueules, sommé d'un vol de gueules.
Daneben gibt es noch die Variante der von Mérode-Petersheim, das Wappen dieser Linie ist geviert, Feld 1 und 4: innerhalb eines blauen Dornenbordes in Gold vier rote Pfähle, Feld 2 und 3: in rotem, mit silbernen Schindeln bestreutem Feld ein silberner Löwe. Helmzier ein goldener, rot aufgeschlagener Turnierhut, besetzt mit einem roten Flug. Französischer Blason: Écartelé, aux 1 et 4 d'or à quatre pals de gueules, à la bordure engreslée d'azur, aux 2 et 3 de gueules au lion d'argent, le champ semé de billettes du même. Cimier un chapeau de tournoi d'or retroussé de gueules, sommé d'un vol de gueules. Neben diesen Zweigen der Mérode gibt es noch weitere, die sind für den Raum Luxemburg aber nicht von Bedeutung.
Abb. rechts: Wappen: Geviertes Wappen der de Brandenbourg-Meysembourg-Clervaux. Dieses Wappen paßt zu Katharinas Großmutter Johanna v. Brandenburg und zu ihrem Urgroßvater Friedrich von Brandenbourg und Meysembourg, Herr zu Lagrange und Fontoy. Die Herren von Brandenbourg kamen durch Heirat in den Besitz der Herrschaften Meysembourg und Clervaux. Hierzu die Entwicklung dieses Wappens im einzelnen:
Wappen der von Brandenburg/Brandenbourg, eine Nebenlinie der Grafen von Vianden, die das alte Wappen der Viandener Grafen beibehalten hat: In Rot ein silbernes Schildchen. Helmzier ein silbern (oder in Hermelin) gestulpter roter Turnierhut, oben mit einer mit schwarzen Hahnenfedern besteckten silbernen Kugel besetzt, Helmdecken rot-silbern (nach Gruber). Variation: auf dem Hut zwei rotgekleidete Hände/Schwurhände. Weitere Differenzierungen und Varianten sind bekannt (Hauptmann, Zobel). Französischer Blason (nach Loutsch): De gueules à l'écusson d'argent posé en abîme. Cimier un bonnet de gueules retroussé d'argent ou d'hermines, à deux bras étendus habillés de gueules, les mains de carnation fermées, tenant deux doigts élevés comme pour un serment.
Wappen der von Clervaux: Golden mit rotem, mit drei balkenweise gestellten silbernen Merletten belegtem Schildhaupt. Auf dem Helm zwei aufgereckte, rot gekleidete Arme, oder aber ein Paar gefehter Büffelhörner. Französischer Blason: D'or au chef de gueules, chargé de trois merlettes d'argent. Cimier deux bras élevés, habillés de gueules, ou deux proboscides de vair au naturel. Wir sehen an der Grundstruktur, daß dieses Wappen von dem der Herren von Wiltz abgeleitet ist und durch die Merletten differenziert wurde. Die Herren von Clervaux sind ein Zweig der Herren von Meysembourg, und diese stammen von den Herren von Wiltz ab.
Dieses ist das kombinierte Wappen der von Brandenbourg-Meysembourg-Clervaux: Geviert, Feld 1 und 4: in Rot ein silbernes Schildchen. Feld 2 und 3: golden mit rotem, mit drei balkenweise gestellten silbernen Merletten belegtem Schildhaupt. Helmzier ein Turnierhut oder eine Aigrette. Französischer Blason: Écartelé, aux 1 et 4 de gueules à l'écusson d'argent, aux 2 et 3 d'or au chef de gueules, chargé de trois merlettes d'argent. Cimier une aigrette ou un chapeau de tournoi. Im vorliegenden Fall sind die Merletten aus Courtoisie nach innen gewendet. Diese Courtoisie wird aber nicht konsequent eingehalten, denn die Löwen von Houffalize im Wappenschild darüber sind nicht gewendet.

Abb. links: Wappen der von Aspremont: In Rot ein silbernes, durchgehendes Kreuz. Die Helmzier wäre ein silberner, rotgezungter Adler. Französischer Blason: De gueules à la croix d'argent. Cimier une aigle d'argent lampassée de gueules. Dieses ist das Stammwappen der Aspremont. Davon existieren mehrere Differenzierungen, so hat der Zweig Busancy im ersten Viertel einen Stern, der Zweig Forbach im ersten Viertel eine Merlette, der Zweig Ham einen dreilätzigen Turnierkragen und der Zweig Chaumont trägt das Kreuz mit 5 (1:3:1) Muscheln zur Differenzierung. Dieses Wappen paßt zu Katharinas Urgroßmutter Katharina von Aspremont.
Abb. Mitte: Wappen der Beyer von Boppard. Dieses Wappen paßt zu Katharinas Mutter Claudia Beyer v. Boppard, ihrem Großvater Jörg Beyer von Boppard zu Bruchcastell und ihrem Urgroßvater Johann Beyer von Boppard zu Bruchcastell. Die Familie stammt eigentlich aus dem Mittelrheingebiet, kam aber durch den Metzer Fürstbischof Thierry Beyer de Boppart (Dietrich Beyer von Boppard) nach Lothringen und Luxemburg. Hierzu die Entwicklung dieses Wappens im einzelnen:
Stammwappen der Beyer von Boppard: In Silber ein schwarzer, rot bewehrter und gezungter, golden gekrönter Löwe. Auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken ein wachsender schwarzer, rot bewehrter und gezungter, golden gekrönter Löwenrumpf zwischen einem silbernen Flug. Französischer Blason: D'argent au lion de sable, armé et lampassé de gueules, couronné d'or. Cimier le lion de sable issant entre un vol d'argent.
Wappen der von Lössnich (Losenich, Lossnich): In rotem, mit goldenen Steckkreuzchen bestreutem Feld ein aus dem linken Schildrand hervorkommender silberner Frauenarm mit Hängeärmel, einen goldenen Fingerring mit blauem Stein haltend. Das Schildbild hat sich gewandelt, 1268 finden wir ein Siegel von Johann von Losenich mit Blume in der Hand, dann 1285 ein Siegel von Hermannus de Lusinig mit dem Ring, und 1320 führt Konrad von Lossenich den Arm silbern, in rotem, mit goldenen Steckkreuzchen bestreutem Feld, wobei die Kreuzchen ein differenzierendes Beizeichen sind. 1376 starb das Geschlecht mit ihm im Mannesstamm aus. Französischer Blason: De gueules au sénestrochère paré d'une manche à sac d'argent mouvant du flanc, tenant à la main une bague d'or chatonnée d'azur, le champ persemé de croisettes recroisettées au pied fiché d'or.
Vermehrtes Wappen der Beyer von Boppard: Geviert, Feld 1 und 4: in Silber ein schwarzer, rot bewehrter und gezungter, golden gekrönter Löwe, Feld 2 und 3: in rotem, mit goldenen Steckkreuzchen bestreutem Feld ein aus dem linken Schildrand hervorkommender silberner Frauenarm mit Hängeärmel mit goldenen Verzierungen, einen goldenen Fingerring mit blauem Stein haltend. Die Helmzier bleibt die des Stammwappens, alternativ ein mit zwei Pfauenfedern besteckter Turnierhut von Hermelin. Französischer Blason: Écartelé, aux 1 et 4 d'argent au lion de sable, armé et lampassé de gueules, couronné d'or, aux 2 et 3 de gueules au sénestrochère paré d'une manche à sac d'argent à broderies d'or mouvant du flanc, tenant à la main une bague d'or chatonnée d'azur, le champ persemé de croisettes recroisettées au pied fiché d'or. Cimier le lion de sable issant entre un vol d'argent, ou un chapeau de tournoi d'hermines, garni de deux plumes de paon.
Abb. rechts: Wappen der von Isenburg-Grenzau (d'Isembourg-Grenzau). Dieses Wappen paßt zu Katharinas Urgroßmutter Eva von Isenburg-Grenzau. Hierzu die Entwicklung dieses Wappens im einzelnen:
ältere Isenburg-Grenzau-Cleeberger Linie (erloschen 1439 im Mannesstamme): In Silber zwei schwarze Balken. Helmzier ein mit goldenen gestürzten Lindenblättern (Herzchen) bestreuter schwarzer Flug (in der Frühzeit sehr variabel). Helmdecken schwarz-silbern. Dieses Stammwappen führten später die Grafen und Fürsten von Isenburg-Büdingen. Französischer Blason: D'argent à deux fasces de sable. Cimier un vol de sable semé de feuilles de tilleul d'or, les tiges en haut.
Edle Herren und Grafen von Isenburg, Niederisenburger Linie, Salentinische Linie: In Silber zwei rote Balken. Helmzier ein silberner, mit zwei roten Balken belegter offener Flug. Helmdecken rot-silbern. Die von der Niederisenburger Linie sich um 1502 abzweigende und 1553 erloschene Neumagener Linie führt das gleiche Wappen. Ab 1408 erscheint ein silberner Flug mit den beiden roten Balken, zunächst geschlossen, später offen, offen erstmalig bei Gerlach von Isenburg 1449 und 1502. Ab der Mitte des 16. Jh. vereinigte diese Linie ihr Wappen mit Schild und Helm der älteren Grenzauer Linie. Französischer Blason: D'argent à deux fasces de gueules.
Linie Isenburg-Grenzau aus der Niederisenburger Linie: Geviert. Felder 1 und 4: In Silber zwei rote Balken. Felder 2 und 3: In Silber zwei schwarze Balken. Zwei Helme: Helm 1 (optisch links, heraldisch rechts): ein silberner, mit zwei roten Balken belegter offener Flug. Helmdecken rot-silbern. Helm 2 (optisch rechts, heraldisch links): ein silberner, mit zwei schwarzen Balken belegter offener Flug. Beide Helme ungekrönt. Helmdecken schwarz-silbern. 1439 erlosch die ältere Linie Isenburg-Grenzau aus der Cleeberger Linie im Mannesstamme. Salentin VI. Graf v. Nieder-Isenburg (ca. 1370 - nach 1458) heiratete die Erbtochter der Grenzauer Linie, Adelheid v. Isenburg-Büdingen-Grenzau (- nach 1401). Danach nannte sich diese Linie die jüngere Grenzauische Linie. Heinrich d. Ä. von Niederisenburg zu Grenzau siegelte erstmals 1542 mit diesem vermehrten Wappen. Sie starb mit dem Grafen Ernst 1664 aus, welcher seine Erblande an Trier verkaufte. Französischer Blason: Écartelé, aux 1 et 4 d'argent à deux fasces de gueules, aux 2 et 3 d'argent à deux fasces de sable.

Abb. links: Wappen der von Dommartin: In Schwarz ein durchgehendes silbernes Kreuz. Französischer Blason: De sable à la croix d'argent. Helmzier mir unbekannt, Hinweise willkommen. Dieses Wappen paßt zu Katharinas Großmutter Anne de Dommartin und ihrem Urgroßvater Wilhelm (Guillaume) de Dommartin.
Abb. rechts: Wappen der de Neufchâtel. Dieses Wappen paßt zu Katharinas Urgroßmutter Anne de Neufchâtel et Fontoy. Hierzu die Entwicklung dieses Wappens im einzelnen:
Stammwappen der de Neufchâtel: In Rot ein silberner Schrägbalken. Helmzier ein beiderseits mit einem silbernen Schrägbalken belegter roter Flug, Helmdecken rot-silbern. Französischer Blason: De gueules à la bande d'argent. Cimier un vol aux armes.
Altes Wappen der Freigrafschaft Burgund: In Rot ein silberner Adler. Französischer Blason: De gueules à l'aigle d'argent. Dieses Wappen hat nichts mit dem Wappen der Herzöge von Burgund zu tun. Und auch seit dem späten 13. Jahrhundert war ein ganz anderes Wappen (d'azur au lion d'or, le champ semé de billettes d'or, in blauem, mit goldenen Schindeln bestreutem Feld ein goldener Löwe) für die Freigrafschaft in Gebrauch, welches dem Wappen der heutigen französischen Region Franche-Comté entspricht, denn Graf Otto IV von Burgund hat Ende des 13. Jh. das Wappen gewechselt.
Vermehrtes Wappen der de Neufchâtel-Bourgogne: Geviert, Feld 1 und 4: In Rot ein silberner Schrägbalken. Feld 2 und 3: in Rot ein silberner Adler. Helmzier ein beiderseits mit einem silbernen Schrägbalken belegter roter Flug, Helmdecken rot-silbern. Französischer Blason: Écartelé, aux 1 et 4 de gueules à la bande d'argent, aux 2 et 3 de gueules à l'aigle d'argent. Zu dieser Wappenvermehrung kam es, als Thibaut VI Sire de Neufchâtel, Seigneur de Blamont, de Clemont, de Bermont, de l'Isle-sur-le-Doubs, du Chastelot, de Montbarrey, de Bans, de Nancuise et d'Hericourt, Vicomte de Baume (gest. ca. 1400/1401) die Erbin Marguerite de Bourgogne, Dame de Chemilly, de Montaigu, d'Amance, de Fontenoy-le-Chateau, de Scey-sur-Saone, de Fondremand, de Chissey, de Liesle et de Buffard geehelicht hatte. Sie war die Tochter von Henri de Montaigu und Isabeau de Thoire et Villars. Als Marguerites einziger Bruder Jean II de Bourgogne, Seigneur de Montaigu am 6.12.1373 ohne Kinder verstarb, trat der Erbfall ein, und die Güter der Familie kamen an die de Neufchâtel. Unter den Söhnen von Thibaut und Marguerite wurden die Ländereien aufgeteilt: Sohn Thibaud VII. de Neufchâtel, Seigneur du Chastelot et de Risnel (gest. 1396) bekam die Stammgüter der de Neufchâtel, und der jüngere Bruder Jean I de Neufchâtel, Seigneur de Montaigu, de Fontenoy-en-Voge, d'Amance, de Chemilly, de Fondremand, de Conflans, de Liesle, de Chissey, de Buffard, de Nanteuil-la-Fosse et de Sommevelle (gest. ca. 1430/1433) bekam die mütterlichen Güter, und auf ihn geht auch die kurzlebige Linie Neufchâtel-Montaigu zurück. Dieser Jean, 1410-1412 und 1415-1419 Generalkapitän von Burgund, 1414 burgundischer Rat, 1416 französischer Rat und Kämmerer, 1418 Grand Bouteiller de France, Ritter vom Orden des Goldenen Vlies, war es, der das Wappen vermehrte und den Adler aufnahm.

Literatur, Links und Quellen:
Veröffentlichung der Innenaufnahmen mit freundlicher Genehmigung von Herrn Dechant Martin Molitor vom 11.5.2010, wofür ihm an dieser Stelle ganz herzlich gedankt sei.
Siebmachers Wappenbücher
Dr. Jean-Claude Loutsch, Armorial du pays de Luxembourg, 1974
Rolf Zobel: Wappen an Mittelrhein und Mosel, Books on Demands GmbH, Norderstedt 2009, ISBN 978-3-8370-5292-3, 527 S.
Otto Gruber: Wappen des mittelrheinisch-moselländischen Adels, Trier 1962-1965, incl. Nachtrag Trier 1967, ebenfalls veröffentlicht in verschiedenen Jahrgängen der "landeskundlichen Vierteljahresblätter".
Felix Hauptmann (1856-1934), Zehn mittelrheinische Wappengruppen, Jahrbuch der Heraldischen Gesellschaft "Adler" in Wien 1900, 10, S. 1–43, http://edocs.ub.uni-frankfurt.de/volltexte/2008/10203/ und http://edocs.ub.uni-frankfurt.de/volltexte/2008/10203/pdf/E001616955.pdf
Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Neufchâtel: http://www.neufchatel.org - Heraldik: http://www.neufchatel.org/lignage/heraldique.html
Freigrafschaft Burgund:
http://hls-dhs-dss.ch/textes/d/D6624.php und http://fr.wikipedia.org/wiki/Comt%C3%A9_de_Bourgogne
Emmanuel de Boos, Dictionnaire du Blason, Editions du léopard d'or, Paris, 2001, ISBN 2-83377-170-1
La Famille seigneurale de Wiltz, 1.) notice historique et généalogique, S. 1-18, 2.) Archives du Château de Louppy, Inventaire fait en 1921, S. 19-46, 3.) Généalogie des seigneurs de Wiltz par l'abbé Jean Clees, S. 47-69, Publications de la Section Historique de L'Institut G.-D. de Luxembourg, Volume LXV, 1933.
Michel Schmitt, Wegführer zu Luxemburgischen Kirchen und Kapellen, Editions Saint-Paul Luxembourg, 1996, ISBN 2-87963-258-7.
Mérode und Scheiffart de Mérode:
http://www.heraldique-europeenne.org/Regions/Benelux/Merode.htm

Dekanatskirche Niederwiltz, Epitaph für Katharina von Wiltz - Epitaph für Hartard von Wiltz - Epitaph für Anna von Manderscheid - Schlußsteine im Gewölbe - Gitter im Chor - Françoise Antoinette de Custine Gräfin v. Wiltz - Marianne de Custine Gräfin v. Wiltz

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