Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1342
Oberwesel (Mittelrheintal, Rhein-Hunsrück-Kreis)

Oberwesel, kath. Pfarrkirche unserer Lieben Frau
Epitaph für Simon Rudolph von Schönburg auf Wesel

Ein weiteres, ehemals prächtiges, heute aber in sehr schlechtem Zustand befindliches Renaissance-Epitaph befindet sich ebenfalls im nördlichen Seitenchor der Pfarrkirche unserer Lieben Frau, es ist noch an der Nordwand angebracht, gegenüber dem zuvor besprochenen Epitaph für Friedrich von Schönburg auf Wesel d. Ä. Dieses Epitaph ist für Simon Rudolph von Schönburg auf Wesel. Der Verstorbene ist breitbeinig stehend dargestellt, die Rechte eingestemmt, mit gefältelter Halskrause und Pluderhose und zusätzlichem Harnisch. Besonders interessant sind die langen Plattenschützer für die Oberschenkel, die bis zum Knie reichen und unter denen rechts und links der Stoff der Pluderhose hervorquillt. Den Helm hat der Verstorbene abgenommen, dieser liegt mit hochgeklapptem Visier und Federschmuck zwischen seinen Füßen. Die Figur ist fast vollplastisch gearbeitet und steht vor einer Muschelnische, in deren Zwickeln je ein geflügelter Engelskopf zu sehen ist.

Aus der langen Inschrift im Giebel geht hervor, daß Simon Rudolph von Schönburg auf Wesel, geb. 1551, am 16.1.1608 im Alter von 56 Jahren verstarb, und zwar auf der luxemburgischen Burg Mont-Quintin. Die Inschrift berichtet ferner von der Überführung des Leichnams nach Oberwesel durch Witwe und Söhne.

An diesem Epitaph war einst eine Ahnenprobe mit acht Wappen an den beiden Pfeilern. Die jeweils obersten Wappen sind mit Zuordnung darüber versehen, optisch links ist das Wappen der von Schönburg auf Wesel, optisch rechts wäre das Wappen Franckenstein zu suchen, es ist leider nicht mehr vorhanden. Die unteren sechs Wappen tragen die jeweilige Zuordnung aus geschweiften Schriftbändern unter dem jeweiligen Platz. Der optisch linke Pfeiler trägt die drei Namen "Langelen" (vorhanden), "Walbrun" (vorhanden, aber Schild ohne die Rauten) und "Grorodt" (vorhanden), der optisch rechte Pfeiler nur noch die drei Namensbänder für "Sternefels" (= Sternenfels), "Bocklein aus dem Ethinger Dal" (= Böcklin vom Utingertal, Böcklein vom Eutingertal) und "Angelloch". Alle vier Wappen auf der optisch rechten Seite fehlen.

Der hier Dargestellte, Simon Rudolph von Schönburg auf Wesel, war der 1551 geborene Sohn von Friedrich d. J. von Schönburg auf Wesel und von Clara von Franckenstein. Seine Großeltern sind väterlicherseits Friedrich von Schönburg auf Wesel d. Ä. (Epitaph gegenüber) und Elisabeth von Langeln, mütterlicherseits Georg von Franckenstein (gest. 13.12.1531) und Clara von Sternenfels. Seine Urgroßeltern väterlicherseits waren Adam von Schönburg und Guda von Wallbrunn, mütterlicherseits Philipp IV. v. Franckenstein (gest. 1532) und Margarete Böcklin vom Utingertal (- 26.11.1525). Die Eltern von Elisabeth von Langeln waren Johann von Langeln und Agnes von Graurod.

Abb. links: Das Wappen der Schönburg auf Wesel zeigt in Silber einen schwarzen Herzschild, darüber ein goldenes Glevenrad mit blauer Nabe. Die Helmzier ist hier die spätere Form, ein Hund zwischen zwei Büffelhörnern. Helmdecke schwarz-silbern. Das Wappen steht für den Vater, Friedrich IX. von Schönburg auf Wesel, 1553 Amtmann zu Simmern, 1558 Amtmann zu Trarbach, den Großvater väterlicherseits, Friedrich VIII. von Schönburg auf Wesel (1484-21.2.1550), und dessen Vater, Adam von Schönburg auf Wesel (1464-1507), Amtmann zu Oberwesel. Abb. Mitte: Das Wappen der Langelen bzw. Langeln zeigt in Silber eine schräg gestellte schwarze Türhaspe (Türbeschlag), auf dem gekrönten Helm mit schwarz-silbernen Decken ein beiderseits wie der Schild bez. Flug (vgl. Siebmacher Band: NaA Seite: 46 Tafel: 76 und die Farben in Band: OstN Seite: 105 Tafel: 71 und in Band: SaA Seite: 95 Tafel: 61, bei Humbracht ist die Türhaspe rot, und jeder Flügel der Helmzier trägt deren drei). Das Wappen steht hier für die Großmutter väterlicherseits, Elisabeth von Langeln (-1547), und für deren Vater, Johann von Langeln. Abb. rechts: Das Wappen der 1650 erloschenen Graurod, Grorod, Grörod, Grünrod oder auch Grarath zeigt in Schwarz einen goldenen Balken, begleitet von drei (2:1) goldenen Kugeln. Helmzier: ein wachsender bärtiger Mann im schwarzen geknöpften Rock, der einen goldenen Hammer (nach Gruber) oder eine silberne Rodehaue (Name! nach Siebmacher) schultert. Helmdecken schwarz-gold. Kopf und Arme sind bei dieser leicht einwärts gedrehten Helmzier nicht mehr erhalten, so daß der Vergleich des Objektes entfällt. Das Wappen steht hier für Agnes von Graurod, Ehefrau des Johann von Langeln.

Simon Rudolph von Schönburg auf Wesel hatte Magdalena von Naves (gest. 1627, sie wird auch in der Inschrift erwähnt) geheiratet, wodurch er sich mit der einflußreichen belgisch-luxemburgischen Familie verband und Mitbesitz an den luxemburgischen Burgen Mont-Quintin, Montigny, Chinnery und Sancy erwarb. Bedeutende Mitglieder dieser angeheirateten Familie waren Johann II von Naves, Mitglied der Ständeversammlung in Brüssel und Proviantmeister, Nikolaus von Naves, Präsident des Luxemburger Provinzialrates, und Johann I von Naves, Reichsvizekanzler.

Die Kinder von Simon Rudolph waren: Otto Friedrich v. Schönburg auf Wesel (- 4.9.1631), Heinrich Eberhard v. Schönburg auf Wesel (ca.1590 - 21.7.1606), Johann Karl Graf v. Schönburg auf Wesel (vor 1591 - 1640), Klara Ursula Salome v. Schönburg auf Wesel (- 29.8.1601), Philipp Christoph v. Schönburg auf Wesel (vor 1610 - 1612) und Ursula Dorothea v. Schönburg auf Wesel (- 1628), dazu noch ein paar namentlich nicht bekannte Kinder.

Genealogie des Stammes IV modifiziert nach Möller und Schwennicke
(mit erheblichen Abweichungen zwischen beiden Stammtafeln, die Personen mit Epitaphien in der Kirche sind hervorgehoben):

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher
Sabrina Müller, Die Inschriften der katholischen Pfarrkirche unserer Lieben Frau in Oberwesel, Inschriften Mittelrhein-Hunsrück, Heft 1, hrsg. v. d. Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz, und dem Institut für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz e.V., Mainz 2008
Auf
http://www.inschriften-online.de/nc/broschueren.html das Heft http://www.inschriften-online.de/nc/broschueren.html?download=IMH-1_Oberwesel_Liebfrauen_01.pdf
Veröffentlichung der Innenaufnahmen mit freundlicher Genehmigung von Herrn Pfarrer Bernhard Jakobs vom 5.5.2010, wofür ihm an dieser Stelle ganz herzlich gedankt sei.
Pfarrei Oberwesel:
http://www.pfarrei-oberwesel.de/
Otto Gruber: Wappen des mittelrheinisch-moselländischen Adels, Trier 1962-1965, incl. Nachtrag Trier 1967, ebenfalls veröffentlicht in verschiedenen Jahrgängen der "landeskundlichen Vierteljahresblätter".
Rolf Zobel, Wappenbuch für Mittelrhein und Mosel, 2007
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
http://www.inschriften-online.de/gesamtbestand/nr/oberwesel-kath-pfarrkirche-unserer-lieben-frau-12.html
Genealogie der von Schönburg auf Wesel in: Detlev Schwennicke, Vittorio Klostermann, Europäische Stammtafeln, neue Folge, die fränkischen Könige und die Könige und Kaiser, Stammesherzoge, Kurfürsten, Markgrafen und Herzoge des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, 2005, IX, Tafel 26-28,
http://books.google.de/books?id=66u6hIPY5cMC
Genealogie der von Schönburg auf Wesel in: Walther Möller: Stammtafeln Westdeutscher Adels-Geschlechter im Mittelalter, 1. Band der alten Folge, Darmstadt 1922.

St. Martin, Grabplatte der Katharina Feyst - Pfarrkirche unserer Lieben Frau, Epitaph Friedrich von Schönburg auf Wesel - Pfarrkirche u. L. F., Lamprecht v. Schönburg auf Wesel - Pfarrkirche u. L. F., Heinrich Eberhard v. Schönburg auf Wesel - Pfarrkirche u. L. F., Schlußstein - Pfarrkirche u. L. F., Becker- und Pinter-Grabplatte

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