Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1337
Freiburg (Breisgau)

Das Haus "Zum Herzog" in Freiburg

Dieses dreigeschossige und fünfachsige Haus in der Salzstraße 18, eines der wenigen historischen Häuser, die den letzten Weltkrieg unbeschadet überstanden haben, beherbergt heute das Stadtarchiv. Neu erbaut wurde das Haus im 16. Jh. als Bürgerhaus vom Ratsherrn Hans Graf; es ersetzte einen zeitweise von den Schnewelin und den Küchlin bewohnten Vorgängerbau. Früher hieß das Haus noch "Zum weißen Kreuz", seit 1565 wurde das neue Haus "Zum Herzog" nach der Portalfigur genannt.

Abb. links: Die symmetrische Fassade in der engen Salzstraße. Abb. rechts: Detail des farbig gefaßten und teilweise vergoldeten Portalgiebels aus der Renaissance mit korinthischen Kapitellen, Puttenköpfen, Maskerons und Fruchtgirlanden. Auf dem Portalbogen lagern in den beiden Zwickeln Genien mit Stundenglas in der Hand. Sie stützen sich zudem jeweils auf einen Totenschädel, eine Mahnung an die Vergänglichkeit. Zwei kleine Obelisken flankieren den gesprengten Dreiecksgiebel. Oben abgeschnitten ist eine auf einer Konsole in der Lücke des Sprenggiebels stehende Statue eines Gewappneten mit Schwert, Kugel und Herzogshut (der namengebende "Herzog" als Hauszeichen). Das Wappen in der dem Beschlagwerk aufliegenden ovalen Rollwerkkartusche ist das der Abtei St. Blasien, in Blau ein aufspringender goldener Hirsch, wobei die Linkswendung nicht konsequent und damit signifikant ist, wie der Vergleich mit anderen Abtswappen zeigt. Über dem Schild ruht eine Inful, hinter demselben sind ein Vortragekreuz und ein Abtsstab schräggekreuzt. Daß das Wappen nur gemalt ist, kontrastiert mit der hohen Körperlichkeit der Ornamente und schmückenden Portaldetails, liegt aber daran, daß dieses Wappen später, zur Barockzeit, einem bestehenden Renaissance-Portal hinzugefügt wurde.

Denn die Benediktiner-Abtei St. Blasien hatte das Haus am 22.10.1708 unter Abt Augustin Finckh (1695-1720) gekauft, umgebaut und innen in barockem Stil ausgestattet (barocke Stuckdecken, neue Mittelwand, neue Fenster, neuer Dachstuhl). Das Haus diente dem Abt von St. Blasien, der als wichtiger Vertreter der Gruppe der "Prälaten" bei den Tagungen der Landstände in Freiburg weilte, als Quartier. Im Jahre 1746 wurde der Abt von St. Blasien übrigens sogar in den Reichsfürstenstand erhoben, und es gab Fürstäbte bis zur Auflösung während der Säkularisation 1806.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher
Rosemarie Beck, Helmut Hartwig, Vom Adler zum Kreuz, Wappen in Freiburg erzählen Geschichte, 1993, Rombach Verlag Freiburg, ISBN 3-7930-0676-X.
Peter Kalchthaler, Freiburg und seine Bauten, ein kunsthistorischer Stadtrundgang, Prom Verlag GmbH Freiburg, 2006, ISBN 978-3-923288-45-8.

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