Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1318
Freiburg (Breisgau)

Die ehemalige Deutschordenskommende in Freiburg

In der Salzstraße befindet sich die ehemalige Deutschordenskommende Freiburgs. Das prachtvolle Gebäude, dessen Schönheit man in der Enge der Salzstraße kaum aus einer vernünftigen Perspektive wahrnehmen kann, wurde ab 1768 von Deutschordensbaumeister und Baudirektor der Ballei Elsaß-Burgund Franz Anton Bagnato (1731–1810) für den Deutschen Orden errichtet. Im Jahr 1773 war das Haus mit Innenausstattung vollendet. Der Neubau war notwendig, weil die alte Kommende an der Stadtmauer, die seit dem 13. Jh. beim Mönchstor in der Neuburg-Vorstadt lag, 1677 den Vauban'schen Stadtbefestigungen zum Opfer gefallen war, der die ganze Stadt mit einem Ring moderner Bastionen umgeben hatte. Die zwischenzeitlich erworbenen Bürgerhäuser an der Salzstraße ("Zum Pfauenkranz" und "Zum kleinen und großen Falkenstein") boten ein eher provisorisches Domizil und wurden zudem 1744 bei der Belagerung Freiburgs und Sprengung der Festung beschädigt. Es entstand beim Neubau nach Bagnatos Plänen unter der örtlichen Bauleitung des späteren k.u.k. Baudirektors Caspar Zengerle ein breit gelagerter, dreistöckiger Bau mit je 5 Fensterachsen beiderseits des nur wenig vorspringenden dreiachsigen Mittelrisalites mit Kolossalordnung der die beiden oberen Geschosse verbindenden Pilaster und mit Giebelaufsatz. In diesem Giebel finden sich inmitten militärischer Dekorationen die hier interessierenden Wappen. Das Erdgeschoß ist durch die Putzquaderung als rustizierter Sockel behandelt. Rustikalisenen tragen die Kolossalpilaster darüber am Mittelrisalit und an den Gebäudeecken.

Die Freiburger Kommende unterstand in der Hierarchie der Ballei Elsaß-Burgund mit Sitz in Beuggen, später in Altshausen (Landkommende, übergeordnete Verwaltungsstruktur), diese wiederum unterstand dem Hauptsitz in Mergentheim. Und entsprechend finden wir an dem Gebäude die heraldischen Hinweise auf alle drei Ebenen: Hochmeister in Mergentheim, Landkomtur in Altshausen und Hauskomtur in Freiburg.

Das zentrale Wappen ist das des Deutschordens-Hochmeisters Karl Alexander von Lothringen und Bar. Dieser wurde 12.12.1712 in Lunéville als Sohn von Herzog Leopold von Lothringen und Elisabeth Charlotte von Orléans geboren und 1761 zum Hochmeister des Deutschen Ordens gewählt, obwohl er dem Orden noch nicht angehörte, daher wurde er unter Dispens vom Probejahr direkt zum Ritter geschlagen und in Bad Mergentheim inthronisiert. Zu dieser Zeit war der Deutsche Orden quasi ein Hausorden der Habsburger geworden und der Hochmeisterposten zu einer Versorgungsstelle für Prinzen aus dem Hause Habsburg mit ausgezeichneter finanzieller Absicherung und Einflußmöglichkeiten als Reichsfürst. Vor seiner Ordenszeit war er übrigens 1744 kurz mit der früh verstorbenen Erzherzogin Maria Anna von Österreich verheiratet, einer Schwester Maria Theresias. Karl Alexander von Lothringen starb am 4.7.1780 in Teruen. Die zentrale ovale Wappenkartusche ist folgendermaßen in vier Ebenen aufgebaut:

Seitlich des Hochmeisterwappens (hier optisch entzerrt aufgrund der ungünstigen Aufnahme-Perspektive, daher die Wölbung) befinden sich zwei weitere, nach außen geneigte Wappenkartuschen. Dasjenige heraldisch rechts ist von höherem Rang und steht für den Landkomtur Christian Moritz Eugen Franz Reichsgraf von Königsegg-Rothenfels, Landkomtur in Altshausen 1757-1774; der Schild ist geviert, Feld 1 und 4: in Silber ein durchgehendes schwarzes Kreuz (Deutscher Orden), Feld 2 und 3: rot-golden schräggeweckt (Stammwappen Königsegg). Unterlegt mit einem weiteren Deutschordensschild, wobei das schwarze Tatzenkreuz normalerweise einem silbernen Feld aufliegt. Die dritte Ovalkartusche heraldisch links ist die dritte Rangstufe und steht für den Freiburger Komtur Anton Leopold Sigmund von Rotberg (amtierte 1763-1775) und zeigt in Gold einen schwarzen Balken, ebenfalls unterlegt mit einem weiteren Deutschordenskreuz. Die Freiherren von Rotberg sind schweizerischer Adel; ihr erdbebenzerstörter Stammsitz Rotberg ist eine Ruine im Jura nahe bei Basel. Seit 1467 waren sie Erbküchenmeister des Hochstifts Basel. Nach der Veräußerung des Stammsitzes an Solothurn erwarben die v. Rotberg im Breisgau die Grundherrschaften Bamlach, Liel und später noch Rheinweiler. Über allem befindet sich ein Fürstenhut, denn seit 1530 war der Hochmeister im Reichsfürstenstand.

Abb.: Detail vom Gitter des Balkones über dem Haupteingang mit dem behelmten Kopf der Minerva. Der Louis-Seize-Stil deutet sich an.

1806 kam das Anwesen mit der Auflösung des Deutschen Ordens an den badischen Fiskus. Verschiedene Behörden zogen ein. 1944 ist das Haus komplett ausgebrannt. Das Portal und der Balkon konnten gerettet werden, der Giebel war jedoch eingestürzt. 1982-86 entstand der Neubau unter M. Bächer mit rekonstruierter Fassade unter Verwendung geretteter Original-Teile. Auch der Wappen-Giebel ist eine Rekonstruktion. Heute wird das Haus als Gerichtsgebäude genutzt.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher
Rosemarie Beck, Helmut Hartwig, Vom Adler zum Kreuz, Wappen in Freiburg erzählen Geschichte, 1993, Rombach Verlag Freiburg, ISBN 3-7930-0676-X.
Peter Kalchthaler, Freiburg und seine Bauten, ein kunsthistorischer Stadtrundgang, Prom Verlag GmbH Freiburg, 2006, ISBN 978-3-923288-45-8.
Hinweistafel am Gebäude

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