Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1312
Freiburg (Breisgau)

Das Haus "Zum Landeck" in Freiburg

Das Haus "Zum Landeck" in der Herrenstraße 39 wurde 1460 zum ersten Mal erwähnt. Im 16. Jh. war es Besitz der Herren von Landeck (Landsknechthauptmann Urban von Landeck oder Landegk), daher der Name des Anwesens. Genau genommen war das alte Landecksche Haus nur eines von dreien, die später 1670 vom Basler Weihbischof Kaspar Schnorpff architektonisch zusammengefaßt wurden. Dabei handelte es sich um zwei Gebäude in der Herrenstraße und ein Hinterhaus in der Münzstraße. Nach dem Wegzug der Basler Domherren nach Arlesheim wurde das Anwesen 1678 vom Augustiner-Chorherrenstift Allerheiligen erworben und 1697 vom Kloster Schuttern gegen einen Klosterhof in der Schoferstraße eingetauscht. Die Reichsabtei Schuttern war eine ehemalige Benediktinerabtei im Ortenaukreis nördlich von Lahr, von der nach der Säkularisierung heute im wesentlichen nur noch die Pfarrkirche und einige wenige Bauten in Zweitverwendung übriggeblieben sind. Der Großteil des einst weitläufigen Klosterkomplexes ist jedoch während des 19. Jh. verschwunden. Ca. 1760-1764 wurde das Haus "Zum Landeck" als Klosterhof in barockem Stil vom Maurer- und Steinhauermeister Joseph Hirschbihl (Hirschbichel) aus Lingenau neu gebaut. Bauherr war der Abt Karl Vogler (amtierte 1751-1782). Nach 1827 war das Haus ein Domherrenhaus. Die Fassade wurde 1993 renoviert.

Abb. oben links: Detailausschnitt: Abts-Mitra. Abb. oben rechts: Herrenstraße 39. Das Portal ist in Breite und Höhe in die Fensterreihe des Erdgeschosses eingebunden. Die originale eichene Haustür tief im Portalrahmen ist über fünf Sandsteinstufen zu erreichen. Abb. unten links: Klosterwappen über der Tür. Abb. unten rechts: Detailausschnitt, Krummstab des Abtes. Die Äbte des Klosters hatten das Privileg, Krummstab und Inful zu tragen.

Einziger Bauschmuck der Fassade ist das prachtvolle Abtswappen in einem üppigen, aus mehreren konkaven und konvexen und teil volutenartig eingerollten Elementen bestehenden Portalgiebel. Unter der Abts-Mitra werden zwei Kartuschen zusammengestellt, schräg dahinter erkennt man den Krummstab des Abtes. Die heraldisch rechte Kartusche enthält das Wappen der Abtei Schuttern: Offo, ein iro-schottischer Pilgermönch des 7. Jh., der als der Klostergründer gilt und nach dem der ursprüngliche Name auch Offoniscella war, beugt das Knie vor Maria mit dem Kinde und bringt ihr ein Kirchturmmodell zum Geschenk dar, die auf einem barocken Polsterstuhl thronenden Maria ist die Patronin des Klosters. Weil Offo der Überlieferung nach ein englischer Prinz gewesen sein soll, wird er hier gekrönt dargestellt. Die heraldisch linke Kartusche ist das persönliche Wappen des Abtes Karl Vogler (oder Vogel). Der Inhalt ist redend, denn er bildet in Blau einen silbernen Pelikan ab, der seine Jungen mit dem Blute seiner Brust nährt, überhöht von einem strahlenden goldenen Auge Gottes. Zum einen bezieht sich der Vogel Pelikan auf den Nachnamen des Abtes, zum anderen ist er zutiefst christliche Symbolik (Pelikan für das Blut des Erlösers, das vergossen wird, um die Menschen von ihren Sünden zu befreien), genau wie das Auge Gottes.

Beide Inhalte illustrieren deutlich, wie weit man sich im Barock von der ursprünglichen Heraldik klarer Symbole und einfacher Graphik entfernt hat. Hier wird Heraldik als Gestaltungsmittel verstanden, um symbolisch-programmatische Inhalte fast graphisch-narrativ zu kommunizieren, weit mehr eine symbolische Reliefdarstellung als eine Wappengraphik im ursprünglichen Sinne. Diese Tendenz wird gerade im klösterlichen Bereich durch die christliche Symbolik einerseits und die Personengebundenheit der Wappen von Äbten andererseits gefördert. Man beachte auch die ovale, außen konkav eingezogene und unten zu einer nach außen gerichteten tropfenartigen Spitze ausgezogene Schildform, weiter kann man sich nicht von einem echten Schild entfernen, traditionelle Heraldik spendiert hier eigentlich nur noch die Tatsache einer äußeren Begrenzung eines programmatischen Inhalts.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher
Rosemarie Beck, Helmut Hartwig, Vom Adler zum Kreuz, Wappen in Freiburg erzählen Geschichte, 1993, Rombach Verlag Freiburg, ISBN 3-7930-0676-X.
Peter Kalchthaler, Freiburg und seine Bauten, ein kunsthistorischer Stadtrundgang, Prom Verlag GmbH Freiburg, 2006, ISBN 978-3-923288-45-8.
Hinweistafel am Gebäude

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