Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1311
Freiburg (Breisgau)

Das Haus "Zu unser Frauen Berg" in Freiburg

Das Haus "Zu unser Frauen Berg" in der Freiburger Rathausgasse Nr. 15 wurde 1711-1712 durch J. B. Heintze für die vorderösterreichische Beamtenfamilie Bayer (auch Beyer, später Bayer von Buchholz) im barocken Stil erbaut, dreigeschossig und sich mit Vorder- und Hinterhaus bis in die Turmstraße erstreckend. Seit 1565 ist der Hausname schon für den Vorgängerbau belegt. Die Familie war bürgerlich und stammte aus Tirol. Über Brixen und Innsbruck kam die Familie in den Breisgau. Am 17.4.1711 war die Grundsteinlegung, wobei der Grundstein durch Münsterpfarrer Helbling von Hirzfelden geweiht wurde. Am 20.6.1713 war auch der Innenausbau vollendet, und die Familie konnte erstmalig in ihrem neuen Heim speisen, wie die Chronik vermerkt. Über dem Eingang befindet sich - über einem Marienbild - im Segmentbogengiebel des Werksteinrahmens ein Ehewappen in Form zweier unter einer goldenen Krone zusammengestellter ovaler Wappenkartuschen, jeweils von grünen Ornamenten gerahmt und unten von goldenen Randornamenten eingefaßt. Das Portal war ursprünglich in der zweiten Fensterachse von links, also asymmetrisch in der vierachsigen Fassade, es wurde erst beim Einbau der modernen Schaufenster in die Mitte gerückt. Das Wappen gehört zu Johann Stephan Bayer (1645-1719) und seiner Frau Maria Franziska Helbling von Hirzfelden. Johann Stephan Bayer stammt aus Innsbruck und kam zum Studium der Rechtswissenschaften nach Freiburg. Er war in den Diensten des Freiherrn von Girardi als dessen Sekretär. Joseph Hannibal Girardi von und ab Castell Limburg, vorderösterreichischer Regimentsrat und Obristjägermeister, war übrigens seit dem 6.4. 1669 Besitzer des hier besprochenen Anwesens. Johann Stephan Bayer stieg rasch auf und wurde 1676 Syndicus der Universität, 1698 fürstbischöflich-konstanzischer Quartamtmann und schließlich 1709/1710 Bürgermeister der Stadt. Seine 1671 geehelichte Frau Maria Franziska Helbling von Hirzfelden entstammte ebenfalls Universitätskreisen, denn ihr Vater war Johann Caspar Helbling, Universitätsrektor und erzherzoglicher Leibarzt.

Der heraldisch rechte Schild zeigt das Wappen der Bayer (Beyer). Das Stammwappen der Bayer ist rot mit einem mit drei schwarzen Bienen belegten silbernen Balken. 1559 kam es zur ersten Wappenvermehrung: Feld 1 und 4: Stammwappen, Feld 2 und 3 in Gold ein vorderhalber schwarzer Hammel (Haimbl). Diese zweite Komponente ist das Wappen der Haimbl, denn Georg Bayer, erzfürstbischöflicher Rat und geheimer Sekretär in Innsbruck, Vater des für Freiburg relevanten Johann Stephan Bayer, hatte in zweiter Ehe Anna Maria Haimbl (Haimblin) geehelicht, und er durfte das Stammwappen mit landesherrlicher Bestätigung um diese Komponente vermehren. In dieser Form sehen wir es hier am Portal, allerdings mit einem Versatz: Der Bildhauer hat aus künstlerischen Gründen gemogelt, indem er die untere Feldgrenze von Feld 1 an die obere Balkengrenze von Feld 4 stoßen läßt und die obere Feldgrenze von Feld 4 an die untere Balkengrenze von Feld 1. So wird zwar unmerklich gemogelt, aber die Platzverteilung in der ovalen Kartusche wird besser, weil beide Balken dadurch mehr Breite bekommen und die Bienen besser dargestellt werden können.

Der heraldisch linke Schild zeigt das Wappen der Helbling von Hirzfelden. Eigentlich hieß die Familie nur Helbling, nannte sich aber seit 1650 nach dem Gut Hirzfelden im Elsaß, welches Johann Caspar Helbling, Vater der hier relevanten Ehefrau, erworben hatte. Der Wappenschild zeigt in Blau über grünem Dreiberg einen aufspringenden, goldenen Hirschen, der zwischen den Geweihstangen eine mit einem Kreuz besetzte Weltkugel hat. Das Kreuz ist hier nach hinten und unten gerichtet.

Die beiden Wappen, die wir hier noch getrennt sehen, wurden später vereinigt, denn die beiden hatten nur einen einzigen Sohn namens Franz Anton Bayer. Dieser durfte sich ab 1712 Bayer von Buchholz nennen, weil er Lehnsträger eines Gutes der Familie Helbling in Buchholz geworden war. Beruflich war Franz Anton Bayer von Buchholz kaiserlicher Rat und Freiburger Bürgermeister. Er wurde 1714 oder 1716 geadelt, und aus diesem Anlaß wurde sein Wappen um das der Helbling von Hirzfelden vermehrt. Mit dessen Söhnen starb das Geschlecht aus. Von diesen kaufte 1775 Franz Anton Joseph Bayer von Buchholz das großväterliche Haus in der Rathausgasse zurück.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher
Rosemarie Beck, Helmut Hartwig, Vom Adler zum Kreuz, Wappen in Freiburg erzählen Geschichte, 1993, Rombach Verlag Freiburg, ISBN 3-7930-0676-X.
Peter Kalchthaler, Freiburg und seine Bauten, ein kunsthistorischer Stadtrundgang, Prom Verlag GmbH Freiburg, 2006, ISBN 978-3-923288-45-8.
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