Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1310
Freiburg (Breisgau)

Das Haus zum Pilgerstab in Freiburg

Das "Haus zum Pilgerstab" in der Franziskanerstraße 9 ist das ehemalige Collegium Battmannicum (gestiftet 1531 von Prof. Erhardt Battmann). Es wurde 1532 gegründet als Lehrgebäude und Studentenheim, eine von vier in der selben Straße im 16. Jh. gegründeten Studentenbursen (die anderen sind "Pacis", gestiftet 1537, "Gallicum", eröffnet 1591, und "Collegium Theobaldi", gestiftet 1564). Als die Jesuitengebäude frei wurden und die Studentenwohnungen dorthin verlegt wurden, wurden die ehemaligen Kollegienhäuser nach einem 1775 gefaßten Beschluß 1778 an Privat verkauft. Im Jahre 1778 erfolgte eine Renovierung des Hauses "zum Pilgerstab", die eher einem Neubau gleichkam, durch den Käufer Franz Xaver Bisser. Das Haus wurde von Albert von Pfirt (Franz Anton Johann Jakob Maria Anna Albert Freiherr von Pfirt, geb. nach 1773, gest. 6.3.1845, Sohn von Philipp Heinrich Anton Xaver Jacob Beat Joseph Freiherr von Pfirt und Maria Anna Theresia von Eptingen) und seiner ersten Frau Caroline geb. Gräfin v. Thurn-Valsassina (gest. 1836) 1810 erworben und bewohnt. Infolge der französischen Revolution hatten einige Adelsfamilien aus dem Elsaß eine sichere Bleibe in vorderösterreichischen oder markgräflich-badischen Diensten gesucht, so auch die Herren von Pfirt, einem Ministerialengeschlecht aus dem Sundgau, die einst eine Ministerialenfamilie der 1324 erloschenen Grafen von Pfirt waren, mit denen sie nicht verwechselt werden dürfen. 1660 wurde die Familie mit Johann Reinhard von Pfirt in den Freiherrenstand erhoben. Bad Krozingen wurde zum Schwerpunkt ihrer Besitzungen im Breisgau.

Über der Tür befindet sich ein Ehewappen in gespaltenem Schild, überhöht von einer Laubkrone. Rechts befindet sich das Wappen Pfirt, in Schwarz ein silberner, doppelschwänziger, golden gekrönter Löwe, aus Courtoisie einwärts gewendet. Der Löwe wird in der Lit. auch als rot bewehrt präzisiert. Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre ein wachsender, gekrönter nackter Frauen- oder Mannesrumpf, auch als Mohrenrumpf dargestellt, in der Lit. auch als schwarz gekleideter, bärtiger "Judenrumpf" beschrieben, um die Vielfalt noch größer werden zu lassen, die weitere Variationsbreite umfaßt rote oder schwarz-silbern geteilte Kleidung, immer jedoch mit schwarz-silbernen abflatternden Bändern um den Kopf, die Helmdecken wären schwarz-silbern (vgl. Grünenberg f. 175, Zür. W. K. Tab. 20 No. 471 und Büheler f. 33a und f. 27, vgl. Siebmacher Band: Bad Seite: 66 Tafel: 40 und Band: Els Seite: 17 Tafel: 21, auch Pfyrdt oder Pfürt oder gar französisch abgewandelt unter dem Namen Ferrette oder Ferrette de Florimont, Pfirt von Blumberg). Heraldisch links befindet sich das Wappen Thurn-Valsassina, in Silber ein roter Zinnenturm mit hier abweichend blauem Tor und ebensolchen Fenstern, hinter welchem zwei Glevenzepter mit blauen Stäben und goldenen Gleven schräggekreuzt sind (della Torre, Thurn). Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre der Turm mit den Glevenzeptern, die Helmdecken wären rot-silbern.

Über dem rückwärtigen Eingang an der Gauchstraße ist noch ein einzelnes Wappen Pfirt angebracht, dieses aber in schlechter Erhaltung, nur mit Helmkrone und Helmdecke und ohne Helmzier. Nach 1845 war hier ein adeliges Damenstift, das Albert-Carolinen-Stift, benannt nach den beiden letzten Bewohnern, die selbst kinderlos waren und das Haus in eine Stiftung für unvermählte adelige Damen umwandelten. Es war eine Verfügung der Ehefrau, die der Ehemann nach deren vorzeitigem Tod in sein eigenes Testament übernahm. Hubert Baron de Ferrette de Florimont war übrigens der Letzte des Geschlechts der Herren von Pfirt, er war ein Bruder des Stifters und starb am 12.2.1848 in Freiburg. Das Haus wurde in der ersten Hälfte des 20. Jh. verkauft, das Stift wurde in die Burgunderstraße verlegt. Das spätbarocke Haus überlebte den 2. Weltkrieg unzerstört. 1981 wurde es zurückhaltend renoviert.

Detail der reichgeschnitzen Tür aus Eichenholz mit schmiedeeisernem, teilvergoldeten Oberlichtgitter mit Lorberzöpfen im Louis-Seize-Stil. Der Erbauer des spätbarocken Hauses begegnet uns hier oben in der Mitte mit seinen Initialen FXB - Franz Xaver Bisser.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher
Rosemarie Beck, Helmut Hartwig, Vom Adler zum Kreuz, Wappen in Freiburg erzählen Geschichte, 1993, Rombach Verlag Freiburg, ISBN 3-7930-0676-X.
Peter Kalchthaler, Freiburg und seine Bauten, ein kunsthistorischer Stadtrundgang, Prom Verlag GmbH Freiburg, 2006, ISBN 978-3-923288-45-8.
Hinweistafel am Gebäude
Freiherren von Pfirt: http://www.freiburg.de/servlet/PB/show/1154114/Stadtarchiv_L4.1%20Freiherren%20von%20Pfirt.pdf
Genealogie: Kindler von Knobloch, Julius (Bearb.) / Badische Historische Kommission (Hrsg.), Heidelberg, 1898, Oberbadisches Geschlechterbuch:
http://diglit.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kindlervonknobloch1898ga - Band 1 http://diglit.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kindlervonknobloch1898bd1
Wappen Pfirt: Vierteljahrschrift für Heraldik, Sphragistik und Genealogie, Bd. 9
Herrn A. Lenz ein herzliches Dankeschön für wertvolle Hinweise.
Herren von Pfirt:
http://de.wikipedia.org/wiki/Herren_von_Pfirt und http://de.wikipedia.org/wiki/Andlausches_Haus

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