Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1303
Münstertal (Schwarzwald)

Abtei St. Trudpert in Münstertal - Abtswappen

Die Abtei St. Trudpert am östlichen Ortsausgang von Münstertal war früher eine Benediktinerabtei, die 1806 aufgelöst wurde. Die Anfänge liegen bereits in karolingischer Zeit. Viele verschiedene Neubauten gab es im Laufe der Zeit, wir dürfen allein von drei vorromanischen Bauten nacheinander ausgehen. In romanischer und gotischer Zeit folgte ein weiterer Ausbau, finanziert durch den Silberbergbau. Ein Niedergang der Abtei im 14. Jh. hing auch mit der wirtschaftlichen Erschöpfung der Minen zusammen, Plünderungen, Bauernkrieg, 30jähriger Krieg ruinierten die Abtei vollends. Einen Aufschwung gab es erst wieder nach 1665. Die heutige Klosteranlage ist im wesentlichen ein Bau aus der Barockzeit. Vom romanischen Konzept hat sich eigentlich nichts erhalten außer dem Zwang, daß spätere Baumeister das barocke Langhaus zwischen einen gotischen Chor und ein ehemaliges Westwerk einbauen und alles zu einem harmonischen Ganzen verschmelzen mußten.

Die ehemalige Abteikirche dient heute als Pfarrkirche. Der Konvent ist seit 1918 Provinzmutterhaus und seit 1970 Generalmutterhaus der "Schwestern vom Hl. Josef". Die gesamte Anlage wurde 1970-74 renoviert. Die Anlage birgt mehrere Abtswappen, sie datieren alle aus der Zeit nach dem 30jährigen Krieg, als die Gebäude Schritt für Schritt während des Barocks neugebaut wurden.

Abb.: Dieses Wappen in prächtiger Rocaille-Rahmung befindet sich über dem Eingang in die ehemalige Prälatur rechts der Kirche. Es zeigt zwei aufspringende, voneinander abgewandte Windhunde mit Halsband. Auf der Kartusche ruht eine reich ornamentierte Inful, schrägrechts hinter dem Schild ist der Abtsstab gelegt. Die aus der Inful unten hervorkommenden Bänder flattern zu beiden Seiten ab. Es handelt sich um das Wappen des Abtes Columban I., Columban Blonsche, der 1703 geboren wurde und 1749-1757 amtierte und den Rokoko-Neubau der Prälatur veranlaßte.

Linke Abb.: Wenn man dem Weg zwischen Klostermauer und Friedhof nach links folgt, gelangt man zur St. Trudpert-Kapelle. Der dort über der Tür befindliche Wappenstein ist auf 1698 datiert und zeigt einen aufrechten Doppelhaken, beseitet von zwei sechsstrahligen Sternen. Auf dem Schild die Inful auf einem geflügelten Engelskopf mit schulterlangem Haar, schräglinks dahinter der Krummstab mit abfliegendem Sudarium. Die vier in den Ecken angebrachten Buchstaben AAST weisen dieses Wappen dem Abt Augustinus Abbas Sancti Trudperti = Abt Augustin Sengler, der 1653 geboren wurde und 1694-1731 amtierte. Augustin Sengler trat bereits mit 13 Jahren in das Kloster St. Trudpert ein. Zeitweilig war er in Ebersmünster im Elsaß, wo sein leiblicher Bruder später Abt wurde. Unter diesem Abt nahm der Wiederaufbau des zerstörten Klosters St. Trudpert seinen Fortgang, er erbaute nicht nur die Trudpert-Kapelle neu, sondern ließ auch den Chor der Abteikirche umbauen und neu wölben, das barocke Langhaus errichten, die Westfassade mit dem neuen Turm erbauen.

Rechte Abb.: Dieses Wappen befindet sich auf dem Sockel eines steinernen Christuskreuzes gleich rechts hinter dem Friedhofseingang. Der Wappenschild mit eingerollten Ecken enthält ein verflochtenes Pentagramm, Farben unbekannt. Zusätzlich ist es durch die Initialen RAST personalisiert: Romanus Abbas Sancti Trudperti. Es handelt sich um das Wappen von Abt Roman Edel, der 1622 geboren wurde und 1665-1694 amtierte und 1674 dieses Kreuz aufstellen ließ. Auf dem Schild ist eine Inful, hinter dem Schild schräglinks der Krummstab. Ein besonders schönes Beispiel für ein Wappen dieses Abtes befindet sich an der ehemaligen Klostermühle jenseits der Straße, datiert auf 1687. Dort wird der Schild von zwei Palmzweigen gerahmt und ist von einer besonders schmuckvollen Rahmung umgeben (Privatgelände, ohne Abb.). Die gleichen vier Buchstaben stehen in den vier Ecken des Steines. Roman Edel war es, der die Abtei nach den Verwüstungen durch schwedische Heere wieder aufbaute. Er kam aus dem Kloster Zwiefalten, richtete die Gebäude wieder her, ließ den Chor wieder eindecken und Ausstattung beschaffen.

Abb. links: Wappen rechts über dem 1740 von Andreas Moosbrugger fertiggestellten großen Eingangsportal zum Konventsbau. Diese Kartusche ist das optische Pendant zum rechts daneben abgebildeten Wappen, aber es ist kein Abtswappen (weder Inful noch Krummstab sind zu sehen), sondern das des Konventes St. Trudpert selbst. Wir sehen vor einer doppeltürmigen Kirchenfassade den Hl. St. Trudpert selbst stehen, mit der Rechten eine Axt schrägrechts haltend, in der Linken einen Palmzweig. Die Initialen SMST stehen für den Konvent des Monasteriums Sancti Trudperti. Es ist eine äußerst bildliche Umsetzung des Klosters mit seinem Patron und in dieser Form seit 1298 auf Siegeln gebräuchlich, auch heute noch in den Pfarrei-Stempeln. Die Axt erinnert an den Wandermönch und iroschottischen Missionar Trudpert, der vermutlich ca. 643 mit der Axt erschlagen worden war. Die Märtyrerpalme in der anderen Hand gehört ebenso zur typischen Ikonographie wie die fürstliche Gewandung.

Abb. rechts: Wappen links über dem großen Eingangsportal zum Konventsbau. Das Wappen zeigt über einer liegenden Hirschstange einen Widder. Die Hörner sind etwas schwer zu erkennen, da sich das vordere halbkreisförmig um das linke Ohr legt. Durch die Angabe der Initialen CA kann dieses Wappen dem Abt Coelestinus Abbas = Cölestin Hermann zugeschrieben werden, der 1683 geboren wurde und 1738-1749 als Abt amtierte. Cölestin Hermann hatte übrigens in Freiburg Jura studiert und war Doktor beider Rechte. Gemeinsam mit seinem eigenen Bruder, Franz Hermann, der zugleich 1731-1737 sein Vorgänger im Amt des Abtes war, betrieb er den Neubau des Konventes. Hier ist das Wappen jedoch durch die Initialen eindeutig dem Vollender des Neubaus zugeordnet, auch wenn vom Motiv her beide das gleiche Wappen hätten. Über der Schildkartusche rechts eine besonders detailliert verzierte Inful, schräglinks hinter dem Wappen der Abtsstab.

Weitere Abtswappen befinden sich in der Klosterkirche, so im Stuck der Decke, über dem Hauptaltar sowie am Orgelgehäuse. Abtswappen von St. Trudperter Äbten finden sich weiterhin in den Orten Bad Krozingen (ehemalige Zehntscheune), Kirchhofen (Torbogen an einem Wohnhaus), Tunsel (Pfarrkirche und kath. Pfarramt), Staufen (Freihof) sowie in Schmidhofen.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher.
Dr. Theodor Kurrus, Hansjörg Neuhöfer, Arno Herbener, St. Trudpert / Münstertal, Schnell Kunstführer Nr. 1081, 14. Auflage 2003, Verlag Schnell Steiner GmbH Regensburg, ISBN 3-7954-4807-7
Christian Pietsch, St. Trudpert im Münstertal und seine Wappen, 3. Auflage 2003, Hrsg. von Christian Pietsch, Heitersheim.

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