Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1275
Aschhausen (Hohenlohekreis)

Das Schloß von Aschhausen

In Aschhausen bilden mittelalterliche Burg, spätere Schloßflügel aus dem 17./18. Jh. und Wirtschaftsgebäude rings um einen rechteckigen Hof ein interessantes Ensemble auf einem Bergsporn über einer Schleife des Erlenbachtales. Die Burg der Herren von Aschhausen mit dem charakteristischen, übereck stehenden Bergfried stammt aus dem 13./14. Jh. Aschhausen ist ein Mainzer Lehen seit 1315. Von ihr blieben nach den Zerstörungen durch den Schwäbischen Bund unter Führung von Georg Truchseß von Waldburg anläßlich der Strafexpedition 1523 nur der Bergfried und Grundmauern übrig. In der Staatsbibliothek Bamberg existiert ein Holzschnitt von Hans Wandereisen, der genau diese Brandschatzung von Burg Aschhausen in Szene setzt. Der Grund für den Angriff war, daß Hans Georg von Aschhausen den Raubritter Hans Thomas von Absberg unterstützt hatte, und alle 23 Burgen (Raubnester), die mit jenem Raubritter in Verbindung standen, wurden vom Schwäbischen Bund angegriffen. Der Rundturm im Bild wurde 1537 errichtet, aber nach einem Brand 1945 rekonstruiert. Im 16. Jh. dehnten sich die Bauten nach Westen aus, ein erster Neubau entstand 1579 westlich der eigentlichen Burg. Die reichsritterschaftlichen Herren von Aschhausen starben in der älteren Linie 1615, in der jüngeren Linie 1655 aus, und das Rittergut kam 1671 als heimgefallenes Lehen wieder an das Hochstift Mainz.

Danach wurde Aschhausen 1671 ein Besitz des Klosters Schönthal. Es war Abt Christoph Haan (amtierte 1636-1675), der nach den Wirren des 30jährigen Krieges, der zeitweisen Aufhebung des Klosters und der Restitution 1634 einen neuen wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung des Klosters Schöntal herbeiführte, und der 1671 das Rittergut Aschhausen vom Hochstift Mainz käuflich erwarb und als Sommerresidenz und Jagdschloß der Äbte ausbaute. Unter Abt Angelus Münch (1732 - 1761) wurde der langgezogene Schloßtrakt mit den zwei Rundtürmen im Norden der Anlage neu erbaut und erhielt seine heutige Gestalt. Aus dieser Zeit stammt auch der große barocke Wappenstein außen am Schloßflügel. Als der letzte Schöntaler Abt 1802 verjagt wurde, nachdem der Herzog von Württemberg Kloster Schöntal den politischen Ereignissen vorgreifend militärisch besetzen ließ und Tatsachen schuf, wurde Abt Maurus Schreiner das Schloß Aschhausen als Wohnsitz zugewiesen, wo er dann 1811 verstarb. Der Besitz Aschhausen war natürlich als ehemaliger Klosterbesitz der Säkularisation unterworfen und fiel an die Herzöge von Württemberg. Herzog Friedrich II, der spätere König Friedrich I. von Württemberg, gab Aschhausen am 23.7.1803 als erbliches Lehen an den Grafen Johann Friedrich Karl von Zeppelin (30.9.1789 - 2.4.1836, Sohn des am 8.9.1792 in den Reichsgrafenstand erhobenen Johann Karl Graf v. Zeppelin) als Anerkennung für die Leistungen des 1801 viel zu jung verstorbenen Vaters des Begünstigten. Das Schloß ist auch heute in Familienbesitz und privat, es kann für Veranstaltungen gemietet werden. Auch finden hier Veranstaltungen des Hohenloher Kultursommers statt. Die blau-weiß gestrichenen Läden des Turmaufsatzes von 1730 entsprechen übrigens den Zeppeliner Wappenfarben.

Über der Durchfahrt in den Schloßhof ist das Wappen des Schöntaler Abtes Angelus Münch angebracht, amtierend 1732–1761. Der ovale Schild ist zweimal gespalten, wobei der erste und der dritte Pfahl einmal und der mittlere Pfahl zweimal geteilt sind. Diese Einteilung hat sich entwickelt aus einem geteilten und zweimal gespaltenen Hauptschild mit Herzschild. Entsprechend finden wir das persönliche Wappen des Abtes in der Mitte, dem Herzschild entsprechend. Angelus Münch (1732 - 1761) führt einen gerüsteten Engel. Von den Äbten des Klosters Schönthal sind viele redende Wappen bekannt. Hier spielt der gerüstete Engel auf den Vornamen Angelus (= Engel) an. Ein ungewöhnliches Procedere für ein Familienwappen, wir müssen aber bedenken, daß Abtswappen Personenwappen waren, die Äbte aus nicht-wappenführenden Schichten stammten und ohne bestehendes Wappen ins Kloster kamen und es an keinen Nachfahren weitergeben konnten und die Wappen von daher rein persönliche heraldische Symbole waren.

Über der ovalen Schildkartusche befindet sich eine reichverzierte Inful auf einem Engelskopf zwischen einem Paar Flügel. Hinter der Schildkartusche mit ausladenden barocken Zierformen jenseits der ovalen Begrenzung befinden sich schräggekreuzt zwei Krummstäbe, wobei vom rechten nur noch der ringförmige Ansatz zu sehen ist, während die Krümme dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallen ist.

Die anderen sechs Komponenten des Wappens gehören zum Kloster:

Literatur, Links und Quellen:
Schloß Aschhausen: http://www.schloss-aschhausen.de/
Georg Himmelheber, Die Kunstdenkmäler des ehem. Oberamtes Künzelsau, Verlag Wolfgang Weidlich, Frankfurt 1983.
Schloß Aschhausen:
http://www.stimme.de/alt/home/reisen/heimweh-burgen/art1516,210927
Carlheinz Gräter, Jörg Lusin, Schlösser in Hohenlohe, Geschichte und Geschichten, Silberburg Verlag Tübingen, 1. Auflage 2005, ISBN 978-3-87407-685-2
Wolfgang Willig, Landadel-Schlösser in Baden-Württemberg, eine kulturhistorische Spurensuche, 1. Auflage 2010, ISBN 978-3-9813887-0-1, S. 454

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