Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1274
Schöntal (Jagst, Hohenlohekreis)

Kloster Schöntal (Teil 3)

Die Wappen auf dem Mohrenbrunnen
Der Mohrenbrunnen befindet sich auf der freien Fläche zwischen Neuer Abtei, Alter Abtei und Wirtschaftsgebäuden. Er wurde 1787 unter dem letzten Schöntaler Abt, Maurus Schreiner (1784–1802) hergestellt. Der ganze Brunnen ist ein Spiel mit dem Vornamen des Abtes, so sind einige Flächen des Brunnentroges mit Mohrenszenen verziert, und oben auf der zentralen Brunnensäule sitzt anmutig ein Mohr mit kronenartigem Schmuck und ähnlichen Verzierungen an Armen und Beinen. Alle Wappendarstellungen sind auf 1787 datiert.

Auf den Seiten ist mehrfach das Wappen des letzten Schöntaler Abtes Maurus Schreiner zu sehen, er amtierte 1784–1802, also bis zur Auflösung und Säkularisierung. Der runde und mit einem gewellten Rand versehene Schild ist einem Doppeladler aufgelegt, um daran zu erinnern, daß dieses Kloster reichsfrei war. Über dem Schild sind Krone und Inful, hinter dem Schild zwei schräggekreuzte Krummstäbe, deren untere Schaftenden von den Adlerklauen ergriffen und gehalten werden. Die Initialen MAS stehe für Maurus Abbas Schöntalensis. Der Schild ist wie bei dem seines Vorgängers zweimal gespalten, wobei der erste und der dritte Pfahl einmal und der mittlere Pfahl zweimal geteilt sind. Das persönliche Wappen des Abtes ist in der Mitte, einem Herzschild entsprechend. Wie bereits oben erläutert, sind die persönlichen Komponenten häufig redend, weil diese nicht dem Adel entstammenden Äbte meistens von Haus aus kein Wappen mitgebracht haben und auch als Kirchenmänner niemandem ein Familienwappen weitergeben können. Hier ist das persönliche heraldische Zeichen der Mohr, auf seinen Vornamen Maurus anspielend. Aus den erläuterten Gründen ist es hier also nachvollziehbar, daß nicht die Familie und der Familienname, sondern der Vorname bezuggebend für das Motiv war.

Die anderen sechs Komponenten des Wappens gehören zum Kloster und entsprechen dem oben Gesagten: Der Schachbalken der Zisterzienser, der aus dem Schildrand kommende Arm mit Krummstab, das eigentliche Klosterwappen, Löwe, Bebenburger Burg und schließlich das rote Rad auf goldenem Feld.

Abb.: andere Felder des Brunnens mit analogen Wappendarstellungen.

Das Rad taucht hier im Vergleich zum Wappen seiner beiden Amtsvorgänger zweimal auf, und der Eber für Ebersberg fehlt, denn mittlerweile mußte sich das Kloster Schöntal wieder von dem betreffenden Besitz trennen, um wie oben erwähnt Schulden bedienen zu können.

Als der letzte Abt 1802 verjagt wurde, nachdem der Herzog von Württemberg Kloster Schöntal militärisch besetzen ließ, wurde Maurus Schreiner das Schloß Aschhausen als Wohnsitz zugewiesen, wo er dann 1811 verstarb. Er war der 50. Abt von Schöntal.

Abb.: Position der besprochenen Wappen im Grundriß.

Das Wappen am Dicken Turm
Der 1622 erbaute Dicke Turm gehört zu einer von Abt Theobaldus II Fuchs (im Amt 1611–1621) errichteten Baugruppe, die auch den Alten Offiziantenbau und den äußeren Torturm umfaßte. Der dreistöckige Wehrturm bildet den nordwestlichen Eckpunkt der Klosteranlage.

Der datierte Wappenstein zeigt nebeneinander drei jeweils von einem Lorbeerkranz gerahmte Wappenschilde. Optisch ganz links das Ordenswappen, der silbern-rot geschachte Schrägbalken der Zisterzienser in schwarzem Feld, hier gewendet, in der Mitte das eigentliche Klosterwappen, in rotem Feld der aus dem linken Schildrand hervorkommende Arm, der einen goldenen Krummstab pfahlweise hält, und schließlich optisch rechts das persönliche Wappen von Abt Theobald Fuchs (im Amt 1611–1621), dem zweiten seines Namens, wie die Inschrift verrät, in Silber einen aufspringenden roten Fuchs. Über dem mittleren Schild mit dem Klosterwappen sieht man die Inful mit zwei heraushängenden und zur Seite wehenden Bändern, schräg dahinter das Abtspedum mit nach heraldisch rechts abflatterndem Sudarium.

Abb.: Position des besprochenen Wappens im Grundriß.

Das Wappen an Brauhaus/Brennerei
Ein letztes Wappen findet man am ehemaligen Brauhaus, welches an der südlichen Abschlußmauer angebaut ist und das nach 1802 Klosterwirtschaft war und heute durch das Bildungshaus genutzt wird und als Haus der Stille dient.

Der Wappenstein ist auf 1747 datiert und etwas beschädigt. Einziger Inhalt ist das Zisterzienserwappen, in Schwarz ein silbern-rot in zwei Reihen geschachter Balken. Über dem Schild eine Inful, hinter ihm schräggekreuzt zwei Krummstäbe, die Biegung nach innen offen.

Abb.: Position des besprochenen Wappens im Grundriß.

Liste der Äbte von Kloster Schöntal
Die nachfolgende Liste ordnet die bei den Wappen vorkommenden Äbte mit ihren Amtszeiten zeitlich ein.

Literatur, Links und Quellen:
kulturelles Kloster Schöntal: http://www.kloster-schoental.de/
Hinweistafeln an den einzelnen Gebäuden
Kloster Schöntal:
http://www.schloesser-magazin.de/de/kloster-schoental/Startseite/267825.html
Maria M. Rückert, Kloster Schöntal:
http://maja.bsz-bw.de/kloester-bw/klostertexte.php.......Geschichte
Maria M. Rückert, Von der frommen Adelsstiftung zur reichsunmittelbaren Abtei: Kloster Schöntal in den ersten 250 Jahren seines Bestehens. In: D. R. Bauer (Hrsg.): Unter Beobachtung der heiligen Regel. Zisterziensische Spiritualität und Kultur im baden-württembergischen Franken (Forschungen aus Württembergisch Franken 48). Stuttgart 2002, 25-38.
Urkunden von Kloster Schöntal:
https://www2.landesarchiv-bw.de/ofs21/olf/struktur.php?bestand=17306
Wolfgang Kootz, Kloster Schöntal, Kloster Lädle, J. Hofmann, Schöntal-Kloster, 2003.
Paul Bauer, Foto Besserer, Ein Gang durch's Kloster Schöntal, Hrsg. Kath. Kirchengemeinde St. Joseph Kloster Schöntal, Aquarell Verlag und Druckerei, Lauda-Königshofen.
Georg Himmelheber, Die Kunstdenkmäler des ehem. Oberamtes Künzelsau, Verlag Wolfgang Weidlich, Frankfurt 1983.

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