Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1255
Erbach (Odenwald)

Das Echterhaus in Erbach

Das Haus Städtel 17 gehörte einst zum Burgsitz der Echter von Mespelbrunn, ein altes ehemaliges Burgmannenhaus, von denen es einst im Städtel mehrere gab. An der straßenseitigen Schmalseite des Hauses von hoher geschichtlicher und wissenschaftlicher Bedeutung prangt über der Eingangstür das auf 1545 datierte Doppel-Wappen eines Besitzerpaares, Peter Echter (1520-1576) und Gertrud von Adelsheim (1525-1583). Es handelt sich um die Eltern des späteren Würzburger Fürstbischofs Julius Echter von Mespelbrunn (18.3.1545-13.9.1617); sie waren Erbacher Burgmannen. Weitere Kinder des Paares waren: Adolf Echter von Mespelbrunn (1543-1600), folgte als Schloßherr in Mespelbrunn nach, Sebastian (1546-1575), Valentin (1550-1624), Dietrich (1554-1601) und vier Töchter. Das Haus ist jedoch älter als 1545 - im Dachstuhl war eine dendrochronologische Datierung auf 1445 möglich, und in jene Zeit weisen die unter dem Putz liegenden Buckelquader und die gekehlten Fensterleibungen. Spätere bauliche Eingriffe wie Ladeneinbau und seitliche Garage stören im heutigen Aussehen des Hauses.

Das hier gewendete Wappen der Echter auf der optisch linken Seite zeigt in Blau einen silbernen Schrägbalken, belegt mit drei blauen Ringen. Die Helmzier ist hier ganz falsch angestrichen, es muß sich um ein Paar blauer Büffelhörner handeln, jeweils belegt mit einem silbernen Schrägbalken, der wiederum mit drei blauen Ringen belegt ist, das rechte Horn mit einem Schräglinksbalken, das linke Horn mit einem Schrägrechtsbalken.

Auf der optisch rechten Seite befindet sich das Wappen der von Adelsheim: Es zeigt in Silber ein schwarzes, gebogenes Widderhorn (Steinbockshorn). Auch hier ist die Helmzier abweichend von den Soll-Angaben angestrichen, erwartet wird ein schwarz oder silbern-schwarz geteilt gewandeter Frauenrumpf mit goldenem abstehenden Haarzopf und goldener Krone zwischen zwei silbern-schwarz geteilten, wie im Schild bez. Hörnern. Früher hatten sie nur die Hörner, 1422 kam der Frauenrumpf hinzu (diese Wappenbesserung wurde am 8.9.1422 dem Herbolt von Adelsheim von Kaiser Sigismund gewährt). Helmdecken schwarz-silbern.

Das Geschlecht derer von Adelsheim ist fränkischer Uradel. Der erste nachgewiesene Namensträger ist Hans von Adelsheim, 1324 erwähnt. Sie führen mit dem Steinbockshorn das gleiche Wappenmotiv wie die von Fechenbach und die Kottwitz von Aulenbach. Die Herren von Adelsheim trugen ihre Eigengüter im Jahre 1347 dem Fürstbischof von Würzburg zu Lehen auf. Die Familie gehörte zur fränkischen Reichsritterschaft, Kanton Odenwald, und im 16. Jh. waren ihre Mitglieder auch im Kanton Rhön-Werra immatrikuliert. Nach 1803 wurden die Herren von Adelsheim Freiherren im Großherzogtum Baden. Die Stammgüter umfaßten Besitzungen in Adelsheim, Hergenstadt, Sennfeld (Kreis Buchen) und Wachbach (Kreis Mergentheim). Die sog. 2. Linie starb am 8.4.1884 mit Adolf Frhr. v. Adelsheim aus und wurde von der sog. 1. Linie beerbt. Die heutige Linie entstand 1951 durch Adoption und nennt sich Freiherren von Adelsheim von Ernest; sie führen ein von den Stammwappen v. Ernest und v. Adelsheim gevierten Schild mit zwei Helmen. Adelsheim befand sich bis 1803 unter der Herrschaft der reichsunmittelbaren Ritterfamilie. Die Verhältnisse wurden erst durch den Reichsdeputationshauptschluß geändert. Danach kam Adelsheim an Baden. Das Stadtwappen von Adelsheim heute zeigt in Erinnerung an diese Familie in Silber das schwarze Steinbockshorn.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher
Peter W. Sattler, Helga Bartmann: Erbach erleben, ein Führer zu den historischen Sehenswürdigkeiten im Städtel und im Schloß, Edition Diesbach, Weinheim 2006, ISBN 3-936468-33-8 bzw. 978-3-936468-33-5
Peter W. Sattler, Helga Bartmann: Erbach im Odenwald: Wappen erzählen Geschichte. Aus der Geschichte von Stadt und Grafschaft Erbach, Band 7, Herausgeber: Magistrat der Kreisstadt Erbach im Odenwald und Historischer Verein für die Kreisstadt und ehemalige Grafschaft Erbach e.V., ISBN 3-9801518-2-4
Ein herzliches Dankeschön an Frhr. v. Recum für wertvolle Hinweise
Adelsheim: Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon Band I, Band 53 der Gesamtreihe, C. A. Starke Verlag Limburg, 1972.
Adelsheim: Otto Hupp, Münchener Kalender 1922, Verlagsanstalt München/Regensburg
Adelsheim:
http://de.wikipedia.org/wiki/Adelsheim_%28Adelsgeschlecht%29
Hessische Kulturdenkmäler:
http://denkxweb.denkmalpflege-hessen.de/cgi-bin/mapwalk.pl?obj=11026&session=913&event=Query.Details

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