Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1248
Erbach (Odenwald)

Das Erbacher Schloß (3)

Die Wappen am hofseitigen Eingang in den Schloßbau
Der Erbauer des Erbacher Schlosses war Georg Wilhelm Graf zu Erbach-Erbach, Herr zu Breuberg (19.7.1686 - 31.5.1757), vermählt in erster Ehe mit Sophia Charlotte Gräfin v. Bothmer zu Radeburg und Rödern (1697 - 14.9.1748) und in zweiter Ehe mit Leopoldina Sophia Wilhelmina Wildgräfin zu Dhaun u. Kyrburg, Rheingräfin zum Stein, Gräfin zu Salm, Frau zu Vinstingen, Püttlingen u. Dimmringen (17.11.1731 - 28.2.1795). Das Wappen des Bauherrn und das seiner zweiten Ehefrau flankieren zu beiden Seiten die ausladende hofseitige Freitreppe, die in den eigentlichen Schloßflügel des Ensembles führt. Obwohl die beiden Wappen wunderbar hierher passen, befinden sie sich erst seit 1848 an diesem Ort. Ursprünglich befanden sie sich am Rathaus in Reichelsheim und wurden erst 1848 dort entfernt und hierhin versetzt.

Über dem Portal selbst befindet sich zwischen zwei Putten mit Weintrauben eine mit einer Laubkrone besetzte querovale Inschriftentafel: "DIESES SCHLOS ERBAVTE MIT GOTT GEORG VVILHELM GRAV ZV ERBACH VND HERR ZV BREVBERG". Was fällt auf? Das W für Wilhelm ist in Form zweier V geschrieben, und ab dem Eigennamen sind die als lateinische Ziffern lesbaren Buchstaben etwas vergrößert geschrieben, als Chronogramm zu lesen: GEORG VVILHELM GRAV ZV ERBACH VND HERR ZV BREVBERG = V + V + I + L + L + M + V + V + C + V + D + V + V = 5 + 5 + 1 + 50 + 50 1000 + 5 + 5 + 100 + 5 + 500 + 5 + 5 = 1736. Die Buchstaben in den oberen beiden Zeilen der Inschrift "DIESES SCHLOS ERBAVTE MIT GOTT" zählen dabei nicht mit. Eine zweite Bauinschrift befindet sich direkt auf dem Sturz über dem Portal: "GEORG ALBRECHT GRAF ZU ERBACH, HERR ZU BREUBERG HAT DAS WERK DES AHNHERRN ARCHITECTONISCH VOLLENDET A.D. MDCCCCII".

Hinter der ersten Bauinschrift verbirgt sich ein ziemlich großer Umbau. Der Schloßflügel wurde sowohl nach Norden bis zum Archivbau als auch nach Süden über den alten Bergfried hinaus verlängert und in einfachen Barockformen ausgestaltet und im Inneren modernisiert. Das dritte Stockwerk bestand im früheren Zustand noch aus Fachwerk, dieses wurde jetzt ebenfalls in Stein ausgeführt. Der Schloßhof wurde von überflüssig gewordenen Nebengebäuden befreit und nach Westen geöffnet. Reste alter Befestigungen, Gräben und Wehrmauern, aus mittelalterlicher Zeit im Osten des Schlosses wurden beseitigt und durch Grünanlagen ersetzt. Unter Georg Wilhelm Graf zu Erbach-Erbach vollzog sich der Übergang von einer wohnlich gewordenen Burg zu einem Palast mit einem klaren Bekenntnis zur Repräsentation unter Verzicht auf alle bisher noch sichernden Bauelemente.

Einige Dekorationsteile der Fassade entstammen vermutlich dem Umbaujahr 1902, z. B. Pilaster und Rahmungen aus Blech Auch die Umrahmungen beider Wappen sind aus Blech, wie man an den Dellen sehen kann.

Das Erbacher Wappen für Georg Wilhelm Graf zu Erbach-Erbach (19.7.1686 - 31.5.1757) entspricht dem Zustand nach der Wappenvermehrung 1755, welche Georg Wilhelm Graf zu Erbach-Erbach (19.7.1686 - 31.5.1757) am 9.7.1755 durch kaiserliches Diplom auf Antrag gewährt wurde. Der gewährende Kaiser war Franz I., und seitdem tragen alle Grafen dieser Linie als ersten Vornamen den Namen Franz. Das Wappen ist geviert mit Herzschild (Gnadenwappen):

Drei Helme:

Ein weiteres Wappen der Rhein- und Wildgrafen für Leopoldina Sophia Wilhelmina Wildgräfin zu Dhaun u. Kyrburg, Rheingräfin zum Stein, Gräfin zu Salm, Frau zu Vinstingen, Püttlingen u. Dimmringen (17.11.1731 - 28.2.1795), Miterbin von Limpurg-Sontheim, Tochter von Carl Walrad Wilhelm Wild- und Rheingraf v. Salm-Grumbach (10.10.1701 - 11.7.1763) und Juliane Franziska Leopoldine Theodora v. Prösing und Limpurg (15.2.1709 - 13.12.1775) sowie Enkelin von Carl Ludwig Philipp Wild- und Rheingraf v. Salm-Grumbach (27.5.1678 - 1727) und Maria Wilhelmina Henriette Prinzessin v. Nassau-Usingen (13.4.1679 - 1.11.1718), findet sich auf der anderen Seite der Freitreppe. Es ist inhaltsgleich mit den bisherigen Wappen an den anderen zuvor beschriebenen Stellen, zwar nicht so formschön wie das an der Mauer des Rentkammerbaues, aber der Schild ist korrekt angeordnet und angestrichen. Und, es ist insofern eine Weiterentwicklung gegenüber dem Wappen an der Wand der Rentkammer, als hier nicht nur das Stammkleinod, sondern drei Helme abgebildet werden, die aber leider bei der Neufassung 1995 farblich mängelbehaftet angestrichen worden sind:

Dazu werden drei Helme geführt:

Alternativ (Siegel eines Wild- und Rheingrafen Otto): Position der Helme 2 und 3 vertauscht, die Bracke ähnelt eher einem wachsenden Bärenrumpf. Und die Farben des Hutes sind die des Stammkleinodes, schwarzer Hut mit rotem Stulp.

Abb.: Position des beschriebenen Wappensteines

Abb.: marktplatzseitige Ostfassade des Erbacher Schlosses, Mittelteil, Ausschnitt.

Genealogie der Grafen von Erbach (Teil 3)
Weitere Teilungen fächern die Hauptlinie zu Fürstenau auf. Von Erbach-Fürstenau spaltete sich die Linie Erbach-Schönberg ab (seit 1903 gefürstet), so genannt nach dem Schloß Schönberg im Kreis Bergstraße, seit 1717 Sitz dieser Linie, heute jedoch veräußert. Zum dritten Mal gibt es Erbach-Erbach erst ab 1748 wieder.

Abb.: hofseitiger Blick auf den Archivbau mit Treppenturm, links der Alte Bau, im Hintergrund Turm der Stadtkirche, rechts Schloßflügel. Das besprochene Wappen am polygonalen roten Turm.

Das Wappen am Treppenturm des Archivbaus
Der Archivbau war die erste Kanzlei der gräflichen Verwaltung, bevor sie in den "Kasten" umzog, die heutige Rentkammer. Von 1737 bis 1932 wurde der Bau als Archiv genutzt. Unglücklicherweise kam das ganze Archiv 1932 leihweise an das Hessische Staatsarchiv in Darmstadt und verbrannte vollständig 11./12.9.1944. Wäre es doch besser hier geblieben, dann stünde das unersetzliche Material heute noch der Forschung zur Verfügung. Bauherr des Archivbaues war Georg III. Graf zu Erbach (15.7.1548 - 1605), derjenige, der 1569 sämtliche Erbach'schen Besitzungen in seiner Hand vereinigte und insgesamt viermal vermählt war, mit Anna Amalia zu Sayn, mit Anna Gräfin v. Solms-Laubach, mit Dorothea Reuss v. Plauen und mit Maria v. Barby-Mühlingen.

An dem hofseitig an den Archivbau anschließenden polygonalen Treppenturm mit rundbogigem Portal, zeitgleich mit dem Torhaus (gleiche Steinmetzzeichen) und mit hohem, schiefergedeckten Spitzdach befindet sich unter einem kleinen, geschwungenen Schutzdach ein Wappenstein, der zwar zum Bauherrn und seiner vierten Ehefrau paßt, hier aber erst nachträglich angebracht wurde. In der tonnengewölbten Tordurchfahrt liegt ein Fenster zur ehemaligen Wächterstube.

Das Erbacher Wappen für Georg III. Graf zu Erbach (15.7.1548 - 1605) wird in der ab 1556 gültigen Form gezeigt, geviert:

Helmzier: gekrönt, ein Paar Büffelhörner, silbern-rot übereck geteilt, Stammkleinod der Grafen von Erbach, bereichert um zwei dazwischen schräggekreuzte Fähnchen, silbern und mit zwei roten Balken, die für die Breuberg'sche Erbschaft stehen. Decken rot-silbern.

Das Wappen für seine vierte Frau Maria v. Barby-Mühlingen (8.4.1563 - 1619) aus dem 1659 ausgestorbenen Hause der Grafen von Barby, verwitwete Frau von Josias Graf v. Waldeck-Eisenberg (18.3.1554 - 6.8.1588), ihrem ersten Ehemann, Tochter von Albrecht X. Graf v. Barby und Mühlingen (15.2.1534 - 28.5.1588) und Maria v. Anhalt (1.12.1538 - 25.4.1563) sowie Enkelin von Wolfgang I. Graf v. Barby und Agnes v. Mansfeld, ist geviert (vgl. Siebmacher SaA Seite: 8 Tafel: 5 und AnhA Seite: 5 Tafel: 2):

Zwei Helme:

Abb.: Position des beschriebenen Wappensteines

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher
Peter W. Sattler, Helga Bartmann: Erbach erleben, ein Führer zu den historischen Sehenswürdigkeiten im Städtel und im Schloß, Edition Diesbach, Weinheim 2006, ISBN 3-936468-33-8 bzw. 978-3-936468-33-5
Peter W. Sattler, Helga Bartmann: Erbach im Odenwald: Wappen erzählen Geschichte. Aus der Geschichte von Stadt und Grafschaft Erbach, Band 7, Herausgeber: Magistrat der Kreisstadt Erbach im Odenwald und Historischer Verein für die Kreisstadt und ehemalige Grafschaft Erbach e.V., ISBN 3-9801518-2-4
Hartmut Platte: Das Gräfliche Haus Erbach-Erbach, Heft 8 der Reihe Deutsche Fürstenhäuser, Börde-Verlag Werl, 2004, ISBN 3-9807740-6-6
Peter W. Sattler, Schloß Erbach, ein Führer durch die Residenz und ihre gräflichen Sammlungen, K. F. Schimper Verlag, Schwetzingen 2000, ISBN 3-87742-153-9
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder - die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. C. H. Beck Verlag München 7. Auflage 2007, ISBN 978-3-406-54986-1
Archivbau:
http://forschung.gnm.de/ressourcen/schloesser/XML/035_Erbach_Schloss.xml
Hessische Kulturdenkmäler:
http://denkxweb.denkmalpflege-hessen.de/cgi-bin/mapwalk.pl?obj=11004&session=913&event=Query.Details

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