Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1227
Gudenau (zu Wachtberg, Rhein-Sieg-Kreis)

Wasserschloß Gudenau (1)

Aufbau des Wasserschlosses
Inmitten einer idyllischen Talaue, wo sich Godesberger und Arzdorfer Bach vereinigen, einst eine strategische Talsperre, heute eine in Wälder eingebettete Idylle, liegt Schloß Gudenau, eine weitläufige Anlage und eine der beeindruckendsten im Rheinland. Ein breiter Querriegel der Vorburg trennt das in Privatbesitz befindliche Anwesen von der Straße ab. Diese Vorburg ist breitrechteckig mit zwei kürzeren Seitenflügeln und einem langen verbindenden Hauptflügel, in dessen Mitte sich symmetrisch der erhöhte Tordurchgang befindet. Einst befanden sich an den beiden äußeren Ecken Türme mit viereckigem Grundriß, wovon nur der linke überlebt hat, während der rechte im 19. Jh. abgebrochen wurde. Die Vorburg stammt zwar aus dem 16. Jh., doch wurde sie später erheblich umgestaltet, so daß nur die rundbogigen Tordurchfahrten und ein Turm an der Ostecke aus der Bauzeit stammen. Zum See hin ist diese Baugruppe offen. Über eine lange steinerne Brücke gelangt man über den See (eigentlich zu breit für einen simplen "Burggraben") zum eigentlichen Schloß, das wiederum aus zwei durch einen mächtigen, von einem geschieferten Walmdach mit achteckigem Uhrturm bekrönten Torturm verbundenen Baugruppen besteht: Zur Linken befindet sich die zweite, ältere und dreiflügelige Vorburg, zur Rechten das um einen kleinen Binnenhof gruppierte vierflügelige, zweigeschossige Herrenhaus. Zur Gartenseite umschließt das Herrenhaus hufeisenförmig eine kleine barocke Terrasse. Beide, innere Vorburg und Herrenhaus, stehen auf einer gemeinsamen Insel und haben runde Ecktürme. Von der Eingangsseite her ist der funktionale Unterschied der beiden Gebäudegruppen weniger groß als von der Gartenseite, wohin von der inneren Vorburg aus eine zweite, über den See führende Brücke leitet. Diese optische Verklammerung an der Vorderseite wird im wesentlichen durch den etwa in der Mitte stehenden sechsgeschossigen und alle anderen Gebäude überragenden Torturm bewirkt. Eine kleine Baugruppe geht fast unter, ist aber der älteste Teil: Im Eck zwischen dem Geviert des Herrenhauses und dem hohen Torturm ist ein viergeschossiger Wohnturm aus dem Mittelalter integriert. Das Schloß vereint insgesamt Bauteile aus dem 13. bis zum 20. Jh. Auch das Herrenhaus ist im Kern gotisch, wenn auch mehrfach umgebaut. An den vier äußeren Ecken hat das Inselschloß jeweils einen Rundturm, wovon der nördliche eine einfache spitze Schieferhaube trägt, die anderen drei aber barock geschwungene Dächer. Das Schloß kann innen nicht besichtigt werden. Hinter dem Schloß erstreckt sich ein großer formaler Garten mit beeindruckenden alten Baumgiganten und einem Renaissancebrunnen aus der Entstehungszeit, der einzige erhaltene private Barockgarten des Rheinlandes

Abb.: Blick vom Garten auf die Schloßinsel, links das Herrenhaus mit der barocken Terrasse, rechts die innere Vorburg.

Das Wappen außen über dem Eingang zur Vorburg
Der Wappenstein außen über der Durchfahrt durch den Torturm der Vorburg ist einer der schönsten des ganzen Schlosses, wenn nicht sogar der schönste überhaupt, er ist datiert auf 1562 und gehört zu Otto Waldbott v. Bassenheim, Herr zu und Begründer der Linie zu Gudenau, und seiner am 15.7.1553 geehelichten Frau, Johannetta (oder Johanna) Scheiffart v. Merode zu Bornheim (- 14.11.1613). Johannetta entstammte einer der reichsten rheinischen Adelsfamilien und versetzte durch ihre Mitgift ihren Ehemann in die Lage, Gudenau auszubauen. Otto war es, der die Burg zu einer der größten im Kurkölner Herrschaftsgebiet ausbaute. Wir sehen ein Ehewappen aus zwei einander zugewandten Vollwappen, der Schild des Ehemannes ganz leicht geneigt, seine Helmzier gedreht.

Das Wappen der Waldbott von Bassenheim ist ein zwölffach rot-silbern geständerter Schild. Die Helmzier ist ein wachsender silberner Schwan, dessen erhobene Flügel mit je einem 12fach rot-silbern geständerten Schildchen belegt sind. Die Helmdecken sind rot-silbern.

Das Motiv der Ständerung ist uralt und schon auf den allerältesten Darstellungen belegt, ebenso wie die Farben bereits Anfang des 14. Jh. belegt sind. Variationen gab es hinsichtlich der einzelnen Linien der Walpoden (später Waldbott). Diese Variationen betrafen die exakte Anzahl der Plätze bei der Ständerung, die Helmzier und ggf. differenzierende Beizeichen. Die Anzahl der Ständer war der Variationsbreite von 8 bis 16 unterworfen, je nach Linie und Zeit. Durchgesetzt hat sich die 12fache Ständerung. Waren im 14. und 15. Jh. je nach Linie noch unterschiedliche Helmzieren je nach Linie in Gebrauch, hat sich hier der Schwan der Bassenheimer endgültig durchgesetzt. Dies hängt sowohl mit dem Erlöschen der Nebenlinien als auch mit der Vereinheitlichung unter Verlust persönlicher Helmzier-Varianten zusammen.

Abb.: Detail, Helmzier für Otto Waldbott v. Bassenheim.

Bei der Helmzier der Waldbott von Bassenheim wird trefflich deutlich, wie man Tiere in Helmzieren günstig darstellt: Obwohl beide Flügel ein wichtiges charakterisierendes Element zeigen, nämlich den wiederholten kleinen Schild, was dazu verleiten könnte, den Schwan von vorne mit ausgebreiteten Schwingen zu zeigen, wurde wegen der dann äußerst ungünstigen Perspektive auf Kopf und Hals hier die Profildarstellung dahingehend optimiert, daß der rechte Flügel nach hinten geschoben und der linke Flügel nach vorne geschoben wird, damit der Blick frei wird auf das jetzt auf der Oberseite der Schwinge angebrachte linke Schildchen. Selbst mit solchen gestalterischen Klimmzügen - einmal ist das Schildchen jetzt auf der Unterseite des Flügels und einmal auf der Oberseite - sieht das Ergebnis wesentlich überzeugender aus als eine alternativ in Erwägung zu ziehende Frontaldarstellung, weil das Wesentliche, was einen Schwan zum Schwan macht, nämlich der charakteristisch S-förmig gebogene Hals und die typische Kopfform, beibehalten werden. Die meisten Tiere sehen in Profildarstellung eben grundsätzlich besser aus als in Frontaldarstellung.

Abb.: Detail, Helmzier für Johannetta (oder Johanna) Scheiffart v. Merode

Das Wappen der Scheiffart von Merode zeigt in Gold vier rote Pfähle. Auf gekröntem Helm sehen wir einen wachsenden Drachen, hier rot-silbern tingiert, mit der Vorderpfote eine schräg nach hinten gerichtete Fahnenstange tragend mit dreieckigem, schwarz-golden geteilten Wimpel. Literaturspiegel: Bei Macco, Aachener Wappen und Genealogien findet sich ein Schildbild ohne Farben und ohne Oberwappen, bezeichnet Scheyvard de Royde, vermutlich auch diesem Geschlecht zuzuordnen. Im Rietstap / Rolland wird das Wappen Scheiffart de Merode wie folgt beschrieben: In Gold vier rote Pfähle. Helmzier ein wie der Schild bez. Schildchen zwischen einem goldenen Flug. Unter Merode finden wir im Rietstap / Rolland etliche weitere, durch Schrägbalken, Borde oder Schräglinksfäden differenzierte Varianten, die hier nicht zutreffen. Im Westfälischen Wappenbuch ist das Wappen so abgebildet: In Gold vier rote Pfähle. Helmzier ein wie der Schild bez. Schildchen zwischen einem rechts roten, links goldenen Flug. Helmdecken rot-golden. Diese Helmzier findet sich genauso auch im Rietstap unter Merode zum einfachen Schild und unter Merode-Vlatten zu vermehrtem Schild. Die Linie zu Bornheim wird im Rietstap / Rolland mit einem Schräglinksfaden differenziert abgebildet. Der Siebmacher wiederum bildet für Merode (nicht Scheiffart von Merode!) eine differenzierte Variante im Band Preußen ab, die vier roten Pfähle in goldenem Feld innerhalb eines blauen, gedornten Bordes, Helmzier der unbordierte Schild zwischen einem rechts roten, links goldenen Flug, alternativ auch ebenso tingierte Straußenfedern. Auf Preußen, Tafel 308 jedoch ist die Helmzier eine flugbereite goldene Fledermaus zu rot-goldenen Helmdecken. Eine Fledermaus hätte jedoch nicht zusätzliche Vorderpfoten. Das Bild in der Literatur ist also wie so häufig sehr uneinheitlich. Eine Verbindung der Bornheimer besteht zu den Schelmen und deren Kleinod könnte daher ein Drache sein wie bei fast allen Schelmen. Der Drache speit typischerweise Feuer, hier hat er etwas Zungenänliches. Eine dieser Helmzier hier am Tor entsprechende Beschreibung konnte in der Literatur noch nicht gefunden werden, Hinweise willkommen.

Besitzgeschichte (1): Schloß Gudenau kommt an Kurköln
Im Laufe der Geschichte ist Burg/Schloß Gudenau durch viele verschiedene Hände gegangen. Erbaut wurde die erste Burg im 13. Jh. von den Grafen von Are, Vögte der Abtei Prüm (seit mindestens 886 Besitzer des Tales), die die Burg aber nicht selbst bewohnen, sondern als Burglehen von Are (Altenahr) an eine Burgmannenfamilie vergeben. Nicht lange danach, 1246, kommt es zur sog. "Hochstadensche Schenkung", wobei der Besitz als Teil der Schenkung über Graf Konrad von Are-Hochstaden (ca. 1205 - 18.9.1261), Sohn von Lothar von Are-Hochstaden und dessen Frau Mathilde, Erzbischof von Köln (1238-1261) und Grundsteinleger des Kölner Domes 1248, an Kurköln gelangt, denn der Graf von Are-Hochstaden vermachte seine Grafschaft, sein Familienerbe, dem Erzstift Köln. Die Daten sind kein Irrtum, Konrad lebte bis 1261, aber die Schenkung erfolgte 1246, das ist der Zeitpunkt, als Graf Dietrich von Are-Hochstaden kinderlos starb. Und Konrad brachte seine Verwandten dazu, das gesamte Vermögen dem von ihm regierten Hochstift zu vermachen. Seitdem ist Gudenau Kurkölner Lehen. Wie auch immer diese "Überzeugungsarbeit" geschah, Tatsache ist, daß der Einflußbereich des Kölner Hochstiftes nach Süden erheblich vergrößert wurde und der neue Mittelzufluß den Erzbischof in die Lage versetzte, nur zwei Jahre nach der Schenkung den Kölner Dom zu beginnen. Ganz eindeutig war die Lage jedoch nicht, denn der Abt von Prüm hatte zwar alle Lehen, die der Graf von Are besaß, auf Kurköln übertragen, aber immer noch Eigentumsrechte am Land selbst. Lehensrechtlich gehörte Gudenau also zu Köln, territorial aber noch zur Grafschaft Neuenahr, eigentumsrechtlich zu Prüm. Wie auch immer, die faktische Macht lag seit 1246 beim Stärkeren, dem Erzbischof von Köln.

Besitzgeschichte (2): Schloß Gudenau wird Sitz der Burggrafen von Drachenfels
Im darauffolgenden Jahrhundert finden wir ein Geschlecht, welches sich nach der Burg nennt: 1317 und 1326 wird ein Hermann von Gudenau erwähnt, erzbischöflicher Rat. Lysa (Elisabeth) von Gudenau, Hermanns Enkelin, brachte das Schloß durch Heirat am 15.11.1362 an Philipp Scherffgen (gest. 1398), ein Patrizier aus Köln. 1372 wurde dieser mit Schloß und Land zu Gudenau belehnt. Dessen ältere Tochter und Erbin Elisabeth Scherffgen, in erster Ehe vermählt mit Heinrich Burggraf von Drachenfels und in zweiter Ehe nach dem Tod des ersten Mannes (gest. 1401) mit Gerhard von Bell, verkauft 1402 den als Mitgift erhaltenen Besitz an den Godart (Gotthard, Gottfried) Burggraf von Drachenfels (-18.3.1428), vermählt mit Adelheid (Aleid) von Merode, ihre Schwiegereltern in Bezug auf ihre erste Ehe. Das war notwendig, weil sie als Frau zwar erben konnte, aber nicht belehnt werden konnte - Frauen galten nicht als lehensfähig. So wurden die Drachenfelser Inhaber des Lehens durch Belehnungsurkunde vom 27.7.1402. Welch Unterschied zwischen dem Drachenfelser Stammsitz, der engen und einfachen Höhenburg auf der anderen Rheinseite, und dieser einladenden und ausbaufähigen Burg in der Talaue! Der Hauptwohnsitz wurde entsprechend verlegt. 1456 verstarb des Belehnten gleichnamiger Enkel, Vater von unverheiratet gebliebenen Söhnen und einer Tochter namens Apollonia.

Abb.: Blick vom Hof der Vorburg auf die Schloßinsel. Links die Gebäude der inneren Vorburg, jenseits der Brücke der markante hohe Torturm, rechts im Hintergrund das Herrenhaus.

Besitzgeschichte (3): Schloß Gudenau wird mit Intermezzo Sitz der Waldbott von Bassenheim
1477 durch die Heirat bzw. 1507 durch Erbteilung bzw. effektiv 1512 (Lehensbrief) schließlich kommt die Burg an die Waldbott von Bassenheim, denn Otto Waldbott v. Bassenheim (vor 1477 - 1498), hatte mit seiner Frau Apollonia v. Drachenfels (s. o.) die Ansprüche auf die Erbburggrafschaft Drachenfels und das sog. Drachenfelser Land erworben, die später umgesetzt wurden. Zwischenzeitlich hatte der Erzbischof von Köln, Ruprecht von der Pfalz) aufgrund eines bewaffneten Streites mit Clas (Klaus), einem Bruder der Apollonia, 1469 Gudenau besetzt, als erledigtes Lehen zur Strafe eingezogen und erst drei Monate später wieder herausgegeben. Nach der Versöhnung wurde Clas ein loyaler Ritter und treuer Verbündeter des Kurfürsten, was ihn in Opposition zu dessen Nachfolger brachte. Er starb allerdings nicht im Dienste Kurkölns, sondern wurde von seinem eigenen Bruder erschlagen. In seiner Abwesenheit hatten sich aber die Waldbott von Bassenheim bereits auf dem Besitz Gudenau eingerichtet. Eine weitere Belehnung erfolgte 1634, ein Vergleich mit anderen Erbanspruchsinhabern 1695. Die Waldbott von Bassenheim haben im wesentlichen das erbaut, was wir heute vordergründig wahrnehmen, der große Umbau erfolgte 1557-1562. Die Waldbott von Bassenheim wurden wie ihre Vorgänger von Kurköln belehnt, 1550 kam die Landeshoheit an Jülich (eine Folge der territorialen Zugehörigkeit von Gudenau zur Grafschaft Neuenahr, denn als der letzte Neuenahrer starb, wurde das Territorium als erledigtes Lehen eingezogen), doch 1659 konnten sie die Lehnsherrschaft abschütteln und im Tausch gegen ihren Anteil an der Reichsherrschaft Landscron die Souveränität eines selbständigen Territoriums im Reich erwerben, denn der Dingstuhl Villip war ein Reichslehen und 1660 erhob Kaiser Leopold Villip zur Reichsherrschaft. Das Schloß selbst blieb ein Kurkölner Lehen.

Besitzgeschichte (4): Viele Herren und eine mustergültige Renovierung unter den Grafen Strasoldo
Über zwei Jahrhunderte blieb die Burg im Besitz der Waldbott von Bassenheim, ehe die Linie zu Gudenau ausstarb und das Schloß durch Erbschaft an die Freiherren von Vorst-Lombeck kam, die 1732 eingeheiratet hatten und das Schloß 1735-1812 besaßen (Belehnung 12.11.1735). 1794 wurde das Schloß in den Revolutionskriegen geplündert. Danach wechselten die Besitzer in schneller Folge: 1812 Freiherren von Mirbach (Auguste Freiin von Mirbach, geborene Velbrück, war die Schwiegermutter von Maximilian von der Vorst-Lombeck, der 1813 nach Österreich auswanderte und sich in Mähren Scladowitz kaufte), Verkauf 1834 an die Grafen von Hompesch-Bollheim zu Rurich und zu Visberg, die aber auch den verwüsteten rheinischen Besitz wieder abstießen und sich auf die 1835 in Mähren gekaufte Herrschaft Joslowitz zurückzogen, 17.12.1836 Carl Fiévet, 1882 Franz Carl Guilleaume, ein bürgerlicher Fabrikant aus Köln, 1910 wurde die Familie geadelt und 1914 in den erblichen Freiherrenstand erhoben. Ein Tiefpunkt war der große Brand 1944 im zweiten Weltkrieg. 1950 kam der Besitz über Erna, die Tochter von Theodor Freiherr von Guilleaume, an die Grafen von Strasoldo, und 1954 suchte eine zweite Brandkatastrophe das Schloß heim. Seit 1954 wurde das Schloß von den Grafen von Strasoldo saniert und wiederhergestellt und in jüngster Zeit erneut von Enno und Henriette Scholma geb. Gräfin Strasoldo, so daß es sich heute in beispiellos gutem und gepflegtem Zustand präsentiert.

Abb.: Blick von der Vorburg auf das Herrenhaus mit Erker und rundem Eckturm mit geschiefertem Kegeldach. Zwischen dem Herrenhaus und dem links angeschnittenen Torturm befindet sich der älteste Teil der Anlage integriert, ein alter Wohnturm, der später umgebaut und stilistisch angepaßt wurde.

Das Wappen innen über dem Eingang zur Vorburg
Auf der Innenseite des Torturmes der Vorburg sehen wir über der Durchfahrt ein Ehewappen von Otto Heinrich Waldbott v. Bassenheim (20.11.1561 - 1639), Herr zu Gudenau, Drachenfels und Kuchenheim, Erbburggraf des Erzstifts Köln, Kämmerer, Geheimrat und Oberstallmeister, und seiner Frau Katharina Freiin v. Hochsteden zu Noithausen (- 1632) in einer gespaltenen, gemeinsamen Kartusche, rechts der Schildinhalt des Ehemannes, links der der Ehefrau, die Kartusche mit Voluten in der Mitte oben und unten sowie an den beiden oberen Seiten wird von zwei Löwen gehalten und von den beiden Helmen beider Ehepartner überhöht. Das ist insofern ungewöhnlich, als meistens ein in einem einzigen Schild zusammengeschobenes Ehewappen nur vom Helm des Mannes überhöht wird, hier sehen wir aber beide.

Auf der rechten Seite befindet sich das bereits oben diskutierte Wappen der Waldbott von Bassenheim. Bei der Helmzier knüpft diese Darstellung an das weiter oben Diskutierte an: Auch hier wird der Profildarstellung des Schwanes der Vorzug gegeben, und auch hier sind gestalterische Tricks nötig, um die beiden Schildchen auf den Flügeln zu zeigen. Dazu wird der linke Flügel nach vorne geklappt, wodurch wir beide Schildchen auf den Unterseiten (in der Darstellung Vorderseiten) der Schwingen positionieren können. Auch hier sieht das Ergebnis wesentlich überzeugender aus als eine reine Frontaldarstellung, weil der charakteristisch S-förmig gebogene Hals und die typische Kopfform beibehalten werden. Daß dazu eigentlich ein Rumpf im Profil mit frontal abgebildeten Schwingen kombiniert wird, ist ein legitimes Stilmittel, welches sich bei der Helmzier der Ehefrau wiederholt.

Diese Familie von Hochsteden ist nicht identisch mit der Familie von Are-Hochstaden! Letztere Hochadelsfamilie war längst ausgestorben, als dieser Stein entstand - man erinnere sich an das bei der Besitzgeschichte Gesagte: 1246 starb die regierende Linie aus, was zur Schenkung führte, und 1261 starb der Letzte seines Geschlechtes, der Kölner Erzbischof Konrad von Hochstaden. Diese Hochsteden hier sind ein Burgmannengeschlecht der Are-Hochsteden, also einfache Untergebene des hochadeligen Geschlechtes gewesen. Ihre Wappen sind auch ganz unterschiedlich: Die hochadeligen Are-Hochstaden führten in Rot einen silbernen Adler. Die v. Hochsteden hier haben unter einem roten Schildhaupt in Silber drei grüne Pfähle, auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein wachsender, vermutlich silberner Hahn mit roten Flügeln und ebensolchem Kamm und Kehllappen. Hier sind die Farben des Schildes jedoch z. T. umgekehrt, wir sehen silberne Pfähle in grünem Feld, nicht wie in der Literatur grüne Pfähle in silbernem Feld. In der Literatur wird meist eine Teilung beschrieben, hier liegt die Trennlinie jedoch höher, wie bei einem Schildhaupt, was insbesondere im Vergleich mit der regelmäßigen Ständerung in der anderen Spalthälfte auffällt. Statt des Hahnes der Helmzier wird in der Literatur auch ein Adler beschrieben, hier ist der Vogel anhand des Kehllappens eindeutig als Hahn anzusprechen. Das Hochstedener Wappen wird in der Literatur uneinheitlich beschrieben, bei Fahne, Kölner Geschlechter, S. 158 (rot-silbern geteilt, unten drei grüne oder blaue Pfähle, Helmzier ein gekrönter Adler mit roten Flügeln, wobei die Krone aber wie dort gezeichnet ebensogut ein Hahnenkamm sein könnte), Siebmacher Band Pr Seite: 173 Tafel: 221 (rot-silbern geteilt, unten drei grüne Pfähle, Helmzier ein wachsender roter Adler oder Hahn mit silbernen Flügeln) und bei Macco, Aachener Wappen und Genealogien Band 1 (unter rotem Schildhaupt in Silber drei grüne Pfähle, Helmzier ein wachsender, silberner Hahn mit roten Flügeln und ebensolchem Kamm und Kehllappen), sowie im Rietstap /Rolland (unter rotem Schildhaupt in Silber drei grüne oder blaue Pfähle, Helmzier ein wachsender, roter, golden gekrönter Adler). Soweit die Unterscheidung beider namensähnlicher Familien. Und dennoch konnten die "kleinen" Hochsteden es nicht lassen, mit dem Wappen der "großen" Hochstaden aufzutrumpfen: Später ist das Wappen (nach Fahne, Kölnische Geschlechter, auch im Rietstap abgebildet) mit einem silbernen, einwärtsblickenden Adler in Rot in 1. und 4. Feld vermehrt worden (Are-Hochstaden), während in Feld 2 und 3 das Stammwappen (Hochsteden) abgebildet wurde. Dies kann auf zweierlei Weise interpretiert werden: Einerseits kann es ein Spiel mit der Namensähnlichkeit zur eigenen Ansehensmehrung sein. Andererseits kann es, und das war durchaus üblich, die Aufnahme des Wappens eines Lehnsherrn in das eigene zur Illustrierung des eng verbundenen Verhältnisses sein - zumal auch der Name selbst diesem Burgmannenverhältnis entstammen könnte. Die Tatsache, daß die Grafen von Are-Hochstaden ausgestorben waren und deren Wappen auf den höherwertigen Plätzen 1 und 4 zu liegen kommt, spricht für die erste Annahme. Die Tatsache, daß auch der Name auf das Anhängigkeitsverhältnis hinweist, spricht für die zweite Annahme. Eine Abstammung kann jedenfalls als nicht belegt angesehen werden.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher
Otto Gruber: Wappen des mittelrheinisch-moselländischen Adels, Trier 1962-1965, incl. Nachtrag Trier 1967, ebenfalls veröffentlicht in verschiedenen Jahrgängen der "landeskundlichen Vierteljahresblätter".
Schloß Gudenau:
http://www.burgeninventar.de/specials/622gu.html
Sammlung Duncker: Schloß Gudenau -
http://www.zlb.de/digitalesammlungen/SammlungDuncker/15/859%20Gudenau.pdf
Die Burgen der Eifel, ein Lexikon von Bernhard Gondorf, Bachem / Köln 1984
Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Nordrhein-Westfalen, Erster Band, Rheinland, Sonderausgabe für die Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1967
Harald Herzog: Burg Gudenau in Wachtberg-Villip, Hrsg.: Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz. Red.: Karl Peter Wiemer. 1. Auflage Köln 2002, Rheinische Kunststätten Heft 471, ISBN 3-88094-891-7.
Gemeinde Wachtberg im Drachenfelser Ländchen, Hrsg.: Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, 1. Auflage 1978, Rheinische Kunststätten Heft 216.
Rietstap, Rolland
Anton Fahne, Kölner Geschlechter
Macco, Aachener Wappen und Genealogien
Max von Spießen (Hrsg.): Wappenbuch des Westfälischen Adels, mit Zeichnungen von Professor Ad. M. Hildebrandt, 1. Band, Görlitz 1901 - 1903.
Territorialgeschichte: Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder - die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. C. H. Beck Verlag München 7. Auflage 2007, ISBN 978-3-406-54986-1
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Herrn Rolf Zobel ein herzliches Dankeschön für wertvolle Hinweise.

Wachtberg (Rhein-Sieg-Kreis): Wasserburg Odenhausen - Wasserschloß Gudenau (2)

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