Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1220
Schmidtheim (Ortsteil von Dahlem, Kreis Euskirchen, Eifel)

Schloß Schmidtheim

Heute gehört Schmidtheim zur Gemeinde Dahlem (Kreis Euskirchen). Auf der Höhe über dem Ort liegt das Schloß, zu dem sich eine ältere Burganlage entwickelt hat. Die Anlage besteht aus zwei hufeisenförmigen, dreiflügeligen Baugruppen, die mit ihrer offenen Seite gegeneinander gestellt sind und gemeinsam ein unregelmäßiges Viereck mit sehr ungleichen Kantenlängen bilden. Das Schloß selbst liegt in der Südwesthälfte, mit sich weit nach Südwesten erstreckendem Park, zu dem eine eher abweisende Fassade mit zwei Ecktürmen weist, hinter der der älteste Teil, der viergeschossige ehemalige Wohnturm, aufragt.

Abb.: Parkseite des Schlosses von Südwesten

Ein Höhenversatz trennt den sich nach Nordosten öffnenden Schloßhof von der weitläufigen Vorburg, die auf drei Seiten umbaut ist und aufgrund des relativ langen Wirtschaftsflügels im Norden mit einer scharfen Ecke nach Norden weist, während die südlichen Gebäude bogenförmig nach außen schwingen bis zum Torhaus an der Südostecke. Über dem äußeren Torbogen ist ein prächtiger Wappenstein mit Allianzwappen. Das Schloß ist in Privatbesitz der Familie Beyssel von Gymnich und kann nicht besichtigt werden. Der Wappenstein ist in der Nähe der Pfarrkirche frei zugänglich außerhalb des privaten Innenbereiches.

Abb.: Torbau der Vorburg von Süden

Die Herren von Schmidtheim, seit Ende des 12. Jh. urkundlich erwähnt, sind die Erbauer der ersten Burg, auf deren Grundmauern sich das heutige Schloß erhebt. Wenngleich die meisten Gebäude in ihrer heutigen Form aus späteren Zeiten (16.-18. Jh.) stammen, so hat sich doch wenig am Grundkonzept geändert. Früher war es eine von Gräben umgebene Wasserburg, diese sind heute zugeschüttet.

Damian Beyssel von Gymnich, ein Sohn Johanns, vermählte sich im Jahre 1511 mit Eva von Schmidtheim, einer Tochter von Arnold von Schmidtheim und Gertrud von Lysur, und da die am Hof des Grafen Johann zu Manderscheid erzogene junge Dame Erbtochter war, brachte sie ihrem Gemahl Schmidtheim ein, worauf die Beyssel von Gymnich ihr Wappen mit dem von Schmidtheim vierten.

Die Burg Schmidtheim war einst ein offenes Haus der Herren von Schleiden, von denen kam die Lehenshoheit an die Grafen von Manderscheid-Schleiden, und nach deren Erlöschen kam die Lehnsherrschaft an die Grafen von der Mark. Die Herrschaft Schmidtheim aber, das Hochgericht und die Ortschaften, war ein Lehen der Herren von Blankenheim, kam von dort an die Grafen von Manderscheid-Blankenheim, die es als Lehen vergaben. Damian Beyssel von Gymnich wurde 1511 bzw. 1535, und sein Sohn Reinhard 1541 von den Grafen von Manderscheid mit Schmidtheim belehnt.

Friedrich Wilhelm (oder Wilhelm Friedrich) Beyssel von Gymnich (1638 - 1710, Sohn von Bertram Beyssel von Gymnich (1591 - 1648) und Margarete von Harff) vermählte sich mit Maria Magdalena von Metzenhausen (- 1716, Tochter von Johann Georg von Metzenhausen und Katharina von Breitbach zu Bürresheim). Durch diese Ehe bekam er die Herrschaft Boulay. Das zu dieser Ehe passende Allianzwappen sehen wir außen am Südostflügel des Schlosses, links von der Vorburg. Das Wappen ist gespalten, optisch links Beyssel von Gymnich zu Schmidtheim, optisch rechts von Metzenhausen, darüber eine Blattkrone, Schildhalter zwei hersehende Löwen, der Wappenschild wird flankiert von zwei Palmwedeln.

Abb.: Wappenstein am Schloß von Südsüdost, Friedrich Wilhelm Beyssel von Gymnich und Maria Magdalena von Metzenhausen

Wappen von Metzenhausen: In Schwarz ein silberner Doppelhaken (Wolfsangel). Die Wolfsangel kommt in beide Richtungen gelegt vor, auch gewendet. Helmzier ein silberner Gupf, der oben mit einem Hahnenfederbusch zwischen 4 goldenen Ähren besteckt ist. Variante: Der Gupf mit drei silbernen Wolfsangeln (Doppelhaken) belegt und oben mit silbernen Straußenfedern besteckt. Helmdecken schwarz-silbern.

Der Sohn dieses auf dem Wappenstein verewigten Paares, Georg Anton Dominikus Beyssel von Gymnich (2.8.1683 - 6.9.1754), war kurtrierischer Geheimer Rat und Kammerherr, Oberamtmann zu Prüm, Schönecken und Schönberg. Er heiratete - verwitwet - am 5.5.1722 Maria Anna Franziska Ludovika von Frentz-Kendenich zu Frentz (1705 - 12.12.1757, Tochter von Franz Carl Raitz von Frentz und Helena Isabelle von Brabeck), wodurch er Schloß und Herrschaft Frentz gewann. Ihrer beider Allianzwappen schmückt die Tordurchfahrt der Vorburg. Die Linie Frentz zu Frentz erlosch im Mannesstamm, und die Güter wurden zwischen den Schwestern Maria Anna und Maria Isabella Theresia, vermählt mit Freiherr Karl Friedrich Melchior von Kesselstatt, und den Kindern der Maria Catherina, vermählte Droste zu Vischering, geteilt.

Abb.: Wappenstein am Torbau der Vorburg

Gymnich, Gimnich, ältere Linie, ausgestorben. In Silber ein gedorntes rotes Kreuz. Helmzier ein roter Turnierhut mit silbernem Stulp, darauf eine stehende, rotbewehrte silberne Ente vor einem schwarzen Hahnenfederbusch (alternative Beschreibung als schwarze Schilfstaude). Helmdecken rot-silbern. Es gibt weitere Varianten der Helmzier.
Beyssel von Gymnich, Beißel von Gimnich, jüngere Linie, blüht fort. In Silber ein gedorntes rotes Kreuz, oben belegt mit einem dreilätzigen schwarzen Turnierkragen. Helmzier ein roter Turnierhut mit silbernem Stulp, darauf eine stehende, rotbewehrte silberne Ente vor einem schwarzen Hahnenfederbusch (alternative Beschreibung als schwarze Schilfstaude). Helmdecken rot-silbern.
Herren von Schmidtheim, Erwähnung erstmalig 1198. In Rot drei (2:1) schrägrechtsgelegte silberne Streithämmer, Helmzier ein offener Flug, beiderseits wie der Schild bezeichnet. Helmdecke rot-silbern.
Beyssel von Gymnich zu Schmidtheim. Das Wappen ist geviert:
  • Feld 1 und 4: In Silber ein gedorntes rotes Kreuz, oben belegt mit einem dreilätzigen schwarzen Turnierkragen.
  • Feld 2 und 3: In Rot drei (2:1) schrägrechtsgelegte silberne Streithämmer

Helmzier ein roter Turnierhut mit silbernem Stulp, darauf eine stehende silberne Ente vor einem schwarzen Hahnenfederbusch. Helmdecken rot-silbern.

Abb.: Wappenstein am Torbau der Vorburg, Detail

Wappen Frentz (ursprüngliches Wappen): In Schwarz ein goldenes durchgehendes Kreuz. Helmzier Hals und Kopf eines schwarzen Ochsens mit goldenen Hörnern. Helmdecken schwarz-golden. Seit 1040 ist die Familie Raitz belegt (Stammvater Razo), sie waren Ratsherren und Stadtobere von Köln (Raitz kommt von "ratio" oder "rationes"). Ende des 12. Jh. gelangten die Raitz in den Besitz der freien Herrschaft Frentz, seitdem Raitz von Frentz. Später wurden sie Reichsfreiherren.
Das Wappen Frentz-Kendenich ist geviert aus: Feld 1 und 4: In Schwarz ein goldenes durchgehendes Kreuz. Feld 2 und 3: In Silber zwei rote Sparren. Helmzier Hals und Kopf eines schwarzen Ochsens mit goldenen Hörnern. Helmdecken schwarz-golden. Von der Familie Raitz von Frentz gibt es zwei Linien: 1.) Raitz von Frentz zu Kendenich, Kendenich ist heute ein Ortsteil der Stadt Hürth im Rhein-Erft-Kreis. 2.) Raitz von Frentz zu Slenderhan (Schlenderhan, Reichsfreiherren zu Slenderhan und Kleinbruch).

Das auf diesem Wappenstein verewigte Ehepaar hatte einen Sohn namens Franz Hugo Beyssel von Gymnich (19.4.1729 - 11.9.1805), der kurtrierischer Kämmerer, Geheimrat und Amtmann zu Prüm war und Maria Anna von Warsberg-Blens (Tochter von Freiherr C. H. von Warsberg-Blens und A. Liobe Greiffenclau von Volrads) heiratete. Deren Sohn wiederum, Franz Ludwig Karl Anton Beyssel von Gymnich, Herr von Schmidtheim, Boulay, Frentz, Kendenich, Blees, Ichendorf etc., königlich preußischer Landrat des Kreises Bergheim, wurde am 7.1.1816 in den preußischen Grafenstand erhoben. Er war vermählt in erster Ehe mit Johanna von Freyberg und danach mit Maria Magdalena von Ritter.

Zwei weitere Wappensteine befinden sich übrigens im Innenhof des Schlosses an den Fassaden.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher
Otto Gruber: Wappen des mittelrheinisch-moselländischen Adels, Trier 1962-1965, incl. Nachtrag Trier 1967, ebenfalls veröffentlicht in verschiedenen Jahrgängen der "landeskundlichen Vierteljahresblätter".
Rolf Zobel: Wappen an Mittelrhein und Mosel, Books on Demands GmbH, Norderstedt 2009, ISBN 978-3-8370-5292-3
Geschichte Schmidtheim:
http://www.dahlem.de/kultur_geschichte.php?w_seite=30&ort=6&ueberschrift=Ortsgeschichte%20Schmidtheim
Johann Friedrich Schannat, Eiflia illustrata oder geographische und historische Beschreibung der Eifel, Band 2, 1858.
Schmidtheim, Bildergalerie:
http://www.schmidtheim.de/index.php?id=158
Johann Peter Dethier, Beiträge zur vaterländischen Geschichte des Landkreises Bergheim
Genealogie Raitz von Frentz:
http://www.raitzvonfrentz.de/tng/
Genealogie:
http://www.adel-genealogie.de/is03/is03_464.htm

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