Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1219
Ahrhütte (Ortsteil von Blankenheim, Kreis Euskirchen, Eifel)

Ahrhütte, Reitmeisterhaus von 1677

Heute gehört Ahrhütte als Ortsteil zum benachbarten Blankenheim, doch historisch waren das ganz unterschiedliche Herrschaften. Hier verlief die Grenze zwischen dem Blankenheim der Grafschaft Manderscheid-Blankenheim und den Herzoglich-Arenbergischen Besitzungen. Wie der Name des Ortes schon sagt, liegt er an der Ahr und war eine wichtige Eisenhütte, die den Herzögen von Arenberg gehört hatte. Deren Stammsitz war übrigens gar nicht so weit weg, heute eine Ruine auf dem Aremberg (Landkreis Ahrweiler). Bergwerke wie das Lommersdorfer Bergwerk waren in der Nähe. Hütte und Dorf wurden vermutlich im frühen 16. Jh. errichtet, und bis zur Mitte des 19. Jh. bestimmte die Eisenindustrie das kleine Dorf, und hier stand sogar einmal ein Hochofen. Nach dem Niedergang der Eisenindustrie folgte kurzfristig Kalkindustrie als wirtschaftlich bedeutender Faktor, bis auch das uninteressant wurde.

Das Stammwappen der Herzöge von Arenberg zeigt in Rot 3 (2:1) goldene Mispelblüten mit blauem Butzen (nach Gruber), auf gekröntem Helm mit rot-goldenen Decken ein oben mit Pfauenspiegeln besetztes Schirmbrett, das in Rot 3 (2:1) goldene Mispelblüten mit blauem Butzen zeigt. Varianten der Helmzier sind ein achteckiges Schirmbrett, an den freien Ecken mit Pfauenspiegeln besetzt, oder ein Pfauenstoß (vgl. Zobel, Siebmacher). Im Loutsch wird das Wappen aber beschrieben als "De gueules à 3 fleurs de neflier d'or percées du champ barbées de sinople", also keine blaue Mitte, sondern Feldfarbe. Und hier sind wir schon mittendrin in einer Diskussion, wie wir die Objekte im Schild ansprechen. Korrekt ist die Ansprache als Mispelblüte. Das ist eine fünfzählige Blüte, deren Blütenblätter nicht am Rand eingerollt sind wie bei einer Rose, sondern nach außen etwas spitz geformt sind. Im Loutsch wird ebenfalls der Ausdruck "fleur de néflier" benutzt. Dort wird beschrieben, daß sie früher ganz golden waren und später eine blaue Mitte erhielten. Alternativ findet sich die Bezeichnung "Fünfblätter", auch zutreffend. Eine ganz und gar unglückliche Übersetzung, die einige Siebmacher-Bände verwenden, ist der als "Nesselblumen". In Gent befindet sich in einer Kirche eine wunderschöne gemalte Tafel mit dem Arenbergischen Prunkwappen (Doppelwappen mit Mansfeld), dort sind die Blütenblätter golden, die Mitte rot wie die Feldfarbe, und Kelchblätter fehlen, und genau so werden idealerweise Mispelblüten dargestellt.

Darstellungs-Variante Darstellungs-Variante Darstellungs-Variante
Stammwappen der Herren, Grafen, Fürsten und Herzöge von Arenberg

Die Gemeinde Aremberg verwendet übrigens auch heute die Arenbergischen Mispelblüten in ihrem Gemeindewappen: Unter einem goldenen Schildhaupt mit drei (1:2) roten Kugeln in Rot drei (2:1) goldene Mispelblüten.

Zurück zum Arenbergischen Wappen am Reitmeisterhaus: Hier ist das Stammwappen in Fehlfarben abgebildet, einzig richtig ist die Feldfarbe Rot, aber die Mispelblüten müßten golden sein, und die Mitte, nun, je nach Quelle blau, rot, silbern oder golden, das unterliegt einer gewissen historischen Variationsbreite je nach Zeit und Umständen, genauso das Vorhandensein von Kelchblättern oder nicht.

Hier ruht auf dem Schild der Herzogshut, umgeben ist der Schild von der Ordenskette des Ordens vom Goldenen Vlies, und alles wird gerahmt von einem hermelingefütterten, roten Wappenmantel. Mehrere Mitglieder des fürstlichen Hauses waren in diesem Orden: Charles de Ligne, Fürst von Arenberg (1550-1616), sein Sohn Philippe de Ligne, Fürst von Arenberg (1587-1640), dessen Sohn Philipp Franz von Arenberg (Philippe François de Ligne, 1625 - 1674, reg. 1644–1674), der von Kaiser Ferdinand III 1644 für das jeweils älteste regierende Familienmitglied die Herzogswürde verliehen bekam, sowie Karl Eugen Herzog von Arenberg (1633-1681, reg. 1674–1681).

Das sog. Reitmeisterhaus war das ehemalige Verwaltungsgebäude der Ahrhütte. Maueranker an der Fassade geben in der unteren Zeile das Baujahr 1677 an, und die obere Zeile nennt den Eigentümer "HRZA" - Herzog zu Arenberg. Der erste Herzog von Arenberg und Aarschot war Philipp Franz von Arenberg (1625 - 1674, reg. 1644–1674), die Erbauung dieses Gebäudes fällt in die Regierungszeit von Karl Eugen Herzog von Arenberg (1633-1681, reg. 1674–1681). Das heruntergekommene und restaurierungsbedürftige Gebäude direkt an der Durchgangsstraße steht übrigens derzeit (2009) zum Verkauf.

Die Geschichte der Arenberger ist eine Geschichte in drei Akten: Die ursprüngliche Familie der Herren und späteren Grafen von Arenberg beginnt mit deren erstmaliger Erwähnung im 12. Jh. Bis 1279 waren sie Burggrafen von Köln. Die Stammburg war die besagte Burg Aremberg im Kreis Ahrweiler, ein weiterer Besitz lag an der Sieg. Die Hauptlinie ist 1280 im Mannesstamm erloschen, eine Nebenlinie wurden die Herren von Wildenburg. Der zweite Akt beginnt 1299 mit der Heirat zwischen Erbtochter Mathilde von Aremberg mit einem Grafen von der Mark, Grafen Engelbert II. von der Mark (- 18.7.1328, 1298 Ritter, 1299 "dominus de Arenberg", 1300 Herr zu Arenberg, 1308 Graf). Dieser hatte zum Sohn Adolf II. Graf v. d. Mark (-1347), der als Graf von der Mark nachfolgte, weiterhin Engelbert v. d. Mark, der Erzbischof v. Köln wurde, und Eberhard I. Graf v. d. Mark (-1387), der erst eine geistliche Laufbahn verfolgte (als Nachgeborener "geparkt" wurde), 1326 Kanoniker zu St. Lambert in Lüttich wurde, dann Domherr zu Köln, 1339-1348 Dompropst zu Münster war und 1345-1349 Domkantor zu Köln, schließlich resignierte und als Erbe von Arenberg antrat, nach einem 25.5.1362 erteilten Ehedispens Maria v. Looz-Lumain (-25.9.1410) heiratete, 1351 Vogt von Hesbaye wurde und 1354 Herr zu Lummen und Neufchateau. Sein Sohn Johann folgte als Graf zu Arenberg nach, starb aber in Gefangenschaft. Sein Bruder Eberhard II setzte die Stammfolge fort, bis zum letzten im Mannesstamm, Robert II. v. d. Mark (1506-1536). Damit endet der zweite Akt der Geschichte.

Vermehrtes Wappen der Grafen, Fürsten und Herzöge von Arenberg aus dem Hause de Ligne:

  • Hauptschild:
    • Feld 1 und 4: in Rot 3 (2:1) goldene Mispelblüten (Arenberg), ggf. rot besamt und grünbespitzt
    • Feld 2 und 3: in Gold ein in drei Reihen von Rot und Silber geschachter Balken (Mark)
  • Herzschild: geviert:
    • Feld 1 und 4: in Gold schrägrechter roter Balken (Ligne)
    • Feld 2 und 3: in Silber drei (2:1) golden gekrönte und bewehrte rote Löwen (Barbançon)

Dazu drei Helme:

  • Helm 1 (Mitte): ein Pfauenbusch (Arenberg)
  • Helm 2 (rechts): ein rechtes von Rot und Silber geschachtes und ein linkes goldenes Horn, evtl. der Kronreif rot-silbern geschacht (Mark)
  • Helm 3 (links): acht gespitzte, fächerförmig gestellte Pfähle, abwechselnd von Rot und Gold

Decken rot-golden. Schildhalter ein gekrönter goldener Greif und ein ebensolcher Löwe.

Dieses vermehrte Wappen macht deutlich, daß es im 16. Jh. einen weiteren Wechsel des Hauses gegeben hat. Jean (Johann) de Ligne-Barbançon (1523-24.5.1568) aus dem alten Fürstenhaus der de Ligne, Sohn von Louis de Ligne Baron de Barbançon Seigneur de La Buissiere, heiratete 1547 Margarete v. d. Mark Gräfin v. Arenberg (1527 -18.2.1599), Erbtochter des Grafen Robert II. v. d. Mark Graf von Arenberg (1506 - 1536), welche Arenberg mit in die Ehe brachte. Dies ist der Beginn des dritten Aktes der Geschichte des Hauses Arenberg. Johann de Ligne, Stifter der Linie Arenberg aus dem Hause de Ligne, wurde 1549 Reichsgraf. Am 5.3.1576 erfolgte die Erhebung der Grafschaft Arenberg zur gefürsteten Reichsgrafschaft, und Johann wurde Reichsfürst. Genau das wird zum Ausdruck gebracht: Das wichtigere Stammwappen der Linie de Ligne-Barbançon kommt in den Herzschild, die neu hinzugekommenen Gebiete kommen in den Hauptschild.

Und noch ein vermehrtes Wappen der de Ligne, Fürsten von Barbançon:

  • Hauptschild:
    • Feld 1 und 4: geviert
      • Feld a und d: in Gold schrägrechter roter Balken (Ligne)
      • Feld b und c: in Silber drei (2:1) golden gekrönte und bewehrte rote Löwen (Barbançon)
    • Feld 2 und 3: in Gold ein in drei Reihen von Rot und Silber geschachter Balken (Mark)
  • Herzschild: in Rot 3 (2:1) goldene Mispelblüten (Arenberg), ggf. rot besamt und grünbespitzt

Ein vermehrtes Wappen der de Ligne, Fürsten von Chimay:

  • Hauptschild:
    • Feld 1 und 4: in Silber drei rote Balken (Croy)
    • Feld 2 und 3: geviert mit Herzschild
      • Feld a und d: in Blau drei (2:1) goldene Lilien (Frankreich)
      • Feld b und c: rot und ledig (Albret)
      • Herzschild: Hermelin (Bretagne)
  • Herzschild: in Rot 3 (2:1) goldene Mispelblüten (Arenberg), ggf. rot besamt und grünbespitzt

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher
Dr. Jean-Claude Loutsch, Armorial du pays de Luxembourg, 1974
Otto Gruber: Wappen des mittelrheinisch-moselländischen Adels, Trier 1962-1965, incl. Nachtrag Trier 1967, ebenfalls veröffentlicht in verschiedenen Jahrgängen der "landeskundlichen Vierteljahresblätter".
Rolf Zobel: Wappen an Mittelrhein und Mosel, Books on Demands GmbH, Norderstedt 2009, ISBN 978-3-8370-5292-3
Ortsgeschichte:
http://www.blankenheim-info.de/a-z/ortschaften/ahrhuette.htm
Arenberg-Stiftung:
http://www.arenbergfoundation.eu/de/foundation/index.html

Blankenheim (Eifel): Pfarrkirche, Hirtentor, Ahrhütte: Reitmeisterhaus

Ortsregister - Namensregister
Zurück zur Übersicht Heraldik

Home

© Copyright / Urheberrecht Text, Graphik und Photos: Bernhard Peter 2009
Impressum
Bestandteil von
www.dr-bernhard-peter.de und www.heraldik-leitfaden.de