Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1218
Homburg am Main (Markt Triefenstein)

Schloß Homburg am Main

Das Schönste an Schloß Homburg ist die Lage hoch über dem engen Ort über einem sanften Bogen des Maines mit einem Blick, der über das ganze weite Tal schweift, über Kloster Triefenstein bis hinüber zu den Waldhöhen des Spessarts. Auf dem Plateau über dem Felsabsturz steht ein 1561-1568 von Philipp von Gebsattel (fürstbischöflich würzburgischer Oberschultheiß zu Würzburg und Amtmann zu Homburg) erbautes Fachwerkschloß, ein gewinkelter Bau mit steinernem Unterbau und Fachwerk-Obergeschossen. Homburg, seit 1366 mit Stadtrechten ausgestattet, wurde Besitz der Würzburger Fürstbischöfe, zwar 1395 an die Grafen von Wertheim mit Rückkaufsrecht verkauft, aber 1485 wieder zurückerworben. Der Würzburger Bischof Rudolf von Scherenberg errichtete hier eine Wasserzollstätte. Das kleine Schloß wurde 1602 an das Hochstift Würzburg verkauft. 1605 wurde unter Julius Echter von Mespelbrunn die große Zehnscheune erbaut. 1732 wurde das letzte verbliebene Burglehen vom Hochstift zurückgekauft.

1686 wurde hier ein Rentamt eingerichtet, das bis 1831 bestand, aber aufgrund eines Felsabsturzes am steilen Burghang aufgegeben und nach Lengfeld verlegt wurde. 1802 kam mit der Auflösung der geistlichen Fürstentümer Homburg an Bayern, 1806 an das Großherzogtum Würzburg und 1815 endgültig zu Bayern. Danach wurde das Schloß als Schule, Rathaus und Pfarrhaus genutzt. Seine letzte Funktion, die als Rathaus, verlor es bei der verwaltungstechnischen Eingliederung Homburgs in den Markt Triefenstein 1978. Das inzwischen reichlich heruntergekommene Gebäude wurde 1988-89 außen und 1997-98 innen komplett renoviert, im Jahr 1988 wurde auch der Verein zur Rettung von Schloß Homburg am Main gegründet. Heute wird das Schloß für Kunstausstellungen genutzt. An dem nordöstlichen schmalen Seitenflügel mit den zwei Fachwerkobergeschossen befindet sich am Sockelgeschoß in Augenhöhe ein großer Wappenstein mit der Inschrift: "An(n)o D(omi)ni 1568 Ja(h)r di(e)se Mau(e)r gemacht war Her(r) Gott erhalt(e) di(e)ses Hauß sampt des selbe(n) wohlelte die darin geh(e)n ein und aus Phi(lipp) vo(n) Gebsattel" (bestes Photolicht: früher Vormittag).

Heraldisch rechts befindet sich das Wappen für Philipp von Gebsattel, Amtmann zu Homburg am Main und Oberschultheiß von Würzburg, gest. 1576: In Rot Kopf und Hals eines silbernen Steinbocks, manchmal wie hier auch mit schwarzen Hörnern. Helmzier: Kopf und Hals eines silbernen Steinbocks, manchmal - wie hier - mit schwarzen Hörnern. Helmdecken rot-silbern.

Heraldisch links befindet sich das Wappen für seine zweite Ehefrau (zuvor war er mit Barbara von Völkershausen vermählt) Anna von Bibra. Die von Bibra führen in Gold einen steigenden schwarzen Biber mit geschupptem Schwanz. Helmzier ein goldener, beiderseits mit dem schwarzen Biber belegter Adlerflug. Helmdecken schwarz-golden.

Ihrer beider Sohn war übrigens der Bamberger Fürstbischof Johann Philipp von Gebsattel (13.5.1555-26-6-1609, reg. 1599-1609).

Die beiden Wappen tauchen als einzelne Wappenschilde in vereinfachter Darstellung noch einmal in den schrägen Holz-Stützen auf, die das auskragende erste Fachwerkobergeschoß tragen.

Abb.: Ganz links: Ahnenprobe Ehefrau, links: Ahnenprobe Ehemann, rechts und ganz rechts: hölzerne Stützbalken

Die Eltern von Philipp von Gebsattel waren Hans Reichard von Gebsattel, würzburgischer Pfandamtmann zu Homburg, gest. 1540 (Grabstein in der Kirche zu Trennfeld), und Maria von Berlichingen, gest. 1536 (Grabstein in der Kirche zu Trennfeld). Auf jeder Seite des großen Ehewappens befinden sich drei Wappenschilde:

Genau die gleichen Wappenschilde zuzüglich der Schilde Gebsattel und Bibra finden wir übrigens in Bamberg, Klosterkirche St. Michael, am Epitaph für Fürstbischof Johann Philipp von Gebsattel (reg. 1599-1609). Die Zuordnung zu den einzelnen Personen ergibt sich aus der oben angegebenen Ahnentafel der Familie, im wesentlichen nach den Angaben bei Biedermann erstellt, wobei es allerdings drei Ungereimtheiten gibt:

Als Ehefrau von Peter von Gebsattel und Mutter von Hans Reichard gibt Biedermann Anna von Künsberg an. Doch hier wie in der Bamberger Michaelskirche ist es eindeutig nicht das Wappen Künsberg, sondern Thüngen, deshalb kann hier Biedermanns Angabe nicht stimmen. Der Vergleich mit der Grabplatte in der Kirche von Trennfeld zeigt, daß die vier Ahnenwappen für Hans Reichard von Gebsattel folgende sind: Gebsattel (Vater), Thüngen (Mutter), Künsberg und Lichtenstein (Großmütter). Die Frau von Künsberg gehört also eine Generation weiter zurück.

Weiterhin gibt Biedermann als Ehefrau für Berthold von Bibra Beza (?) von Wiesenfelden an. Ein solches Geschlecht konnte nicht verifiziert werden, und das Schildbild ist das der von Aufseß, auch diese Angabe Biedermanns kann nicht stimmen. Bei Biedermann ist auch die Reihenfolge der beiden Ehen des Philipp von Gebsattel gegenüber anderen Quellen vertauscht.

Abb.: Linkerhand ist am Gebäude ein Konsolstein eingemauert, dessen polygonale und spitz zulaufende untere Partie ebenfalls zwei Wappenschilde Gebsattel und Bibra zeigt, darüber in der Mitte ein Steinmetzzeichen.

Abb.: Liebenswerte Details: Löwenkopf aus dem 10. Jh. am Bergfried aus dem 12. Jh.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher
Eugen Schöler, Historische Familienwappen in Franken, Verlag Degener 3. Aufl. 1999
Anton P. Rahrbach, Reichsritter in Mainfranken. Zu Wappen und Geschichte fränkischer Adelsfamilien. Bauer & Raspe Verlag - Die Siebmacherschen Wappenbücher, die Familienwappen deutscher Landschaften und Regionen, Band 2, 2003, ISBN 3-87947-113-4
Geschichte von Homburg am Main:
http://resources.emartin.net/martin-bavaria/pdf/Homburg_Chronik.pdf
Ortsseite:
http://www.homburg-main.de/
Kunst im Schloß:
http://www.kunstinschlosshomburg.com/schloss-homburg/
Biedermann: Geschlechtsregister Der Reichsfrey unmittelbaren Ritterschaft Landes zu Franken Löblichen Orts Rhön und Werra
http://books.google.de/books?id=j9JDAAAAcAAJ
Biedermann: Geschlechts-Register der Reichs-Frey unmittelbaren Ritterschafft Landes zu Francken, löblichen Orts Steigerwald
http://books.google.de/books?id=5tJDAAAAcAAJ
Stammtafel und Geschichte Bibra:
http://fuldig.hs-fulda.de/viewer/image/PPN229607926/253/LOG_0039/ - http://fuldig.hs-fulda.de/viewer/fullscreen/PPN229607926/253/ - http://fuldig.hs-fulda.de/viewer/image/PPN229607926/1/LOG_0003/ - http://fuldig.hs-fulda.de/viewer/image/PPN22960823X/1/LOG_0003/ - http://fuldig.hs-fulda.de/viewer/image/PPN229608175/1/LOG_0003/ - http://fuldig.hs-fulda.de/viewer/toc/PPN229607853/0/LOG_0000/
Geschichte der Familie und des Schlosses:
http://frankenland.franconica.uni-wuerzburg.de/login/data/1990_129.pdf

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