Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1206
Idar-Oberstein

Neues Schloß Oberstein

Idar-Oberstein besitzt zwei mittelalterliche Burgen, einerseits die Burg Stein oder Bosselstein oder das Alte Schloß auf einer Felsnase hoch über der Felsenkirche, von sehr geringer Erhaltung, andererseits die Burg Oberstein oder das Neue Schloß, noch etwas höher am Hang gelegen, mit sehenswerteren Mauerzügen. Die Existenz zweier Burgen hängt mit einer Aufspaltung der Familie zusammen: Um 1075 wird ein Everhardus de Steina genannt, und 1197 erscheint in den Urkunden eine Burg der Brüder Eberhard und Werner von Stein, die dem Erzbischof von Trier zu Lehen aufgetragen wird. Doch im 13. Jh. spaltet sich die Familie in die Linie Bossel von Stein, der die alte Burg Bosselstein verblieb, und die Linie Daun-Oberstein, die nach aus der Spaltung resultierenden Differenzen ihre eigene Burg, das sog. Neue Schloß bauten. In der Folgezeit wurden die Daun-Obersteiner immer mächtiger, so daß die Bossel von Stein 1435 auf ihre Ansprüche verzichteten. Ihre Burg Bosselstein verfiel. 1336 wird schon die neue Burg Oberstein erwähnt, aber schon früher taucht sie als namengebender Zusatz auf, etwa 1323 bei Wirich von Daun-Oberstein. Ihr Grundriß ist unregelmäßig dreieckig, zum Tal hin spitz zulaufend in kühner Lage über dem Tal. Um einen dreieckigen Hof gruppieren sich die Wohnbauten. Zum Tal hin öffnen sich gewaltige leere Fensterhöhlen, zur einzig möglichen Angriffsseite hin wurde eine dicke Schildmauer als gewaltige Sperre errichtet. Früher hatte sie keinen Durchbruch; der Hauptzugang erfolgte rechterhand über eine abwärtsführende Rampe und einen gewölbten, durch Schießscharten gesicherten Gang an der Westseite. Hangseitig wurden später drei Batterietürme mit entsprechender Verbindungsmauer gebaut, und die Burg erhielt dadurch einen zweiten Hof vor der alten Schildmauer. Die Daun-Obersteiner erreichten ihre größte Blüte im 15. und 16. Jh. und starben schließlich 1682 mit Wilhelm Wirich von Daun, Graf zu Falkenstein und Limburg (1.1.1613 - 22.8.1682) aus.

Der Zugang mitten durch die Schildmauer entspricht nicht dem ursprünglichen, mittelalterlichen Konzept, sondern ist das Ergebnis mehrfacher Veränderungen, vor allem wurde das erst möglich durch Bau der vorgeschobenen Verteidigungslinie mit den drei neuen Rundtürmen zur Angriffsseite hin. Über dem neuen Türdurchbruch fand unter dem Entlastungsbogen ein Wappenstein Platz, der aufgrund seiner Komposition eine Besonderheit darstellt. Es ist eine spätgotische Steinmetzarbeit um 1475 und zeigt die Abstammung väterlicherseits von Auftraggeber Wirich IV. (1418-1501), dem Schloßherrn und Erbauer der Felsenkirche, mit acht Ahnenfeldern. Es ist also ein Allianzwappen seiner Eltern, als Vollwappen mit der jeweils wichtigsten und Feld 1 zuzuordnenden Helmzier über dem Schild, der jedoch jeweils geviert ist mit je vier Feldern für je vier Ururgroßeltern. Herrschaftswappen dieser Komposition hat es nie gegeben, es ist eine reine Ahnenprobe in Form eines Allianzwappens.

Übersicht über die Genealogie:

Somit ergibt sich folgende Anordnung: Die Ehepartner stehen jeweils schräg überkreuz, also Feld 1 mit Feld 4, sowie Feld 2 mit Feld 3. Die Männer stehen immer in der oberen Reihe, die Frauen in der unteren Reihe. Oben außen stehen jeweils die männlichen Ahnen, die dem Probanden am nächsten sind. Es handelt sich also um einen höchst logischen und zugleich symmetrischen Aufbau.

Heraldisch rechtes, optisch linkes Wappen:

Anmerkung zu Feld 4: Wir haben es hier mit einer Gruppe sehr eng verwandter Familien zu tun, die sich alle von den Herren von Bolanden ableiten. 1241 teilten sich die Herren von Bolanden in die Linien Bolanden (Hauptlinie), Bolanden-Hohenfels-Münzenberg (daraus wurden die Falkensteiner in der Wetterau), Bolanden-Falkenstein und Bolanden-Hohenfels, wobei sich letztere noch 1268/1276 in Hohenfels und Reipoltskirchen teilten. Die Familiengruppe, denen die gleichnamigen Burgen Altenbolanden (abgegangen, bei Kirchheimbolanden), Neubolanden (Ruine, dito), Hohenfels (Ruine, bei Imsbach), Falkenstein (Ruine am Donnersberg) und Reipoltskirchen (gut erhaltene Wasserburg im Landkreis Kusel) gehörten, führten als Vasallen der Erzbischöfe von Mainz ein an das Hochstiftswappen angelehntes Schildbild in abweichenden Tinkturen, wobei die Hauptlinie in Gold ein rotes Rad führte, die Nebenlinien Falkenstein, Hohenfels und Reipoltskirchen in Blau ein silbernes Rad, welches noch je nach Linie und Wappenträger durch Beizeichen differenziert wurde. Nur Hohenfels trug noch ein zusätzliches Motiv bei, den Anker in grünem Feld. Als Burg Hohenfels ca. 1351 zerstört wurde, verlegten die Hohenfelser ihren Sitz nach Reipoltskirchen, und so kam es zur Vereinigung der Motive als Hohenfels-Reipoltskirchen.

Heraldisch linkes, optisch rechtes Wappen:

Genealogie bis zum Erlöschen der Linie:

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher
Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder - die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. C. H. Beck Verlag München 7. Auflage 2007, ISBN 978-3-406-54986-1
Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Kulturdenkmäler in Rheinland Pfalz, Kreis Birkenfeld 11, S. 300 ff.
Schloß Oberstein:
http://www.schloss-oberstein.de/start.html
Ein herzliches Dankeschön an Herrn Ulrich Kleine-Hering, Alzey, für wertvolle Hinweise.
Winfried Dotzauer, Geschichte des Nahe-Hunsrück-Raumes von den Anfängen bis zur Französischen Revolution, Franz Steiner Verlag Stuttgart, 2001, ISBN 3-515-07878-9, S. 178 ff.

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