Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1199
Gemünden (Hunsrück, Rhein-Hunsrück-Kreis)

Gemünden, evangelische Pfarrkirche, außen

Die evangelische Pfarrkirche zu Gemünden im Hunsrück war 1538-1655 Grablege der Schenk von Schmidtburg. Einst war Gemünden Sponheimer Besitz, kam nach deren Teilung 1235 an die Vordere Grafschaft Sponheim. Als die Grafen von Sponheim ausstarben, wurde das Erbe gemeinsam von den Erben Pfalz und Baden verwaltet und erst später geteilt. In der Mitte des 16. Jh. verkauften die Pfalzgrafen Ort und Burg an die Schenken von Schmidtburg. Die Schenk von Schmidtburg waren Inhaber des Mundschenkenamtes der Trierer Kurfürsten, die nach dem Vorbild des Reiches und seiner Erzämter eigene Erbämter für ihre Hofhaltung schufen. Vier Generationen fanden ihre letzte Ruhestätte in dieser Kirche. Die wertvolleren Grabdenkmäler einzigartiger Qualität befinden sich im Inneren der Kirche, drei Platten sind außen angebracht.

Außen an der evangelischen Pfarrkirche von Gemünden befinden sich zwei gleich konzipierte Kinder-Grabsteine aus grauem Sandstein, 156 x 72 cm und 156 x 83 cm groß, die aufgrund ihres gleichen Aufbaus hier gemeinsam besprochen werden. Beide waren Brüder und starben mit nur drei Wochen Abstand, dies erklärt die künstlerische Gleichheit beider Steine. Dennoch sind sie nicht genau gleich, die Schildformen variieren, nicht aber die Inhalte. Die Grabplatten befanden sich früher in den Fußboden des Chores der Kirche eingelassen und wurden 1906 hierher an die Außenwand versetzt.

Abb. links: Hans Heinrich Schenk von Schmidtburg, gest. 1624. Die siebenzeilige Inschrift im unteren Mittelfeld ist gut erhalten und lautet wie folgt: "MONTAGS 19 IAN(VARII) A(NN)O 1624 IST IN GOTT SELIG VERSCHI(E)DE(N) DER WO(H)LEDLE HANS HE(I)NRICH SCHENCK VON SCHMIDTBVRG DEM GOTT EINE FRO(EH)LICHE A(V)FFERSTEHVNG VERLEI(H)E AMEN SEINES ALTERS 6 IAR XI MONAT". Die ringsumlaufende Rahmeninschrift mit Bibelzitat lautet: "DER MEN(S)CH VOM WE(I)BE GEBOREN LEBE(T) KVRTZE ZEIT VND IST VOL(L) VNRVHE GEHET AVF WIE EINE BLVME VND FELET AB FLEVCHT WIE EIN SCHAT(T)EN VND BLEIBET NICHT IOB II"

Abb. rechts: Friedrich Schenk von Schmidtburg, gest. 1623. Die achtzeilige Inschrift im unteren Mittelfeld ist schlecht erhalten, größtenteils verwittert und abgeplatzt und lautet wie folgt, nach der Literatur und parallel zur anderen Tafel ergänzt: "MONTAG 29 DEC (EMBRIS) A(NN)O 1623 IST IN GOTT SELIG VERSCHI(E)DE(N) DER WO(H)LEDLE FRIEDRICH WILHELM SCHENCK VON SCHMIDTBVRG DEM GOTT EIN FRO(EH)LICHE AVFFERSTEHVNG VERLEI(H)E AMEN SEINES ALTERS 3 IAR 5 MONAT". Die zwischen schmalen Rahmenleisten ringsumlaufende Rahmeninschrift lautet: "ICH LIEGE VND SCHAFFE GANZ MITT FRIEDEN DAN DV HERR ALLEIN HILFFEST DAS ICH SICHER WOHNE PSALM 4".

Im Zentrum beider Platten (links: Hans Heinrich Schenk von Schmidtburg, rechts: Friedrich Schenk von Schmidtburg) stehen die Vollwappen der Eltern. Es sind dies Johann Jacob Niklaus Schenk von Schmidtburg, von dem bekannt ist, daß er 1613 zum katholischen Glauben konvertierte - dennoch ließ er seine Kinder aus Tradition in der evangelischen Kirche bestatten -, sowie Maria Salome von Eltz. Man beachte insbesondere die hochinteressante Schildform, beiderseits tartschenförmig eingebuchtet, unten mit einem spitzen Hauptlappen und zwei kleinen Seitenlappen endend, die mittlere Spitze viertelkreisförmig nach innen in Richtung der anderen Spitze gebogen, dem Rund des Laubkranzes außenherum folgend.

Die Großeltern väterlicherseits sind Hans Heinrich Schenk von Schmidtburg, geb. 22.7.1556, gest. 1613, Amtmann zu Birkenfeld und auf Wildenburg, der 1599 die Herrschaft übernahm, Sohn von Friedrich Schenk von Schmidtburg und Magdalena von Dienheim, sowie die erste Ehefrau Christina Elisabeth Vogtin von Hunoldstein, Tochter von Johann Adam Vogt von Hunoldstein und Elisabeth von Hagen zur Motten.

Die Großeltern mütterlicherseits sind der kurtrierische Erbmarschall Anton von Eltz aus der Linie zu Kempenich und Margret von Heddesdorf. Anton von Eltz war 1548 Domherr zu Trier, resignierte dann, war Pfandherr zu Kempenich, war in spanischen und französischen Militärdiensten, wurde kurtrierischer Hofmarschall, Rat und Amtmann zu Mayen und Monreal, kurkölnischer Rat und 1578 Feldmarschall, war Erbmarschall des Erzstiftes Trier. Seine Eltern sind Georg Graf v. Eltz (vor 1532 - 1562), 1542 Amtmann zu Wittlich, 1562 Amtmann zu Münstermaifeld, und Anna v. d. Burgthor (auch Burgthurm, - 1555), und seine Großeltern väterlicherseits sind Johann Graf v. Eltz (vor 1497 - 4.11.1547) und Maria v. Breitbach (- 1543). Seine Geschwister sind Johann Reichard Graf v. Eltz (31.5.1555 - 1606), Maria Gräfin v. Eltz (23.11.1537 - 13.6.1593), Wolfgang Graf v. Eltz (geb. 1541), Johann Graf v. Eltz (geb. 31.1.1545), Anna Gräfin zu Eltz-Kempenich (1539 - 20.1.1581) und Quirin Graf v. Eltz (geb. 31.5.1555).

Am unteren Ende beider Platten (oben: Hans Heinrich Schenk von Schmidtburg, unten: Friedrich Schenk von Schmidtburg) stehen die Wappenschilde der Großmütter, optisch links väterlicherseits (Christina Elisabeth Vogtin von Hunoldstein), optisch rechts mütterlicherseits (Margret von Heddesdorf).

Variante 1

Variante 2

Edle Herren von Hunolstein bzw. Vogt von Hunol(d)stein (ältere Linie, dynastisches Geschlecht, 1488 erloschen). Sie führten in goldenem Feld zwei rote Balken, begleitet von roten Schindeln, im Gruber 10 (4:3:2:1) oder 12 (5:4:3). Siebmacher (Band Lothringen) gibt 12 (5:4:2:1) bzw. 12 (5:4:3) an. Die genaue Anzahl der Schindeln galt damals noch nicht als bedeutungsunterscheidend. Als Helmzier führten die Vögte von Hunol(d)stein einen schwarzen Rüdenrumpf (Wolfsrumpf mit Halsband) zwischen einem silbernen (Gruber) oder schwarzen (Siebmacher Lothringen) Flug, Decken schwarz-silbern (Gruber) oder rot-golden (Siebmacher).

Abweichende Kleinode sind bekannt, so Ritter Friedrich V. v. H. 1346 mit einem breitrandigen, mit 2 Widderhörnern besteckten Hut, oder Nikolaus V. v. H. 1352 mit einem Flügel, Gerhard V. v. H. 1346 einen gekrönten Wolfsrumpf ohne Halsband zwischen einem schwarzen Flug.

Variante 1

Variante 2

Vogt von Hunol(d)stein (jüngere Linie, 1777 in den Grafenstand erhoben), in silbernem Feld zwei rote Balken, begleitet von roten Schindeln, nach Gruber 10 (4:3:2:1) oder 12 (5:4:3). Als Helmzier führten sie auf gekröntem Helm einen barhäuptigen Mohrenrumpf (Gruber) bzw. Hunnenrumpf (Siebmacher) ohne Arme in wie der Schild bez. Gewand (auch nur 3 (2:1) Schindeln auf dem Gewand), Haar und Bart schwarz. Decken nach Gruber und Siebmacher silbern-rot.

Abweichende Kleinode sind bekannt, Nyclas V. v. H. führt 1436 ein Kleinod wie die ältere Linie, Johann V. v. H. führt 1370 zwei Büffelhörner, Johann V. v. H. 1482 den Kopf als Mohrenkopf und einen Kragen auf dem Kleid.

Die Grafen von Hunoldstein und die freiherrliche Linie Niederwiesen führen einen Jünglingsrumpf als Helmzier.

Variante 1

Variante 2

Die von Heddesdorf, zum rheinischen Uradel gehörig und auch als v. Hederdorff geführt, führen in Blau einen silbernen, mit drei schräggestellten roten Pilgermuscheln belegten Schrägbalken. Auf dem Helm führen sie einen silbernen Hahnenrumpf zwischen einem beiderseits wie der Schild bez. Flug. Helmdecken blau-silbern. Die von Heddesdorf waren Marschälle der Grafschaft Wied. In der Literatur werden die Muscheln stets so abgebildet, daß die gerade Kante der Muschelschale optisch links oben ist, in den vorliegenden Fällen ist sie beidesmal optisch unten rechts.

Am oberen Ende beider Platten (oben: Hans Heinrich Schenk von Schmidtburg, unten: Friedrich Schenk von Schmidtburg) stehen die Wappenschilde der Großväter, optisch links väterlicherseits (Hans Heinrich Schenk von Schmidtburg), optisch rechts mütterlicherseits (Anton von Eltz).

Das Wappen der Schenk von Schmidtburg zeigt in Schwarz einen silbernen Rinck. Helmzier auf einem schwarzen Turnierhut mit silbernem Stulp eine grüne Eiche. Helmdecke schwarz-silbern. Ein Rink oder Rinck ist eine Gürtelschnalle, die in der Regel als breitrandiger rautenförmiger Schnallenkörper mit heraldisch links gelagertem und nach rechts spitz zulaufendem Dorn dargestellt wird. Die Art der Befestigung des Dornes ist variabel, sie kann an ein oder zwei Punkten erfolgen. Die Schnalle wird gerne in den Metalltinkturen dargestellt, also gold oder silbern, sie kann mit farbigen Steinen belegt sein, was aber in der Regel beim Blasonieren angegeben wird. Mit dem Begriff "Rinck" eng verbunden ist auch die alte Berufsbezeichnung "Rincker, Rinker", der Spangenmacher, der Hersteller von Schnallen, Ringen etc.
Das Wappen von Eltz: Rot-silbern geteilt, oben wachsend ein goldener Löwe, Helmzier ein hermelingestulpter roter Turnierhut, darauf der goldene Löwe wachsend zwischen einem mit silbernen (auch als golden beschrieben) Lindenblättern (oder Herzen) bestreuten roten Flug. Helmdecken rot-golden (resp. rot-silbern). Stammsitz der Familie ist Burg Eltz bei Münstermaifeld. Bereits im 13. Jh. spaltete sich die Familie in zwei Linien, die Linie Eltz-Kempenich und Eltz-Rübenach. Die Linie Eltz-Kempenich führt den Löwen golden und heißt daher auch Eltz vom goldenen Löwen, und genau dieser Linie sind die Ahnen zuzurechnen. Seit 1575 besitzt die Familie das Erbmarschallamt im Bistum Trier. Am 4.11.1733 erhielt die Familie den Reichsgrafenstand.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher
Die Inschriften der evangelischen Pfarrkirche in Gemünden, bearbeitet von Susanne Kern, Inschriften Mittelrhein-Hunsrück, Heft 9, Mainz 2008, herausgegeben von der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz und dem Institut für geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz e. V., Download unter
http://www.inschriften-online.de/nc/broschueren.html
Die Kunstdenkmäler von Rheinland Pfalz, Rhein-Hunsrück-Kreis, Teil I.1., 1977, S. 315 ff.

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