Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1179
Ettlingen

Ettlingen: Martinskirche

Auch wenn die Martinskirche, neben dem Schloß und dem Rathaus eines der großen Bauprojekte des barocken Wiederaufbaus der Stadt Ettlingen nach dem Pfälzischen Erbfolgekrieg, heute in barocker Hülle erscheint, ist diese Stelle die der ältesten nachgewiesenen Bebauung Ettlingens, denn unter der Kirche fand man Spuren eines römischen Bades aus dem 2. Jh. Dieser Boden hat eine fast 2000jährige Siedlungsgeschichte, und entsprechend ist St. Martin in seiner Bausubstanz ein Konglomerat verschiedenster Epochen und Stile. Der unterste Teil des Turmes ist romanischen Ursprungs (12. Jh.). Der Turm mit seinem Oktogon stammt aus dem 14. Jh. (Gotik), der Aufsatz ist barock. Die Kirche selbst ist gotischen Ursprungs und hat den Stadtbrand 1689 zwar beschädigt, aber doch in wesentlichen Teilen überstanden. Der lange gotische Chor erinnert darin, daß St. Martin Stiftskirche war und man im Chor entsprechend Plätze für die 24 Stiftsherren, "Chorherren" brauchte. Das Langhaus selbst mit seinen Emporen erneuerte Architekt Johann Michael Ludwig Rohrer im Stile des Barocks, auch der westliche Giebel, um den es hier geht, wurde erneuert. Die Arbeiten unter der Bauträgerschaft der Markgräfin Sibylla Augusta waren 1732 abgeschlossen, ein Jahr vor ihrem Tod.

Architektonisches Prunkstück von St. Martin ist die Westfassade mit ihren verspielten Linien, den Pilastern mit reichverzierten Kapitellen und dem geschwungenen Giebel, barocke Stilelemente, die dem wuchtig sich in die Altstadt schiebenden Kirchenschiff die Schwere nehmen. Über dem Westeingang befindet sich das markgräfliche Wappen der Linie Baden-Baden, ehelich vereint mit dem Wappen der Herzöge von Sachsen-Lauenburg, darüber in einer Nische die vollplastische Statue des Hl. Martin, der seinen Mantel gerade mit dem Schwert durchschneidet, um ihn mit dem Bettler zu teilen. Über dieser Nische nennt die Bauinschrift die Markgräfin F(ranziska Maria) S(ibylla) Augusta.

Warum zwei badische Linien?
1533 entstanden aus der Markgrafschaft Baden zwei badische Linien mit zwei badischen Gebieten, die sich aber später wieder vereinigten. Christoph I. Markgraf v. Baden (13.11.1453 - 19.4.1527, reg. 1475 - 1515) hatte mit seiner Frau Ottilie v. Katzenelnbogen (ca. 1451-15.8.1517) einst 3 Söhne, die für die Nachfolge in Frage kamen: Bernhard IV. (III) Markgraf v. Baden-Baden (7.10.1474 - 1536), Ernst Markgraf v. Baden-Durlach (1482 - 6.2.1553) und Philipp I. Markgraf v. Baden-Sponheim (6.11.1479 - 17.9.1533). Unter ihnen sollte die Markgrafschaft Baden aufgeteilt werden. 1515 bekam Bernhard III die luxemburgischen und sponheimischen Güter, Ernst die Güter im Breisgau mit Hachberg und dem Markgräflerland und Philipp den Rest. Davon verstarb Philipp vorzeitig ohne Erben, so daß Baden unter den Brüdern Bernhard und Ernst aufgeteilt wurde. Bernhard bekam jetzt Stadt und Schloß Baden, die Vogtei über Herrenalb und Frauenalb, die Herrschaft Beinheim und die Gebiete südlich des Flusses Alb. Ernst erhielt aus der Erbmasse nun Durlach, Pforzheim, Liebenzell, Altensteig und die Gebiete nördlich des Flusses Alb. Aus dieser Teilung resultierten die bernhardinische Linie (obere Markgrafschaft Baden-Baden, Residenz in Baden-Baden) und die ernestinische Linie (untere Markgrafschaft Baden-Durlach, Residenzen in Pforzheim, später Durlach, zuletzt Karlsruhe). 1565 verlegte Markgraf Karl II seine Residenz von Pforzheim nach Durlach und seitdem nannte sich die ernestinische Linie „Markgrafen von Baden-Durlach“. 1594-1622 besetzte Baden-Durlach Baden-Baden. 1635-1648 kam Baden-Durlach während der Irrungen und Wirrungen des 30jährigen Krieges vorübergehend an Baden-Baden. 1724 wurde die Residenz nach Karlsruhe verlegt. Baden-Durlach wurde 1556 evangelisch, Baden-Baden nach 1555 ebenfalls, wurde aber später rekatholisiert. Erst 1771 wurde diesem gespaltenen Zustand ein Ende bereitet, als die bernhardinische Linie ohne männlichen Erben blieb und per Erbschaftsvertrag beide Ländereien unter Kontinuität der ernestinischen Linie wieder vereinigt wurden. Die Markgrafschaft Baden gab es wieder in vereinigter Form.

Genealogie der Linie Baden-Baden

Genelaogie von Sachsen-Lauenburg

Wappen der Linie Baden-Baden
Das Wappen heraldisch rechts ist das der Linie Baden-Baden, das im Vergleich zu dem Wappen von Baden-Durlach, der anderen zeitweise bestehenden Linie, ein zusätzliches Feld besitzt, das der Vorderen Grafschaft Sponheim, wobei die Plätze 1 und 9, also die der Vorderen und der Hinteren Grafschaft Sponheim, auch vertauscht sein können. Um den dafür benötigten Platz zu schaffen, rücken die beiden Ebersteiner Komponenten, die bei Baden-Durlach jedes für sich ein Feld einnehmen, zusammen in ein geteiltes Feld. Ansonsten sind die übrigen Komponenten gleich bei beiden Linien.

Zu diesem Wappen gehören 11 Helme (vgl. Monographie Baden). Hier ist stattdessen eine üppige barocke Umrahmung der ovalen Schildkartusche gewählt worden.

Wappen von Sachsen-Lauenburg
Auf der heraldisch linken Seite folgt das Wappen der Franziska Maria Sibylla Augusta von Sachsen-Lauenburg-Ratzeburg (21.1.1675-10.7.1733). Es ist geviert:

Zur detaillierteren Diskussion der Entwicklung des Wappens von Sachsen-Lauenburg siehe Darstellung des Kutschenbaus.

Literatur und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere die Bände Landesfürsten / Souveräne
Hugo Gerard Ströhl, Deutsche Wappenrolle, Reprint von 1897, Komet Verlag Köln, ISBN 3-89836-545-X
Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder - die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. C. H. Beck Verlag München 7. Auflage 2007, ISBN 978-3-406-54986-1
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Stadtrundgang Ettlingen:
http://www.ettlingen.de/servlet/PB/menu/1119910_l1/index.html - http://www.ettlingen.de/servlet/PB/menu/1260446_l1/index.html
Schloß und Stadt Ettlingen:
http://www.badischewanderungen.de/Ettlingen.htm
Geschichte von Sachsen-Lauenburg:
http://www.pkgodzik.de/Das%20Herzogtum%20Sachsen-Lauenburg.htm

Ettlingen: Schildhalterinbrunnen - Georgsbrunnen - Narrenbrunnen - Rathaus - Schloß - Remise - Martinskirche - Albbrücke

Die Wappen der Markgrafen, Kurfürsten und Großherzöge von Baden

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