Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1177
Ettlingen

Ettlingen: Schloß

Das Schloß von Ettlingen liegt an der Westspitze der Altstadt. Wie auch die Stadt einem auf die Spitze gestellten Quadrat gleicht, so auch der Grundriß des Schlosses. Drei Flügel im Nordwesten, im Nordosten und im Südosten ergeben einen regelmäßigen Bau, von dem der Südwestflügel vorspringt und an beiden Seiten eine Ecke erzeugt. Dieser Südwestflügel ist anders gestaltet; er besitzt an beiden Extremen einen Rundturm. Im Innenhof gibt es zwiebelbedachte Treppenspindeln in den Hofecken, die aber teilweise in das Gebäude eingezogen sind und nur minimal vorspringen. Der Südostflügel ist etwas eingeschnitten, was aber auf die Außengestaltung außer in der Dachlandschaft ohne Einfluß ist. Dadurch, daß das Schloß in der Ecke der Altstadt liegt, ist der Platz eher beengt, und nur wenige Meter trennen den Südwestflügel von der mittelalterlichen Stadtmauer. Ein wenig kann sich das Ensemble nach Südosten ausdehnen, wo auch die Kutschenremise und Gärten ihren Platz haben.

Abb.: Südwestflügel des Ettlinger Schlosses

Baugeschichte
Das Schloß hat drei wesentliche Bauphasen erlebt. Die erste Bauphase ist das 12./13. Jh., in dem eine mittelalterliche Burg entstand. Als die Markgrafen von Baden 1219 Ettlingen bekamen, bauten sie die schon bestehende, ältere Burg aus dem 12. Jh. weiter aus. Davon haben sich nur noch Spuren erhalten, ein alter Burgturm aus dem 13. Jh. ist z. B. im Innenhof als rohes Mauerwerk zu erkennen. Er ist vollständig in das neuere Schloß eingebaut, als Schale erhalten, aber gekürzt.

Die zweite Bauphase datiert in die Renaissance: Ab 1546 wurde hier ein markgräfliches Schloß errichtet, das aber zuerst noch eine Dreiflügelanlage blieb. Hintergrund ist die 1533 erfolgte Teilung der Markgrafschaft Baden in zwei badische Linien. Ettlingen fiel an die Linie Baden-Baden, und die Alb war der Grenzfluß zwischen beiden Gebieten, insofern war der Bau eines Schlosses deutliches Zeichen der hier ausgeübten Herrschaft in Grenznähe. Der Südwestflügel mit den beiden Rundtürmen stammt ebenfalls aus dieser Zeit. Typisch aus dieser Zeit auch die winkelständigen, in die Baumasse eingezogenen Treppenspindeln mit den rautenförmigen Fenstern. 1558 gab es zwar einen Schloßbrand, die Zerstörung hielt sich aber in Grenzen im Vergleich zur Katastrophe von 1689. Um 1600 war der Bau abgeschlossen.

Abb.: Südostflügel des Ettlinger Schlosses

Ein gutes Jahrhundert nach seiner Erbauung wurde der Renaissancebau 1689 wie der Rest der Stadt im pfälzischen Erbfolgekrieg von französischen Truppen zerstört. Die dritte Bauphase schließlich liegt im Barock, als das Schloß Alterssitz der verwitweten Markgräfin Augusta Sibylla wurde, nachdem ihr Mann nur 51jährig im Krieg gefallen war. In den Jahren 1727-1733 wurde das Schloß vom Baumeister Johann Michael Ludwig Rohrer unter Verwendung der Kriegsruinen wiederhergestellt, zur Vierflügelanlage geschlossen und dem Zeitgeschmack entsprechend ausgestattet. In diese Phase datiert zum einen der hier besprochene Wappenschmuck, zum anderen die Ausgestaltung des Asamsaals, der ehemaligen, von Cosmas Damian Asam mit Fresken ausgeschmückten Schloßkapelle. Außen wurde das Schloß mit illusionistischer Malerei geschmückt. Die Neuerungen waren jedoch zurückhaltend und nahmen Rücksicht auf den prinzipiellen Renaissancecharakter des Bauwerks. Hofarchitekt Johann Michael Ludwig Rohrer erbaute auch die Martinskirche und das Rathaus, er führte praktisch die gesamte barocke Modernisierung der zerstörten Stadt durch. Im Innenhof des Schlosses entstand am Südwestflügel die beispielhaft barocke Innenfassade mit einem weiteren Allianzwappen (ohne Abb.).

Abb.: Portal auf der linken Seite des Nordostflügels des Ettlinger Schlosses

Mit der Markgräfin Tod 1733 wurde das Schloß unwichtig und bedeutungslos. Viel hat sie nicht von ihrem Bemühen, der Stadt Ettlingen ein modernes, barockes Gesicht zu geben, gehabt. Als sie starb, hatte sie knapp sechs Jahre hier gelebt, war die neue Martinskirche erst ein Jahr alt, das Schloß gerade mal fertiggestellt, und das Rathaus war nicht erbaut. Und dennoch ist der von der Markgräfin ausgegangene städtebauliche Impuls gewaltig und prägend. Als sich im 18. Jh. beide badische Linien wieder vereinigten, hatte erst recht niemand so richtig Interesse an dem Bau. Andere badische Residenzen wurden wichtiger. Nach verschiedenen, nicht erhaltungsfördernden Nutzungen als Gästehaus, Lazarett und Unteroffiziersschule ging das Gebäude 1912 in das Eigentum der Stadt über. Heute wird das Schloß zum einen als Kulisse für die Schloßfestspiele im Innenhof benutzt, zum anderen ist hier das Albgaumuseum für Geschichte und Archäologie untergebracht und eine Gemäldegalerie sowie diverse andere Ausstellungen.

Wappen am Schloß
Nun zu den das Schloß prägenden Wappen: Mehrere repräsentative Wappenpaare finden wir, ein besonders prächtiges im Innenhof am Südwestflügel (mit zwei nach innen geneigten Rocaille-Kartuschen und zwei Putten, die den Wappenmantel hochhalten, ohne Abb.), ein weiteres im Treppenhaus am Übergang zur Decke (mit zwei schräg nach außen gestellten Schildkartuschen, ohne Abb.), und ein drittes am Nordostflügel links außen (hier abgebildet). Alle sind das eheliche Allianzwappen von Ludwig Wilhelm Markgraf von Baden-Baden (1655-4.1.1707), Reichsfeldherr, und seiner Frau Franziska Maria Sibylla Augusta von Sachsen-Lauenburg-Ratzeburg (21.1.1675-10.7.1733). Die Farben des badischen Wappens sind übrigens nicht hundertprozentig getroffen, die Beschreibung nennt die jeweiligen Soll-Farben.

Das Wappen heraldisch rechts ist das der Linie Baden-Baden, das im Vergleich zu dem Wappen von Baden-Durlach, der anderen zeitweise bestehenden Linie, ein zusätzliches Feld besitzt, das der Vorderen Grafschaft Sponheim, wobei die Plätze 1 und 9, also die der Vorderen und der Hinteren Grafschaft Sponheim, auch vertauscht sein können. Um den dafür benötigten Platz zu schaffen, rücken die beiden Ebersteiner Komponenten, die bei Baden-Durlach jedes für sich ein Feld einnehmen, zusammen in ein geteiltes Feld. Ansonsten sind die übrigen Komponenten gleich bei beiden Linien.

Zu diesem Wappen gehören 11 Helme (vgl. Monographie Baden). Hier ist stattdessen eine üppige, asymmetrische spätbarocke Umrahmung der ovalen Schildkartusche gewählt worden.

Auf der heraldisch linken Seite folgt das Wappen der Franziska Maria Sibylla Augusta von Sachsen-Lauenburg-Ratzeburg (21.1.1675-10.7.1733). Es ist geviert:

Zur detaillierteren Diskussion der Entwicklung des Wappens von Sachsen-Lauenburg siehe Darstellung des Kutschenbaus.

Abb.: Maulscharten der Stadtbefestigung am Schloß. Das Schloß steht unmittelbar an der Stadtmauer.

Genealogie der Linie Baden-Baden

Abb.: Holztor in der Nordostfassade des Schlosses mit den vereinfachten Stammwappen Baden und Sachsen.

Literatur und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere die Bände Landesfürsten / Souveräne
Hugo Gerard Ströhl, Deutsche Wappenrolle, Reprint von 1897, Komet Verlag Köln, ISBN 3-89836-545-X
Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder - die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. C. H. Beck Verlag München 7. Auflage 2007, ISBN 978-3-406-54986-1
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Stadtrundgang Ettlingen:
http://www.ettlingen.de/servlet/PB/menu/1119910_l1/index.html - http://www.ettlingen.de/servlet/PB/menu/1260446_l1/index.html
Schloß Ettlingen:
http://burgerbe.wordpress.com/2008/08/02/schloss-ettlingen-die-witwe-des-turkenlouis-liebte-es-prachtig/
Schloß und Stadt Ettlingen:
http://www.badischewanderungen.de/Ettlingen.htm
Geschichte von Sachsen-Lauenburg:
http://www.pkgodzik.de/Das%20Herzogtum%20Sachsen-Lauenburg.htm
Wolfgang Willig, Landadel-Schlösser in Baden-Württemberg, eine kulturhistorische Spurensuche, 1. Auflage 2010, ISBN 978-3-9813887-0-1, S. 138

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