Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 996
Ließem (Eifelkreis Bitburg-Prüm)

Ehem. Wasserburg Ließem

Ließem im Ehlenztal nahe Bitburg hat eine ehemalige Wasserburg (Talstraße 14). Schon im 12. Jh. begegnet uns Ließem, als Johannes, Kanoniker von St. Marien in Trier, im Jahre 1127 eine Schenkungsurkunde ausstellt. Ab 1204 finden wir die Herren von Ließem/Lysheim/Liessheim, beginnend mit Godfried von Liessheim. 1447 tritt Johann von Liessheim genannt von Schoes (Schoiss) auf. Diese Herren waren zu dem Zeitpunkt aber nicht mehr Inhaber des mittlerweile luxemburgischen Lehens Ließem, sondern 1316 wird als Lehensinhaber Hartrad von Schönecken erwähnt, der in eben diesem Jahr seinen Besitz an Bonifatius, Schultheiß und Schöffe in Trier, verpfändet. 1332 erscheint Ließem als Besitz des Trierer Erzbischofs Balduin von Luxemburg, Lehensnehmer sind wiederum Mitglieder der Familie von Schönecken, 1343 Hartrad von Schönecken. Bis die Franzosen im 19. Jh. einrückten, war Ließem unter luxemburgischer Oberhoheit.

1353 ereignete sich hier ein unschöner Zwischenfall: Kaiser Karl IV hatte einen Haufen böhmischer Reisiger dem König von Frankreich zur Unterstützung geschickt. Gerhard von Schönecken, Herr auf Burg Ließem, setzte sie einfach in seiner Burg gefangen. Balduin von Luxemburg ließ daraufhin die Burg wegen Landfriedensbruch belagern, erobern und schleifen.

Danach wurde die Wasserburg wieder aufgebaut, aus dieser zweiten Bauphase stammt der älteste heute noch erhaltene Teil, der 6m x 6 m Grundfläche messende gotische Wohnturm, der heute allerdings derart in neuere Gebäude integriert ist, daß man ihn nur noch von außen erkennt. In der obigen Abbildung ist der Ansatz im rechten Gebäudeteil gut zu erkennen, der Teil ganz rechts ist der gotische Wohnturm, unter einem gemeinsamen Dach mit der späteren Erweiterung und mit noch später erfolgter Vereinheitlichung der Fensteröffnungen.

Einen neuen Besitzerwechsel gab es im Jahr 1525. Neuer Besitzer ist die Familie von Enschringen (Enscheringen). Dietrich/Dieter von Enscheringen oder Johann von Enscheringen ehelichte 1510 Margarete Laudolff von Bitburg. Diese waren es, die den gotischen Wohnturm nun weiter ausbauten, genauer, die Grundfläche des Gebäudes vervierfachten, so daß der alte Wohnturm nur noch eine Ecke desselben bildete. Auch brachten sie außen einen runden Treppenturm an, im unteren Bild im Hofwinkel zwischen Wohnturm und Torgebäude zu sehen. Dieser hat an der Außenseite drei wappengeschmückte Konsolsteine, reichlich verwittert, deren Darstellungen nicht mit den Besitzern zusammenhängen, vermutlich Spolien.

Die dritte Ausbauphase fand unter deren Nachkommen Wilhelm von Enschringen und seiner 1611 geehelichten Frau Elisabeth von Piesport statt: Sie erbauten den dreistöckigen Torbau links des Wohngebäudes, der nach außen vorspringt. Aus dieser Zeit stammt das auf 1622 datierte Wappen auf der Außenseite über dem dortigen Torbogen (im obersten Bild links zu erkennen), mit der Inschrift „W.V.ENSCHRG.E.V.PIESPORT“. Rechts des Torbaus sind Reste eines Konsolfrieses zu erkennen, die auch in diese Zeit zu datieren sind.

Das Wappen von Enschringen zeigt einen 8x gold-rot geteilten Schild, belegt mit einem schwarzen Löwen. Helmzier ist ein Jungfrauenrumpf im goldenen Kleid und mit goldener Stirnbinde, anstelle der Arme zwei mit silbernen Seeblättern bzw. nach anderen Quellen goldenen Lindenblättern bestreute schwarze Flügel. Helmdecken schwarz-golden. Die Schildgestaltung spielt auf die Grafen von Luxemburg an, deren Lehnsmänner die Grafen von Enschringen waren.

Später wurde der Schild geviert, nachdem Johann von Enschringen 1522 Johanna von Schwarzenberg geehelicht hatte, Feld 1 und 4 zeigen dann den Enschringer Löwen, Feld 2 und 3 das Wappen von Schwarzenberg (Schwarzenburg): In Gold zwei schwarze Balken. Helmzier des nun dazugekommenen zweiten Helmes ist ein silberner Schwan mit erhobenen roten Flügeln. Helmdecke schwarz-golden. Laudolf von Enschringen nimmt für sich den Titel "Herr zu Schwarzenberg und Weiler" in Anspruch - gemeint ist Weiler-la-Tour in Luxemburg.

Anmerkung: Es gibt zwei Geschlechter von Enschringen, die von Enschringen mit dem Löwen in der Eifel und die von Enschringen mit dem Sparren, die sich vorwiegend im wallonischen Sprachraum Luxemburgs und der Ardennen ausgebreitet hatten. Sie stammen aber vom gleichen Stammsitz ab. Die Familie von Enschringen tritt erstmals 1184 auf.

Das Ortswappen vom Ließem erinnert übrigens heute noch an die Enschringer Herrschaft: Unter im Zinnenschnitt von Silber und Rot geteiltem Schildhaupt ein schwarzer Löwe auf siebenmal von Gold und Rot geteiltem Feld.

Das Wappen der Herren von Piesport zeigt in Silber einen schwarzen Balken. Die hier verlorengegangene Helmzier wäre ein schwarzer, wachsender Brackenrumpf mit rot eingefaßtem goldenen Halsband. Helmdecken schwarz/silbern.

Beide Wappen befinden sich innerhalb eines grünen Laubkranzes. Die Schilde sind außen stark konkav vorgewölbt.

Veronika von Enschringen, letzte Erbin der Burg aus dieser Familie, heiratete Friedrich-Heinrich von Heisgen. Beide verkauften Burg und Herrschaft 1729. 1757 wird die Familie de Hout als Besitzer genannt.

Im 19. Jh. fanden tiefgreifende Veränderungen statt: Der Torbogen wurde auf der Außenseite vermauert und als Lagerraum genutzt. Die den Hof linkerhand umgebenden Gebäude wurden niedergelegt, so daß der nach Katasterplan von 1825 noch geschlossene Charakter des Bebauungsringes zerstört wurde. Die Wassergräben wurden verfüllt, so daß auch der Wasserburgcharakter verloren ging. Die Fassaden wurden vereinheitlicht. Der niedrige Anbau rechts des Torhauses ist der jüngste Teil des Ensembles.

Heute präsentiert sich das Gebäude in gut erhaltenem und gepflegtem Zustand, auch wenn schon aus weiter Entfernung die Tatsache sehr deutlich wird, daß Schweinehaltung betrieben wird.

Die Entwicklung der Enschringer Wappen:

Wappen von Enschringen: 5, 7 oder 8 x zu 6, 8 oder 9 Feldern gold-rot geteilt, belegt mit einem schwarzen, rotgezungten Löwen. Helmzier ein Jungfrauenrumpf (nach Gruber) bzw. Mannesrumpf (nach Loutsch) im goldenen Kleid und mit goldener Stirnbinde, anstelle der Arme zwei mit silbernen Seeblättern bzw. nach anderen Quellen goldenen Lindenblättern oder Herzen bestreute schwarze Flügel. Helmdecken schwarz-golden.
Alternative Gestaltung mit 8 Teilungen - wie auch hier an Burg Ließem realisiert. Die Schildgestaltung spielt auf die Grafen von Luxemburg an, deren Lehnsmänner die Grafen von Enschringen waren.
von Enschringen, Herr zu Schwarzenberg und Weiler: Geviert, Feld 1 und 4: 7-8 x gold-rot geteilt, belegt mit einem schwarzen, rotgezungten Löwen. Feld 2 und 3: In Gold zwei schwarze Balken (Schwarzenberg). Helm 1: ein Jungfrauenrumpf (nach Gruber) bzw. Mannesrumpf (nach Loutsch) im goldenen Kleid und mit goldener Stirnbinde, anstelle der Arme zwei mit silbernen Seeblättern bzw. nach anderen Quellen goldenen Lindenblättern oder Herzen bestreute schwarze Flügel. Helmdecken schwarz-golden. Helm 2: ein silberner Schwan mit erhobenen roten Flügeln. Helmdecke schwarz-golden (Schwarzenberg).

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher
Otto Gruber: Wappen des mittelrheinisch-moselländischen Adels, Trier 1962-1965, incl. Nachtrag Trier 1967, ebenfalls veröffentlicht in verschiedenen Jahrgängen der "landeskundlichen Vierteljahresblätter".
Jean-Pierre Koltz: Die Burgen des Kreises Bitburg, in: Das Bitburger Land, Landschaft, Geschichte und Kultur des Kreises Bitburg, Band I, Bitburg 1967, S. 431-478
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz, Band 9.2, Hrsg. im Auftrag des Ministeriums für Wissenschaft, Weiterbildung, Forschung und Kultur vom Landesamt für Denkmalpflege: Kreis Bitburg-Prüm, Stadt Bitburg, Verbandsgemeinden Bitburg-Land und Irrel, bearbeitet von Bernd Altmann und Hans Caspary, Wernersche Verlagsgesellschaft Worms, 1997, ISBN 3-88462-132-7
Ernst Wackenroder, Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, 1927, Kreis Bitburg, S. 164 ff.
Dr. Jean Claude Loutsch, Armorial du Pays de Luxembourg 1974

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