Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 993
Regensburg

St. Emmeram, Helenentor

Eigentlich war das alte Stadttor an dieser Stelle die Porta St. Emmerami aus dem 14. Jh., die aber irgendwie verkehrstechnisch ungünstig im Eck zwischen der Straßenführung und dem fürstlichen Schloß liegt. 1907 wurde dieses neue Tor von Max Schultze ein kleines Stück westlich des alten Emmeramstores erbaut, wo es sich viel besser in die neue Straßenführung fügt, die neben dem Turm des alten Tores verläuft. Die alte Porta St. Emmerami ist jetzt ein malerischer Bestandteil des Schloßparks. Das Helenentor, mit einem großen Bogen für Fahrzeuge und zwei kleinen Bögen für Fußgänger, grenzt direkt an das Haus Waffnergasse Nr. 8, welches zum Neuen Marstall gehört. Die Waffnergasse wurde benannt nach den Waffenschmieden, die einst hier ihrem Handwerk nachgingen. Außerhalb des Tores überspannte die Helenenbrücke den Stadtgraben. Natürlich war es mehr Zierrat zu jener Zeit und hatte keinerlei abschließende oder gar fortifikatorische Funktion mehr, Torflügel waren auch gar nicht mehr vorgesehen. Aber es markiert symbolisch den Übergang von der Altstadt zu den seit dem ausgehenden 19. Jh. sich entwickelnden Vorstädten jenseits des Alleeparks.

Warum Helenentor? Der Name bezieht sich auf Karoline Therese Helene Herzogin in Bayern (4.4.1834 - 16.5.1890), Witwe von Maximilian Anton Lamoral Erbprinz v. Thurn u. Taxis (28.9.1831 - 26.6.1867), das sind die Eltern des Bauherrn, Albert Maria Joseph Maximilian Lamoral Fürst v. Thurn u. Taxis, Fürst zu Buchau u. v. Krotoszyn, Herzog v. Wörth u. Donaustauf, Graf zu Friedberg-Scheer, zu Valle-Sassina (8.5.1867 - 22.1.1952). Der Torbogen besitzt sowohl auf der Innen- als auch auf der Außenseite einen wappengeschmückten Stein.

Das Wappen auf der Außenseite ist das der Fürsten von Thurn und Taxis, der Schild gespalten und zweimal geteilt, Feld 1 und 4 in Silber ein dreizinniger roter Turm mit blauem Tor und ohne Fenster, hinter welchem zwei blaue Glevenzepter (ursprünglich auch: blaue Stäbe, goldene Gleven) gekreuzt sind (della Torre, Thurn), Feld 2 und 3 in Gold ein golden (Variante: blau) gekrönter roter Löwe (Valsassina), 5. in Silber eine schwarze Schafschurschere, mit der Öffnung nach oben gelegt (Scheer, Scherenberg), 6. in Gold ein ungekrönter roter Löwe (Friedberg). Herzschild blau, darin ein schreitender silberner Dachs (Stammwappen de Taxis).

Das Wappen auf der Innenseite, hier der Blick durch den Torbogen nach stadtauswärts, trägt ein Allianzwappen Thurn und Taxis und Bayern, für Maximilian Anton Lamoral Erbprinz v. Thurn u. Taxis (28.9.1831 - 26.6.1867) und seine Frau Karoline Therese Helene Herzogin in Bayern (4.4.1834 - 16.5.1890). Das Wappen Thurn und Taxis folgt dem oben Gesagten.

Das Wappen des Königreiches Bayern ist das sog. dritte königliche Wappen, wie es am 18.10.1835 von König Ludwig I von Bayern eingeführt und 1835-1919 geführt wurde. Es ist geviert mit Herzschild: Feld 1: In Schwarz ein goldener Löwe, rot bewehrt und gekrönt (Pfalz, Belehnung der Wittelsbacher 1214 mit der Pfalzgrafschaft), Feld 2: Von Rot und Silber mit drei aufsteigenden Spitzen geteilt (sog. Fränkischer Rechen, Herzogtum Ostfranken, erinnert an die Inkorporation Frankens in das Königreich Bayern), Feld 3: Von Silber und Rot fünfmal schräglinks geteilt, überdeckt von einem goldenen Pfahl (Grafschaft Burgau, steht für den bayrischen Teil Schwabens), Feld 4: In Silber ein blauer, golden gekrönter Löwe (Grafschaft Veldenz, cave, nicht verwechseln mit dem später an dieser Stelle geführten Pantier von Ingolstadt/Niederbayern). Herzschild von Blau und Silber schräggerautet (Wittelsbacher, Alt-Bayern).

Abb.: Grundriß von Schloß St. Emmeram in Regensburg, Markierung der Position des hier besprochenen Wappens am Torbogen

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere Siebmacher, Band FstA, S. 261, T. 349 und 350, Band FstM, S. 20, T. 40, Band Kro, S. 189, T. 138, Band Un, S. 668, T. 463.
Hartmut Platte, Das Haus Thurn und Taxis in Vergangenheit und Gegenwart, Deutsche Fürstenhäuser Heft 16, Börde-Verlg Werl 2006, ISBN 3-9809107-7-6
Familie der Fürsten von Thurn und Taxis:
http://www.thurnundtaxis.de/willkommen/willkommen.html
Stadtplan von Regensburg mit abrufbaren Einzelinformationen:
http://stadtplan.regensburg.de/stadtplan.html
Karl Bauer, Regensburg – Kunst-, Kultur- und Alltagsgeschichte, Mittelbayerische Druck- und Verlagsanstalt, 5. Auflage 1997, ISBN 3-931904-19-9, S. 273 ff
Baedeker Stadtführer Regensburg, Karl Baedeker Verlag 2002, ISBN 3-87954-026-8
Sigfrid Färber, Regensburg – Ratisbona – das mittelalterliche Wunder Deutschlands, Stadtführer, Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1972, ISBN 3-7917-0793-0

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