Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 990
Regensburg

St. Emmeram, Fürstliche Rentkammer, Emmeramsplatz 7

Nähert man sich vom Emmeramsplatz dem fürstlichen Schloß, so befindet sich gleich rechterhand des Hauptzugangs im Westen des Platzes eine unregelmäßige Dreiflügelanlage, die ehemalige Fürstliche Rentkammer. Die Einheitlichkeit und Regelmäßigkeit der Fassade täuscht, denn das Ensemble ist dahinter von unregelmäßigem Aufbau, der komplexen Geschichte entsprechend. Das sieht man auch, wenn man sich die anderen Gebäudefassaden anschaut, die schlicht geblieben sind. Früher war hier einmal die Buchdruckerei des Reichsstifts St. Emmeram. Dann folgte als nächster Nutzer nach der Säkularisation 1806 eine Schule: Emanuel d'Herigoyen richtete Schulräume für die Knaben der Oberen Stadt ein. Als der Alte Marstall 1828-1831 im Westen des Schloßkomplexes neu gebaut wurde, bezog man das ehemals klösterlich genutzte Gebäude in das neue Konzept mit ein und stockte es um 1830 um ein zweites Obergeschoß auf (von Jean-Baptiste Métivier, 1781-1853). Noch einmal wurde das Gebäude 1898 umgebaut, diesmal von Max Schultze, dabei wurde ein drittes Obergeschoß aufgestockt, und das Gebäude erhielt einheitliche Schaufassaden im Stile der Neorenaissance an seiner Nord- und Ostseite. Das Gebäude wurde 1996/1997 renoviert und erstrahlt in gelben Farbtönen. Heute befindet sich hier seit 1999 die Senioren-Residenz Schloß Thurn und Taxis.

Im flachen Dreiecksgiebel über dem durch fünf Kolossalpilaster gegliederten Mittelteil, die immerhin drei Stockwerke zusammenfassen, befindet sich das fürstliche Wappen der Thurn und Taxis in seiner allerletzten und vollständigsten Form. Photographisch ist dieses Wappen schwer zu erreichen, entweder im Winterhalbjahr durch das Geäst des Baumes oder schräg von der Seite, Morgensonne ist am besten.

Aufbau des vollständigen Wappens der Fürsten v. Thurn u. Taxis, heutiges Wappen: Hauptschild geviert, mit eingepfropfter, eingebogener silberner Spitze, darin auf grünem Boden ein grüner Baum, vor dessen Stamm ein blauer Fisch angeheftet (Neresheim). 1. Viertel (Reichsstift Buchau): Erneut geviert; 1 und 4 (durch Mittelschild verdeckt) geviert: a und d in Gold drei übereinander schreitende schwarze Löwen (Hohenstaufen), b und c von Schwarz und Silber senkrecht gerautet. 2. und 3. in Grün ein oben rechts von einer goldenen Sonne, links von einem zunehmenden, ggf. gesichteten silbernen Monde bewinkeltes rotes Tatzenkreuz (Grafen von Kesselberg, Stifter von Buchau). 2. Viertel (Kloster Obermarchtal): vordere Flanke in Gold eine rote Kirchenfahne mit drei Lätzen und Ringen (Pfalzgrafen von Tübingen), hinten von blauem Kürsch mit einem Hermelinpfahl (Bregenz). 3. Viertel (ehemalige Abtei St. Ulrich und Afra in Augsburg) geviert, 1. in Blau ein silberner Schräglinksbalken, begleitet von 4 klimmenden goldenen Löwen (Grafschaft Dillingen), 2. (durch Mittelschild verdeckt) und 3. in Schwarz drei silberne Balken, überdeckt von einem goldenen Löwen, 4. in Schwarz ein goldenes Kleeblattkreuz. 4. Viertel geviert; 1. (verdeckt) und 4. in Blau ein goldener Fels, 2. und 3. in Rot ein schwebendes silbernes Kreuz (Fürstentum Krotoschin/Krotoszyn, Preußischer Fürst von Krotoschin/Krotoszyn, Berlin 29.5.1819. Ungarisches Indigenat 1840, vgl. auch Diplom Wien 10.3.1842). Mittelschild gespalten und zweimal geteilt (in 6 Felder geteilt) 1. und 4. des Mittelschildes in Silber ein dreizinniger roter Turm mit blauem Tor und ohne Fenster, hinter welchem zwei blaue Glevenzepter (ursprünglich auch: blaue Stäbe, goldene Gleven) gekreuzt sind (della Torre, Thurn), Feld 2 und 3 des Mittelschildes in Gold ein golden (Variante: blau) gekrönter roter Löwe (Valsassina), 5. in Silber eine schwarze Schafschurschere, mit der Öffnung nach oben gelegt (Scheer, Scherenberg), 6. in Gold ein ungekrönter roter Löwe (Friedberg). Herzschild blau, darin ein schreitender silberner Dachs (Stammwappen de Taxis). Schildhalter zwei widersehende goldene Löwen. Fürstenhut, Hermelinmantel.

Der Helmelinmantel ist hier innen in Fassadenfarbe (ockergelb) statt weiß gestrichen, die Hermelinschwänzchen (eigentlich schwarz) sind weiß davon abgesetzt. Das hätte man glücklicher lösen können.

Abb.: Grundriß von Schloß St. Emmeram in Regensburg, Markierung der Position des hier besprochenen Wappens am Palais

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere Siebmacher, Band FstA, S. 261, T. 349 und 350, Band FstM, S. 20, T. 40, Band Kro, S. 189, T. 138, Band Un, S. 668, T. 463.
Hartmut Platte, Das Haus Thurn und Taxis in Vergangenheit und Gegenwart, Deutsche Fürstenhäuser Heft 16, Börde-Verlg Werl 2006, ISBN 3-9809107-7-6
Familie der Fürsten von Thurn und Taxis:
http://www.thurnundtaxis.de/willkommen/willkommen.html
Stadtplan von Regensburg mit abrufbaren Einzelinformationen:
http://stadtplan.regensburg.de/stadtplan.html
Karl Bauer, Regensburg – Kunst-, Kultur- und Alltagsgeschichte, Mittelbayerische Druck- und Verlagsanstalt, 5. Auflage 1997, ISBN 3-931904-19-9, S. 273 ff
Baedeker Stadtführer Regensburg, Karl Baedeker Verlag 2002, ISBN 3-87954-026-8
Sigfrid Färber, Regensburg – Ratisbona – das mittelalterliche Wunder Deutschlands, Stadtführer, Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1972, ISBN 3-7917-0793-0

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