Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 977
Coburg, St. Moriz

Bronzewappen in der St. Moriz-Kirche in Coburg (17b)
Elisabeth Pfalzgräfin bei Rhein, 2. Teil, linke Seite

Hier stimmen die 16 Wappenschilde genau mit den 16 Ururgroßeltern überein, im Gegensatz zur Platte ihres Sohnes. Sie sind sehr systematisch angeordnet. Auf der optisch linken Seite befinden sich die Wappenschilde väterlicherseits, also aus der Seite des Vaters der Verstorbenen, auf der rechten Seite die Wappenschilde mütterlicherseits, also aus der Linie der Mutter der Verstorbenen. Die oberen vier Wappenschilde stehen jeweils für die Männer, die unteren vier für die Frauen bzw. deren Väter. Es kommen also optisch links von oben nach unten erst die vier Ururgroßväter väterlicherseits (1, 2, 3, 4), dann folgen die vier Ehefrauen (5, 6, 7, 8). Ganz genau geht es auf beiden Seiten nicht auf, weil es bei dem 2. und 3. Mann jeweils einen Reihenfolgensprung gibt. Als Ehepaar gehören sowohl links als auch rechts 1 und 5, 2 und 7, 3 und 6, 4 und 8 zusammen. Das jeweils letzte Wappen ist nach innen auf den unteren Rahmen eingerückt.

Abb.: Stammbaum mit den Namen der Ururgroßeltern und den Entsprechungen auf der Bronzeplatte. Quadrat = Mann, Kreis = Frau.

Die Logik dieser Anordnung und die Begründung für den Sprung bei den Männern ist die gleiche wie bei ihrem Ehemann erläutert. Die Abbildung illustriert die Zusammenhänge noch einmal mit den Namen der Vorfahren der Pfalzgräfin.

Linke Abb.: Wappenschild für Friedrich I. Pfalzgraf bei Rhein zu Simmern, Herzog v. Bayern (1417 - 29.11.1480). Der Schild ist geviert mit Herzschild: Feld 1 und 4: In Schwarz ein goldener, rot gekrönter Löwe (Pfalz), Feld 2 und 3: Von Blau und Silber eigentlich schräg geweckt, wobei die Schrägstellung hier besonders ausgeprägt ist (Wittelsbach). Normalerweise ist bei Darstellungen die Felderbelegung genau andersherum, Wittelsbach in 1 und 4 sowie Pfalz in 2 und 3. Die Pfalzgrafen bei Rhein hatten das Erztruchsessamt (Archidapifer) inne, dessen Zeichen der Herzschild ist: In Rot ein goldener Reichsapfel. 1623 wurde die pfälzische Kurwürde (Erztruchsessenamt) an die Herzöge von Bayern übertragen. 1648 bekamen die Pfalzgrafen das neu geschaffene Amt des Erzschatzmeisters (8. Kurwürde).

Rechte Abb.: Wappenschild für Karl I. Markgraf v. Baden (ca. 1427 - 24.2.1475). Das Wappen der Markgrafen von Baden zeigt in Gold einen roten Schrägrechtsbalken.

Linke Abb.: Wappenschild für Johann II. Graf v. Nassau-Saarbrücken (4.4.1423 - 25.7.1472). Der Schild ist geviert: Feld 1 und 4: Grafschaft Nassau: In blauem und mit goldenen aufrechten Schindeln bestreuten (fehlen hier) Feld ein goldener Löwe, rot gezungt, rot bewehrt und später - hier noch nicht - auch gekrönt. Feld 2 und 3: Grafschaft Saarbrücken: In blauem, mit silbernen, fußgespitzten Kreuzchen (Steckkreuzchen, können auch widergekreuzt sein, fehlen hier komplett) bestreutem Feld ein silberner, gekrönter Löwe.

Rechte Abb.: Wappenschild für Philipp II. Graf v. Katzenelnbogen (1427 - 27.2.1453/30.1.1454). Das Wappen zeigt in Gold einen roten hersehenden Löwen, blau bewehrt und blau bekrönt.

Linke Abb.: Wappenschild für Margareta v. Geldern (1436 - 2.11.1486). Das Wappen des Herzogtums Geldern ist gespalten (Spaltlinie hier im Guß deutlich markiert), vorne in Blau ein goldener Löwe (Geldern), hinten in Gold ein schwarzer Löwe (Jülich), beide Löwen nach innen gekehrt und rot bewehrt, später auch gekrönt dargestellt. Als die Herzogtümer getrennt wurden, behielt Geldern den Jülicher Löwen als Anspruchswappen.

Rechte Abb.: Wappenschild für Johanna v. Heinsberg-Loen (29.6.1443 - 1469). Der Wappenschild ist komplex aufgebaut, geviert mit Herzschild. Man findet auch die Plätze 1/4 gegen 2/3 ausgetauscht (vgl. Seite über Burg Vianden).

Linke Abb.: Wappenschild für Katharina v. Österreich (ca. 1420 - 11.9.1493). Das Habsburger-Wappen ist geviert, Feld 1 und 4 in Rot ein silberner Balken (Erzherzogtum Österreich), Feld 2 und 3 in Gold drei schwarze, rot bewehrte, schreitende Löwen übereinander, mit Herzschild, vermutlich in Gold ein blau bekrönter und ebenso bewehrter roter Löwe (Grafschaft Habsburg), der hier als einziger nach innen gewendet ist.

Rechte Abb.: Wappenschild für Ottilie v. Nassau-Dillenburg (1437 - 1493). Der Schild ist geviert, Feld 1: Grafen von Nassau, in blauem und mit goldenen aufrechten Schindeln bestreuten Feld ein goldener Löwe, rot gezungt, ungekrönt und rot bewehrt, Feld 2: Grafen von Katzenelnbogen, in Gold ein roter, hersehender (leopardisierter, hier nicht) Löwe, blau bewehrt und blau bekrönt (hier nicht), Feld 3: Grafschaft Vianden, in Rot ein silberner Balken (hier stark facettiert), Feld 4: Grafen von Diez (Dietz): In Rot zwei goldene, blau bewehrte Leoparden (hersehende, schreitende Löwen) übereinander. Im Gegensatz zum Wappen gleichen Inhalts an der Platte für den Sohn der Pfalzgräfin ist dieser Wappenschild wesentlich korrekter wiedergegeben.

Literatur, Links und Quellen:
St. Moriz in Coburg: http://www.morizkirche-coburg.de/, Kirche http://www.morizkirche-coburg.de/morizkirche/index.php
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere Bände Bayern, Sachsen, Preußen, Thüringen, Landesfürsten.
Webseite von Paul Bellendorf:
http://www.grabplatten.de/index.htm
Paul Bellendorf, Metallene Grabplatten aus Franken und Thüringen aus dem 15. bis 18. Jahrhundert - eine interdisziplinäre Studie zum Denkmalbestand und seiner Gefährdung durch Umwelteinflüsse,
http://www.opus-bayern.de/uni-bamberg/volltexte/2008/136/, http://www.opus-bayern.de/uni-bamberg/volltexte/2008/136/pdf/1_Text_klein.pdf, http://www.opus-bayern.de/uni-bamberg/volltexte/2008/136/pdf/2_Katalog.pdf
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Arnaud Bunel:
http://www.heraldique-europeenne.org/Regions/France/Bourgogne.htm und http://www.heraldique-europeenne.org/Genealogies/Genealogie_Capetienne/Bourgogne_II.htm

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Verwendung der Aufnahmen aus St. Moriz zu Coburg mit freundlicher Erlaubnis von Herrn Pfarrer Markus Merz vom 30.6.2008, wofür ihm an dieser Stelle herzlich gedankt sei.

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