Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 975
Coburg, St. Moriz

Bronzewappen in der St. Moriz-Kirche in Coburg (16c)
Johann Friedrich II der Mittlere Herzog von Sachsen, 3. Teil, rechte Seite

Abb.: Detailausschnitt, die übereinandergelegten Hände des Herzogs zeigend.

Linke Abb.: Wappenschild für Johann I. Herzog v. Cleve, Graf v. d. Mark (1419 - 5.9.1481). Geviert mit Herzschild. Feld 1: Herzogtum Kleve: In Rot mit silbernem Herzschild ein goldenes Glevenrad. Feld 2: Jülich: In Gold ein schwarzer Löwe. Feld 3: Berg: In Silber ein roter Löwe, gold bewehrt, blau gekrönt, eigentlich doppelschwänzig, hier einschwänzig. Feld 4: Grafschaft Mark: In Gold ein in drei Reihen silbern-rot geschachter Balken. Herzschild: Grafschaft Ravensberg: In Silber drei rote Sparren.

Rechte Abb.: Wappenschild für Gerhard Herzog v. Berg und Jülich, Graf v. Ravensberg (ca. 1420 - 19.8.1475). Feld 1 und 4: Jülich: In Gold ein schwarzer Löwe, ungeteilter Schwanz. Feld 2 und 3: In Silber ein roter Löwe, gold bewehrt, blau gekrönt, eigentlich doppelschwänzig, hier einschwänzig. Herzschild: Grafschaft Ravensberg: In Silber drei rote Sparren.

Das Stammwappen der Herzöge von Jülich ist der schwarze Löwe in goldenem Schild. Die Helmzier hat sich im Laufe der Zeit gewandelt: von 1267 ist ein fächerartiges Schirmbrett bekannt, 1333 der wachsende Löwe. 1336 schenkt der Herzog von Österreich dem Herzog von Jülich anläßlich dessen Standeserhöhung seine eigene Helmzier zu beliebigem Gebrauch als Zeichen seiner Freundschaft, auf gekröntem Helm einen Pfauenspiegel, der auch 1342 in Siegeln auftaucht. Später folgt ein Rüdenrumpf mit Halsband zwischen einem Flug, welcher sich in der Folgezeit zu dem heute bekannten Kleinod wandelte. Das Wappen wurde später um Berg vermehrt, da gibt es verschiedene Versionen: Im Arlberger Bruderschaftsbuch z. B. ist ein quadrierter Schild mit 4 Löwen, des weiteren ein gespaltener Schild, vorne und hinten je ein Löwe, vorne Jülich, hinten Berg, beide Tiere halten den aufgelegten Schild Ravensberg. Gerhard II, Herzog zu Jülich und Berg, führt wie oben abgebildet in 1 und 4Jülich, in 2 und 3 Berg, Herzschild Ravensberg auf seiner Grabplatte im Dom zu Altenberg. Desgleichen im Redinghovenschen Wappenbuch und im St. Gallener Wappenbuch. Die zugehörige Helmzier in beiden Fällen ist der Pfauenstoß. Später wird der Rüdenrumpf zwischen dem Flug zusätzlich genommen als zweite Helmzier. Es tritt ein Bedeutungswandel ein, der Tierrumpf, der geflügelte Rüdenrumpf, der später im sächsischen Wappen zum Greifenrumpf wird, wird jetzt allein Jülich zugeordnet, der Pfauenstoß aber wird dem Herzogtum Berg zugeordnet, obwohl es ursprünglich die österreichische Helmzier war.

Linke Abb.: Wappenschild für Heinrich III. Landgraf v. Hessen (15.10.1440 - 13.1.1483). Der Schild ist geviert mit Herzschild. Feld 1: Grafen von Ziegenhain: Schwarz-gold geteilt, oben ein silberner sechsstrahliger Stern. Feld 2: Grafen von Katzenelnbogen: In Gold ein roter Löwe, blau bewehrt und blau bekrönt. Der Löwe kann hersehen (gelöwter Leopard, d. h. er wird wie ein Löwe steigend, nicht schreitend dargestellt, ist aber hersehend wie ein Leopard), tut es hier aber nicht. Feld 3: Grafen von Diez (Dietz): In Rot zwei goldene, blau bewehrte schreitende Löwen (gelegentlich hersehend dargestellt, also Leoparden, hier nicht) übereinander. Hier sind sie nach innen gewendet. Feld 4: Grafen von Nidda: Schwarz-gold geteilt, oben zwei achtstrahlige silberne Sterne. Die Sterne sind eigentlich achtstrahlig, werden aber auch gerne mal sechsstrahlig abgebildet wie hier. Gegenüber der üblichen Anordnung sind hier die Felder 1/4 gegen 2/3 ausgetauscht. Herzschild: Landgrafen von Hessen: In Blau ein silbern-rot mehrfach geteilter aufrechter Löwe, golden gekrönt und golden bewehrt (Stammwappen).

Rechte Abb.: Wappenschild für Albrecht Kurfürst v. Brandenburg (24.11.1414 - 11.3.1486). Das Wappen ist geviert: Feld 1: Brandenburg: In Silber ein roter Adler, hier gekrönt. Feld 2: Burggrafen von Nürnberg: Innerhalb eines silbern-rot gestückten Bordes in Gold ein schwarzer eigentlich doppelschwänziger, hier einschwänziger Löwe, rot gekrönt. Feld 3: Hohenzollern: silbern-schwarz geviert. Feld 4: Pommern: In Silber ein roter, golden bewehrter Greif.

Linke Abb.: Wappenschild für Elisabeth von Bourgogne-Etampes, Gräfin von Nevers und von Eu (ca. 1437 - 21.6.1483). Geviert. Feld 1 und 4: Alt-Burgund, 1. Kapetinger-Haus, innerhalb eines roten Bordes von Gold und Blau mehrfach eigentlich schrägrechts, hier schräglinks geteilt. Feld 2 und 3: Touraine, Neu-Burgund, innerhalb eines rot-silbernen Stückbordes blau mit goldenen Lilien besät. In dieser Form ist es das gevierte Burgunder Wappen des zweiten Kapetinger-Hauses. Elisabeth stammt von Philippe II "le Hardi" de France (1342-1404) ab, Herzog der Touraine, Herzog von Burgund, Pair von Frankreich, Graf von Flandern, des Artois, der Pfalzgrafschaft Burgund, von Nevers, von Rethel, von Etampes und von Gien, Begründer des zweiten Kapetinger-Hauses des Herzogtums Burgund - sie war seine Urenkelin und damit Ururenkelin des französischen Königs Jean II le Bon (1350-1364). Die Farben der Touraine waren die Wappenfarben von Philippe le Hardi, der zunächst die Touraine als Apanage erhielt und später zusätzlich Burgund bekam (1363-1404), wo er das zweite herzogliche Haus gründete. So kam es zur Kombination dieser beiden Elemente im Wappen. Üblicherweise ist die Darstellung aber eine andere, mit Alt-Burgund in den Feldern 2 und 3, Neu-Burgund in den Feldern 1 und 4, so daß das Wappen hier gänzlich gewendet ist, was auch die in die andere Richtung laufenden Schrägteilungen erklärt. Der Bord von Neu-Burgund ist hier nicht gestückt dargestellt, eine Ungenauigkeit.

Rechte Abb.: Wappenschild für Anna v. Katzenelnbogen (5.9.1443 - 16.2.1494): Hier ist ein Irrtum passiert! So phantastisch expressiv die Löwen auch dargestellt sind - es ist einer zuviel. Dargestellt werden sollte das Wappen der Grafen von Katzenelnbogen: In Gold ein roter Löwe, blau bewehrt und blau bekrönt. Tatsächlich aber wurde dargestellt das Wappen der Grafen von Diez (Dietz): In Rot zwei goldene, blau bewehrte schreitende Löwen (gelegentlich hersehend dargestellt, also Leoparden, wie hier) übereinander. Beide Komponenten kommen im hessischen Wappen vor, da kann die Verwechslung leicht passieren.

Linke Abb.: Wappenschild für Sophia v. Sachsen-Lauenburg-Ratzeburg (ca. 1429/1430 - 9.9.1473). Der Wappenschild ist geteilt, oben Herzogtum Westfalen, in Rot ein silbernes Roß, unten in Rot drei (2:1) dreipaßförmig ausgeschlagene silberne Seeblätter für Engern. Diese Linie führte die Titel der Herzöge von Sachsen (Saxoniae dux), Westfalen (Westfaliae dux) und Engern (Angariae dux). Hinter den Seeblättern für Engern steht eine lange Geschichte politischer Ränke, in deren Folge das Erzmarschallamt beansprucht wurde und die Wappenbilder für Brehna und die Pfalzgrafschaft Sachsen beansprucht wurden. Als der Streit beigelegt wurde, wurden die Symbole behalten, den aufgegebenen Ansprüchen entsprechend aber umgedeutet: So stand dann der goldene Adler in Blau für das Herzogtum Westfalen (hier nicht vertreten), die drei Seeblätter für Engern (hier in der unteren Schildhälfte). Die Wappen der Grafschaft Brehna und des Herzogtums Engern sind damit im Grunde identisch, denn das Brehnaer Wappen wurde in wettinischer Zeit auf das Herzogtum Engern übertragen. Um die Konfusion komplett zu machen, sei darauf hingewiesen, daß die ernestinischen Herzogtümer Brehna mit roten Seeblättern in Silber führten und daß Engern später als drei goldene Herzen in Rot z. B. vom Erzbistum Köln geführt wurde, eine Fehldeutung des alten Motives der Seeblätter, deren Form hier ganz typisch ist. Zurück zum hier vorliegenden Wappen: Interessant ist das völlige Fehlen eines Feldes als Hinweis auf Sachsen selbst.

Rechte Abb.: Wappenschild für Anna v. Sachsen (7.3.1437 - 31.10.1512). Dies ist das zweite sächsische Wappen an der Platte, unterscheidet sich aber von dem kurfürstlichen, das optisch ganz links oben angebracht ist und weiter oben besprochen wurde, durch die fehlenden Kurschwerter. Wir sehen einen gevierten Schild mit Herzschild. Feld 1: Pfalzgrafschaft Sachsen, in Blau ein golden gekrönter goldener Adler. Feld 2: Landgrafschaft Thüringen: In Blau ein golden gekrönter und bewehrter Löwe, von Silber und Rot achtmal geteilt. Feld 3: Markgrafschaft Meißen: In Gold ein schwarzer Löwe, rot bewehrt. Feld 4: Markgrafschaft (Herrschaft) Landsberg: In Gold zwei blaue Pfähle. Herzschild: Herzogtum Sachsen: Von Schwarz und Gold neunmal geteilt, darüber ein grüner schrägrechter Rautenkranz.

Detailaufnahme, Kopfstudie.

Literatur, Links und Quellen:
St. Moriz in Coburg: http://www.morizkirche-coburg.de/, Kirche http://www.morizkirche-coburg.de/morizkirche/index.php
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere Bände Bayern, Sachsen, Preußen, Thüringen, Landesfürsten.
Webseite von Paul Bellendorf:
http://www.grabplatten.de/index.htm
Paul Bellendorf, Metallene Grabplatten aus Franken und Thüringen aus dem 15. bis 18. Jahrhundert - eine interdisziplinäre Studie zum Denkmalbestand und seiner Gefährdung durch Umwelteinflüsse,
http://www.opus-bayern.de/uni-bamberg/volltexte/2008/136/, http://www.opus-bayern.de/uni-bamberg/volltexte/2008/136/pdf/1_Text_klein.pdf, http://www.opus-bayern.de/uni-bamberg/volltexte/2008/136/pdf/2_Katalog.pdf
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Arnaud Bunel:
http://www.heraldique-europeenne.org/Regions/France/Bourgogne.htm und http://www.heraldique-europeenne.org/Genealogies/Genealogie_Capetienne/Bourgogne_II.htm
Franz Haarmann: Das Haus Sachsen-Coburg und Gotha, Deutsche Fürstenhäuser Heft 21, Börde Verlag Werl, 2006, ISBN 3-9810315-5-5

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Verwendung der Aufnahmen aus St. Moriz zu Coburg mit freundlicher Erlaubnis von Herrn Pfarrer Markus Merz vom 30.6.2008, wofür ihm an dieser Stelle herzlich gedankt sei.

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