Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 968
Coburg, St. Moriz

Bronzewappen in der St. Moriz-Kirche in Coburg (12)

Die Inschrift verrät uns folgendes: "MARIA FRANCISCI BVRCKHARDI NEPTIS VOLCKMARI SCHERERI CONIVNX QVAE FVIT ET CONIVNX ET CANCELLARIA NEPTIS. HOC MARIAE TVMVLO MOLLITER OSSA CVBANT. FRANCISCVS BVRCKHART AVVS HVIS CELEBERQVE MARITVS VOLCKMARVS SCHERER PER TRIA LVSTRA FVIT. TER DENIS ANNIS QVAE VIX SVPERADDIDIT OCTO HANNA SVSANNA IVDITH RVTH SIMVL ESTHER ERAT. FILIOLOS POST SE BINOS RLLIQVIT ET VNVM COELO PRAEMISIT FILIOLASQVE DVAS." Übersetzung: Maria, des Franz Burchkhardt Enkelin (wörtlich: "Nichte", wird aber für Enkelin verwendet), Gemahlin des Volckmar Scherer, die zugleich Gattin und Enkelin je eines Kanzlers war. Marias Gebeine ruhen sanft in diesem Grab. Ihr Großvater war Franz Burckhardt und ihr berühmter Gatte war Volkmar Scherer über drei Jahrfünfte lang (15 Jahre). Nur knapp hat sie den 3 Jahrzehnten nochmal 8 Jahre hinzugefügt (d. h. sie wurde knapp 38 Jahre alt). Sie war Hanna, Susanna, Judith, Ruth und Esther zugleich. Zwei Söhnchen hinterließ sie, einen weiteren und zwei Töchter schickte sie voraus in den Himmel. Anmerkung: Die Aufzählung der alttestamentarischen Personen soll bedeuten, daß sie all deren Tugenden in ihrer Person vereinigte. Ganz unten steht: "HaeC VbI septeMbrIs VenIt LVx aVrea qVInta Vt post CaeLICoLIs IVnCta sit astra petIt EFVDF". Dabei werden die letzten Buchstaben wohl eine Signatur sein. Der Text heißt soviel wie "Sie stieg auf zu den Sternen, als das fünfte goldene Licht des Septembers kam, um sich zu vereinen mit den Himmlischen". Zugleich ist der Text auch ein Chronogramm: Zählen wir alle groß geschriebenen Buchstaben zusammen, kommen wir nur auf 1593, erst wenn wir noch das kleine x von lux und das kleine i von sit mitrechnen, kommen wir auf das Todesdatum 1604.

Maria Scherer ist hier mit zwei Vollwappen abgebildet, offensichtlich Burckhart und Scherer: Optisch links ein geteilter Schild mit schrägrechts darüber gelegtem Eichenzweig mit zwei Blättern und zwei Eicheln, Helmzier der Eichenzweig aus dem Schild (Zuordnung Wappen Scherer). Optisch rechts ein geteilter Schild, oben eine doppellagige Rose, unten ein Pelikan. Helmzier auf gekröntem Helm ein offener Flug, beiderseits mit einer Egge (Gitter) an kurzer Kette belegt (offensichtlich Wappen Burckhart). Ohne Referenz.

Bronzewappen in der St. Moriz-Kirche in Coburg (13)

In ehelicher und damit enger heraldischer Verbindung zur vorherigen Wappentafel steht diese hier mit folgender Inschrift: "EX TERRIS SVPERAS MIGRANS SCHERERVS IN ARCES CORPORIS HOC POSVIT SARCINVLAS TVMVLO FIDVS CONSILIIS ET CANCELLARIVS ALME SAXONIAE PRINCEPS IOHAN CASIMIRE TVVS PER TRIA LVSTRA DABAS LACRVMAS IN FVNERE PRINCEPS VISA TIBI MORS EST COR RAPVISSE TVVM DOCTRINAM DEDERAT SALANA GEORGIA VALLIS VITAM BVRCHARDI NATA PIAM SOBOLEM FREVNDIA QVAE FAVSTOS THALAMI REPARARAT HONORES HEV. LVGET VIDVVM MAESTA MARIA TORVM." Übersetzung: Von der Erde in die Himmelsburg schreitend hat Scherer das Bündel seines Leibes diesem Grab anvertraut. Dein treuer Rat und Kanzler, segensreicher Fürst Johann Kasimir von Sachsen, über drei Jahrfünfte (15 Jahre). Du, Fürst, hast bei seinem Begräbnis geweint, sein Tod hat Dir das Herz sichtlich geraubt. Die Gelehrsamkeit hat ihm die Universität Jena (= Salana) gegeben, Georgenthal (ein thüringisches Zisterzienserkloster) das (rechtschaffene) Leben, Burckhardts (Tochter) Maria, geborene Freund, die fromme Nachkommenschaft. Sie, welche die glückliche Ehre der Ehe bereitete, oh weh, beweint betrübt das verwitwete Ehelager. Unten: "VOLCMARVS SCHERERVS I(VRIS) V(TRIVSQVE) D(OCTOR) ET CANCELLARIVS SAXONICVS MORTALIA RELIQVIT ANNO DOMINI 1612 17 DECEMBRIS NATVS ANNO 1556 28 IANVARY M Z S". Volckmar Scherer, beider Rechte Doktor, sächsischer Kanzler, ließ das Sterbliche zurück im Jahre des Herrn 1612 den 17.12., geboren im Jahr 1556, den 28.1. Es folgen einzelne Buchstaben, die eine Signatur sein können.

Volkmar Scherer (28.1.1556-17.12.1612) wird hier mit zwei Vollwappen abgebildet: Optisch links ein geteilter Schild mit schrägrechts darüber gelegtem Eichenzweig mit zwei Blättern und zwei Eicheln, Helmzier der Eichenzweig aus dem Schild (Wappen Scherer). Optisch rechts ein gevierter Schild, Feld 1 und 4 ein aufspringender Hund, Feld 2 und 3 ein Pfahl. Helmzier auf gekröntem Helm ein aufspringender Hund. Vermutlich Wappen Freund. Ohne Referenz.

Bronzewappen in der St. Moriz-Kirche in Coburg (14)

In der Serie der einzigartigen Bronze-Wappen ist dieses hier das einzige ohne Grundfläche, welches nur aus dem Vollwappen ohne jede Inschrift besteht, damit also mehr eine reines Wappen als ein bronzener Totenschild ist. Es handelt sich um das Wappen Fomann von Waldsachsen: Quadriert, Feld 1 und 4: Zweimal von Schwarz, Silber und Schwarz geteilt, in jedem Felde ein laufender Windhund in verwechselter Tinktur, Feld 2 und 3: Zweimal von Silber, Blau und Silber geteilt, in dem jeweils oberen und unteren Felde 3 blaue hersehende Löwenköpfe balkenweise, im mittleren Feld ein goldenes Jagdhorn. Helmzier auf ungekröntem Helm ein wachsendes, bekränztes Frauenbild auf dem goldenen Horn blasend, in silbern-schwarz gespaltener Kleidung. Helmdecken rot-silbern/schwarz-silbern. Referenz: Siebmacher Thüringen, Angestorbene. Ernst Fomann von Waldsachsen war Fürstlich-Sächsisch-Coburgischer Geheimrat, Kanzler und Konsistorialpräsident. Seine Söhne besaßen Waldsachsen, sein Enkel Johann Christian Fomann von Waldsachsen war Fürstlich-Sächsisch-Meiningenscher Oberforstmeister und Kammerjunker, des Letzteren Vetters - Johann von Fomann - Sohn, Carl Sigmund von Fomann war Fürstlich-Sächsisch-Hildburghausenscher Kammerjunker. 26.11.1546 Reichsadelsstand, renoviertes Adelsdiplom vom 18.2.1711.

Dieses Wappen ist aber nicht so inschriftenlos, wie man auf den ersten Blick annimmt: Rechts und links des Helmes befinden sich die beiden Großbuchstaben G und W, für Georg Werther, das ist die Signatur des Meisters.

Literatur, Links und Quellen:
St. Moriz in Coburg: http://www.morizkirche-coburg.de/, Kirche http://www.morizkirche-coburg.de/morizkirche/index.php
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere Bände Bayern, Sachsen, Preußen, Thüringen.
Webseite von Paul Bellendorf:
http://www.grabplatten.de/index.htm
Paul Bellendorf, Metallene Grabplatten aus Franken und Thüringen aus dem 15. bis 18. Jahrhundert - eine interdisziplinäre Studie zum Denkmalbestand und seiner Gefährdung durch Umwelteinflüsse,
http://www.opus-bayern.de/uni-bamberg/volltexte/2008/136/, http://www.opus-bayern.de/uni-bamberg/volltexte/2008/136/pdf/1_Text_klein.pdf, http://www.opus-bayern.de/uni-bamberg/volltexte/2008/136/pdf/2_Katalog.pdf

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Verwendung der Aufnahmen aus St. Moriz zu Coburg mit freundlicher Erlaubnis von Herrn Pfarrer Markus Merz vom 30.6.2008, wofür ihm an dieser Stelle herzlich gedankt sei.

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