Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 958
Stöckenburg, Martinskirche

Epitaphe in der Stöckenburg (4) - Vellberg/Buttlar

Epitaph von Wolf von Vellberg und Anna von Buttlar. Wolf von Vellberg ist der Erbauer des Vellberger Schlosses, Anna ist seine zweite Ehefrau. Das Epitaph ist auf 1553 datiert und stilistisch Renaissance mit sehr feiner und detailreicher Ausschmückung. Der Künstler ist Joseph Schmid von Urach.

Unterhalb eines Gekreuzigten sind die beiden Ehepartner abgebildet, mit jenem durch ein Spruchband verbunden: "Meine Sind (Sünden) die rew-wen (reuen) mich" bzw. "Uf die Gn-ad Gottes st-irb ich". Rechts und links des Gekreuzigten befinden sich die beiden Vollwappen der Ehepartner bzw. ihrer Väter.

Heraldisch oben rechts: Wappen von Vellberg: In Blau ein silberner Adlerflügel, im vorderen Obereck ein goldenes Freiviertel. Das Wappen ist gewendet, der Schildinhalt ist es nicht. Flug der Helmzier heraldisch rechts schwarz, links silbern, die Decken ebenfalls schwarz-silbern.

Heraldisch oben links: Wappen von Buttlar: In Rot eine silberne Butte mit goldenen Reifen und heraldisch links zwei goldenen Tragbändern (Stammwappen). Die Helmzier ist hier abweichend von derjenigen, die uns meistens begegnet (gekrönt, ein Jagdhorn mit Band, dessen Farben als golden oder rot beschrieben werden und dessen Mundloch mit drei rot-silbern-rot tingierten Straußenfedern besteckt ist, Stammkleinod der von Buttlar), ganz anders gestaltet: Auf ungekröntem Helm ein hoher Hut, absatzlos aus der Helmdecke wachsend, oben mit einem Hahnenfederbusch besteckt. Weitere abweichende Helmzieren kommen in der Familie vor, z. B. wird aus dem hohen Hut eine straußenfederbesteckte, silberne oder rote Säule, an der das Jagdhorn aufgehängt ist, weitere Möglichkeiten sind nur ein Federbusch etc. Die Helmdecken des Stammwappens sind rot-silbern.

Am Sockel des Epitaphs befinden sich zwei weitere Vollwappen, dieses sind die jeweiligen mütterlichen Wappen:

Heraldisch rechts, optisch links ist das Wappen von Weiler (Mutter väterlicherseits): In Silber ein roter Schrägrechtsbalken. Das Wappen ist zwar hier gewendet, der Schildinhalt jedoch nicht. Die Helmzier ist hochinteressant, zwei gestürzte, silberne, rot gestulpte Mützen, wobei aus jeder drei mit goldenen Knöpfen verzierte silberne Pilgerstäbe herausragen. Helmdecken rot-silbern. Die von Weiler sind schwäbischer, turniergenossener Uradel. Konrad und Otto von Wiler werden bereits 1140 urkundlich erwähnt. Ihre Besitzungen sind Wiler, Lichtenberg und Maienfels.

Heraldisch links, optisch rechts ist das Wappen der Mutter mütterlicherseits, Truchsess von Ringingen: In Blau Kopf und Hals eines goldenen Stieres mit roter Zunge, ebensolchen Hörnern und Nasenring, Helmzier desgleichen wachsend, Helmdecken blau-golden. Diese Familie darf nicht mit den von Ringingen von der Zollernalb verwechselt werden, die einen mit drei Ringen belegten Schrägbalken führten. Die Truchsessen von Ringingen waren eines Geschlechts mit den Uracher Truchsessen von Bibichshausen. In alten Urkunden findet man: Cun der Truchsess von Urach wird 1342 als Ritter zu Ringingen erwähnt. 1349 übergeben Hans Truchseß von Urach und sein Sohn Cuon dem Kloster Heiligkreuzthal einen Leibeigenen zu Ringingen. 1352 verkaufte Cuno Truchseß von Ringingen Güter zu Ringingen an das Kloster Blaubeuren. Der selbe Hans Truchsess nennt sich 1526 Truchsess von Bibichshausen, 1581 aber Truchsess von Ringingen. 1511 stirbt Albrecht Truchsess von Bibichshausen ohne männliche Nachkommen, und das vom Herzog von Württemberg eingezogene Lehen wurde von den Vettern Georg und Hans von Ringingen als nächste Agnaten beansprucht, was gegen finanziellen Ausgleich geregelt wurde. An Epitaphien ohne Farbe besteht Verwechslungsgefahr mit dem Wappen der von Hoheneck (silber/schwarz), dieses wird aber ohne den markanten Nasenring dargestellt.

Das Epitaph wurde bereits zu Lebzeiten in Auftrag gegeben. Dies erklärt, warum die Ehefrau Anna in höfischer Gewandung und nicht in Witwentracht portraitiert wurde. Beide Ehepartner sind nebeneinander abgebildet, er auf einer kleinen Stufe knieend, sie stehend, und doch ist der Kopf von Wolf noch etwas höher als der seiner Frau. Beide sind einander zugewandt mit betend zusammengelegten Händen. Wolf trägt eine Rüstung, Helm und Handschuhe aber hat er vor sich abgelegt.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere Bände Württemberg, Bayern und Baden
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Die Stöckenburg in Geschichte und Gegenwart, ein Führer durch die Geschichte der Stöckenburger Martinskirche und ein Rundgang für aufmerksame Betrachter, herausgegeben von Hermann Künstner, Weinbrunnen Verlag Vellberg, 2. Auflage 2002, ISBN 3-9804886-4-0, S. 63 ff.

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Verwendung der Aufnahmen aus der Kirche zu Stöckenburg mit freundlicher Erlaubnis von Herrn Kurt Horch, Stöckenburg, vom 26.7.2008

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