Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 957
Stöckenburg, Martinskirche

Epitaphe in der Stöckenburg (3) - Vellberg/Hirnheim

Epitaph für Hans von Vellberg zu Crailsheim und Sybilla von Hirnheim. Diese Platte folgt dem Aufbau der zuerst beschriebenen Platte: Zwei zentrale Wappen bilden ein Ehewappen, und in den vier Ecken des Zentralfeldes befinden sich vier Wappen der Ahnenprobe, zwei für den Ehemann und zwei für die Ehefrau. Die beiden Wappen in der Mitte tauchen diagonal wieder auf, der Vater des Ehemannes optisch links oben, der Vater der Ehefrau optisch rechts unten. Das ist insofern eine interessante Anordnung, als sie von der meistens benutzten (linke Spalte Mann, rechte Spalte Frau, oben Väter, unten Mütter) abweicht und eine gewisse Parallelität zu der Bewertung der Felder in einem gevierten Schild aufweist, wo die Plätze 1 und 4 mit dem wichtigeren Bestandteil belegt werden (Vater), die Plätze 2 und 3 mit dem weniger wichtigen (Mutter). In einer patriarchalischen Gesellschaft entspricht dem die Bewertung der väterlichen Schilde. Die Zuordnung der Positionen auf dieser Platte ist also: Optisch oben links - Vater Mann, optisch unten rechts - Vater Frau, optisch oben rechts - Mutter Mann, optisch unten links - Mutter Frau. Der Schild des Ehemannes und der der Ehefrau stehen in der mittleren Zone nebeneinander und sind einander zugeneigt, vereinigt unter der alleinigen Helmzier des Ehemannes, die im Profil dargestellt mittig über dem Spalt steht und hier nach heraldisch links, optisch rechts gewendet ist.

Die Inschrift lautet: "Anno d(o)m(ini) 1580 (offensichtlich ein Fehler, denn weder vom Logischen noch vom Stil her kann es 1580 sein, muß wohl 1508 heißen) am freitag nach jubilate (19.5.) starb der erbar und vest hans von vellberg anno d(o)m(ini) 1520 am sonntag jubilate (29.4.) starb die erbar fraw sibila von hirnheim hans vo(n) velbergs gemahel den got(t) genad."

Oberer Teil der Ahnenprobe, heraldisch oben rechts: Wappen von Vellberg: Das Vellberg-Wappen zeigt in Blau einen silbernen Adlerflügel, im vorderen Obereck ein goldenes Freiviertel.

Oberer Teil der Ahnenprobe, heraldisch oben links: Wappen von Adelsheim. In Silber ein schwarzes, auch als silbern-schwarz geteilt beschriebenes, gewundenes Widderhorn (Steinbockshorn). Helmzier wäre ein schwarz oder silbern-schwarz geteilt gewandeter Frauenrumpf mit goldenem abstehenden Haarzopf und goldener Krone zwischen zwei silbern-schwarz geteilten wie im Schild bez. Hörnern. Früher hatten sie nur die Hörner, 1422 kam der Frauenrumpf hinzu. Helmdecken wären schwarz-silbern. Hier haben wir die gleichen Eltern-Schilde wie auf dem Epitaph für Ehrenfried von Vellberg zu Leofels und Ursula Schilling von Cannstatt, die beiden waren Brüder.

Allianzwappen, Ehewappen in der Mitte, heraldisch rechts: Wappen von Vellberg: Das Vellberg-Wappen zeigt in Blau einen silbernen Adlerflügel, im vorderen Obereck ein goldenes Freiviertel. Die Angaben zum Oberwappen im Siebmacher sind widersprüchlich. Nach dem Wappenbuch des Hans Ingeram ist der Flug der Helmzier rechts schwarz, links silbern, die Decken ebenfalls schwarz-silbern. Im Scheiblerschen Wappenbuch findet sich eine weitere Darstellung, mit gleichermaßen schwarz-silbern tingiertem Oberwappen, so daß dies wohl als zutreffend anzunehmen ist.

Allianzwappen, Ehewappen in der Mitte, heraldisch links: Wappen von Hirnheim: In Silber ein rotes Hirschgeweih. Helmzier wären zwei silberne Hörner, außen jeweils mit Pfauenfedern besteckt. Helmdecken wären rot-silbern. Es gibt viele verschiedene Linien derer von Hirnheim mit sehr unterschiedlichen Wappen. Hier ist das Wappen des Hauptstammes abgebildet.

Unterer Teil der Ahnenprobe, heraldisch unten rechts: Unklar, evtl. von Bemelberg aus dem Hause Boineburg (von Schwarz und Silber geviert, Kleinod zwei jedes für sich schwarz-silbern gevierte Büffelhörner, Helmdecken schwarz-silbern) oder von Ellerbach (von Gold und Grün geviert, Kleinod zwei von Gold und Grün übereck geteilte Büffelhörner, alternativ zwei jeweils von Grün und Gold gevierte Büffelhörner, so im vermehrten Wappen Ulm, Helmdecken sollten eigentlich grün-golden sein, so auch im vermehrten Wappen Ulm, nach der Züricher Wappenrolle aber rot).

Unterer Teil der Ahnenprobe, heraldisch unten links: Wappen von Hirnheim: In Silber ein rotes Hirschgeweih.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere Bände Württemberg, Bayern und Baden
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Die Stöckenburg in Geschichte und Gegenwart, ein Führer durch die Geschichte der Stöckenburger Martinskirche und ein Rundgang für aufmerksame Betrachter, herausgegeben von Hermann Künstner, Weinbrunnen Verlag Vellberg, 2. Auflage 2002, ISBN 3-9804886-4-0, S. 63 ff.

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Verwendung der Aufnahmen aus der Kirche zu Stöckenburg mit freundlicher Erlaubnis von Herrn Kurt Horch, Stöckenburg, vom 26.7.2008

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