Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 931
Lohr am Main (Unterfranken)

Pfarrkirche St. Josef in Lohr-Steinbach (Teil 1)
Konzept einer Ahnenprobe

Ein Kleinod abseits der touristischen Hauptrouten liegt in Steinbach am Main, einem Stadtteil von Lohr. Die Pfarrkirche im Ort ist ein Werk des Architekten Josef Greising in Würzburg, fürstbischöflicher Stadt- und Landbaumeister (9.1.1664 in Hohenweiler - 12.12.1721 in Würzburg), einer der ganz großen Architekten des fränkischen Barocks, der unter anderem Schloß Burgpreppach erbaute, in Würzburg ab 1711 zusammen mit Johann Dientzenhofer die barocke Umgestaltung der Neumünsterkirche vollbrachte, 1707-1715 die Klosterkirche Comburg und ab 1715 die einstige Benediktinerklosterkirche in Theres erbaute, 1713-1715 die Schloß- und Pfarrkirche in Friesenhausen, 1717–1720 St. Peter in Würzburg, 1716–1718 das Rathaus von Iphofen, ab 1715 den Rückermainhof in Würzburg, 1687-1715 die Augustiner-Chorherrenstiftskirche in Triefenstein, 1717-1718 das Bürgerspital zum Hl. Geist in Würzburg, dessen Handschrift vermutlich auch in den Entwürfen zur Klosterkirche Schöntal steckt etc. Seine Kunst ist das Bindeglied zwischen Antonio Petrini einerseits und seinem Amtsnachfolger Balthasar Neumann andererseits als Hofbaumeister. In nur drei Jahren, nämlich 1719-1721, wurde die Pfarrkirche St. Joseph erbaut, sie ist damit eines der letzten Bauwerke von seiner Hand, ein reifes Spätwerk des Architekten, stilistisch eine der reinsten Barockkirchen Frankens.

Es handelt sich um eine barocke Saalkirche mit abgerundeten Ecken; das Langhaus besteht aus drei Jochen; der Chor ist seitlich eingezogen und hinten dreiseitig geschlossen. Das Gewölbe ist ein Tonnengewölbe mit Stichkappen. Die Wände werden schlicht durch Pilaster gegliedert. Die Fassade ist dreiachsig mit einem eingestellten, nach vorne vorspringenden Turm. Unten hat der Turm einen quadratischen Querschnitt mit abgeschrägten Ecken, in der obersten Ebene hat er einen vollends achteckigen Grundriß. Das Südwestportal liegt mittig in der Turmbasis. Die beiden zurückspringenden Seitenteile haben jeweils ein Fenster, dessen Form und Maße auch für die 2x 3 Langhausfenster gelten. Über dem Hauptgesims ist mittig ein drittes Fenster. Alle drei Fenster spannen gemeinsam ein Dreieck auf, dessen Proportionen durch die Elemente oberhalb des Gesimses wiederholt werden, Turmspitze und die Obelisken auf den Ecken der Seitenteile spannen genau so ein Dreieck mit gleichen Winkeln auf. Ein Prinzip, das uns auch in anderen Bauten Greisings begegnet wie in der Pfarrkirche von Friesenhausen.

Das zentrale Schmuckstück befindet sich aber über der Tür. Allein schon durch die Farbe ist es hervorgehoben: Die gesamte Südwestfassde unterhalb des Hauptgesimses ist von rotem Sandstein, darüber und an den Seiten taucht der rote Sandstein nur in Simsen, Pilastern und Gewänden als Werksteingliederung auf, während die anderen Flächen verputzt und weiß getüncht sind. Die Hauptschauseite besteht aber komplett aus dem tiefroten Sandstein. Und darin befindet sich jetzt ein schlankes, vertikal orientiertes Element aus honigfarbenem Werksandstein, unten die Tür rahmend, oben aber einen kostbaren Rahmen für eine Nische bildend, in dem eine Statue des Hl. Johannes Nepomuk steht. Die Staffelung der Fassade, die Hinführung auf die zentrale Figur wird allein durch Geometrie und Farbe erreicht, ein wirkungsvolles Konzept. Warum der Hl. Johannes Nepomuk? Im Jahr der Fertigstellung der Kirche war seine Seligsprechung.

v. Hutten - v. Bicken

v. Hutten

Hagen zur Motten

v. Bicken

v. Walderdorff

v. Diemandstein

Ullner von Dieburg

v. Eltz

Frey von Dehrn

v. Cronberg

Brömser v. Rüdesheim

Brendel von Homburg

v. Greiffenclau zu Vollrads

Fuchs von Dornheim

Groschlag v. Dieburg

v. Kerpen

v.d. Feltz

Bauherren dieses barocken Kleinods waren Franz Ludwig von Hutten, Patronatsherr von Steinbach, und seine Frau Johanna Juliana von Bicken, sowie Franz von Hutten, Würzburger Domdekan, Propst von Stift Haug in Würzburg und schließlich 1724-1729 Würzburger Fürstbischof, dessen Wappen uns innen in der Kirche am Orgelgehäuse begegnet. Außen aber rechts und links der Nische des Hl. Johannes Nepomuk finden wir eine 16er Ahnenprobe des Bauherrenehepaares, optisch links in zwei Spalten zu je 4 Wappen für den Ehemann, optisch rechts in ebenfalls zwei Spalten für die Ehefrau. Jeder Ehepartner wartet also mit 8 Wappen = Ahnen auf, das entspricht den jeweiligen Urgroßeltern. Die je zwei Spalten liegen nicht etwa flächig nebeneinander, sondern sind gegeneinander verwinkelt, so daß diese Anordnung der Rundbogennische Tiefe gibt. Über dem Rundbogen der Nische befindet sich herausgehoben das Allianzwappen, hier finden die beiden Ehepartner heraldisch zusammen und treffen sich in der Mitte, während die 2x2x4 Ahnen die Seiten der Nische begleiten. Diese wappenumsäumte Nische macht einen Großteil der Besonderheit der Kirche aus: Selten hat man eine so reiche und darstellerisch hervorragende Ahnenprobe aus lauter Vollwappen in so guter Erhaltungsqualität an so prominenter Stelle am Außenbau integriert in das bauliche Gesamtkonzept.

Übersicht über die Wappen:

Die einzelnen Wappen werden auf den Folgeseiten erläutert. Da die Steinmetzarbeiten aus honigfarbenem Sandstein ohne Farbfassung sind, sei hier vorab eine Übersicht über die Wappenschilde in Farbe gegeben. Details zur Blasonierung und Tingierung, insbesondere zu möglichen Varianten, siehe die Beschreibung der Einzelphotos. Die jeweiligen Eltern der beiden Probanden stehen ganz oben, gefolgt von den weiter oben im Stammbaum eingeheirateten Familien. Je weiter unten in der Ahnenprobe, desto weiter weg ist der Zusammenhang mit dem Probanden.

Phototip: Die Fassade ist nach Südwesten ausgerichtet. Spätnachmittags ist das Licht optimal, doch am schönsten erglüht der warme Sandstein im Abendlicht. Der Vorplatz ist öffentlich zugänglich. Eine lange Brennweite (200-300 mm) ist unbedingt anzuraten.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher
Aschaffenburger Wappenbuch
Eugen Schöler, Historische Familienwappen in Franken, Verlag Degener 3. Aufl. 1999
Otto Gruber: Wappen des mittelrheinisch-moselländischen Adels, Trier 1962-1965, incl. Nachtrag Trier 1967, ebenfalls veröffentlicht in verschiedenen Jahrgängen der "landeskundlichen Vierteljahresblätter".
Anton P. Rahrbach, Reichsritter in Mainfranken. Zu Wappen und Geschichte fränkischer Adelsfamilien. Bauer & Raspe Verlag - Die Siebmacherschen Wappenbücher, die Familienwappen deutscher Landschaften und Regionen, Band 2, 2003, ISBN 3-87947-113-4
Rolf Zobel, Wappenbuch für Mittelrhein und Mosel, 2007
Joseph Greising:
http://deu.archinform.net/arch/20803.htm

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