Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 879
Markt Flachslanden (Mittelfranken)

Deutschordensburg Virnsberg

Burg Virnsberg ist eine die Landschaft beherrschende Höhenburg auf drei Ebenen: unterer Wirtschaftshof, Mittelhof und oberer Bering mit Kernburg, aus der der polygonale Bergfried herausragt. Sie gehörte ursprünglich den Herren von Virnsberg als Reichslehen, die 1235 erstmalig erwähnt werden. Die erste Burg wird hier Ende des 12. Jh. vermutet. Die jetzt bestehende Anlage stammt im Kern aus staufischer Zeit, ca. 1. Hälfte des 13. Jh., das waren aber nicht mehr als die Mauern des innersten Berings. Dann kam die Burg über die Grafen von Hohenlohe an die Burggrafen von Nürnberg, und Burggraf Konrad der Fromme schenkte die Burg 1294 dem Deutschen Orden, der hier eine Kommende gründete (der Ballei Franken zugehörig) und die Burg zur Festung ausbaute. Die zweite Ringmauer entstand unter Wolfgang von Eysenhofen und Dietrich Stain zu Rechtenstein, ebenso der Torzwinger um 1500. Die Komture stellten 1535 die dritte Ringmauer fertig. Etwa um diese Zeit wurden auch die nördlichen Wehranlagen mit Türmen verstärkt. In der zweiten Hälfte des 16. Jh. wurde das Haupthaus umgestaltet. Im Barock wurde die Anlage erheblich erweitert, im Süden wurde das gewaltige Ökonomiegebäude angebaut, das Haupthaus wurde ebenfalls umgebaut und aufgestockt. Die Innenausstattung wurde ab 1715-1717 barockisiert (unter Komtur Philipp Waldecker von Kempf). 1727 wurde der Treppenaufgang vom Ökonomiehof zur Kernburg über zwei Terrassen angelegt. Bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches und der Auflösung des Deutschen Ordens verblieb die Burg in Ordensbesitz, mehr als 500 Jahre lang. Danach fiel die Burg an Bayern, und niemand wußte so recht, was man damit machen sollte. 1815 wurde sie zum Abbruch verkauft, blieb aber zum Glück erhalten und wechselte mehrfach den Besitzer. Bis 1908 ist der Aachener Industrielle Graf Wagner als Besitzer nachgewiesen, dann war die Burg 1908-1954 Eigentum des Freiherren von Friesen. 1954-1963 war sie im Besitz der Evangelischen Wohlfahrt. 1965-1976 wurde sie vom neuen Eigentümer Fritz Rang gastwirtschaftlich und touristisch genutzt. Der letzte Privatbesitzer (Kauf 1977) war der Nürnberger Rechtsanwalt Dr. Friedrich v. Herford, der sie dem heutigen (seit 2001) Träger, dem Schloßverein Virnsberg e.V. übereignete.

Abb.: Blick auf Burg Virnsberg von Südwesten

Das riesige barocke Ökonomiegebäude im Süden ist ein dreiflügeliger Bau, der von einem Wassergraben umgeben ist. Dort, wo die Spitze genau nach Süden zeigt, weitet sich der Graben zu einem ovalen Wasserbecken, in das die Gebäudeecke hineinragt. Der Zugang erfolgt über eine Brücke im Südwesten.

Abb.: Blick auf das Ökonomiegebäude von Süden

Über dem Eingang des Wirtschaftsgebäudes befindet sich das Wappen eines der letzten Burgherren, des Freiherrn von Friesen.

Stammwappen: In Silber drei rote Rosen an einem grünen Stiel mit Blättern. Helmzier fünf Federn in den Farben rot und Silber abwechselnd. Helmdecken rot-silbern.

Die Familie wurde durch Kaiser Ferdinand III am 15.8.1653 in den Freiherrenstand erhoben. Freiherrliches Wappen: Geviert mit Herzschild:

Drei Helme (Decken rechts schwaz-gold, links rot-silber nach dem Diplom):

Hier ist statt eines Oberwappens eine Krone verwendet worden. Das Wappen ist in eine Kartusche höchst eigenwilliger Randgestaltung eingepaßt worden.

Abb.: Wappen der Freiherren von Friesen über dem Tor

Heinrich Freiherr von Friesen, k.u.k. Feldmarschallleutnant, erhielt am 25.9.1702 den Grafenstand. Das Wappen blieb unverändert. Die gegrafte Linie erlosch 1755. Eine andere Linie wurde 1756 gefreit und 1783 gegraft.

Joh. K. Stephan Freiherr von Friesen nahm mit königlicher Bestätigung vom 18.5.1843 das Wappen derer von Leysser zu dem seinigen an, durch Legat des 1842 verstorbenen Generalleutnants Freiherr von Leysser, Besitzer des Leysserischen Fideikommissgutes Friedrichsthal. Bei dem Wappen Frieen-Leysser wird zwischen die beiden unteren Plätze des gevierten Schildes das Wappen Leysser eingeschoben:

Die Helme sind die obigen drei, es wurde kein weiterer Helm Leysser angenommen.

Abb.: Wappenkartusche an einem Haus in Virnsberg von 1914.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher
Schlösser und Burgen in Mittelfranken, von Ruth Bach-Damaskinos, Jürgen Schabel, Sabine Kothes. Hofmann Verlag Nürnberg, ISBN 3-87191-186-0
Geschichte:
http://www.schloss-virnsberg.de/text/schloss/geschichte.html
Beschreibung:
http://www.schloss-virnsberg.de/text/schloss/kurzbeschreibung.html
Baugeschichte:
http://www.schloss-virnsberg.de/text/schloss/baugeschichte.html
Schloßverein:
http://www.schloss-virnsberg.de/text/schloss/schlossverein.html

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