Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 868
Ellwangen - Glanz der Fürstpröpste

Ellwangen: Ehemaliges Pfarrhaus

Das ehemalige Pfarrhaus gegenüber der Marienkirche in Ellwangen wurde 1717 erbaut als Pfarr- und Dekanatshaus. Bauherr war Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg. Das Gebäude ist der ehemalige Ort der Kapitelsbibliothek, später war es Stadtpfarrhaus. Heute ist es das Haus der Justizreferendare.

Über dem Eingang befindet sich das Prunkwappen von Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg. Das Wappen ist aufgeteilt in Hauptschild, Mittelschild, Hochmeisterkreuz und Herzschild und nochmals einen winzigen Schild auf diesem, hat also rein formal 5 (!) Ebenen übereinander. Der Hauptschild enthät das Familienwappen, also amtsunabhängige Komponenten, die auch während seiner Lebenszeit nicht verändert wurden. Der Mittelschild enthält Amtswappen, die im Laufe seiner Karriere Änderungen erfuhren. Zwischen Mittelschild und Herzschild liegt das Hochmeisterkreuz, der Herzschild mit dem schwarzen Adler in Gold gehört zu ihm. Das winzige Herzschildchen ganz obenauf ist wieder ein kirchenamtsabhängiges Detail. Das eigentliche Stammwappen ist aber das der Wittelsbacher, von denen die Herzöge von Pfalz-Neuburg abstammen, als schmalrechteckiges Feld eingeklemmt zwischen den Pfälzer und Jülicher Löwen und dem Wormser Schlüssel.

Hauptschild: Familienwappen der Herzöge von Pfalz-Neuburg. Geviert:

Der Mittelschild enthält ausschließlich geistliche Ämter. Dieser Mittelschild hat sich im Laufe des Lebens entsprechend verändert, er wurde immer den jeweiligen Ämtern angepaßt. Frühe Hochmeisterwappen zeigen im Mittelschild Worms, Ellwangen und Breslau, welches beide unteren Felder einnimmt. Als Fürstbischof von Trier rückt Breslau in ein einziges Feld (wie hier in Feld 3), das Prümer Lamm belegt Feld 4. Ein kleiner Herzschild (Ebene 5) noch auf dem Hochmeister-Herzschild zeigt das Trierer rote Kreuz in Silber (wie hier). 1729 wurde dieses gegen das Mainzer silberne Rad in Rot ausgetauscht, dem Ämterwechsel entsprechend, und Prüm flog aus dem Wappen heraus. Der ehemals von Prüm besetzte Platz wurde entweder mit Worms belegt, oder Breslau wurde auf zwei Felder verteilt. Hier finden wir ein Wappen aus der Zeit als Trierer Fürstbischof und Kurfürst:

Die dritte und vierte Ebene des Wappens bildet das über alles gelegte Hochmeisterkreuz, ein schwarzes durchgehendes Kreuz, belegt mit einem goldenen Lilienkreuz. Herzschild in Gold, belegt mit einem schwarzen Adler. Das aufgelegte kleinste Schildchen zeigt in Silber ein durchgehendes rotes Kreuz, Zeichen des Fürstbistums Trier, sein zu der Zeit wichtigstes Amt, seine erste Kurwürde.

Der Lebenslauf von Franz-Ludwig von Pfalz-Neuburg findet sich hier: Schönenbergkirche (1). Dieses prunkvolle Wappen soll als Gelegenheit dienen, im folgenden in aller Ausführlichkeit die hinter ausgesuchten, einzelnen Komponenten stehende Territorialgeschichte zu beleuchten.

Hintergrund (1): Geschichte der Grafschaft Mark:
Die Grafschaft Mark lag beiderseits der Ruhr in Westfalen/Sauerland. Sie lag zwischen Recklinghausen, Dortmund, dem Fürstbistum Münster, der Grafschaft Limburg, den Herzogtümern Westfalen und Berg, der Grafschaft Gimborn, der Reichsabtei Werden und Essen. Ihre Grafen, eine um ca. 1160 von den Grafen von Berg abgespaltene Linie, waren im Hochmittelalter einst sehr mächtig und einflußreich. Erst nannten sie sich nach der gleichnamigen Burg an der Lenne Grafen von Altena. Um 1175 spaltete sich die Linie Isenberg-Limburg ab, und zur Unterscheidung wurde jetzt eine andere Burg namengebend, die man 1198 erworben hatte, die Burg Mark im gleichnamigen Dorf bei Hamm. Die Grafen von der Mark schufen sich ein zusammenhängendes Herrschaftsgebiet aus verschiedenen Quellen: 1288 bekamen sie die Vogtei über Essen, desgleichen über Werden, 1243 den Königshof Unna. In der Schlacht von Worringen 1288 zählten die Grafen von der Mark zur brabantischen Siegerpartei. So konnten sie ihre Territorialmacht weiter ausbauen und zwar unabhängig von Köln. Die Grafen von der Mark sind 1226/1227 Gründer der Stadt Hamm.

Eine Schlüsselfigur der weiteren Geschichte der Grafschaft Mark ist Adolf I. (III) Graf v. d. Mark u. v. Cleve (vor 1350 - 7.9.1394), der erst eine kirchliche Laufbahn einschlug und sogar Erzbischof von Köln wurde, ehe er 1364 aus Familienräson das Amt niederlegte und die Nachfolge als Graf von der Mark antrat. Sein Vater war zum Erben von Cleve eingesetzt worden. Wer sollte die Nachfolge übernehmen? Die anderen Brüder waren geistlich oder ohne Nachkommen. So kam es, daß der Erzbischof von Köln resignierte und heiratete, nämlich Margareta v. Jülich (ca.1350 - 10.10.1425). Insgesamt hatten sie 17 Kinder. 1394 wurden bei seinem Tod das Herzogtum Kleve und die Grafschaft Mark vereinigt, und die Grafen von der Mark wurden 1368 die neuen Herzöge von Cleve.

Seit 1461 wurden das Herzogtum Cleve und die Grafschaft Mark gemeinsam verwaltet. 1511 wurden sie in Personalunion mit Jülich, Berg und Ravensberg verbunden, als Maria Herzogin v. Jülich-Berg, Gräfin v. Ravensberg, Herrin v. Heinsberg (3.8.1491 - 1543), Johann III. Herzog v. Cleve, Jülich u. Berg (10.11.1490 - 6.2.1539) heiratete. Das alte Haus Jülich starb 1511 aus, und die Herzöge von Cleve, die ehemaligen Grafen von der Mark, beerbten auch diese und wurden die neuen Herzöge von Cleve, Jülich und Berg.

Das Gebiet der ehemaligen Grafschaft Mark umfaßt dabei 50 Quadratmeilen und die Kreise Hamm, Altena, Hörde und Wetter sowie die Stadt Soest, ferner die Reichsgrafschaft Limburg. Auch die Hälfte von Lippstadt ist dabei. 1630 überließ Brandenburg die Herrschaft Gimborn-Neustadt den Grafen von Schwarzenberg. Wegen der Grafschaft Mark beantragte Preußen seit 1705 Aufnahme in das westfälische Reichsgrafenkollegium. 1807 kam die Grafschaft Mark an Frankreich (Tilsiter Frieden), 1808 an das Großherzogtum Berg, 1813 nach dem Zusammenbruch der französischen Herrschaft durch Besetzung wieder an Preußen, 1946 an Nordrhein-Westfalen.

Hintergrund (2): Geschichte der Grafschaft Ravensberg:
Ravensberg war der Sitz der Grafen von Kalvelage (Calveslage, Calvelage), die 1082 erstmals bezeugt sind. Um 1100 setzten sie sich in Ravensberg im Teutoburger Wald fest. Ravensberg war damals ein Lehen der Herzöge von Sachsen. Ihren Namen änderten sie ab 1140 und nannten sich nach ihrer neuen Burg Grafen von Ravensberg. Ca. um 1180 wurde die Grafschaft reichsunmittelbar. Ihr Besitz vergrößerte sich zusehends: Im Osnabrücker Nordland um Vechta hatten sie Güter, vermutlich nach 1100 von den Grafen von Zutphen geerbt. Von Otto von Northeim (gest. 1083) erbten sie die Grafschaft im Emsland. Um Bielefeld, Herfold und Halle (Westfalen) hatten sie weiteren Besitz. Die Grafen von Ravensberg wurden 1214 zum Gründer von Bielefeld. 1226 wurden die Güter geteilt. 1252 wurden die Güter um Vechta und im Emsland an das Hochstift Münster verkauft. 1289 und 1309 wurden Vlotho und der Limberg wieder zurückgekauft. 1346 starben die Grafen von Ravensberg im Mannesstamme aus. Die Grafschaft Ravensberg im nordöstlichen Westfalen um Bielefeld und Vlotho (Zentrum: Bielefeld) war ab 1346 mit Berg, ab 1437 mit Jülich-Berg und ab 1511 mit Kleve verbunden. 1346 starb das Haus Calvelage-Ravensberg im Mannesstamm aus, über Margarete, Nichte des letzten Grafen von Ravensberg, zugleich Erbin der Grafschaft Berg, Ehefrau von Gerhard VI Graf von Jülich, wird dieser 1348 der neue Graf von Berg und 1346 Graf von Ravensberg.

1409 wird die Grafschaft pfandweise um das lippische Amt Enger erweitert. 1511 gibt es einen weiteren Erbfall, als Wilhelm IV. Herzog v. Jülich stirbt: Jülich-Berg–Ravensberg verbindet sich mit Cleve-Mark.

Bis 1719 war Bielefeld die Hauptstadt der Grafschaft Ravensberg. 1705 beantragte Preußen die Aufnahme von Ravensberg in das westfälische Reichsgrafenkollegium. 1719 wurde Ravensberg mit dem Fürstentum Minden verbunden, das Brandenburg 1648 erlangt hatte. 1807 kam Ravensberg an das Königreich Westfalen, 1811 an Frankreich, 1813 an Preußen, 1946 an Nordrhein-Westfalen.

Hintergrund (3): Geschichte der Grafschaft Moers:
Die Herren von Moers erscheinen urkundlich bereits 1186. Ab 1228 nannten sie sich auch Grafen, und dieser Titel setzte sich ab 1375 ausschließlich durch. Ihr Herrschaftsgebiet lag in und um die Stadt Moers sowie um Krefeld, umgeben von den Territorialherrschaften Cleve, Kurköln und Geldern. Von Cleve wurden sie 1250 abhängig, d. h. die Herren von Moers wurden Lehnsleute von Cleve. Länger als in ihrem angestammten Herrschaftsgebiet überlebten die Grafen von Moers durch die 1376 (Heirat mit Walburg v. Saarwerden) /1397 (Erbfall) erheiratete Grafschaft Saarwerden. 1397 wurde Friedrich III. Graf v. Moers Graf von Saarwerden. 1417 wurde das Gebiet unter seinen Kindern aufgeteilt, Johann I. Graf v. Moers u. Saarwerden (vor 1418 - 1431) begründete die Linie Moers-Saarwerden, und Friedrich IV. Graf v. Moers zu Moers setzte die Moerser Linie fort. Das Territorium ging im Kampf gegen Burgund im späten 15. Jh. fast vollständig verloren.

Moers-Moers erlosch 1493, es fiel an Wied-Runkel, 1519 an die Grafen von Neuenahr.

Wilhelm V. Herzog v. Cleve, Jülich u. Berg, Graf v. d. Mark u. v. Ravensberg (28.7.1516 - 1592) verlangte Moers als heimgefallenes Lehen zurück, denn die Herzöge traten die Nachfolge der Grafen von Neuenahr an. 1600 wiederum kam es per Testament an Nassau-Oranien: Walburg Anna v. Neuenahr Bedbur (1522 - 25.5.1600), die Witwe des letzten Grafen Adolph v. Neuenahr u. Mörs Burggraf v. Köln (gest. 1589), vermachte die Ländereien bereits 1594 an Moritz von Oranien, der die Stadt Moers 1597 einnahm, die zwischenzeitlich von spanischen Truppen besetzt worden war. 1600 starb Walpurgis, und Moers fiel richtig an Nassau-Oranien.

1702 nahm Preußen (eigentlich für Brandenburg) als Herzog von Cleve Besitz von dem betreffenden Territorium, nachdem die Prinzen von Oranien mit König Wilhelm III von England erloschen waren und ein Erbfolgestreit entstand. Schließlich wurde die ehemalige Grafschaft Moers von Preußen 1707 in ein Fürstentum umgewandelt. 1801-1814 gehörte Moers zu Frankreich, danach zur preußischen Rheinprovinz. 1946 wurde es dem Bundesland Nordrhein-Westfalen eingegliedert.

Moers-Saarwerden überlebte länger, es fiel 1527 im Erbgang an die Grafen von Nassau-Saarbrücken, weil 1507 Katharina von Moers-Saarwerden Johann Ludwig I von Nassau-Saarbrücken geheiratet hatte. Danach kam es 1629 an Nassau-Weilburg (1/3) bzw. Nassau-Usingen (2/3 von Saarwerden). Saarwerden kam 1794 an Frankreich, dabei wurde die Grafschaft Saarwerden aufgelöst.

Hintergrund (4): Geschichte der Grafschaft Berg:
Ab 1101 tritt ein Geschlecht unter dem Namen der Grafen von Berg auf, das Güter zwischen Rhein, Ruhr, Sieg und Lippe innehatte, u. a. die Vogteien über die Klöster Deutz, Siegburg und Werden, 1122 auch über das Stift Cappenberg, sowie Güter aus der Erbmasse der Grafen von Werl, zwischen Emscher und Ruhr, im Raum Bochum sowie bei Unna, Kamen und Hamm, zum einen über eine Tante der Adelheid von Lauffen, Ida von Werl, zum andern durch die erste Frau von Adolf III aus dem Hause Werl. Vor dem Hintergrund einer schwachen Reichsgewalt schaffte die Familie einen politischen Senkrechtstart. 1150 herrschten sie über das Deutzgau. Engelbert erwarb Burg Bensberg mit umliegenden Ländereien. Weiterhin erwarb er die Vogtei Kaiserswerth. Sie waren bald Landesherren des Gebietes zwischen den Herrschaftsgebieten der Grafen von Cleve im Norden und der Grafen von Sayn im Süden. Hauptsitz war erst die ca. 1060 errichtete Burg Berge (Altenberge), heute nur noch eine Spur im Gelände, dann 1133-1288 die ab 1118 erbaute Burg Neuenberg an der Wupper (heute Schloß Burg). Die Grafen von Berg teilten sich in eine rheinische Linie (Grafen von Berg) und in eine westfälische Linie (Grafen von Berg-Altena-Mark. Letzterer entstammen die Grafen von der Mark. 1176 erhielten die Grafen von Berg Güter um Haan und Hilden. Die Stadt Düsseldorf bekamen sie 1189. Weiterhin stellten die Grafen von Berg mehrere Erzbischöfe von Köln (Bruno II Graf von Berg, Friedrich II Graf von Berg, Bruno III Graf von Berg, Engelbert I Graf von Berg).

1225 starben die Grafen von Berg in der Hauptlinie (rheinische Linie) aus. Die Erbtochter heiratete Heinrich IV. Herzog v. Limburg, wodurch die Grafschaft an das Haus Limburg kam.

Besondere Erwähnung verdient Graf Adolf V von Berg, der 1259 minderjährig die Nachfolger seines Vaters antrat und noch bis ca. 1267 unter der Vormundschaft seiner Mutter Margarethe von Hochstaden stand. Er gab 1276 Ratingen das Stadtrecht, 1288 Düsseldorf. 1282 erhebt er Ansprüche auf das Herzogtum Limburg, kann sich aber nicht gegen Reinald von Geldern durchsetzen. Schließlich verkauft er 1283 sein Erbrecht auf Limburg an Brabant und findet sich 1288 bei der Schlacht von Worringen auf der Seite der Gegner des Erzbischofs von Köln wieder, ja er nimmt den Erzbischof von Köln sogar gefangen und hält ihn ein Jahr lang auf Schloß Burg fest unter Abpressung vielfältiger Zugeständnisse und Sühneleistungen. Damit war der wichtigste Gegner bergischer Interessen im Westen ausgeschaltet. Nach seinem Tod ging die Herrschaft erst an seinen Bruder Wilhelm, dann an seinen Neffen Adolf IX Graf von Berg, der kinderlos starb, so daß die Erbin dessen Schwester Margaretha wurde. Sie brachte die Grafschaft Berg mittelbar an das Haus Jülich. 1380 wurde Berg zum Herzogtum erhoben. Diesem neuen Herzogtum wurde die Grafschaft Ravensberg angegliedert. 1423 wurden die Herzogtümer Berg und Jülich durch Erbfall vereinigt.

Die ehemalige Grafschaft und das spätere Herzogtum Berg kam bei der Teilung 1614 an Pfalz-Neuburg. Das territoriale Tortenstück umfaßte Düsseldorf, Ratingen, Solingen, Elberfeld, Lennep, Wipperfürth, Gerresheim als Städte, die Ämter Landsberg, Düsseldorf, Mettmann, Elberfeld, Solingen, Burg, Haan, Hilden, Schöller, Angermund, Monheim, Mühlheim etc. Berg kam 1685 an die Kurpfalz, 1777 mit der Pfalz an Bayern. 1805/06 französisch, 1815 preußische Rheinprovinz, 1946 zu Nordrhein-Westfalen.

Hintergrund (5): Geschichte des Herzogtums Jülich:
Jülich war Grafschaft, Markgrafschaft und Herzogtum und lag auf der linken Rheinseite zwischen Kurköln, Kurtrier, Lüttich, Limburg und Geldern. Alter Besitz des Erzstiftes Köln war das, der von den Grafen von Jülich als Vögte verwaltet wurde. Grafen nennen sie sich ab 1081 (comes de Julicho), und dies wurden sie durch den Erwerb der Waldgrafschaft am Nordrand der Eifel und der Grafschaft Nörvenich, jeweils durch Heirat. Diese ersten Grafen von Jülich starben 1207 aus.

Abstammungsfolge mit Lebensdaten:

Über die Schwester des letzten Grafen von Jülich (Wilhelm II. Graf v. Jülich (ca. 1150 - 1207)) kam der Besitz an die Herren von Heimbach, einem Geschlecht aus der Nordeifel. Sie nannten sich jetzt Grafen von Jülich. An Gebieten gewannen sie hinzu 1335 die Vogtei über Aachen, die Vogtei über die Reichsabtei Kornelimünster und die linksrheinischen Güter Essens. Bei der Schlacht von Worringen 1288, die den Kölner Erzbischof in seine Schranken wies, waren sie zusammen mit Brabant, Kleve und Berg Hauptbeteiligte. 1346 gewannen die Grafen von Jülich durch Heirat Ravensberg und 1348 Berg. 1336 wurden die Grafen Markgrafen von Jülich. 1356, nur zwanzig Jahre später wurden sie zu Herzögen erhoben. Sie residierten in Düsseldorf. Weitere Gebiete wurden im 15. Jh. erworben: 1435 Monschau, des weiteren Geilenkirchen, Euskirchen, Millen, Heinsbeg, Löwenburg. 1511 starb das Geschlecht im Mannesstamme aus, als Maria Herzogin v. Jülich-Berg, Gräfin v. Ravensberg, Herrin v. Heinsberg (3.8.1491 - 1543), Johann III. Herzog v. Cleve, Jülich u. Berg (10.11.1490 - 6.2.1539) heiratete. Das alte Haus Jülich starb 1511 aus, und die Herzöge von Cleve, die ehemaligen Grafen von der Mark, beerbten auch diese und wurden die neuen Herzöge von Cleve, Jülich und Berg.

Abstammungsfolge mit Lebensdaten:

Gerhard VI Graf v. Jülich wurde 1345/1346 Graf v. Ravensberg, 1348 Graf v.Berg, 1355 zu Sichem und Sint-Agtenrode. Er kommt bei einem Turnier in Schleiden zu Tode beim Kampf gegen Arnold Graf v. Blankenheim. Sein Sohn Wilhelm VII wird 1360/1361 Graf v. Berg und 1361-1395 auch v. Ravensberg. Mit der Erhebung zum Herzogtum wird er am 24.5.1380 Herzog v. Berg. Wilhelm IX beschritt eigentlich eine kirchliche Laufbahn. 1399 sieht man ihn als Domherr zu Köln, 1400 ist er Abt von Corvey, 1399 besitzt er ein Postulat zu Paderborn, wird dort 1399/1400-1415 Bischof, aber aus dynastischen Gründen erfolgt ca. 1415 seine Resignation, so daß er 1402/1416-1428 Graf v. Ravensberg sein kann und die Familie fortführen kann. Bei seinem Sohn ist das ganz ähnlich, auch Gerhard beschreitet erst eine klerikale Laufbahn. 1430-1444 ist er Domherr zu Köln, resigniert 1444, 1437 wird er Herzog v. Jülich, Graf v. Berg und v. Ravensberg. Am 3.11.1444 besiegt er bei Linnich Herzog Arnold v. Geldern. Gerhard stiftete den Hubertus-Orden. Am 21.11.1445 kommt es zwischen den verfeindeten Parteien zum sog. Vergleich von Wesel, in dem der besiegte Arnold v. Geldern auf Jülich, nicht aber auf den Herzogstitel verzichtet. Am 20.6.1473 verkauft Gerhard die Erbrechte an Geldern an den Herzog v. Burgund und kauft selbst dafür die heinsbergischen Lande.

Wilhelm VI. Herzog v. Jülich u. Berg erwirbt 1498 noch Wassenberg, Borne und Herzogenrath als brabantisches Pfand. Er tauscht gegen Ende des 15. Jh. Diest, Sichem und die Burggrafschaft Antwerpen an Nassau gegen Gangelt ein. Er ist der Erbauer der Karthause vor Jülich. Das Problem der Erbfolge wurde früh geregelt, Kaiser Maximilian I. sichert ihm das Erbfolgerecht für die Tochter Maria zu, während deren Vater sich um die Heirat derselben mit dem Thronfolger von Cleve bemüht. Der Haken an der Sache war nämlich, daß Kaiser Friedrich III im Jahre 1485 dem Herzog Albrecht von Sachsen die Nachfolge in Jülich und Berg versprochen hatte, und auch Kaiser Maximilian hatte 1495 dieses Versprechen bestätigt. Im Jahre 1496 kam es zur entscheidenden Übereinkunft beider Herzöge über die Ehe ihrer Kinder. Nach Erhalt der Zustimmung der Landstände und des Kaisers konnte die Schlüsselhochzeit, die die beiden Herzogtümer vereinigte, am 1.10.1510 stattfinden, und der Kaiser belehnte Johann mit Jülich nach Wilhelms Tod im Jahre 1511. Johann erlangt im Jahre 1521 die Macht in Cleve und konnte so alle Gebiete in einer Hand vereinen, so daß er die Vormachtstellung im niederrheinisch-westfälischen Reichskreis inehatte.

1614 fiel Jülich an Pfalz-Neuburg. Ab 1777 war Jülich mit Berg mit Bayern vereinigt. 1794-1714 besetzte Frankreich die Gebiete, und Bayern bekam im Ausgleich 1806 Ansbach und 1810 Bayreuth von Frankreich. Beim Wiener Kongreß wurde alles neu geregelt, erst plante man eine Aufteilung von Jülich zwischen Preußen und den Niederlanden, 1815 kam es gänzlich an Preußen und 1946 an Nordrhein-Westfalen.

Hintergrund (6): Geschichte von Cleve:
Cleve (Kleve) war eine Grafschaft und späteres Herzogtum. Als Grafschaft wurde das linksrheinische Territorium um 1020 von Heinrich II gegründet. Die Grafen von Cleve sind seit 1092 belegt (Thiedericus de Cleve). Gebietserweiterungen auf Kosten des Nachbarn Kurköln und des Reiches folgten. Im 13. Jh. kam rechtsrheinischer Besitz hinzu: Duisburg, Wesel, Herrschaft Dinslaken. Die Grafen von Cleve starben 1368 im Mannesstamm aus.

Abstammungsreihe:

Erbe von Cleve ist deren Sohn Adolf I. (III) Graf v. d. Mark u. v. Cleve (vor 1350 - 7.9.1394). Eigentlich hatte er eine kirchliche Laufbahn eingeschlagen. 1346 und 1357 war er zum Studium in Montpellier immatrikuliert. Im Jahre 1348 ist er Domherr zu Köln, 1351 Kanoniker zu St. Lambert zu Lüttich, 1353 finden wir ihn als Domherren in Münster, 1354 als Propst in Schildesche, 1355 als Domscholasticus in Speyer, schließlich wird er 1357-1363 Bischof von Münster, zuletzt erklimmt er die nächste Karrieresprosse als Erzbischof von Köln 1363-1364. Aber: Wie bei Familien mit dynastischen Interessen zu allen Zeiten durchaus üblich, resignierte er, um 1368 Graf von Cleve zu werden. 1368-7.9.1394 ist er Graf v.Cleve, 1391/1392 Graf v. d. Mark. Ferner ging er in die Geschichte ein als Stifter des clevischen Gechenordens. Somit stellt das Haus von der Mark die nächsten Grafen und späteren Herzöge von Cleve.

Abstammungsreihe:

Johann Wilhelm Herzog v. Cleve, Jülich u. Berg (28.5.1562 - 25.3.1609) ist der letzte der Stammreihe, der alle Grafschaften und Herzogtümer des betreffenden Raumes "eingesammelt" hatte. Er entstammt dem Geschlecht der Grafen von der Mark, die erst Cleve und dann Jülich beerbten. Eigentlich hatte er eine kirchliche Laufbahn vor sich. 1571-1585 war er Administrator im Bistum Münster, 1573-1585 Domherr in Köln, 1575-1585 Domherr in Straßburg. Im Jahre 1585 resignierte er. Ab 1589 zeigten sich Anzeichen einer Geisteskrankheit. 1592 wurde er Herzog der vereinigten Herzogtümer, 1600 auch Graf v. Moers. Trotz zweimaliger Vermählung starb er kinderlos. Sein Tod war Auslöser des Erbfolgestreits 1609-1614, in dessen Folge die Gebiete aufgeteilt wurden.

1614 fielen Cleve und Mark an Brandenburg. 1795 leistete Preußen zugunsten Frankreichs Verzicht auf das linksrheinische Cleve (Frieden von Basel). 1805 verlor Preußen den restlichen clevischen Besitz rechts des Rheines an Frankreich. Beim Wiener Kongreß bekam Preußen 1815 den Großteil der verlorenen Gebiete zurück. 1816-1821 bestand die preußische Provinz Jülich-Kleve-Berg. 1822 wurde es der Rheinprovinz zugeschlagen. Ein kleiner Teil, Zevenaar, Malburg und Huissen kamen 1815 an die Niederlande. 1946 kam das ehemals preußische Gebiet an Nordrhein-Westfalen.

Hintergrund (7): Geschichte der Grafschaft Veldenz:
Veldenz ist heute ein Ort bei Bernkastel-Kues. Einst war das ein Lehen des Hochstiftes Verdun, das ein Zweig der Grafen des Nahegaues (Wildgrafen) innehatte. Er benannte sich seit dem frühen 12. Jh. nach diesem Ort. Die Grafen von Veldenz hatten verschiedene Vogteien inne, so die über das sog. Remigiusland bei Kusel, ein Besitz der Abtei Saint Remi in Reims, ferner die Vogtei über die Güter des Klosters Tholey, dazu über das Hochstift Verdun. Die Vogtei über das Remigiusland war ein Lehen der Pfalzgrafen bei Rhein. Weitere Lehen hatten sie von den beiden Hochstiften Mainz und Worms erhalten, so daß sich ihr Herrschaftsgebiet hauptsächlich um die Mittelpunkte Burg Lichtenberg bei Kusel und Meisenheim am Glan erstreckte, zwischen Sponheim, Kaiserslautern, Trier und Kaiserslautern. Bereits 1260 starben die Grafen von Veldenz in älterer Linie im Mannesstamme aus.

Die Grafschaft Veldenz kam 1268/1270/1271 an die Herren von Hohengeroldseck, weil die Erbtochter Agnes v. Veldenz (1258 - 1277) Heinrich I. v. Hohengeroldseck geehelicht hatte. Die Herren von Hohengeroldseck setzten damit ihre Ansprüche durch gegen die der Wildgrafen. Die Herren von Hohengeroldseck bildeten jetzt die jüngere Linie der Grafen von Veldenz.

Diese jüngere Linie der Grafen von Veldenz durchlebte mehrere Teilungen und Wiedervereinigungen. Sie schafften es, ihre Lehen zu einer Landesherrschaft auszubauen und noch Teile der hinteren Grafschaft Sponheim hinzuzugewinnen (Anna war Miterbin von Sponheim, 2/5 der vorderen und 1/2 der hinteren Grafschaft). Auch die jüngere Linie der Grafen von Veldenz starb wiederum im Mannesstamme aus, die Erbtochter Anna brachte die Grafschaft 1419/1438/1444 (gänzlich mit dem Tod des Vaters 1444) an das Haus Pfalz-Simmern bzw. Pfalz-Zweibrücken.

Es gab nun eine eigene Linie Pfalz-Veldenz von 1543-1694, denn der letzte der obigen Reihe, Wolfgang Pfalzgraf bei Rhein zu Zweibrücken, tritt 1543 im Marburger Vertrag die Grafschaft Veldenz an seinen Onkel Ruprecht Pfalzgraf bei Rhein zu Veldenz, Herzog v. Bayern (1506 - 26.7.1544) ab. Der hat nicht viel davon, weil er nur ein Jahr später stirbt.

Der Letzte der Linie Pfalz-Veldenz, Leopold Ludwig Pfalzgraf bei Rhein zu Veldenz, Herzog v. Bayern (1625 - 29.9.1694), verstarb ohne erbberechtigte Nachkommen. Dadurch kam die Grafschaft Veldenz an die Hauptlinie Pfalz-Zweibrücken zurück. Zwischenzeitlich war die Stammburg Veldenz 1680 von Frankreich zerstört worden, das sich erinnerte, daß Veldenz mal ein Lehen des Hochstiftes Verdun gewesen war und dies nun als Berechtigung aufgriff.

1733 kamen die Güter von Pfalz-Veldenz an die Pfalz (Kurpfalz). 1801 kam die alte Grafschaft an Frankreich, wurde 1815 auf dem Wiener Kongreß geteilt. Der größere, südliche Teil kam an Bayern, der kleinere Teil an der Mosel an Preußen. Beide kamen schließlich 1946 zu Rheinland-Pfalz.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere die Bände Bayern und Bistümer
Die Hochmeister der Residenz Mergentheim, Heft 15 der Schriftenreihe der Vereinigung zur Förderung der wissenschaftlichen Erforschung der Geschichte des Deutschen Ordens e.V. und der Historischen Deutschordens-Compagnie Bad Mergentheim e.V., 1997
Wolfgang Kaps: Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg:
http://www.pfalzneuburg.de/page2/files/Franz_Ludwig_Tab_Lebenslauf.pdf (Lebenslauf), http://www.franzludwig.de/ (Hauptseite), http://www.franzludwig.de/page1/files/Tab_Lebenslauf.pdf (Lebenslauf), http://www.franzludwig.de/page1/files/Furstpropst_Ellwangen.pdf (Franz Ludwig als Fürstpropst von Ellwangen)
Wolfgang Kaps: Geschichte von Pfalz-Neuburg:
http://www.pfalzneuburg.de (Hauptseite), http://www.pfalzneuburg.de/page2/files/Pfalz_Neuburg_Geschichte.pdf (geschichtliche Hintergründe), http://www.franzludwig.de/page1/files/Gesch_Pfalz-_Neuburg.pdf (geschichtliche Hintergründe)
Informationstafel am Gebäude
Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder - die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. C. H. Beck Verlag München 7. Auflage 2007, ISBN 978-3-406-54986-1
Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9

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