Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 867
Ellwangen - Glanz der Fürstpröpste

Ellwangen: Wallfahrtskirche Schönenberg (3)

Schönenbergkirche im Morgenlicht, vom Schloßberg aus gesehen.

Im Osten der Wallfahrtskirche befindet sich das ehemalige Priesterseminar. Dieser strenge Bau wurde fälschlicherweise Balthasar Neumann zugeschrieben, tatsählich ist er das Werk des Ellwanger Stadt- und Landbaumeisters Arnold Friedrich Prahl (1709-1758). Balthasar Neumann stattete dem Bau lediglich 1750 einen Besuch ab und begutachtete die Pläne.

Ein Vorgängerbau wurde 1701 unter Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg als Priesterhaus errichtet. Zur Finanzierung des Priesters und des Unterhalts der Kirchenpflege waren schon 1671 die Einkünfte aus der Kaplanei Wöllstein bestimmt worden. Später wurde das um die Einkünfte der Kaplanei Wasseralfingen erweitert. Diese Regelung war Bestandteil der Wahlverpflichtungen sowohl von Ludwig Anton als auch von Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg. Franz Ludwig hatte bereits den Bau eines Priesterseminars geplant, um die Anordnungen des tridentinischen Konzils zu erfüllen. Da die Finanzierung nicht gesichert war, blieb es bei der Planung, und erst sein Nachfolger im Amt als Fürstpropst konnte das Priesterseminar verwirklichen, es wurde im letzten Jahr seiner Regierung fertig. Das wird auch stilistisch deutlich, denn im Gegensatz zu dem kraftvollen Barock des Außenbaus und dem leichteren Barock im Inneren ist das Priesterseminar betont schlicht und streng, eine neue Ästhetik der Einfachheit kündigt sich an.

Nachdem das erste Priesterseminar 1797 aufgehoben worden war und das im Königreich Württemberg wieder eingerichtete zweite 1817 nach Tübingen verlegt wurde, wird das Gebäude seitdem anderweitig genutzt, zum einen befindet sich hier das Kloster der die Kirche betreuenden Redemptoristen, zum anderen das katholische Pfarramt, ferner ist der Kirche angeschlossen das Haus Schönenberg, eine religiöse Bildungsstätte der Diözese Rottenburg-Stuttgart.

Im Giebel der Westseite befindet sich das Wappen des Franz Georg von Schönborn-Buchheim (Fürstpropst 1732–1756):

Die ovale Herzschild-Kartusche enthält das gräflich gekrönte Stammwappen des Kurfürsten:

Der Mittelschild enthält sämtliche Ämter des Kurfürsten:

Und der Hauptschild schließlich enthält alle sonstigen Komponenten des Familienwappens und hat nichts mehr mit Ämtern zu tun. Viele der Besitztümer, Ansprüche und Titel in den übrigen Feldern kamen erst im späten 17. und frühen 18. Jh. zur Familie. Im einzelnen sind das:

Abb.: Detailaufnahme.

Abb.: Blick auf das ehemalige Priesterseminar vom Schloßberg aus.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere die Bände Bayern und Bistümer
Hugo Schnell, Wallfahrtskirche Unsere Liebe Frau auf dem Schönenberg / Ellwangen, Verlag Schnell & Steiner GmbH Regensburg, 9. Auflage 2002, Kunstführer Nr. 115.
Die Hochmeister der Residenz Mergentheim, Heft 15 der Schriftenreihe der Vereinigung zur Förderung der wissenschaftlichen Erforschung der Geschichte des Deutschen Ordens e.V. und der Historischen Deutschordens-Compagnie Bad Mergentheim e.V., 1997
Wolfgang Kaps: Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg:
http://www.franzludwig.de/page1/files/Furstpropst_Ellwangen.pdf (Franz Ludwig als Fürstpropst von Ellwangen)

Schönenbergkirche (1) - Schönenbergkirche (2) - ehem. Priesterseminar - ehem. Pfarrhaus - Landgericht - Schloß - Stiftsbasilika St. Vitus außen - Statthalterei - Palais Adelmann - Wallersteinscher Domhof

Fürstbischöfe von Trier Teil (2), Die Entwicklung des Wappens der von Schönborn

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