Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 858
Kronach (Oberfranken): Bamberger Bischofsfestung

Kronach: Festung Rosenberg
Teil (21): Vorwerke

Die Vorwerke entstehen: Contregarde Carl
Friedrich Carl von Schönborn (1729-1746) kümmerte sich nun um die vorgelagerten Bauten, die Vorwerke zur flachen, nördlich vorgelagerten Feindseite. Bisher waren das noch einfache Erdwälle. Unter ihm entstand insbesondere die nach ihm benannte Contregarde Carl. Eine Contregarde (Kontergarde) ist ein Annäherungshindernis, ein Außenwerk vor einer Bastionsspitze, hier vor St. Lothar, ohne bauliche Anbindung an das Hauptwerk. Eine Contregarde füllt im Bastionärssystem die Lücke zwischen zwei Ravelins und besitzt zwei Facen. Unterscheide: Eine Contregarde steht vor einer Bastion, ein Ravelin vor einer Kurtine. Dieses Vorwerk wurde 1741-1743 unter Johann Michael Küchel erbaut, dem berühmten Bamberger Festungsbaumeister und Architekt. Die Contregarde ist der Bastion St. Lothar vorgelagert, der direkt nach Nordnordosten exponierten Mittelbastion der Feindseite, und umschließt sie umgekehrt V-förmig, außen in spitzem Winkel zugeschnitten wie der Bug eines Schlachtschiffes, innen rund ausgeschnitten. In dieser inneren Rundung befindet sich eine große, tonnengewölbte Kasematte für Artillerie mit insgesamt 6 Kanonenschießscharten und zwei Eingängen.

Abb.: Blick auf die innere Rundung der Contregarde Carl mit gestuft eingerahmten Schießscharten

Von hier aus konnte ein evtl. zwischen die Vorwerke und die Hauptbastion St. Lothar eingedrungener Feind von hinten ins Kreuzfeuer genommen werden. Ebenso konnte man den gesamten äußeren Wallgraben bestreichen. Die Vorwerke waren so angelegt, daß man ohne Gefahr für das eigene Mauerwerk durch beide Teile des äußeren Wallgrabens durchschießen konnte; wehe dem Angreifer, der bis hierhin gekommen ist. Die Contregarde ist niedrig genug, um von der Bastion St. Lothar aus darüber hinweg schießen zu können. Gegen das Vorfeld ist sie durch einen Wallgraben abgetrennt, dessen Außenseite auch gemauert ist. Auf dieser Contregarde befand sich bis ins 19. Jh. das Lazarett - kein besonders sicherer Platz im Falle eines Angriffs.

Innen haben wir ein Wappen von Friedrich Carl von Schönborn in der Mitte der Rundung am Rand über den Geschützpforten.

Das komplexe Wappen von Friedrich Carl von Schönborn als Bischof von Würzburg und Bamberg (es gibt nur Wappen mit beiden Hochstiften, da die Regierungszeiten deckungsgleich sind) zeigt einen schräggevierten Schild mit Herzschild und mehrfach geteilten Feldern 2 und 3 sowie gespaltenem Feld 4:

Obendrüber ein Fürstenhut und darüber größer die Kaiserkrone Bambergs, hinter dem Schild schräggekreuzt Schwert und Krummstab.

An der alleräußersten Spitze außen, quasi am Bug des steinernen Schlachtschiffes, befindet sich ein weiteres Wappen von Friedrich Carl von Schönborn in einer kraftvollen Rocaille-Kartusche. Die Contregarde ist hier etwas baufällig, bewachsen und restaurierungsbedürftig, und der Zahn der Zeit hat die Konturen des Wappens schon ziemlich angegriffen. Der Aufbau ist identisch mit dem oben dargelegten. Man muß schon zweimal hinschauen, um die Kaiserkrone im obersten Wulst noch über dem Fürstenhut zu erkennen.

Weitere Vorwerke
Nach seinem Nachfolger Johann Philipp Anton Freiherr von Franckenstein (1746-1753) ist das Vorwerk Ravelin Anton benannt. Ein Ravelin gehört ebenfalls zu den Vorwerken. Ein Werk ist allgemein eine Verteidigungsanlage mit Wall und Graben, ein Vorwerk ein Werk ohne Anbindung an die Hauptfestung, das baulich isoliert, aber technisch sinnvoll vor dem Hauptwerk steht. Im Gegensatz zu einer Contregarde steht ein Ravelin nicht vor einer Bastionsspitze, sondern vor einer Kurtine. Wie jene ist ein Ravelin aber auch ein im Graben vor einem Hauptwerk errichtetes, eigenständiges Befestigungswerk ohne bauliche Anbindung an das Hauptwerk. Der Grundriß kann drei- oder fünfeckig sein oder komplex wie hier, in der Tat hat das Bauwerk einen eigentümlich pfeilförmigen, taillierten Grundriß, die Spitze nach Nordnordwesten gerichtet, die Flanken dahinter eingezogen. Wie alle Vorwerke ist auch ein Ravelin niedriger als die dahinterliegende Kurtine, damit man darüber hinweg schießen konnte. Dieses Vorwerk wurde 1753 ebenfalls unter Johann Michael Küchel erbaut. Das zugehörige Wappen an der Ecke ist spurlos verwittert.

Der namenlose sog. Waffenplatz VIII mit zwei verschieden hohen Ebenen wurde im Jahr 1750 erbaut und im 19. Jh. erneuert. Ein Waffenplatz (Place d'Armes) ist ein durch Mauern gesicherter Ort in einem Winkel des gedeckten Weges (der Weg zwischen den Vorwerken und dem Hauptwerk, der vor Feindeinblick geschützt ist), genutzt als Sammelplatz für Mannschaften vor einem Ausfall (vgl. die Pforte in Waffenplatz VIII). Wie die anderen Vorwerke auch diente er dem Schutz der Hauptbastionen vor direktem Artilleriebeschuß von der Angriffsseite her.

Abb.: Blick auf den Waffenplatz VIII (niedrigeres Werk links mit Abstufung) und Ravelin Anton (höheres Werk in der rechten Bildhälfte), im Vordergrund rechts der gedeckte Weg. Jenseits dieser Vorwerke und deren Graben befand sich linkerhand das Glacis, das feindwärts gelegene, freie Schußfeld, flach zu den Vorwerken geneigt (um dem sich annähernden Feind die Deckung zu nehmen), vor dem äußersten Grabenrand gelegen und evtl. mit weiteren Annäherungshindernissen versehen.

1746-1753 wurde unter Fürstbischof Johann Philipp Anton Freiherr von Franckenstein (1746-1753) ein weiterer Waffenplatz im Osten angelegt, der Waffenplatz Philipp (ohne Abb.). Trug das Ravelin den einen Vornamen des Bauherrn, so trägt dieser Waffenplatz seinen anderen Vornamen. Baumeister ist ebenfalls Johann Michael Küchel.

Kaum war alles fertig, folgte die erste Bewährungsprobe, 1759 versuchten preußische Truppen unter General von Knobloch im Siebenjährigen Krieg die Einnahme von Stadt und Festung. Die preußischen Geschütze reichten dazu aber nicht aus, während die bestens bestückte Festung ihrerseits die Preußen in Bedrängnis brachte, so daß sie abrückten.

Wappen auf den Bastionen
Auch wenn die wuchtigen Bastionen selbst unter seinen Vorgängern erbaut wurden, so wurden nachträgliche Veränderungen unter späteren Bischöfen vorgenommen. So auf der Bastion St. Valentin, der eigentlich ältesten Bastion, wo wir in den Aufbauten über der der gesenkten Südwestflanke ein weiteres Wappen von Friedrich Carl von Schönborn an der Mauer unter den Bäumen finden.

Position der Wappen des Fürstbischofs Friedrich Carl von Schönborn (1729-1746)

Von der Auflösung der geistlichen Fürstentümer bis zum WK II
1802 kommt Kronach mit dem Gebiet des aufgelösten geistlichen Fürstentums Bamberg an Bayern als Ausgleich für verlorene Gebiete. Kaiser Napoleon nimmt 1806 in Kronach Quartier. Die Festung Rosenberg wird Bestandteil seiner Planung des Feldzuges gegen Preußen. Sie sollte seinen Rückzug sichern, falls sein Vorhaben scheitern sollte. 1813 trug man die bisherige Bekrönung des Bergfriedes, eine welsche Haube aus der Barockzeit ab, und man machte dort oben eine Plattform für zwei schwere Kanonen. Das hatte sich nicht bewährt, denn den statischen und dynamischen Belastungen wäre der Bergfried dauerhaft nicht gewachsen gewesen. In der Folge des 19. Jh. entsteht der heutige obere Abschluß des Bergfriedes. Eine weitere Änderung vollzog Napoleon, indem er die 14 Wachhäuschen auf den Wallmauern entfernen ließ, sie würden angeblich das Zielen für die feindlichen Geschütze erleichtern. Sie wurden erst Anfang des 20. Jh. wieder dranrestauriert. 1867 verliert die Festung ihren Status als solche, sie war für das Bayrische Kriegsministerium nicht länger interessant. Aufgegeben, sollte sie geschleift werden, um Unterhaltskosten zu sparen. Um ihr Wahrzeichen zu erhalten, erwarb die Stadt Kronach am 14.5.1888 die Festung für 32000 Mark. Schön für uns als Besucher, doch die Unterhaltskosten sind auch heute immens. Während des ersten Weltkrieges dient die Festung Rosenberg als Gefängnis für Offiziere. 1917 sitzt hier ein französischer Kriegsgefangener ein, der später legendär werden sollte: Charles de Gaulle, damals noch Hauptmann, später General und französischer Staatspräsident (1959-1969 Präsident der V. Republik). Zweimal kann er aus der Festung fliehen. Aber auch nach dem zweiten Ausbruch wurde er geschnappt und kam in die Festung Ingolstadt, die als Repressalienlager für aufsässige Gefangene vorgesehen war. Danach kam er auf die Wülzburg, von da wurde er 1918 entlassen. Im zweiten Weltkrieg werden hier 1944 Produktionsstätten für Fluzeugteile der Firma Messerschmidt (Me163, das sog. Kraft-Ei, ein Abfangjäger mit Raketenantrieb, das schnellste Flugzeug des zweiten Weltkrieges (Rekord 1130 km/h), das aber aufgrund seiner nur 10minütigen maximalen Einsatzdauer und seinen technisch bedingten häufigen Bruchlandungen nicht wirklich kriegsbeeinflussend war) in den geräumigen Kasematten eingerichtet. Nach 1945 diente die Festung als Kriegsgefangenenlager und dann als Notunterkunft für Flüchtlinge.

Heute
Heute enthält die Festung nach einer umfassenden Sanierung ab 1980 mehrere Museen, im Kommandantenbau (Südflügel) die Fränkische Galerie des Bayerischen Nationalmuseums (25 Schauräume mit fränkischen Kunstwerken vom 13. bis zum 16. Jh., bedeutende Kunstwerke von Lucas Cranach d. Ä., Skulpturen von Tilman Riemenschneider und seiner Werkstatt, Gemälde von Wolfgang Katzheimer d. Ä. und der Bamberger Malerschule der Zeit um 1500, Werke von Hans von Kulmbach), daneben ein Informations- und Dokumentationszentrum zur Festungsgeschichte sowie ein Sandsteinmuseum (in Vorbereitung). In den Gebäuden ist ferner eine Jugendherberge im Nordflügel untergebracht. Weiterhin ist die Festung Schauplatz der Faust-Festspiele.

Photographie
Photofreunde sollten für die Photographie der Wappen schon einen kompletten Tag einplanen. Da der Ostbereich mit den je drei Wappen an Spitaltor und Nordostturm nur im Rahmen einer Führung zugänglich sind, sollte man die für den frühen Morgen einplanen. Da die Wappen an den Bastionen ringsum verteilt sind, lohnt sich ein mehrfacher Gang um die Festung zu verschiedenen Tageszeiten, zumal sich zwischen den Bastionen und Vorwerken immer neue interessante Lichteffekte ergeben. Für den Zeughaushof muß man den frühen Mittag abpassen, in dem die Sonne hoch genug steht und ziemlich genau von Süden scheint. Cave: Die Wappen sind z. T. in ziemlicher Höhe angebracht, ohne ein gutes Teleobjektiv läßt sich wenig ausrichten.

Zur Übersicht: Liste der Bamberger Fürstbischöfe
Leopold II. von Egloffstein (1335-1343 )
Friedrich I. von Hohenlohe (1344-1352)
Lupold/Leopold III. von Bebenburg (1353-1363)
Friedrich II. von Truhendingen (1363-1366)
Ludwig von Meißen (1366-1374)
Lamprecht von Brunn (1374-1398)
Albert von Wertheim (1398-1421)
Friedrich III. von Aufseß (1421-1431)
Anton von Rotenhan (1431-1459)
Georg I. von Schaumberg (1459-1475)
Philipp von Henneberg (1475-1487)
Heinrich III. von Trockau (1487-1501)
Veit I. von Pommersfelden (1501-1503)
Georg II. Marschall von Ebnet (1503-1505)
Georg III. Erbschenk von Limburg (1505-1522)
Weigand von Redwitz (1522-1556)
Georg IV. von Rügheim (1556-1561)
Veit II. von Würtzburg (1561-1577)
Johann Georg I. Zobel von Giebelstadt (1577-1580)
Martin von Eyb (1580-1583)
Ernst von Mengersdorf (1583-1591)
Neidhardt von Thüngen (1591-1598)
Johann Philipp von Gebsattel (1599-1609)
Johann Gottfried I. von Aschhausen (1609-1622)
Johann Georg II. Fuchs von Dornheim (1623-1633)
Franz von Hatzfeld (1633-1642)
Melchior Otto Voit von Salzburg (1642-1653)
Philipp Valentin Voit von Rieneck (1653-1672)
Peter Philipp von Dernbach (1672-1683)
Marquard Sebastian Schenk von Stauffenberg (1683-1693)
Lothar Franz von Schönborn (1693-1729)
Friedrich Carl von Schönborn (1729-1746)
Johann Philipp Anton Freiherr von Franckenstein (1746-1753)

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere die Bände Bayern und Bistümer
Festung Rosenberg:
http://www.festung-kronach.de/
Bernd Wollner, Die Festung Rosenberg, ein Führer und Begleiter durch Kronachs berühmte Wehranlage, Hrsg.: Tourismus- und Veranstaltungsbetrieb der Stadt Kronach, Kronach 2002, ISBN 3-00-009879-8
Vor Ort aufgestellte Informationstafeln
750 Jahre Festung Rosenberg. Kunst, Kultur und Geschichte in und um Kronachs Wahrzeichen. Hrsg.: Verein "1000 Jahre Kronach". Kronach 1999.
Faltblatt der Tourist-Information Kronach "Rundgang durch die Festungsanlagen"
Peter Kolb: Die Wappen der Würzburger Fürstbischöfe. Herausgegeben vom Bezirk Unterfranken, Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte e.V. und Würzburger Diözesangeschichtsverein. Würzburg, 1974. 192 Seiten.
Tillmann Breuer: Festung Rosenberg über Kronach. München 1990.
Hans Kremer, Festung Rosenberg, Kronach 1974.
Hans Kremer, Helmut Wenig: Wappensteine - Steininschriften in Kronach und auf der Festung Rosenberg, Kronach 1976
Heinz Müller: Die Festung Rosenberg in Kronach. Kurze Einführung in Geschichte und Rundgang. Kronach 1985.

Kronach (Oberfranken): Festung Rosenberg, bis zu G. v. Schaumberg - Ausbau unter P. v. Henneberg - Ausbau unter W. v. Redwitz - Nordostturm - Schmiedsturm - Dicker Turm - Fürstenbau und Spitaltor- Ausbau unter V. v. Würtzburg - Zeughäuser - Südflügel - Zeughaustorbau - Festungstor - Bastion St. Valentin - Bastion St. Kunigunde - Bastion St. Heinrich - Bastion St. Philipp - innere Mauer der Bastion - Bastion St. Lothar - innere Mauer Südkurtine - Artilleriekaserne - Vorwerke

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