Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 849
Kronach (Oberfranken): Bamberger Bischofsfestung

Kronach: Festung Rosenberg
Teil (12): Festungstor

Barocker Ausbau unter 5 Fürstbischöfen
Philipp Valentin Voit von Rieneck (1653-1672) baute die Süd- und die Westseite, entsprechend finden wir sein Wappen auch am südlichen Eingangstor, in einer besonders prächtigen Variante außen und etwas einfacher innen, dazu an den beiden westlichen Bastionen St. Kunigunde und St. Valentin. Peter Philipp von Dernbach (1672-1683) erbaute im Südosten die Bastion St. Heinrich. Marquard Sebastian Schenk von Stauffenberg (1683-1693) vollendete die Ostbastion St. Philipp. Lothar Franz von Schönborn (1693-1729) schließlich schloß durch seinen Baumeister Johann Christein im Jahre 1699 die mustergültig angelegten Verteidigungswälle zum Fünfeck; die letzte Bastion St. Lothar vollendete den Stern. Die Namen der Bastionen sind Programm: Heinrich II., genannt „der Heilige“, seit 1002 König des Ostfrankenreichs (Regnum Teutonicorum), 1014-1024 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, gest. 13.07.1024, gründete 1007 das Bistum Bamberg. Heinrich stabilisierte die Bistümer als Stütze der königlichen Macht. Seine Frau war Kaiserin Kunigunde. Valentin, Philipp, Lothar beziehen sich auf die Rufnamen der Fürstbischöfe.

Johann Christein ist der wichtigste Baumeister des Bastionärssystems. Er wurde ca. 1639 geboren, wurde 1695 Kronacher Bürger, starb am 12.9.1706. Ihm sind sicher die Arbeiten an den Bastionen St. Kunigunde und St. Lothar sowie am Festungstor und an der Artilleriekaserne zuzuschreiben, desgleichen die große Wallbrücke, vermutlich weit mehr. Sein Meisterzeichen findet sich mehrfach an den Festungsbauwerken.

Das Festungstor
Die barocke Toranlage im Süden, zwischen der Bastion St. Kunigunde und der Bastion St. Heinrich gelegen, also symbolisch von beiden Schutzheiligen Bambergs flankiert, ist verteidigungstechnisch sehr interessant. Zum einen ist das Tor von der Lage her gut geschützt, am weitesten weg von der flachen Feindseite im Norden. Steil windet sich der Weg von der Stadt Kronach zum Tor direkt unterhalb der Bastion St. Kunigunde hoch, das letzte Stück konnte als Zugbrücke angehoben werden, so daß der Angreifer unverrichteter Dinge vor dem äußeren Graben stand (früher war hier das Gelände stärker grabenförmig abgesenkt) und von beiden Seiten unter Beschuß genommen werden konnte. 1869 erst wurde die Zugbrücke abgebaut und durch den heutigen Zugang ersetzt. Zwei Holztore mit mächtigen Riegeln verschlossen den gemauerten Tordurchgang, eines innen, eines außen, letzteres eisenbeschlagen zwecks Feuerresistenz. Zwei Guß- oder Wurferker sind im Innern des Ganges durch den Festungswall in der Decke, für Pech, Feuer, Steine etc., für alles, was man vom über dem Durchgang gelegenen Raum aus hinabwerfen konnte, dazu zwei Schießscharten in der seitlichen Wand, die so angelegt sind, daß der Schußwinkel den nach außen abgeknickten Teil des Torweges gut erreicht. Eine der wichtigsten Schutzeinrichtungen war auch noch das Fallgatter, das in seitlichen gemauerten Führungslinien herabgelassen werden konnte und Feinde körperlich aussperrte, ohne sie dem Beschuß zu entziehen.

Große Abb.: Blick von oben (innen) in das Innere des Festungstores (Fahrweg). Deutlich zu sehen die verschiedenen Verteidigungseinrichtungen. Kleine Abb.: Maske am Schlußstein des inneren Torbogens des Fahrweges.

Im Ernstfall ist auch davon auszugehen, daß der Gang noch mit zusätzlichen Hindernissen wie verkeilten Balken etc. unpassierbar gemacht wurde. Einem möglichen Einsatz von Kanonen wurde dadurch Rechnung getragen, daß der Gang in sich gewinkelt ist. Sollte es dem Angreifer tatsächlich gelingen, auf der anderen Seite des Grabens schweres Geschütz in Stellung zu bringen, so konnten die Kanonenkugeln nicht gerade durch bis ins Innere pfeifen, sondern prallten an der abgeknickten Seitenwand ab und verloren ihre Energie. Die dahinterliegenden Gebäude des inneren Berings blieben unbeschädigt, und idealerweise wurde noch nicht einmal das innere Tor beschädigt.

Große Abb.: Innenseite des äußeren Walles mit Festungstor. In der Mitte der Fahrweg, rechts der Fußgängerweg, links der Zugang zum dritten Stollen, von dem aus das Ochsenauge außen und die beiden seitlichen Schießscharten zur Verteidigung des Fahrweges bemannt wurden. Kleine Abb.: Maske in Widdergestalt am Schlußstein des inneren Torbogens des Fußgängerweges. Die Widdergestalt nimmt Bezug auf das Wappentier des Bauherrn.

Neben dem Fahrtor gibt es parallel dazu im Westen desselben eine Fußgängerpforte mit separatem Tunnel, ebenfalls geknickt. Auf der Ostseite ist außen ein sog. Ochsenauge. Auch hinter diesem verläuft ein geknickter Tunnel, aber dieser dient reinen Verteidigungszwecken, so daß im Grundriß drei parallele, gleichermaßen geknickte Stollen zu sehen sind, der mittlere breiter. Kommunizieren können nur zwei davon durch die Schießscharten. Die drei Schlußsteine sind zeittypisch als Maske gestaltet.

Große Abb.: Außenseite der südlichen Kurtine mit Festungstor. In der Mitte der Fahrweg, links der Fußgängerweg, rechts das Ochsenauge. Kleine Abb.: phantasievolle Maske am Schlußstein des äußeren Torbogens des Fahrweges.

Das Festungstor gilt als eines der schönsten in Deutschland. Ein vergleichbar schönes Festungstor befindet sich noch mit dem Neutor auf der Festung Marienberg über Würzburg. Dieses Tor hier wurde 1662 erbaut und der schon bestehenden Wallmauer vorgeblendet. Es geht vermutlich auf einen Entwurf von Antonio Petrini zurück. Als Baumeister gilt Johann Christein, Festungsbaumeister unter Fürstbischof Philipp Valentin Voit von Rieneck (1653-1672), auf den sich auch die Inschrift "16 PHIL(IPPUS) VALEN(TINUS) EPISC(OPUS) BAMB(ERGENSIS) 62" bezieht. Des Baumeisters Initialen befinden sich auf dem Schlußstein der Tordurchfahrt auf der Unterseite. Sein Meisterzeichen (Steinmetzzeichen) findet sich in vielfältiger Wiederholung in den unterschiedlichsten Lagen sowohl auf der Außen- als auch auf der Innenseite des Tores.

Im Dreiecksgiebel des opulent geschmückten Tores im Stile des mainfränkischen Barocks befindet sich das fürstbischöfliche Wappen, begleitet von insgesamt vier Löwen, zwei in eigentümlich gestauchter Form als Schildhalter dienend, auf drei Beinen rechts und links des Schildes stehend und diesen mit einer Vorderpranke stützend, zwei liegend auf den Schrägen des Dreiecksgiebels.

Der zentrale Wappenschild des Fürstbischofs Philipp Valentin Voit von Rieneck (1653-1672) befindet sich in einer üppig gestalteten barocken Kartusche. Unter der Kaiserkrone befindet sich oben ein Puttengesicht zwischen zwei schneckenartig eingerollten Elementen, und unten fletscht eine Maske ihr unförmig-breites Maul gegen den Eindringling im beiderseits nach außen schneckenförmig eingerollten unteren Kartuschenrand.

Der Wappenschild ist geviert:

Über dem Wappen die Kaiserkrone Bambergs (kaiserliche Stiftung). Hinter dem Schild schräggekreuzt Vortragekreuz und Krummstab, kein Schwert.

Linke Abb.: Blick auf das Festungstor von der Bastion St. Kunigunde aus. Über dem Tor ragen zwei Obelisken über die Kurtinenmauer hinaus. Zwischen denselben (rechte Abb.) auf einem Sockel eine Kugel mit einer großen, doppellagigen Rose. Auch die Bekrönungen der seitlichen Elemente (Fußgängerpforte und Ochsenauge) tragen eine rosenverzierte Kugel - die Anlage heißt schließlich Festung Rosenberg.

Auch auf der Innenseite befindet sich das Wappen des Bauherren, bei weitem jedoch nicht so opulent wie außen. Keine Schildhalter, keine Löwen, keine Putten und Fratzen dran, dazu weniger gut erhalten, aber noch gut genug, um es als Zeichen des Fürstbischofs Philipp Valentin Voit von Rieneck zu identifizieren.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere die Bände Bayern und Bistümer
Festung Rosenberg:
http://www.festung-kronach.de/
Bernd Wollner, Die Festung Rosenberg, ein Führer und Begleiter durch Kronachs berühmte Wehranlage, Hrsg.: Tourismus- und Veranstaltungsbetrieb der Stadt Kronach, Kronach 2002, ISBN 3-00-009879-8
Vor Ort aufgestellte Informationstafeln
750 Jahre Festung Rosenberg. Kunst, Kultur und Geschichte in und um Kronachs Wahrzeichen. Hrsg.: Verein "1000 Jahre Kronach". Kronach 1999.
Faltblatt der Tourist-Information Kronach "Rundgang durch die Festungsanlagen"
Tillmann Breuer: Festung Rosenberg über Kronach. München 1990.
Hans Kremer, Festung Rosenberg, Kronach 1974.
Hans Kremer, Helmut Wenig: Wappensteine - Steininschriften in Kronach und auf der Festung Rosenberg, Kronach 1976
Heinz Müller: Die Festung Rosenberg in Kronach. Kurze Einführung in Geschichte und Rundgang. Kronach 1985.

Kronach (Oberfranken): Festung Rosenberg, bis zu G. v. Schaumberg - Ausbau unter P. v. Henneberg - Ausbau unter W. v. Redwitz - Nordostturm - Schmiedsturm - Dicker Turm - Fürstenbau und Spitaltor- Ausbau unter V. v. Würtzburg - Zeughäuser - Südflügel - Zeughaustorbau - Festungstor - Bastion St. Valentin - Bastion St. Kunigunde - Bastion St. Heinrich - Bastion St. Philipp - innere Mauer der Bastion - Bastion St. Lothar - innere Mauer Südkurtine - Artilleriekaserne - Vorwerke

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