Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 845
Kronach (Oberfranken): Bamberger Bischofsfestung

Kronach: Festung Rosenberg
Teil (8): Ausbau unter Veit von Würtzburg

Über Kronach kam der Markgräflerkrieg, und neueste fortifikatorische Erkenntnisse wurden eingearbeitet. Veit II. von Würtzburg (1561-1577) ließ die Kernburg durch seinen Baumeister Daniel Engelhardt zu einer Vierflügelanlage ergänzen. Unter ihm wurde die Wehranlage zur bischöflichen Wohnburg. Ebenso wie Weigand von Redwitz hatte er eine besondere Beziehung zu Kronach, denn auch er stammte aus der Gegend, außerdem war er ein Neffe des Bischofs Weigand von Redwitz. Weiterhin war der neue Bischof ein Verwandter von Dietz von Würtzburg, dem Hauptmann der Festung.

Des Bischofs Wappen findet sich an der gesamten Kernburg, außen an Rundtürmen (siehe vorherige Seiten) und am Spitaltor (desgleichen), innen an dem neuen Spindeltreppenturm, der Zugang zu den Räumen des Westflügels der Kernburg gab. Unter diesem Fürstbischof wurde auch an den alten Bergfried im Hof der Kernburg ein Treppenturm angebaut. Der Eingang zum Bergfried lag in 12,50 m Höhe und war früher nur mit Leitern zu erreichen. 1571 wurde der Treppenturm angebaut.

Unter Fürstbischof Veit II. von Würtzburg erhielt die Kernburg im wesentlichen bis auf den Südbau ihr heutiges Gesicht. Der Ostflügel, der sog. Fürstenflügel, enthält die Wohn- und Repräsentationsräume des Fürstbischofs und die Fürstenküche. Im Untergeschoß befinden sich noch gotische Mauerreste. Im Erdgeschoß liegt der Fürstensaal mit Kreuzgratgewölbe im südlichen Teil des Flügels. Auch die Fürstenküche im nördlichen Teil des Ostflügels hat ein solches Gewölbe, aber um ein Joch kürzer. Zwischen Tor und Fürstenküche befindet sich noch ein Verteidigungsraum, von dem aus die vorspringende Streichwehr zugänglich war.

Der ältere Nordflügel wird entsprechend angepaßt und umgebaut, er enthält die Wohnungen für die Festungsbesatzung und die zugehörigen Stallungen, Wohnungen für die fürstliche Dienerschaft und Gäste. Der Westflügel der Kernburg stammt ebenfalls aus dem 16. Jh., er enthielt die Gesindewohnungen in den oberen Stockwerken und unten die Werkstätten, Garnisonsküchen und Stallungen sowie andere Nebenräume.

Alle vier Treppentürme im Hof der Kernburg stammen aus der Würtzburg'schen Ausbauphase. Baumeister unter Veit II von Würtzburg ist Daniel Engelhardt, der auch am Neubau der Plassenburg gewirkt hatte. Daniel Engelhardt war auch am Heidelberger Schloß tätig, kam danach nach Franken. Ab 1571 finden wir ihn in den Diensten des Bamberger Fürstbischofs. Er wurde 1584 Kronacher Bürger und wurde sogar Ratsherr. Er starb am 2.1.1599 in Kronach. Am Südflügel ließ der Bischof einen zweiten Stock auf den Henneberg'schen Unterbau aufsetzen, das Gebäude wurde aber später durch den Kommandantenbau ersetzt.

1576 baut man unter diesem engagierten Fürstbischof, der sich neben dem Ausbau von Kronach auch um die Bischofsfestung Forchheim und natürlich um Bamberg selbst kümmerte, das aber nicht befestigt wurde, erstmals an einer Bastionärsbefestigung, einem Vorläufer des späteren Pentagons.

Wappen am Südwest-Treppenturm der Kernburg
Die folgende Abbildung zeigt den Blick vom Fürstenbau in Richtung Westflügel der Kernburg und streift rechts den Bergfried. Links im Bild ist der südwestliche Treppenturm aus der Würtzburg'schen Ausbauphase zu erkennen.

Über dem zweiten Fenster ist ein Würtzburg-Wappen von 1572 angebracht (Wappen Nr. 22). Die Inschrift lautet "VVGGBZB" - Veit, von Gottes Gnaden Bischof zu Bamberg.

Das Wappen besteht aus zwei einander zugeneigten, zusammengestellten Wappenschilden unter einer auf beiden Schilden ruhenden Krone.

Schieferturm
Zum zweiten, mittleren Bering gehört der Schieferturm, schon unter Fürstbischof Philipp von Henneberg (1475-1487) angelegt, später im 16. Jh. aufgestockt und mit dem Fürstenbau baulich verschmolzen. Links daneben befindet sich der schöne Renaissancegiebel des Fürstenbaus. Seine heutige Gestalt erhielt der Turm im Zuge des Ausbaus der Kernburg unter Veit II von Würtzburg, dessen Wappen außen angebracht ist. Ein identisches Wappen findet sich am Fürstenbau über dem Spitaltor. Der Wappenstein ist in dem stark gebogenen und mit einer kleinen Schlaufe aufgehängten Schriftband unten in der Mitte auf 1564 datiert und ist mit dem Meisterzeichen von Daniel Engelhardt im vom Schriftband eingeschlossenen Feld versehen.

Rechte Abb.: Schieferturm. Linke Abb.: Das Wappen des Fürstbischofs Veit II. von Würtzburg von 1564 besteht aus zwei einander zugeneigten zusammengestellten Wappenschilden unter einer Krone.

Außenherum ist das zentrale Vollwappen von vier Wappenschilden der Ahnenprobe umgeben:

Dies entspricht der Ahnenprobe des Fürstbischofs. Seine Eltern waren Hieronymus von Würtzburg (1470-1540), Amtmann von Burgkunstadt und Teuschnitz, sowie Katharina von Redwitz. Seine Großeltern väterlicherseits waren Konrad XIII von Würtzburg (1453-1505), Margarethe von der Tann (Tochter von Dietz von der Tann, Amtmann von Kronach). Die Großmutter mütterlicherseits stammte aus dem Hause von Bibra.

Position der Wappen des Fürstbischofs Veit II. von Würtzburg (1561-1577)

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere die Bände Bayern und Bistümer
Festung Rosenberg:
http://www.festung-kronach.de/
Bernd Wollner, Die Festung Rosenberg, ein Führer und Begleiter durch Kronachs berühmte Wehranlage, Hrsg.: Tourismus- und Veranstaltungsbetrieb der Stadt Kronach, Kronach 2002, ISBN 3-00-009879-8
Vor Ort aufgestellte Informationstafeln
750 Jahre Festung Rosenberg. Kunst, Kultur und Geschichte in und um Kronachs Wahrzeichen. Hrsg.: Verein "1000 Jahre Kronach". Kronach 1999.
Faltblatt der Tourist-Information Kronach "Rundgang durch die Festungsanlagen"
Tillmann Breuer: Festung Rosenberg über Kronach. München 1990.
Hans Kremer, Festung Rosenberg, Kronach 1974.
Hans Kremer, Helmut Wenig: Wappensteine - Steininschriften in Kronach und auf der Festung Rosenberg, Kronach 1976
Heinz Müller: Die Festung Rosenberg in Kronach. Kurze Einführung in Geschichte und Rundgang. Kronach 1985.

Kronach (Oberfranken): Festung Rosenberg, bis zu G. v. Schaumberg - Ausbau unter P. v. Henneberg - Ausbau unter W. v. Redwitz - Nordostturm - Schmiedsturm - Dicker Turm - Fürstenbau und Spitaltor- Ausbau unter V. v. Würtzburg - Zeughäuser - Südflügel - Zeughaustorbau - Festungstor - Bastion St. Valentin - Bastion St. Kunigunde - Bastion St. Heinrich - Bastion St. Philipp - innere Mauer der Bastion - Bastion St. Lothar - innere Mauer Südkurtine - Artilleriekaserne - Vorwerke

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